Die Alzheimersche Krankheit


    Inhaltsverzeichnis

    1  Die Alzheimersche Krankheit (I):   Der erste dokumentierte Fall
    2  Die Alzheimersche Krankheit (II):  Diagnose
    3  Die Alzheimersche Krankheit (III): Was passiert da im Hirn?
    4  Die Alzheimersche Krankheit (IV):  Demographisches
    5  Die Alzheimersche Krankheit (V):   Ursachen und Risikofaktoren
    6  Die Alzheimersche Krankheit (VI):  Therapie?


      DIE ALZHEIMERSCHE KRANKHEIT (I): DER ERSTE DOKUMENTIERTE FALL

    Die Alzheimersche Krankheit ist vergleichbar mit einer langsamen und
    unaufhaltsamen intellektuellen Rückentwicklung erwachsener Menschen
    zum Säugling. Diese "retrograde Amnesie" kann sich über einen
    Zeitraum von bis zu 19 Jahren erstrecken. Rund 5 % der Menschen über
    65 und 20 % der über 80jährigen leiden unter dieser Krankheit. Eine
    wirkungsvolle Therapie gibt es (noch ?) nicht.  Aber: Fortschritte in
    der psychiatrischen Behandlung und Medikamente zur Linderung der
    Begleiterscheinungen erleichtern das Zusammenleben von Patienten und
    ihren Angehörigen. - In dieser EULENSPIEGEL-Ausgabe berichten wir
    über den Stand des Wis- sens über die Alzheimersche Krankheit, wie er
    bis zum Beginn des Jahres 1991 aus der Fachliteratur zu entnehmen
    ist.

    Im November 1906 berichtete auf einem Kongress in Tübingen der
    Psychiater Alois Alzheimer zum ersten Mal über jene Krankheit, die
    Jahre später seinen Namen erhalten sollte. Er wurde das erste Mal mit
    der Krankheit konfrontiert, als sich eine 51 Jahre alte Patientin
    wegen unbegründeter Eifersucht ihrem Mann gegenüber zu ihm in
    Behandlung begab. Sehr bald folgten Störungen ihres
    Erinnerungsvermögens, sie konnte sich im eigenen Haus nicht mehr
    zurechtfinden. Sie schleppte Gegenstände von einem Zimmer ins andere,
    sie schlug sich selber und klagte Besucher an, sie seien gekommen, um
    sie zu töten. Dann wurde sie in ein Krankenhaus gebracht. Sie konnte
    sich in Raum und Zeit nicht mehr orientieren. Manchmal bemerkte sie
    selber, daß etwas mit ihr nicht in Ordnung war; dann sagte sie, sie
    verstehe nichts mehr, sie sei verwirrt und fühle sich verloren. - Ihr
    Zustand verschlimmerte sich. Sie hörte Stimmen und schrie oft
    stundenlang. Da sie Zusammenhänge nicht mehr verstehen konnte, regte
    sie sich furchtbar auf, wenn ein Arzt sie untersuchen wollte. Beim
    Lesen ließ sie ganze Sätze aus oder buchstabierte jedes Wort, ohne
    seinen Sinn zu verstehen. Beim Sprechen verwechselte sie Wörter,
    manchmal redete sie plötzlich nicht mehr weiter und schien geistig
    völlig abwesend. Bei vielen Gegen- ständen konnte sie sich nicht mehr
    erinnern, wozu sie benutzt wurden. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie
    aber immer noch normal gehen und ihre Hände gebrauchen. Schließlich
    starb sie, völlig apathisch in der fötalen Position im Bett liegend.

                  DIE ALZHEIMERSCHE KRANKHEIT (II): DIAGNOSE

    Als die erste Alzheimer-Patientin nach ihrem Tod obduziert wurde,
    fanden die Ärzte massenhaft Ablagerungen im Gehirn, ohne zu wissen
    woher sie kamen. - Heute weiß man, daß diese Ablagerungen für die
    Alzheimersche Krankheit charakteristisch sind und aus Abbauprodukten
    der Nervenzellen bestehen. Die Gehirne von Alzheimer-Patienten
    enthalten zahlreiche degenerierte Nervenendigungen und zeigen häufig
    Nervenzelltod. Die Proteinablagerungen erscheinen als faserige
    Klumpen ("Alzheimersche Fibrillenbündel" oder Neurofibrillenbündel),
    zwischen Nervenzellen als Amyloidklumpen (Plaques).

    Die Autopsie nach dem Tod ist immer noch die einzige verläßliche
    Diagnose bei der Alzheimerschen Krankheit. Dabei wäre eine frühe
    Diagnose sehr wichtig, weil andere Demenzen (Demenzen nennen die
    Mediziner altersbedingten Schwachsinn) - es sind etwa 50 verschiedene
    bekannt - , die ähnliche Symptome haben können, erfolgreich behandelt
    werden können: Störungen im Hirn, die als Nebenwirkungen bestimmter
    Medikamente auftreten, schwere Depressionen, Tumore, Fehlfunktionen
    von Drüsen, Stoffwechselstörungen und Mangelernährung können
    vorübergehend zu einer Demenz führen. Patienten dann einfach als
    "senil" zu bezeichnen, ist nach Ansicht der Ärzte unverantwortlich,
    weil ihnen wirklich geholfen werden könnte.

    Die Diagnose der Alzheimerschen Krankheit erfolgt durch Ausschluß
    anderer Krankheitsursachen. Etwa 55 % der dementen Patienten leiden
    wirklich an der Alzheimerschen Krankheit. Die zweithäufigste Ursache
    einer Demenz sind mehrere kleine Hirnschläge (Multiinfarkt), die
    nicht zur Lähmung führen müssen, sich aber als verminderte Leistung
    des Hirns auswirken. Eine Kombination dieser beiden Ursachen -
    Alzheimersche Krankheit und Multiinfarkt - finden sich bei 18 % der
    dementen Patienten.

    Große Hoffnungen wurden in die Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
    gesetzt, mit der man Stoffwechselstörungen im Hirn nachweisen kann.
    Als Energiequelle verwendet das Hirn haupt- sächlich Glukose, deren
    Stoffwechsel man verfolgt. Es zeigte sich, daß beim Stoffwechsel
    zwischen normalen älteren Menschen und Menschen mit beginnender
    Alzheimerscher Krankheit ein Unter- schied besteht: Die Synthese von
    Proteinen ist schon im Frühstadium der Alzheimerschen Krankheit
    beeinträchtigt. Das Verfahren ist jedoch noch nicht genügend
    ausgereift, um eine Er- krankung verläßlich diagnostizieren zu
    können.

    Auch das zweite Diagnoseverfahren, mit dem Fortschritte bei der
    Früherkennung der Alzheimerschen Krankheit erhofft werden, ist erst
    im Versuchsstadium: Ein bestimmtes Protein (mit der wissen-
    schaftlichen Bezeichnung PreA 4), ein sogenannter Marker der
    Alzheimerschen Krankheit, wurde dazu verwendet, Antikörper
    herzustellen. Diese Antikörper werden dann an einen Farbstoff
    gekoppelt, wodurch der Antikörper-Protein-Komplex sichtbar wird.  Der
    Antikörper wird vorerst aber nur für eine bessere Diagnose bei der
    Autopsie eingesetzt. Da das Protein aber auch in kleinsten Mengen im
    Liquor, der Rückenmarksflüssigkeit von Alzheimer-Patienten vorhanden
    ist, und zwar bevor Symptome der Krankheit auftreten, arbeiten die
    Ärzte daran, den Marker mit einem empfindlichen Verfahren später
    einmal injizieren und dann im Rückenmark nachweisen zu können.

         DIE ALZHEIMERSCHE KRANKHEIT (III): WAS PASSIERT DA IM HIRN ?

    Die schon von Alzheimer beschriebenen Proteinablagerungen im Hirn von
    erkrankten Personen bestehen hauptsächlich, wie Forschungen seit
    Anfang der 70er Jahre ergeben haben, aus einem unlöslichen
    Spaltprodukt eines natürlichen, in jedem menschlichen Hirn vor-
    kommenden Eiweiß, dem Amyloidvorläuferprotein PreA4. Dieses sehr
    große Protein, das in verschiedenen Formen vorkommt, wird nach seiner
    Synthese chemisch verändert und von Nervenzellen für die
    Aufrechterhaltung ihrer Funktion benötigt. Ein Teil des PreA4 wird in
    kleinere Stücke gespaltet; man findet sie z.B. im Blutserum. Diese
    normal prozessierten Spaltprodukte bilden keine Ablagerungen.

    Das für die Alzheimersche Krankheit charakteristische Spaltprodukt
    des PreA4 entsteht wahrscheinlich durch eine fehlerhafte Spaltung und
    bildet, da es äußerst schlecht löslich ist, spontan Fibrillen. Diese
    Fibrillen aggregieren zu Verklumpungen, dem Amyloid. Das Spaltprodukt
    wird als Amyloid- BetaA4-Protein bezeichnet. (Beim Amyloid der
    Traberkrankheit bei Schafen, der sogenannten
    Rinder-spongiformen-Enzephalopathie ("Rinderwahnsinn") oder der
    Creutzfeld-Jacob, Kuru- oder Gerstmann-Sträussler-Erkrankung beim
    Menschen handelt es sich um das PrP-Amyloid, das mit dem
    Amyloid-BetaA4-Protein nicht verwandt ist.)

    Das Amyloid-BetaA4-Protein kann nur entstehen, wenn die
    Nervenzellmembranen zerstört sind. Das PreA4 wird dann nicht richtig
    in die Zellmembranen eingebaut und an der falschen Stelle gespalten.
    Der Nachweis von PreA4 in Nervenzellen und in Synapsen (den
    Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen) deutet darauf hin, daß
    deren Umwandlung in toxisches Amyloid-BetaA4-Protein an diesen
    Stellen erfolgt. Massive Bildung von Amyloidablagerungen zwischen
    Synapsen zerstören diese, und Amyloidbildungen innerhalb von
    Nervenzellen führen zum Zelltod. Beides sind bekannte Ursachen von
    Störungen der Hirnleistung.

    Die auslösenden Faktoren für diesen Prozeß sind noch unbekannt.  Als
    molekulare Faktoren werden Membranschädigung, unrichtige Biosynthese
    der Amyloidvorläuferproteine und falscher Abbau dieser Proteine
    diskutiert. Bei Patienten, die an einem Down- Syndrom leiden, das
    heißt, die drei statt zwei Kopien des Chromosoms 21 haben, kann man
    sich vorstellen, daß zuviel PreA4 synthetisiert wird und darum ein
    Teil davon falsch gespalten wird. - Im gesunden Hirn wird das
    BetaA4-Amyloid jedenfalls nicht gebildet. Dieses Wissen liegt den
    Versuchen, verläßliche Diagnosemöglichkeiten und Therapien zu finden,
    zugrunde.

             DIE ALZHEIMERSCHE KRANKHEIT (IV): DEMOGRAPHISCHES

    Ein Wissenschafterteam um Konrad Beyreuther in Heidelberg hat eine
    Studie bei Verstorbenen gemacht, bei der nach Amyloid-
    BetaA4-Protein-Ablagerungen als frühest nachweisbare Marker der
    Alzheimerschen Krankheit im Gehirn gesucht wurde. Das Ergebnis:
    Amyloid-BetaA4-Protein-Ablagerungen wurden in 20% der Gehirne von
    Verstorbenen der Altersgruppe der 50- bis 60jährigen und in 80% der
    Gehirne der 81- bis 90jährigen nachgewiesen. Vollkommen ohne Amyloid
    waren 20 Prozent der Gehirne sehr alter Menschen. Kli- nische
    Symptome der Alzheimerschen Krankheit zeigten sich bei 20% der im
    neunten Lebensjahrzehnt verstorbenen Patienten, während bei keinem
    einzigen der vor dem 61.Lebensjahr verstorbenen diese Symptome
    gefunden wurden.

    Diese Ergebnisse lassen den Schluß zu, daß die "Inkubationsphase" der
    Alzheimerschen Krankheit, während der sich Plaques bilden, aber noch
    keine Beeinträchtigung der Hirnfunktion beobachtet werden kann,
    zwanzig bis 30 Jahre dauert. Die 20% der Bevölkerung, bei denen die
    Ablagerungen im Alter von 50 bis 60 Jahren beginnen, sterben
    spätestens 30 Jahre später an der Alzheimerschen Krankheit. Die 80%
    der 81- bis 90jährigen, die Ablagerungen im Gehirn zeigten, würden
    bis spätestens zu ihrem 120.Lebensjahr an der Krankheit sterben, wenn
    jemand dieses Alter erreichen würde. Sollte die durchschnittliche
    Lebenserwartung von heute 81,3 Jahren bei Frauen und 76 Jahren bei
    Männern (die heute 50 Jahre alt sind) weiter steigen, so ist zu
    erwarten, daß die Zahl der Alzheimer-Kranken ebenfalls in demselben
    Maß ansteigen wird.

        DIE ALZHEIMERSCHE KRANKHEIT (IV): URSACHEN UND RISIKOFAKTOREN

    Das größte Risiko, die Alzheimersche Krankheit zu bekommen, tragen
    Menschen, die am sogenannten Down-Syndrom (Trisomie 21) leiden,
    nämlich 100 Prozent. Das heißt, jeder dieser Menschen wird ganz
    sicher alzheimerkrank. Alle von ihnen haben mit 30 Jahren
    Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und sterben, falls sie überhaupt alt
    genug werden, an der Alzheimerschen Krankheit. Das zweitgrößte Risiko
    tragen Menschen, die sehr alt werden - das liegt in der Natur der
    Krankheit.

    Es gibt eine familiäre Form der Alzheimerschen Krankheit, die im
    Durchschnitt schon mit 47 Jahren einsetzt und vererbt wird. Der
    genetische Defekt, der dieser Form der Krankheit zugrunde liegt,
    befindet sich auf dem Chromosom 21, in derselben Region wie das Gen
    für das PreA4. Wo dieser Defekt aber genau liegt und ob er vielleicht
    sogar das PreA4 betrifft, ist noch nicht erforscht.

    Nach neuesten Ergebnissen scheint mindestens noch ein weiterer
    Gendefekt für eine familiäre Form der Alzheimerschen Krankheit zu
    existieren, mit Beginn von klinischen Symptomen nach dem
    55.Lebensjahr. Dieser Defekt liegt nicht auf dem Chromosom 21.  Das
    Vorhandensein mehrerer Genorte für die vererbbare Form der
    Alzheimerschen Krankheit ist ein starkes Indiz dafür, daß es mehr als
    nur eine Ursache für die Entstehung des Leidens gibt.

    Ein weiterer Risikofaktor für die Alzheimersche Krankheit ist eine
    früher erlittene Hirnverletzung. Das sogenannte "Boxersyndrom" ist
    nichts anderes als die Alzheimersche Krankheit.

    Noch unklar ist der Einfluß von Nikotin und Aluminium. In einer
    Studie wurde ein Zusammenhang zwischen der Anzahl gerauchter
    Zigaretten und dem Risiko, an Alzheimer zu erkranken, festgestel- lt.
    Andere Untersuchungen bestätigen diesen Befund jedoch nicht.  -
    Aluminium wird in den Plaques der erkrankten Gehirne gefunden, es
    wird aber nicht als auslösender Faktor angesehen. Die chronische
    Einnahme von aluminiumhaltigen Mitteln gegen Magenbrennen ist laut
    einer ausgedehnten Studie kein Risikofaktor.

    Sicher nicht verantwortlich für die Entstehung der Alzheimerschen
    Krankheit kann die Ernährung sein, denn Menschen aus verschiedensten
    Gebieten der Erde mit ganz unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten
    erkranken statistisch gesehen gleich häufig. Auch das Geschlecht
    spielt offenbar keine Rolle.

                 DIE ALZHEIMERSCHE KRANKHEIT (VI): THERAPIE

    Von der Alzheimerschen Krankheit kann man noch nicht geheilt werden,
    man muß sich auf die Behandlung der Symptome beschränken.  Dabei geht
    es darum, den Patienten und auch ihren Angehörigen zu lebenswerten
    Jahren trotz der Krankheit zu verhelfen. Die meisten Angehörigen
    eines Alzheimer-Kranken fühlen sich zunächst überfordert. Sie wissen
    nicht, wie man mit den sonderbaren Ge- schichten, dem zunehmenden
    geistigen Verfall, der Vergeßlichkeit, aber auch mit den abrupten
    Stimmungsschwankungen der Kranken umgehen soll. Ungeduld und
    Unverständnis sind zumeist Zeichen der eigenen Hilflosigkeit, wenn
    ein Partner oder sonstiger Angehöriger seine Identität zu verlieren
    scheint.

    Leben mit dieser Demenz heißt Abschied nehmen vom vertrauten Bild
    einer Person und Suche nach neuen Wegen des Zusammenlebens. Dabei
    wird versucht, Beruhigungs- und Schlafmittel und Stimulantien
    möglichst wenig einzusetzen und durch psychiatrische Behandlung der
    Kranken und auch ihrer Betreuer das Zusammenleben zu erleichtern. Da
    der Alzheimer-Kranke nicht mehr verstandesmäßig ansprechbar ist, aber
    doch ursprüngliche Fähigkeiten zur Kommunikation (wie Gestik, Mimik
    und Zärtlichkeit) bis in die letzte Phase der Krankheit behält, kann
    eine einfühlsame Umgebung die letzten Jahre der Krankheit wesentlich
    erleichtern.

    Die Forschung nach ursächlichen Behandlungsmöglichkeiten ist in
    vollem Gange. Da es aber noch kein Tiermodell für die Alzheimersche
    Krankheit gibt, mit dem man die Ablagerungen im Hirn gezielt
    untersuchen könnte, beschäftigt man sich vor allem mit den
    Hirnfunktionen wie Gedächtnis und Lernvermögen. Alternde Ratten haben
    zum Teil ähnliche Schwierigkeiten mit der Motorik und dem Lernen wie
    alte Menschen. Bei alten Ratten werden daher bekannte Substanzen
    getestet, die z.B. die Durchblutung des Gehirns fördern oder die
    Ausschüttung von Neurotransmittern beeinflussen, ob und wie sie
    Symptome der Altersdemenz verhindern oder lindern helfen können. Eine
    Theorie besagt, daß die Konzentration von Calcium besonders kritisch
    ist, weil eine Anzahl von Vorgängen in den Hirnzellen von Calcium
    gesteuert wird.

    Nimodipin, das von Neurologen gegen cerebro-vaskuläre Spasmen
    (Verkrampfungen der Hirngefäße) eingestzt wird, wirkt, indem es die
    Calciumkanäle in den Menbranen blockiert. An alternde Ratten
    verfüttert, verbessert es ihre Fähigkeit zu lernen und beim Gehen das
    Gleichgewicht und die Koordination beizubehalten.

    Mit besonderen Diäten versucht man auch, das Altern der Gehirne von
    Ratten hinauszuzögern. Das grundlegende Problem bei der
    Alzheimerschen Krankheit ist das Absterben von Zellen. Die Zel-
    lmembranen werden z.B. von Vitamin E und A vor der Zerstörung
    geschützt. Eine ausreichende Versorgung mit diesen Vitaminen könnte
    daher vielleicht auch bei der Alzheimerschen Krankheit verzögernd
    wirken.

    In einem sehr interessanten Versuch, die Alzheimersche Krankheit bei
    Tieren zu simulieren, werden Mäuse mit einem zusätzlichen Chromosom
    16 gezüchtet. Die Trisomie 16 entspricht bei Mäusen in diesem Fall
    der Trisomie 21 bei Menschen. Da diese Tiere jedoch nicht lebensfähig
    sind und kurz vor ihrer Geburt sterben, wird Nervengewebe aus ihrem
    Hirn anderen Mäusen eingepflanzt. Sollte es gelingen zu beweisen, daß
    diese Mäuse dieselben Veränderungen zeigen, wie sie bei
    Alzheimer-Kranken vorkommen, wird man endlich an diesem Tiermodell
    gezielt Ursache und Behandlung dieser Krankheit studieren können.


    Quelle: Diese EULENSPIEGEL-Ausgabe beruht auf Referaten von
    K.Beyreuther, B.Reisberg, Z.S.Khatchaturian und W.H.Gispen, gehalten
    am "9th International Bayer Seminar on Brain Aging and Dementias"

Weitere interessante Texte     Kommentar zum Text im Forum abgeben     Diese Seite drucken