Über den Ursprung von AIDS
Die Legende vom afrikanischen Ursprung des AIDS
"Liebe Redaktion, der kürzlich im WDR gezeigte Film 'AIDS - die Afrika- Legende' veranlasste Sie zu der Frage, ob unsere vor bald drei Jahren aufgestellte Theorie über den Ursprung des AIDS sich angesichts neuer wissenschaftlicher Befunde und viel- fältigen Kritiken heute noch aufrechterhalten lässt. Ich will versuchen, Ihnen so kurz es geht darauf zu antworten. Unsere Thesen lauteten: 1. Das AIDS entstand nicht vor unbestimmter Zeit in Afrika. Es trat 1979 erstmalig in den USA auf und verbreitete sich von da aus auf Westeuropa und etwas später auf Zentral- afrika. 2. Der Erreger des AIDS HIV entstand nicht durch die Umwandlung eines aphatogenen in afrikanischen Affen schma- rotzenden Virus, das durch das Eindringen in die menschliche Blutbahn ins HIV umgewandelt wurde. Genauso wenig entstand dieser Erreger durch unachtsamen Umgang mit verschiedenen Affenviren, bei dem sich in Mischkulturen ein Gen-Austausch ergeben hätte. 3. Das HIV ist ein rekombinantes Virus. Es besteht im wesentlichen aus einem Visna-Virus, in dessen Genom durch Genmanipulation ein Abschnitt des Genoms vom krebserregenden Virus HTLV-I eingefügt wurde. Es ist also ein Laborprodukt. 4. Die Konstruktion des HIV erfolgte im Hochsicherheitslabor vom Typ B4 im Gebäude Nr. 550 in Fort Derrick, dem zentralen biologischen Laboratorium des Pentagons, das im Herbst 1977 eröffnet wurde. Unsere erste These hat sich in den letzten Jahren voll bestätigt. In sämtlichen westeuropäischen Ländern konnte man die Infektion nach Amerika zurückverfolgen. Sie erfolgt teils durch den Kontakt mit nordamerikanischen Homosexuellen, teils durch Blutprodukte aus den USA. Das AIDS trat erstmalig 1979 in New York auf, 1981-1982 in Westeuropa, 1983 in Zentralafrika. Viel Beachtung fand der angebliche Nachweis von Antikörpern gegen HIV in Seren von Afrikanern, die bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten des AIDS in den USA abgenommen und konserviert worden waren. Bis über 90 Prozent dieser Seren erschienen AIDS-positiv. Wir waren unter den ersten, die auf wahrscheinliche Fehler- quellen bei dem benutzten Testverfahren hinwiesen. Inzwischen sind diese Fehler eindeutig erkannt worden. Verschiedene Forschergruppen haben mit verbesserten Methoden mehrere tausend konservierte Seren neu untersucht und dabei festgestellt, dass bis 1981 keines dieser Seren Antikörper gegen HIV enthielt. Eine unrühmliche Ausnahme stellt die Gruppe Nahamias dar, zu der auch Robert Gallo gehört. Sie untersuchten 1213 Seren, die in den Jahren von 1950 ab eingefroren worden waren. Davon erwiesen sich 1 212 Seren als negativ und eines als positiv. Allerdings mussten die Autoren bei diesem Serum vermerken, seine Herkunft sei ungesichert. Jeder normale Wissenschaftler hätte selbstverständlich dieses Serum mit der ungesicherten Herkunft aus der Statistik gestrichen und veröffentlicht, er habe 1 212 negative Seren vorgefunden. Robert Gallo veröffentlicht aber die Resultate unter der Überschrift: 'AIDS schon seit 1959 in Afrika.' Das ist eine bewusste Desinformation, und es ist nicht erstaunlich, dass die Massenmedien sie begeistert weiterverbreiteten, während die gegenteiligen Befunde so anerkannter Forscher wie Hunsmann, Biggar oder Jay Levy überhaupt nicht erwähnt werden. Für den Fachmann war die Situation jedenfalls klar, und 1987 gab Jonathan Mann, der Leiter der Sektion AIDS beim WHO (Weltgesundheitsorganisation) eine offizielle Erklärung ab, wonach es keinen wissen- schaftlich fundierten Beweis für einen afrikanischen Ursprung des AIDS gäbe. Um so erstaunlicher war es, dass ein Jahr später, beim AIDS- Kongress in Stockholm im Juni 1988, derselbe Jonathan Mann eine Klassifizierung der AIDS-Epidemie vorlegte, bei der in die erste Gruppe die USA, Westeuropa und Zentral- afrika eingestuft wurden als die Gebiete, in denen 'etwa gleichzeitig' zwischen 1979 und 1983 die ersten AIDS- Fälle aufgetreten waren. Die unangenehme Tatsache, dass das AIDS 1979 in New York, 1981 in Europa und erst 1983 in Afrika auftrat, dass also der Ursprung der Epidemie in den USA zu suchen ist, wird damit zwar nicht widerlegt, aber elegant unter den Teppich gekehrt." Der Aufbau des HIV Der Besitz genauer Genomkarten gestattet es jetzt, mit großer Sicherheit die Verwandtschaftsverhältnisse verschiedener Viren darzustellen. Die Figur 1 (nicht DFÜ - fähig !) zeigt den Stammbaum der Rektroviren, der aus dem Vergleich von Genen von drei verschiedenen Eiweissen, dem der reversen Transkriptase, der Ribonuklease H und dem Hauptprotein der äußeren Hülle des Virus gewonnen wurde (MacClure et al.,1988). Bei allen drei Proteinen findet man, dass das HIV und das Visna-Virus stets vom gleichen Ast des Stammbaums abzweigen, dass sie also von allen Retroviren am nächsten untereinander verwandt sind. Alle moder- nen Vergleichsmethoden bestätigen diesen Befund, allerdings mit einer kleinen Ausnahme: Im Genom des HIV findet sich ein kleiner Abschnitt von ca. 3 Prozent der Gesamtlänge, der sich im Genom des Visna-Virus nicht wieder findet. Dagegen entspricht dieses Stück genau einem Abschnitt im Genom des HTLV-I. Das Genom des HIV entspricht also genau dem Genom eines Visna-Virus, das durch einen Abschnitt des Genoms vom HTLV-I vervollständigt wäre. Das Visna-Virus ist der Erreger der Visna-Krankheit des Schafs, dessen Gehirn es langsam im Verlauf mehrerer Jahre zerstört. Dieses Virus infiziert nicht den Menschen. Das HTLV-I (Human-T- cell-Leukemia-Lymphoma-Virus) erzeugt in den von ihm befallenen Menschen einen Tumor, der zwar immer tödlich verläuft, aber nur einer von 10 000 Menschen, in deren T4-Zellen das Virus eingedrungen ist, entwickelt einen Krebs, und auch bei diesen kann es oft mehrere Jahrzehnte dauern, bis die Krankheit aus- bricht. Das Visna-Virus tötet mit Sicherheit, geht aber nicht an den Menschen. Das HTLV-I tötet nur ganz selten, aber es vermehrt sich in den menschlichen Lymphozyten. Kombiniert man beide Genome, so erhält man ein Virus, das den Menschen angreift und in allen Fällen tödlich ist: das HIV. Seitdem wir diese These Anfang 1986 veröffentlichten, mehren sich die Beweise dafür, dass das HIV ein 'Konstrukt' aus Visna und HTLV-I ist. Die meisten erfordern eine eingehende molekular- biologische Untersuchung, die an dieser Stelle zu weit führen würde. Ich will mich daher nur mit zwei Argumenten begnügen. Seit Mitte 1986 beobachten wir in steigendem Maße, dass AIDS- Kranke an nervösen Störungen leiden, die bis zur tödlichen Demenz führen, wenn der Patient nicht vorher an der Immun- schwäche stirbt. Die Schäden am Gehirn, wie auch an Lunge, Darm und Nieren sind die gleichen, wie man sie auch bei visnakranken Schafen findet. Praktisch laufen beim AIDS parallel zwei Krank- heiten ab: Eine, die, wie beim Visna, Gehirn und innere Organe zerstört, wobei das Virus durch Markophagen in diese Organe hineingeführt wird; die andere dagegen ist eine Immunschwäche und wird dadurch hervorgerufen, dass das Virus nicht nur in den Makrophagen, sondern auch in den T4-Lymphozyten schmarotzt, die bei der Immunabwehr eine Schlüsselrolle spielen. Genau das muss sich ergeben, wenn das Visna-Virus zusätzlich mit der Fähigkeit ausgestattet wird, in die T4-Zellen des Menschen einzudringen, was das HTLV-I ja auch vermag. Das rekombinante Virus erzeugt eine 'rekombinante' Krankheit. Einen Beweis ganz anderer Art verdanken wir Prof. Chandra. Bei der Untersuchung der reversen Transkriptase, dieses für die Retroviren so charakteristischen Ferments, das das Genom des Virus aus der RNA- in die DNA-Form umschreibt, fand Chandra, dass das aktive Ferment des HIV aus zwei diskreten Fraktionen besteht. Auf Rückfrage bestätigte er mir, dass die reverse Transkriptase von HTLV-I nur eine Fraktion aufweist, die des Visna-Virus nur die andere. Das HIV ist also ganz eindeutig eine Chimäre aus HTLV-I und Visna-Virus. Dieser in vielen Details experimentell unterbauten Theorie wurde bisher kein ernsthaftes Gegenargument entgegengesetzt. In der Fachliteratur finden wir lediglich vage Behauptungen. Irgendwo, vielleicht im Amazonasurwald oder in Papua-Neu Guinea, müsse es einen bisher unbekannten Affen geben mit Viren, die dem HIV ähnlicher wären als die bisher bekannten SIV und ins AIDS- Virus umgeschlagen haben könnten. Dann käme das Aids wohl aus Südamerika oder aus Melanesien und nicht aus Afrika? Das alles sind willkürliche Behauptungen, die durch keinerlei Beobachtun- gen gestützt werden. Beweisen lässt sich bisher nur die Behauptung, dass das HIV das Produkt einer gezielten Genmanipula- tion ist. Gegen diese Theorie versuchte man einzuwenden, dass 1977, zum Zeitpunkt der Konstruktion des HIV, die Gentechnik dazu gar nicht in der Lage gewesen sei. Selbst heute, so wird behauptet, sei es gentechnisch unmöglich, ein AIDS-Virus herzustellen. Diese letz- tere Behauptung ist eine glatte Desinformation, die sich an die fachlich nicht informierten Leser wendet. Wir kennen heute über 300 Restriktionsenzyme, die ein Genom höchst genau an einer bestimmten Stelle zerschneiden. Es ist ein leichtes, ein ganz bestimmtes Stück eines Genomes herauszuschneiden und an anderer Stelle wieder einzusetzen. Solche künstlichen Mutanten sind das Handwerkzeug der modernen Gentechnologie, und ein geschulter Laborant benötigt hierzu keine zwei Wochen. Kürzlich äußerte Frau Dr. Regina Kollek (Mitglied des wissen- schaftlichen Stabes der Gentechnik-Enquetekommission des Bundes- tages) die Meinung, der Stand der Gentechnologie um 1977 hätte die Konstruktion eines HIV noch nicht gestattet. Hier handelt es sich anscheinend um eine Frage der Terminologie. Die moderne Gentech- nologie, mit der man eine Konstruktion präzise und zielgerichtet durchführen kann, ist in der Tat das Produkt der letzten zehn Jahre. Aber vorher gab es die Genmanipulation, bei der der Zufall eine große Rolle spielte. Man kannte damals etwa 50 Restrik- tionsenzyme. Mit ihnen konnte man aus HTLV-I-Genomen einen Hackfleisch herstellen, und in diesen Brei brachte man Genomen des Visna-Virus hinein, die durch ein einziges Restriktionsenzym an einem einzigen Punkt aufgeschnitten waren. Nach Zugabe von Ligasen verklebt die Lücke, wobei, je nach Zufall, das eine oder andere Bruchstück des Genoms von HTLV-I eingebaut wird. Dieses Verfahren ist als 'Schrotschussmethode' bekannt. Nur wenige der so entstandenen Viren sind vermehrungsfähig, aber durch Selek- tion. die sich über ein halbes Jahr hinziehen muss, wird schließlich ein Visna-Stamm gewonnen, der sich in menschlichen T4-Zellen stark vermehrt, der Ausgangsstamm des HIV. Genmanipula- tionen dieser Art waren vor 1977 gang und gäbe; die moderne Gentechnologie gab es damals noch nicht. Das Pentagon bestellt ein neues Virus Wer hatte Interesse an der Konstruktion eines neuen Virus? Wer trug die hohen Kosten für dieses Projekt? Darauf können wir jetzt eine genaue Auskunft geben. Am 9. Juni beantragte Donald MacArthur, zur Zeit Abteilungsleiter im Pentagon, beim Kongress der USA eine Finanzhilfe von 10 Millionen Dollar. Damit könnte man ein neues Virus herstellen, das vom Immunapparat nicht erkannt würde, und gegen das es infolgedessen keine Abwehr geben könnte. Ein solches Virus wäre daher von eminenter militärischen Bedeutung. Es könnte, laut Gutachten bester Fachleute, in spätesten zehn Jahren verfügbar sein. Das Protokoll der Kommissionssitzung vom 09.06.1969 wurde verse- hentlich veröffentlich und liegt uns im Wortlaut vor. Darin heißt es unter anderem: 'Innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahren wird es möglich sein, einen neuen, ansteckenden Mikro-Organismus zu machen.. der die menschliche Immun-Abwehr zerstören würde... Ein entsprechendes Forschungs-Programm könnte in etwa fünf Jahren und zu Kosten von 10 Millionen Dollar vollendet werden... Es ist ohne eine gesicherte wissenschaftliche Kenntnis über die Machbarkeit einer solchen Waffe... nicht möglich, eine Verteidi- gung dagegen zu entwickeln.' Die Protokolle der folgenden Sitzungen, in denen über die Bewilligung der Mittel verhandelt wurde, sind 'top secret'. In dem Antrag beschreibt MacDonald genau das AIDS-Virus. Auch die Termine stimmten, denn zehn Jahre später, 1979, traten in New York die ersten AIDS-Fälle auf. Es kann also keinem Zweifel unterliegen, dass das AIDS-Virus auf Befehl des Pentagons und vom Kongress finanziert als prospektive biologische Waffe entwickelt wurde, und dass bereits 1969 der Stand der Genmanipulation vom Pentagon als ausreichend angesehen wurde, um diese Aufgabe erfolgreich durchzuführen. Diese Aufgabe war klar umrissen. Man kannte bereits das tödliche Visna-Virus, es ging aber nicht auf den Menschen. Man brauchte es nur mit einem Teil des Genoms eines am Menschen schmarotzenden und nicht unbedingt pathogenen Virus zu kombinieren, um ein für den Menschen tödliches Virus zu erzeugen. Natürlich mussten dafür nur Retroviren benutzt werden, denn gerade die für die Retroviren typische Umschreibung des Genoms in die immunologisch nicht erkennbare DNA-Form sollte ja das neue Virus den Abwehr- kräften des Organismus entziehen. Man musste man nur noch ein humanes Retrovirus finden, und das kannte man 1969 noch nicht. Robert Gallo machte sich sofort an die Arbeit. Schon 1970 konnte er mitteilen, daß er in den Lymphozyten von Patienten mit Lymphom, einem Tumor der Lymphzellen, das für die Retroviren so charakteristische Ferment > Reverse Transkriptase < nachweisen konnte. 1973 berichtete er über virusähnliche Korpuskel, an welche die RT-Aktivität gebunden sei, und 1975 züchtete er schon in Reinkultur ein neues Virus, das in allem dem später beschrie- benen HTLV-I glich, jedoch damals noch nicht so genannt wurde. Nun waren die Vorbedingungen erfüllt, und Gallo brauchte nur noch die entsprechenden Hilfsmittel. Es traf sich gut, dass 1975 die USA ein internationales Abkommen ratifizierten, das verbot, biologische Waffen zu entwickeln, herzustellen und zu speichern: Das dem Pentagon unerstellte Fort Derrick, in welchem solche Arbeiten durchgeführt wurden, musste wenigsten formal demilitarisiert werden, und so wurde die Virus-Abteilung von Fort Derrick in die 'Frederick Cancer Research Facilities' (Krebsforschungsanstalt der Stadt Frederick) umgewandelt und dem nationalen Krebsinstitut in Bethesda unterstellt, dessen Leiter, wie der Zufall es so wollte, Robert Gallo wurde. In einer Kritik unserer Theorie schrieb Frau Dr. Mölling im 'Spiegel', zu jener Zeit sei die Konstruktion des AIDS-Virus ungemein Schwierig gewesen, man hätte hierfür schon ein Genie von der Größe Gallos benötigt. 'Aber hatte denn das Pentagon einen zweiten Gallo?'. Nun, es brauchte keinen zweiten Gallo suchen. Es kaufte sich einfach den Gallo Nr.1 . Ein unerwartetes Hindernis verzögerte die Arbeit am AIDS-Virus. Besorgte Biologen aus aller Welt trafen sich 1975 in Asilomar und setzten es durch, dass für die Genmanipulationen die erforder- lichen Sicherheitsmaßnahmen festgelegt wurden. Für Arbeiten mit Erregern menschlicher Krankheiten wurde die höchste Sicher- heitsstufe P4 festgelegt. Ein solches Labor gab es in der Welt noch nicht. Die Mittel in Höhe von einer Million Dollar mussten beantragt werden, dann begann der Bau und schließlich, im Herbst 1977, wurde das P4-Labor im Gebäude 550 von Fort Derrick feierlich eröffnet. Nun konnte die Arbeit beginnen und etwa sechs Monate später, im Frühjahr 1978, muss das neue Virus fertig gewesen sein. Diesen Termin können wir auf zwei Arten belegen. Es ist bekannt, dass das HIV erblich unstabil ist und etwa alle zwei Jahre eine Abweichung um 10 Prozent erleidet. Rechnet man von den heute aus den Patienten isolierten Virusstämmen zurück, so erhält man als Startpunkt der Entwicklung das Frühjahr 1978, den Zeitpunkt, zu dem die Konstruktion des Virus abgeschlossen sein sollte, wenn mit den Arbeiten im Herbst 1977 im begonnen wurde. Den gleichen Termin ergibt das erstmalige Auftreten des AIDS im Sommer 1979. Wir wissen heute, dass die Krankheit nach Ansteckung durch Geschlechtsverkehr zumeist erst nach zwei oder mehr Jahren ausbricht. Bei der massiven Infektion bei Bluttransfusionen beträgt die Inkubationszeit aber zumeist etwa ein Jahr. Wurde das neue Virus, wie es üblich war, an freiwilligen Gefängnisin- sassen erprobt, so erhielten diese bestimmt eine massive Dosis, und das Ausbrechen der Seuche im Sommer 1979 deutet auf eine Infizierung etwa ein Jahr vorher, also 1978, hin. Auch das Entweichen des Erregers aus dem Sicherheitslabor und seine anfängliche Beschränkung auf Männer, speziell auf Homo- sexuelle und Drogenabhängige, ist leicht zu erklären. Bekannt- lich beginnt das AIDS etwa 14 Tage nach der Infektion mit einer Primärerkrankung, die oft unerkannt bleibt, weil sie einer Magen-Darm-Grippe ähnelt. Nach weiteren zwei bis drei Wochen klingt die Krankheit spontan ab, und der Patient bleibt über Monate oder Jahre hinweg scheinbar völlig gesund. Es entstand der Eindruck, das neue Virus erzeuge zwar eine Krankheit, diese sei jedoch harmlos und für militärische Zwecke unbrauchbar. Die scheinbar gesunden Versuchspersonen wurden in die Freiheit ent- lassen. Es waren ausschließlich Männer mit hohen Haftstrafen, also zumeist Berufskriminelle, die außerdem im Gefängnis viel- fach homosexuelle Praktiken kennengelernt hatten. Viele von ihnen zogen nach der Freilassung in das nahe New York, wo ein für sie besonders günstiges Klima vorlag. So kam es, dass die Seuche zunächst nur unter Männern, zumeist Drogenabhängige, Verbrei- tung fand, obgleich sie ihrer Natur nach Männer wie Frauen in gleichem Maße bedroht. Bei unseren ersten Veröffentlichungen konnten wir nur den biologischen Teil unserer Theorie durch handfeste Beweise sichern. Der politische Teil der Theorie beruhte nur auf Indi- zienbeweisen. Das hat sich grundlegend geändert. Wir können durch ein amtliches Dokument belegen, dass das AIDS-Virus vom Pentagon in Auftrag gegeben und vom Kongresz der USA finanziert wurde. Wir kennen Schritt für Schritt die experimentellen Vorarbeiten und die administrative Schaffung geeigneter Arbeits- bedingungen. Die Konstruktion des HIV war eine systematisch vorbereitete und durchgeführte Aktion zur Schaffung eines neuen Typs biologischer Waffen. Gewiss, die Schaffung des AIDS war ein Lehrlingsstück, ein mißlungenes Lehrlingsstück, denn man hatte die langen und unregelmäßigen Inkubationszeiten des neuen Erregers nicht rich- tig eingeschätzt, und das Produkt ist somit für militärische Zwecke ungeeignet. Aber auch so beschert es uns für die nächsten Jahrzehnte 100 Millionen Tote und, schlimmer noch, für Milliar- den junger Menschen überschattet es das schönste, was das Leben uns zu bieten hat: die Beziehung zum anderen Geschlecht. Berlin, den 31.3.89 Prof. Dr. Jakob Segal
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