Die US Berlin Brigade

Der Name "Berlin Brigade" war seit Dezember 1961 der feste Oberbegriff für das im Westteil Berlins
stationierte amerikanische Truppenkontingent.

Nach Kriegsende wurden im Wechsel noch andere Begriffe wie zum Beispiel: "Berlin Military District",
"Berlin Command" oder "Military Post" verwendet.

Die US Infanterie war gemäß ihrer Geschichte in Regimenter mit jeweils 3 Bataillonen gegliedert. Im
Jahre 1917 schuf die US Armee Divisionen welche jeweils aus 4 Regimentern bestanden. (Zum Beispiel:
16th, 18th, 26th & 28thInfanterie Regiment, sie gehörten zu Einheiten die nach dem Mauerbau die BBDE
verstärkten) In den Jahren 1940-1958 bestanden die US Divisionen jedoch nur aus 3 Infanterie Regimentern.

Im Jahre 1958 wandelte die US Armee ihre Infanterie Regimenter in so genannte Battle Groups um. Jede
Division enthielt in der Folge 5 Battle Groups.

Im Jahre 1950 wurde das 6. Infanterie Regiment in Berlin stationiert.

1958 verließ das 1 Bataillon dieses Regimentes die Stadt, gleichzeitig wurden das 2nd & 3rd Battalion
in 2nd & 3rd Battle Group der 6th Infantry umgewandelt.

1963 erfolgte eine weitere Änderung, alle Battle Groups wurden erneut wieder zu Battalions.

Die Berlin Brigade erhielt nun das 2nd Battalion/6th Infantry, das 3rd Battalion/6th Infantry sowie das
4th Battalion/18th Infantry. Letzteres Batt. wurde 1972 in 4th Battalion th6 Infantry umbenannt.

Im Juni 1984 kam es in der Berlin Brigade zu einer erneuten Namensänderung. Die 2nd, 3rd & 4th
Battalions/6th Inf. (Gators) wurden in 4th, 5th & 6th Battalions/502nd Infantry umgetauft. ("Strike")

Nach der Errichtung der Mauer schickten die USA Verstärkungskräfte nach Berlin. Diese Einheiten, es
waren die so genannten Battle Groups, wechselten im Regelfall bereits nach 3 Monaten. In der nachfolgenden
Übersicht erkennt man die Vielzahl der in Berlin verwendeten Kampfverbände. Einige von ihnen gehörten zu
der legendären "BIG RED ONE".

Mit großem Stolz blicken viele US Veteranen auf ihre "Berlin-Zeit" zurück.

Die Amerikaner hatten in der Stadt im Durchschnitt eine Mannschaftsstärke von etwa 6000 GIs. Mehr als
100.000 US-Soldatinnen und Soldaten lebten in den vergangenen Jahrzehnten in Berlin und verrichteten
ihren verantwortungsvollen Dienst.

Die amerikanischen Truppen waren im damaligen so genannten US-Sektor beheimatet, welcher die sechs
westlichen Berliner Stadtbezirke Zehlendorf, Steglitz, Schöneberg Tempelhof, Neukölln und Kreuzberg
umfasste.

Neben den drei bekannten Kampfverbänden mit ihren Unterstützungs-, / Versorgungs-, / Instandhaltungs-
und Spezialeinheiten wie unter anderem: F Co. 40th Armor (Panzereinheit), HHC, CSB, CSC, S&S Div., FSB
(Field Station Berlin), US-Hospital, DetA (special forces), 42nd ENG (Pioniere), 94C Field Artillery
bzw. E320 (Haubitzen), 298th Army Band, Berlin Brigade Band, US Drillteam, Honor Guard, 759th MP Batt.,
272nd& 287th MP Company (Militär Polizei) etc. gab es im Bezirk Tempelhof noch einen kleinen eigenständigen
Truppenteil der US Air Force.

Sie war mit einigen Hubschraubern, kleinen Aufklärungsflugzeugen und Transportmaschinen ausgestattet. Auf
dem dortigen Flughafen sorgten die Amerikaner auch für die Überwachung des hiesigen Luftverkehrs.

Militärische Regie wurde im US-HQ in der Zehlendorfer Clayallee geführt. In der Saargemünder Str., praktisch
um die Ecke, sorgte der Soldatensender "AFN" für angenehme Unterhaltung. Markante Stimmen wie zum Beispiel
von Mark White oder Rick de Lisle sind unvergessen. Besonders die Jugend schätzte AFN-Radiosendungen wie
zum Beispiel "Frolic at five". Auch das US-eigene Fernsehprogramm erleichterte den GIs den Auslandsdienst.

Gegenüber vom US-HQ, auf dem so genannten Truman Plaza, befand sich ein ausgedehntes US-Einkaufszentrum,
"shopping center" genannt. Hier gab es praktisch alles was die Amerikaner an ihre ferne Heimat erinnerte.

2 Schwimmbäder und 4 eigene Kinos (Outpost, Columbia, Andrews- & McNair-theater) sorgten wie auch diverse
andere US Clubs und Einrichtungen für passende Unterhaltung. Ebenfalls standen für die US Jugend eine eigene
US-Grund- und Oberschule zur Verfügung.

Die Soldaten die nicht in den 4 großen US Kasernen wie McNair-, Andrews-, Roosevelt- oder Turner Barracks
untergebracht waren, bewohnten die so genannten "US-housing areas". Diese fand man in mehreren Bereichen von
Zehlendorf, sie waren für den amerikanischen Bedarf zugeschnitten.

Mit der Präsenz der Westalliierten, wie hier zum Beispiel den Amerikanern, wurde für die Berliner Bevölkerung
der Schutz und die Sicherheit der Stadt zur Zeit des so genannten "Kalten Krieges" gewährleistet. Die
Bevölkerung war "ihren" Amis sehr verbunden. An vielen militärischen Veranstaltungen nahmen die Berliner mit
großer Begeisterung teil, die Amerikaner waren mit der Stadt symbolisch verwachsen.

Nach dem plötzlichen Fall der Mauer am 9. November 1989 und der darauf folgenden Wiedervereinigung
Deutschlands am 3. Oktober 1990 hatte die wichtige Mission der Amerikaner ihre Erfüllung und somit ihr Ende
gefunden.

Am 12. Juli 1994 wurde die BERLIN BRIGADE nach 49 Jahren ihres Bestehens vom damaligen amtierenden
US-Präsidenten Bill Clinton in einer bewegenden Zeremonie aufgelöst. Dieses geschah in Berlin-Lichterfelde
auf dem traditionellen Platz des 4. Juli, direkt neben der dortigen McNair Kaserne. Mit gemischten Gefühlen
nahmen die Bürger Berlins dort Abschied von ihren langjährigen Freunden und Verbündeten. Sie werden
sicherlich nicht vergessen was die Westalliierten für das Wohlergehen der Stadt geleistet hatten.

Als die US-Armee einst gemeinsam mit den britischen, französischen und den sowjetischen Truppen das Reich
des "braunen Nationalsozialismus" unter gewaltigem Blutzoll bezwungen hatte, stand das deutsche Volk, wie
hier die Berliner, an der Stunde "Null".

Deutschland lag wie andere Kriegsgebiete in Schutt und Asche. Eine Infrastruktur gab es nicht mehr, was
zählte, war das Überleben und die Bewältigung des nächsten Tages. Die Not ließ die Menschen zusammenrücken,
Bescheidenheit und Dankbarkeit waren in diesen Jahren nicht nur Worte, sie wurden täglich praktiziert.

Die Berliner hatten schnell begriffen, dass sie mit eigenen Kräften die Alltagsprobleme nicht meistern
konnten. Darüber hinaus sorgten unterschiedliche politische Grundauffassungen und Kompetenzgerangel für
ständigen Streit unter den Sowjets und den drei anderen Siegermächten. Berlin wurde in Besatzungszonen
bzw. Sektoren aufgeteilt und im Rahmen unterschiedlicher Gesetze, Bestimmungen und Verordnungen verwaltet.

Das Misstrauen gegen das deutsche Volk war anfänglich verständlicherweise noch sehr groß, zu tief saß das
verheerende Kriegstrauma der vergangenen Jahre. Für die Alliierten und die Überlebenden gab es nur eine
Devise: "So etwas darf nie wieder geschehen!"

In West-Berlin hatten zum Glück sehr schnell Sympathie und freundschaftliche Bande das anfängliche
Misstrauen der jungen US-Soldaten gegenüber der Berliner Bevölkerung verdrängt. Aus den einstigen Gegnern,
Siegern und Besatzern waren längst Schutzmächte geworden. Die West-Berliner mochten "ihre" Amis, die
Amerikaner schätzten die Bevölkerung der eingemauerten Stadt. Man lebte dicht zusammen, begegnete sich
ständig im Straßenbild oder traf bei zahlreichen Ereignissen privater oder militärischer Natur aufeinander.

Im Grunewald trafen Erholung suchende Bürger regelmäßig mit dort übenden US-Soldaten zusammen. Die Mehrzahl
der Berliner schätzte die Alliiertenpräsenz, sie galt als Garant der Freiheit. Man hatte sich auch an den
manchmal lästigen Schießlärm, umfangreiche militärische Feldlager und an die zahlreichen Platzpatronenübungen
in Zehlendorfs Erholungsgebiet gewöhnt. Amerikanische Panzerspuren auf den beliebten Wanderwegen wurden zur
Zeit des so genannten "kalten Krieges? ebenfalls nicht weiter übel genommen. Die West-Berliner wussten halt
genau, dass zu ihrer eigenen Sicherheit auch Unbequemlichkeiten in Kauf genommen werden mussten.

Während der von den drei Westalliierten verwaltete Teil Deutschlands wirtschaftlich neu erblühte, versank
der unter sowjetischer Kontrolle liegende Ostteil in einer erneuten Diktatur.

Der Irrsinn erreichte nach der Berlin-Blockade zweifelsfrei seinen zweiten Höhepunkt, als sich die "DDR" am
13. August 1961 mit Mauer und Stacheldraht hermetisch vom Westen abschottete und auf Landsleute, die ihrem
riesigen "Staatsgefängnis" entfliehen wollten, durch eigene Grenztruppen gnadenlos schießen ließ. Wer die
zahlreichen feigen und hinterhältigen Morde an der widernatürlichen Grenze verfolgt hatte, konnte es in der
Tat kaum fassen, dass am 9. November 1989 die Mauer über Nacht überraschend fiel und das deutsche Volk in
der Folge wieder zu einer demokratischen Einheit zusammen fand.

Unbestritten ist natürlich, dass alles im Leben immer zwei Seiten hat. Wo Licht ist, da fällt sinnbildlich
auch Schatten. Jeder hat außer den vielen positiven Aspekten sicherlich auch die negativen Seiten dieser
Epoche kennen gelernt. Es gab selbstverständlich zwangsläufig Reibungspunkte die deutlich aufzeigten, dass
vieles, was hier in den Jahren als "normal" betrachtet wurde, nur eine situationsbedingte, provisorische
Lösung sein konnte.

Trotz allem, die Mehrzahl der Berliner kommt sicherlich noch heute zu dem Schluss: "Gott sei Dank, dass es
die Westalliierten, wie hier unsere Amerikaner, gegeben hat"! Mit ihrem großen Engagement konnte es zu
diesem glücklichen Ende kommen, dafür heißt es aufrichtig unseren Dank auszusprechen!

Die Berlin Brigade ist längst aufgelöst, jedoch in der Erinnerung sollte sie stets einen würdigen Platz
behalten. Aus diesem Grund habe ich zwei kleine Bücher verfasst, die sich mit dieser langen, aufregenden
Epoche befassen. Mit kleinen Geschichten wird der Leser noch einmal in die Zeit unter der Alliiertenpräsenz
versetzt. Vieles was vor wenigen Jahren noch als völlig normal galt, können sich nachfolgende Generationen
kaum mehr vorstellen. Ich halte es für sehr wichtig, dass hier dem schnellen Vergessen entgegengewirkt wird.

Meine Bücher gibt es zur Zeit nur in einer kleinen, limitierten Privatauflage. Sie sind sowohl in deutscher
als auch in englischer Sprache erhältlich und haben ideellen Charakter.

Autor : Reinhard von Bronewski
Quelle: http://www.berlin-brigade.de

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