Die 50 wichtigsten Fragen an einen Stellenbewerber

Der Bewerber muß in einem Vorstellungsgespräch sein Fachwissen unter
Beweis stellen.

Gleichzeitig muß er Fragen beantworten können, die

 * seine persönliche Selbseinschätzung und seine beruflichen Erwartungen
 * seine persönliche und familiäre Situation
 * seinen Informationsstand über das zukünftige Unternehmen sowie
 * seine Motivation, dort zu arbeiten betreffen.

Die vorliegende Aufstellung der 50 wichtigsten Fragen gibt Bewerbern
- Berufsanfängern wie Praktikern - die Gelegenheit, sich im Vorfeld
der Bewerbung schriftlich und selbstkritisch mit der eigenen Person
auseinanderzusetzen.

Zuätzlich aufgeführte Hintergrundfragen und Erklärungen sollen
Denkanstöße, aber keine Patentrezepte für den Bewerbungserfolg ver-
mitteln. Eine ehrliche und individuell formulierte Antwort im Frei-
raum hilft, unangenehme und kritische Situationen im Vorstellungs-
gespräch gut zu meistern.

Persönliche Selbsteinschätzung und berufliche Erwartungen

1. Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen? Wie würden Sie
   sich selbst charakterisieren? Wie würde Sie ein guter Freund
   beschreiben?

Antwort:

Kann sich der Bewerber selbst richtig einschätzen? Hat er Selbstbe-
wußtsein und ein gesundes Selbstvertrauen? Nennt er nur sehr allge-
meine Eigenschaften wie "fleißig" oder "pünktlich", oder auch solche,
durch die er sich positiv von anderen Bewerbern abhebt, die etwa die
gleiche Ausbildung haben wie er? Entspricht das Stärkenbündel
(Eignungsprofil) des Bewerbers dem Anforderungsprofil für eine
bestimmte Stelle? Sind die Schwächen für diese Position unerheblich?
Kann der Bewerber diese Schwächen innerhalb einer angemessenen Zeit
reduzieren? Nennen Sie auch einige Ihrer Schwächen, die nicht ent-
scheidend ins Gewicht fallen. Menschen ohne Schwächen gibt es nicht.


2. Welche Ziele wollen Sie heute in fünf Jahren erreicht haben?

Antwort:

Denkt der Bewerber tätigkeitsorientiert (Was liegt so an, was kommt
auf mich zu) oder zielorientiert (Was will ich eigentlich erreichen,
was muß ich alles tun?). Geht der Bewerber arbeitsmethodisch vor? Hat
der Bewerber realistische Karrierepläne?


3. Was verstehen Sie unter Erfolg?

Antwort:

Unter Erfolg kann die Annahme und gute Bewältigung von Herausforde-
rungen und das Erreichen von privaten und/oder beruflichen Zielen
verstanden werden.


4. Nennen Sie die größten Erfolge in Ihrem Leben. Was waren Ihre
   größten Mißerfolge?

Antwort:

Sind die Erfolge auf Zielstrebigkeit, Fleiß oder besonderes Engage-
ment zurückzuführen, oder fielen sie dem Bewerber einfach in den
Schoß? Kommen diese Erfolge mehr aus der beruflichen oder privaten
Sphäre? Welche Konsequenzen hat der Bewerber aus Mißerfolgen gezogen?


5. Welche Gehaltsvorstellungen haben Sie? Wieviel möchten Sie in fünf
   Jahren verdienen?

Antwort:

Kennt der Bewerber seinen eigenen Wert? Kann er diesen Wert auch nach
außen vertreten? Hat er eine konkrete Vorstellung vom Wert des
künftigen Arbeitsplatzes? Hat der Kandidat realistische Gehaltsvor-
stellungen? Kennt er Gehaltsstrukturen und die mögliche Gehaltsband-
breite bei seinen eigenen Forderungen? Informieren Sie sich recht-
zeitig über den Gehaltsrahmen vergleichbarer Positionen!


6. Welche beruflichen Ziele haben Sie? Wann wollen Sie diese endgül-
   tig erreicht haben?

Antwort:

Kann der Bewerber seine Stärken in einen realistischen Plan einbrin-
gen? Verfolgt der Bewerber überhaupt ein Ziel?


7. Arbeiten Sie lieber allein oder in einer Gruppe?

Antwort:

Ist der Bewerber eher introvertiert oder extrovertiert? Ist er
bereit, sich anzupassen und einzuordenen? Ist er teamfähig? Verfolgt
er einen mehr sachorientierten oder mehr mitarbeiter
orientierten Arbeitsstil?


8. Was ist Ihnen bei Ihrem Arbeitsplatz besonders wichtig?

Antwort:

Orientiert sich der Bewerber ausschließlich an der materiellen Aus-
stattung einer Stelle oder sind für ihn immaterielle Aspekte eben-
falls wichtig?

Persönliche und familiäre Situation

9. Erzählen Sie bitte etwas über sich selbst.

Antwort:

Mit dieser Aufforderung wird das Vorstellungsgespräch häufig eröff-
net. Bitte keine langatmigen Romane! Berichten Sie in ca. drei
Minuten von den wichtigsten Stationen in Ihrem Leben.
Legen Sie dabei besonderes Gewicht auf jene Gesichtspunkte, die im
Hinblick auf die gewünschte Stelle bedeutsam sind.


10. Sind Sie ledig/verheiratet/verwitwet?

Antwort:


11. Haben Sie Kinder? Wie alt sind diese?

Antwort:

Wer Kinder hat, ist wegen deren Schulsituation weniger mobil.


12. Welchen Beruf übt Ihr Ehepartner / Ihre Elten aus?

Antwort:

Aus welchem Milieu kommt der Bewerber? Welchen Einflüssen unterliegt
er? Ist er durch den Beruf des Partners relativ immobil?


13. Wie steht Ihr Partner / Ihre Parnterin zu Ihrer Bewerbung?
    Akzeptiert er / sie einen eventuellen Umzug?

Antwort:

Unterstützt die Partnerin / der Partner die Bewerbung oder verhält
sie / er sich ablehnend?


14. Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Welche Hobbies haben Sie?

Antwort:

Hat der Bewerber einen begrüßenswerten Ausgleich zum Beruf? Betreibt
er ein unfallträchtiges Hobby, z.B. Motorradfahren? Kostet das Hobby
viel Zeit und hindert es den Bewerber daran, auch einmal Überstunden
zu machen?


15. Sind Sie in Vereinen, Verbänden oder Organisationen tätig?
    Bekleiden Sie ein öffentliches Amt oder Ehrenamt?

Antwort:

Besitzt der Bewerber organsatorisches Geschick? Ein Engagement
außerhalb des Berufes zeugt von Initiative und Kommunikationsfreude
und wird daher gerne gesehen, solange die berufliche Tätigkeit
dadurch nicht entscheidend beeinflußt wird.


16. Üben Sie Nebentätigkeiten aus? Haben Sie andere Einkommensquellen?

Antwort:

Steht die volle Arbeitskraft des Bewerbers dem Unternehmen zur
Verfügung? Ist der Bewerber durch andere Einkommensquellen finanziell
unabhängig?


17. Sind Sie schwerbehindert?

Antwort:

Die Frage nach Schwerbehinderung ist erlaubt. Kann der Bewerber
erkennen, daß er die vorgesehene Tätigkeit nicht oder nur sehr
eingeschränkt ausüben kann, muß er auch ungefragt auf seine Behinde-
rung hinweisen.


18. Können Sie irgendwelche Tätigkeiten aus gesundheitlichen Gründen
    nicht ausüben?

Antwort:

Wer an einer Krankheit leidet, die seine Leistungen am zu besetzenden
Arbeitsplatz erheblich beeinträchtigt, muß diese offenbaren.


19. Sind Sie an einer medizinischen Einstellungsuntersuchung auf
    unsere Kosten einverstanden?

Antwort:

Viele Unternehmen verlangen vor Abschluß eines Arbeitsvertrages eine
Einstellungsuntersuchung, z.B. bei Mitarbeitern im Entwicklungs-
hilfsdienst. Obwohl der Bewerber nicht verpflichtet ist, sich unter-
suchen zu lassen, verspielt er möglicherweise bei einer Weigerung
seine Einstellungschancen.


20. Sind Sie bereit, uns ein polizeiliches Führungszeugnis vorzule-
    gen? Müssen Sie in der nächsten Zeit mit einem Eintrag ins Führungs-
    zeugnis wegen eines laufenden Ermittlungs- oder Strafverfahrens
    rechnen?

Antwort:

Diese Frage wird oft gestellt, um eine direkte (peinliche) Erwähnung
von Haftstrafen oder laufenden Strafverfahren zu vermeiden. Strafta-
ten, die im Zentralregister gelöscht sind, und nicht mehr im Füh-
rungszeugnis erscheinen, dürfen verschwiegen werden, soweit sie für
die Art der zu besetzenden Position unwichtig sind.

Schulischer und beruflicher Werdegang

21. Welche Schulen haben Sie besucht?

Antwort:

Hat der Bewerber Schulen gewechselt? Warum?


22. Wo und wie lange haben Sie studiert?

Antwort:

Nach welchen Kriterien hat der Bewerber seinen Studienort ausgewählt?
Hat er kurze oder lange Zeit studiert? Hat der Bewerber Erfahrungen
im Ausland gesammelt?


23. Welche Fächer Ihrer Schul- und Berufsausbildung haben Ihnen Spaß
    gemacht, welche nicht?

Antwort:

Waren schon frühzeitig spezielle Begabungen oder Neigungen erkennbar?
Decken sich die für die Position wichtigen Schul- und Ausbildungs-
fächer mit den Interessen des Bewerbers?


24. Welche Praktika haben Sie absolviert? Wo?

Antwort:

Hat sich der Bewerber frühzeitig um eine Praktikumsstelle bemüht? In
welchen Unternehmen?


25. Wie lautete das Thema Ihrer Examens-, Diplom- oder Doktorarbeit?

Antwort:

Hat der Bewerber ein praxisnahes Thema bearbeitet?


26. Waren Sie Mitglied in einer Studentenorganisation? Haben Sie sich
    außerhalb Ihres Studiums in einer Partei, in einem Verband, in einem
    Verein, einer kirchlichen oder caritativen Organisation engeagiert?

Antwort:

War der Bewerber außerhalb der Hochschule (im Rahmen des Grundgeset-
zes) aktiv und hat dabei Führungsfähigkeit bewiesen?


27. Welche Bücher haben Sie im letzten Jahr gelesen? In welchen
    Theaterstücken, Filmen, Konzerten waren Sie? Welche Zeitungen und
    Zeitschriften lesen Sie? Wie bilden Sie sich weiter?

Antwort:

Ist der Bewerber geistig beweglich? Bemüht er sich um eine gute
Allgemeinbildung und eine sinnvolle Weiterbildung? Beschäftigt er
sich auch mit Dingen außerhalb seines Fachgebietes?


28. Gibt es Personen, die Ihren Berufsweg entscheidend beeinflußt
    haben? Wer hatte in Ihrem Leben den größten Einfluß auf Sie?

Antwort:

Persönlichkeiten, die als Vorbilder gesehen werden, sind selten
geworden. Begründen Sie, in welchen Bereichen gegebenenfalls diese
Personen Sie geprägt haben.


29. Warum waren Sie arbeitslos? Erklären Sie bitte die Lücken in
    Ihrem Lebenslauf.

Antwort:

Der Interviewer erwartet eine plausible und ehrliche Antwort. Ein
Bewerber soll nachweisen, daß er in dieser Zeit z.B. durch Teilnahme
an Weiterbildungsveranstaltungen und durch vielfältige Bemühungen
seinen Wiedereintritt in das Berufsleben aktiv forciert hat.


30. Welche Aufgaben hatten Sie in Ihrer letzten Stellung?

Antwort:

Hat der Bewerber genügend Erfahrungen für die jetzige Stelle
gesammelt? Wie war sein Arbeitsstil im letzten Unternehmen?


31. Haben Sie Ideen entwickelt und realisiert? Welche Probleme haben
    Sie gelöst?

Antwort:

Besitzt der Bewerber Kreativität, Durchsetzungs- und Problemlösungs-
fähigkeit? Wie selbständig denkt und arbeitet er?


32. Wie war die Zusammenarbeit mit Mitarbeitern und Kollegen? Wie
    sind Sie mit Ihrem letzten Chef zurechtgekommen? Dürfen wir uns bei
    ihm nach Ihnen erkundigen?

Antwort:

Kommt der Bewerber gut mit anderen Menschen zurecht? Ist er ein
"schwieriger" Mensch? Sucht er die Schuld auch einmal bei sich selbst
oder immer nur bei anderen?  Spricht der Bewerber positiv oder
negativ über seine letzte Firma, seine Kollegen und Chefs?


33. Können Sie Referenzen vorlegen?

Antwort:

Geben Sie (nach Rücksparche mit den Betroffenen) zwei bis drei
Personen an.


34. Warum haben Sie so oft gewechselt? Warum haben Sie noch nie
    gewechselt?

Antwort:

"Verkaufen" Sie häufige oder fehlende Strellenwechsel, ohne sich
selbst oder andere in ein negatives Licht zu rücken.


35. Unterliegen Sie einem Wettbewerbsverbot?

Antwort:

Der Bewerber muß ein Wettbewerbsverbot nach Ort, Zeit und Gegenstand
im Vorstellungsgespräch angeben.

Informationsstand über das künftige Unternehmen

36. Haben Sie sich schon einmal bei uns beworben?

Antwort:

Hat der Bewerber z.B. schon einmal ein Praktikum in diesem Unterneh-
men absolviert? Aus welchem Grund wurde er gegebenenfalls abgelehnt?


37. Welche Aussage in unserer Anzeige hat Sie besonders angesprochen?

Antwort:

Hat der Bewerber die Anzeige wirklich aufmerksam gelesen? Ist der
Inhalt der Anzeige beim Leser "richtig" angekommen?


38. Weshalb haben Sie sich gerade für diese Stelle beworben? Was
    qualifiziert Sie Ihrer Meinung nach für diese Stelle?

Antwort:

39. Es gibt noch viele andere Bewerber für diese Position. Was können
    Sie für uns tun, das ein anderer nicht ebensogut könnte? Warum sollen
    wir Sie einstellen? Warum glauben Sie, der geeignete Kandidat für
    diese Stelle zu sein?

Antwort:

Was kann der Kandidat zu seinen Gunsten vorbringen? Kann er gefor-
derte Kenntnisse und Fähigkeiten nachweisen? Weisen Sie auf Erfah-
rungen, Leistungen und Erfolge hin.


40. Woher wissen Sie, daß diese Position frei wird?

Antwort:

Arbeiten Verwandte oder Bekannte des Bewerbers im Unternehmen? Welche
Informations- und Bewerbungsmöglichkeiten hat der Bewerber ausge-
schöpft?


41. Was wissen Sie über unser Unternehmen?

Antwort:

Hat sich der Bewerber wirklich gründlich vorinformiert und vorberei-
tet? Kennt er z.B. Produkte, Umsatz und Umsatzentwicklung?


42. Warum möchten Sie gerade bei uns anfangen?

Antwort:

Wie ist der Bewerber auf das Unternehmen aufmerksam geworden? Woher
kennt der Bewerber das Unternehmen? Kann er eine gute Begründung für
seine Bewerbung vorbringen?


43. Wie stellen Sie sich die Arbeit an Ihrem zukünftigen Arbeitsplatz
    vor?

Antwort:

Hat der Bewerber ausreichend Praxisluft geschnuppert? Hat er
realistische Vorstellungen von den Aufgaben der angestrebten Stelle?


44. Welche Aufgaben möchten Sie gerne übernehmen? Welche Tätigkeiten
    interessieren Sie überhaupt nicht?

Antwort:

Seien Sie ehrlich. Zeigen Sie, daß Sie Ihre Stärken und Neigungen
aufgrund intensiver Selbstanalyse und von Erfahrungen richtig ein-
schätzen.


45. Haben Sie sich auch bei anderen Firmen beworben?

Antwort:

Bestätigen Sie ca. drei Kontakte. Nennen Sie aber keine Namen oder
Adressen.


46. Wie lange wollen Sie bei uns bleiben?

Antwort:

Zeigen Sie Interesse an einer langfristigen Karriere im Unternehmen.
Sprechen Sie aber nie von einer lebenslangen Bindung. Herausforde-
rungen, Chancen, Möglichkeiten und Erfolge seien die entscheidenden
Kriterien für die Dauer der Zusammenarbeit.


47. Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern, bis Sie sich
    eingearbeitet haben?

Antwort:

Viele Stellen erfordern eine längere Einarbeitungszeit. Betonen Sie,
daß Sie sich zwar den Anforderungen der Stelle gewachsen fühlen, aber
bis zur vollständigen Einarbeitung 6 bis 12 Monate vergehen können.


48. Welche Erwartungen haben Sie an künftige Kollegen und Chefs?
    Welchen Führungsstil bevorzugen Sie?

Antwort:

Ist der Bewerber an kollegialem Verhalten und am Betriebsklima
interessiert? Ist er teamfähig? Wie wird er mit Kollegen und Chefs
auskommen? "Paßt" der Bewerber menschlich in dieses Unternehmen? Ist
er lernfähig und lernwillig im Umgang mit anderen?


49. Sind Sie bereit, Ihren Wohnort zu wechseln, wenn das nach unserer
    Meinung aus betrieblichen Gründen notwendig ist?

Antwort:

Ist der Bewerber geographisch mobil? Was sagt seine Familie zu einer
möglichen Versetzung?


50. Sind Sie bereit, auch einmal am Samstag oder Sonntag zu arbeiten,
    wenn betriebliche Gegebenheiten das erforderlich machen?

Antwort:

Wie wird sich der Bewerber für das Unternehmen einsetzen? Was sagt
seine Familie zu möglichen Überstunden? Von einer qualifizierten
Fach- ubnd Führungskraft wird erwartet, daß sie in gewissem Rahmen
Überstunden zu leisten bereit ist.

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