Herstellung von Seife (Kernseife)


Geräte

Becherglas (250 ml)
Messkolben
Messzylinder
Glasstab
Thermometer
Heizplatte


Chemikalien

Natriumhydroxid-Plätzchen
Kochsalz
Kokosfett (Palmin)
destilliertes Wasser


Versuchsanleitung


1. Herstellung der Ausgangslösungen

Zur Herstellung einer Natronlauge werden 80g Natriumhydroxid-Plätzchen
in einem Meßkolben in ca. 150 ml destilliertem Wasser gelöst. Die
Lösung erwärmt sich dabei sehr stark. Nach Abkühlen auf Raumtemperatur
wird mit destilliertem Wasser auf 250 ml aufgefüllt.

Zur Herstellung einer gesättigten Kochsalzlösung werden in einem
Becherglas ca.150 g Kochsalz in 500 ml destilliertem Wasser gelöst.

Man geht so vor, dass man das Wasser auf 50-60° erwärmt und dann
portionsweise mit Kochsalz versetzt, bis sich nichts mehr löst. Nach
dem Abkühlen auf Raumtemperatur wird die Lösung vom Bodensatz
abgegossen.


2. Synthese der Seife

Zur Seifensynthese werden 50 g Fett in einem Becherglas auf ca. 90°
erhitzt. Unter ständigem Rühren werden nun 20 ml vorbereitete
Natronlauge in kleinen Portionen hinzugegeben. Es wird bei ca. 90°C so
lange erhitzt und gerührt, bis eine zähe Emulsion entstanden ist. Dies
dauert ca. eine halbe Stunde. Vorsicht!


3. Aussalzen der Seife

Zum Aussalzen der Seife wird im Anschluss an die Synthese die rohe
Seifenmasse im Becherglas mit 50 ml heißem Wasser (ca. 90°) versetzt.

Unter Rühren wird erhitzt, bis sich die Seifenmasse ganz aufgelöst
hat. Nun werden unter weiterem Rühren ca.100 ml gesättigte
Kochsalzlösung hinzugegeben. Es bilden sich zwei Phasen. Zum
vollständigen Abscheiden der Seife über Nacht stehen lassen.

Im Becherglas hat sich auf der Flüssigkeitsoberfläche eine feste
Seifenschicht gebildet, die sich mit Hilfe eines Spatels leicht aus
dem Becherglas herausheben lässt. Mit einem Messer entfernt man die
äußeren Schichten. So ergibt sich ein Stück Rohseife, das man für
weitere Versuche verwenden kann. Die Seife enthält noch beträchtliche
Mengen an Lauge. Die Rohseife sollte deshalb nicht zur Körperreinigung
verwendet werden.


Erklärung / Hintergrund

Seife ist an sich ein Alkaliesalz einer Fettsäure, besteht also aus
einem langen, apolaren Schwanz von Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen,
und einem geladenen Endstück, der Carboxylgruppe, mit dem
entsprechenden Na+ oder K+- Ion.

Fette, oder Öle, die die Ausgangssubstanz für die Produktion von Seifen
sind, bestehen aus drei dieser Fettsäuremoleküle, verestert mit einem
Triol, Glycerin. Dieser Ester lässt sich, katalysiert durch OH- -Ionen,
spalten.

Kocht man Fette mit Hydroxid- oder Carbonatlösung, so entstehen die
Alkalisalze der Fettsäuren (Seifen).

Von dieser Reaktion stammt auch die allgemeine Bezeichnung
"Verseifungsreaktion" für Esterspaltungen.


Sonstiges

Die erste große Erfindung des nach Sauberkeit suchenden Menschen war
zweifellos die Entdeckung, dass heißes Wasser einen weitaus besseren
Saubermacher als kaltes abgibt. Feuer macht aber nicht nur Wasser
?waschkräftiger? sondern verwandelt auch Holz in Asche; und Asche
ergab, mit heißem Wasser ausgezogen, ein noch besseres
Reinigungsmittel: die Aschen- oder Waschlauge.

Wann und wo man diese Methode zuerst anwandte, und wann man entdeckte,
dass ein Zusatz von gebranntem Kalk die alkalische Wirkung steigert,
weiß niemand. Schon im Altertum dürfte Holzaschenlauge vor allem bei
den Stämmen in Nord- und Mitteleuropa ein gebräuchliches
Reinigungsmittel für Felle, Gewebe und Gebrauchsgegenstände gewesen
sein.

Ein ?anrüchiges? Reinigungsmittel In den hoch entwickelten Kulturen der
damaligen Zeit, bei den Ägyptern, Griechen und Römern, bediente man
sich eines Reinigungsmittels animalischer Herkunft, gefaulten Urins.

Neben dem bereits beschriebenen fauligen Urin als Reinigungsmittel
kannten die alten Ägypter mit großer Wahrscheinlichkeit auch Seife,
ohne deren gute Reinigungswirkung, zumindest im ausreichenden Maße,
realisiert zu haben. Einige tausend Kilometer von Ägypten entfernt,
im Gebiet zwischen Euphrat und Tigris, dem jetzigen südlichen Irak,
setzte man Seife bereits als Waschmittel ein. Eine 2500 v. Chr.
datierte Tafel mit sumerischen Schriftzeichen berichtet vom Waschen
von Wolle mit Seife. Andere Tafeln enthielten Rezepte, wie man aus Öl
und Pottasche Seife herstellt.

In Gallien und Germanien haben die Römer die Seife kennen gelernt. Was
Plinius der Ältere in seiner berühmten Enzyklopädie, der ?Historia
naturalis?, schreibt, weist allerdings noch nicht darauf hin, dass die
Römer angesichts der Seife auch gleich ans Waschen gedacht hätten. Wie
sollten sie auch? Denn die Gallier und Germanen zeigten ihnen offenbar
lediglich, wie gut sich mit Seife modische Haarrollen festigen ließen.

Die Römer freundeten sich derartig mit der Seifenpomade an, dass sie
auch in ihrer Hauptstadt nicht darauf verzichten wollten. In fester
Kugelform führten sie die Seife aus den nördlichen Ländern ein, die
sie erobert hatten. Erst seit 167 n. Chr. haben die Römer mit
Sicherheit Seife auch als Reinigungsmittel benutzt. Der damals in Rom
tätige Arzt Galenus beschrieb die Seife und gab dabei an, dass sie aus
Fett, Aschenlauge mit Kalk hergestellt werde. Sie mache die Haut weich
und löse den Schmutz von Körper und Kleidern.

Interessant ist die Rolle der Seife als Heilmittel. Schon im dritten
Jahrtausend vor Christus diente sie der ärztlichen Behandlung. Im
ältesten Dokument, das bisher bekannt ist, auf einer sumerischen
Apothekertafel aus dem Jahr 2200 v. Chr., ist ein Rezept für Seife
angeführt, die mit Pflanzenmilch, Salz und Zimtöl sowie Bier eine
wirksame Salbe ergibt.


Kernseife

Viele hundert Jahre sollten noch vergehen, bis die Kunde von der
ersten festen Seife, also der Natron- oder Kernseife, wie wir heute
sagen, bekannt wurde. Man schreibt diesen Verdienst den Arabern zu,
die etwa im siebenten Jahrhundert n. Chr. die Kaustizierung der
Siedelauge mit Ätzkalk gekannt und auf diese Weise feste Seife
hergestellt haben.

Über den Mittelmeerraum, überall dort wo der Ölbaum gedieh, verbreitet
sich die Kunst des Seifensiedens zuerst nach Süd- und später nach
Mitteleuropa. Vor allem die mit betörenden Düften versehenen Seifen
waren in der damaligen eleganten Welt nicht mehr aufzuhalten. In den
Palästen der Renaissancefürsten legten die Höflinge und ihre Damen
einen gewissen Wert auf Sauberkeit; noch mehr Wert legten sie aber
darauf, gut zu duften. Es gab regelrechte Duftmoden und die
Seifenherstellung erfuhr, besonders von Paris her, immer neue
Anregungen .

So wie heute teure und exquisite Parfums aus Dutyfree-Shops begehrte
Mitbringsel sind, so legten die Kreuzfahrer im 12. Jahrhundert die
berühmten und duftenden Seifenkugeln aus Damaskus, und die Ritter und
Kaufherren im 15. und 16. Jahrhundert jene aus Venedig ihren Damen zu
Füßen. Diese Seifenkugeln waren übrigens bereits mit Warenzeichen, wie
Lilie, Tannenzapfen oder Halbmond versehen.


Der Siegeszug der Seife

Der Siegeszug, vor allem der Seife als luxuriöses Kosmetikum, war
nicht mehr aufzuhalten. Paris, Venedig, Genua und Köln waren bald für
ihre wohlriechenden Seifen bekannt und berühmt. In England und den
Niederlanden entwickelte sich sogar eine eigene Seifenindustrie. Die
Seifensiederzunft entstand (1337 in Wien, 1336 in Prag und 1324 in
Ulm). Erst in der Mitte unseres Jahrhunderts verlor in zunehmendem Maß
die Kernseife (Stückseife) ihre dominierende Rolle bei der Reinigung
der Wäsche (moderne Vollwaschmittel).

Unbestritten ist jedoch ihre Bedeutung auf dem Gebiet der Körperpflege.
Neue Forschungsergebnisse und verbesserte Produktionstechnologien haben
dazu beigetragen, aus dem Luxusartikel von einst ein für jedermann er-
schwingliches Kosmetikum zu machen und die Bedeutung der Seife für die
Körperhygiene sicherzustellen.

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