Wie und warum Bakterien kommunizieren - Anwendung der Enzyme

Bakterien zählen zu den ältesten, einfachsten und individuenreichsten
Organismen. Antonie van Leeuwenhoek (1632-1723) war die erste Person, die
die Erscheinung Bakterium dokumentierte.

Grob gesehen bestehen Bakterien aus kaum mehr als einer oft starren Hülle,
dem Cytoplasma und der Erbmasse aus DNA. Sie haben somit keine komplexe
Architektur wie bei den höheren Zellen, keine eigenen Organellen für die
Stoffwechselfunktionen (wie Mitochondrien, die Energie in Form von ATP
bereitstellen) und auch keinen abgegrenzten Zellkern mit Chromosomen.

Trotzdem gibt sehr raffinierte und vielfältige Methoden mit denen sie ihre
Umgebung manipulieren um zum Beispiel mit höheren Organismen zu
kommunizieren. Sie tauschen Signale in irgendeiner Form aus. Zum Einen kann
die Wirkung sehr gering sein oder ausbleiben, anderseits können sich ganz
beträchtliche Effekte erzielen lassen.

Bakterien wachsen in Kolonien. Früher nahm man an, dass es nur Anhäufungen
von Einzelkämpfern sind, die sich nur um sich selbst sorgen. Heutzutage
weiß man das sie mit anderen Bakterien und mitunter auch anderen Zelltypen,
über Botenstoffe kommunizieren.

Beispiel 1: Licht durch Konzentration

Es gibt marine (meint: Unterwasser lebend) Leuchtbakterien die im dunkeln
glimmen. Allerdings geben sie oftmals unterschiedliche Mengen an Licht ab
und sind dazu auch erst ab einer bestimmten Bevölkerungsdichte bereit. Die
Lichtemission beruht auf einer chem. Reaktion mit einem Enzym als
Katalysator, der Luciferase.

Steuerung der Reaktion: Die Bakterien geben einen Signalstoff ab um die
Synthese von Luciferase und anderen nötigen Proteinen, Enzymen und
Coenzymen zu veranlassen. Der vom Bakterium produzierte Signalstoff
aktiviert ein Protein (LuxR) welches das Ablesen der zur Lichtproduktion
nötigen Proteingene veranlasst.

Dieser Prozess läuft jedoch erst bei einer höheren Konzentration des
Signalstoffes an, das heißt also erst bei einer gewissen Zelldichte. Frage:
Was hat so ein Haufen Bakterien davon, dass er so viel Energie aufwendet?
Die Bakterien leuchten wahrscheinlich nicht weil es ihnen Spaß macht und
auch nicht um in der tiefen See etwas zu erkennen (sie haben ja auch gar
keine Augen). Es könnte also sein, dass sie in Symbiose mit anderen
Lebensformen auch davon profitieren zu leuchten. Der nachtaktive
Tintenfisch Euprymna scolopes beherbergt eine ganze Menge in seinem
Leuchtorgan, das bedeutet Schutz für ihn, weil von unten gesehen erscheint
das leuchten der Bakterien wie das Licht des Mondes und schützt ihn somit
vor Feinden. Die Bakterien bekommen im Gegenzug Nahrung und einen sicheren
Unterschlupf. Wenn das Bakterium frei im Wasser schwimmt, leuchtet es
nicht. Was hätte es auch davon seine ganze Energie zu verschwenden?

Beispiel 2: Arbeitsgemeinschaft Fruchtkörperbildung

Im 1. Beispiel bewirkte der Signalaustausch keine Veränderungen im
Verhalten oder in der äußeren Form der Bakterien. Bei den Myxobakterien ist
dies ganz anders. Normalerweise leben sie überall auf der Welt als
bewegliche Stäbchen die ganz für sich im Boden leben. Wenn Wasser oder
Nährstoffe knapp werden schließen sich jedoch zu Tausenden zusammen und
bilden aufrechte Fruchtkörper, die schon mit bloßem Auge auf verrottendem
Pflanzenmaterial als leuchtend gelbe, rote oder grüne Sprenkel zu er
erkennen sind. Sie dienen dazu widrige Zeiten zu überstehen. Einige der
zuvor aktiven Bakterien werden nun zu widerstandsfähigen Sporen, die sich
in dem Paket leicht durch Wind, Wasser oder Tiere an andere Orte
transportieren lassen können um neu auszukeimen.

Interessant ist wie dies von statten geht. Die Bakterien schließen sich
nicht einfach zu einem Fruchtkörper zusammen. An diesem Prozess sind mehrere
Botenstoffe beteiligt. Wenn eine Zelle hungert produziert sie den
so genannten Faktor A. Insgesamt ist die Konzentration an Faktor A noch
recht niedrig. Wenn jedoch viele Bakterien hungrig sind, dann steigt die
Konzentration des Stoffes und in ungefähr vier Stunden sammeln sich die
Bakterien zu kleinen Haufen mit jeweils 100.000 Mitgliedern zusammen. Nach
etwa 20 Stunden wandeln sich ein Teil der Bakterien zu Sporen, und nach
etwa 24 Stunden ist das Grundgerüst des Fruchtkörpers fertig.

Der Faktor C, ein kleines Protein, wirkt erst später, wenn sich die Haufen
schon gebildet haben.

Dieser Botenstoff wird jedoch an der Oberfläche verankert. Er veranlasst,
dass sich die Bakterien sehr dicht scharen um die größtmöglichen
Überlebens-Chancen zu haben. Erst bei einer gewissen Bakteriendichte wird
er Gen-Apparat für die Sporenbildung aktiviert.

Wirklich interessant ist das sich bis zu diesem Punkt, viele der Bakterien
geopfert haben, damit einige in diesem Pseudoorganismus eine besondere
Überlebens-Chance haben.

Die Anwendbarkeit von Proteinen ist somit nicht nur auf Enzyme,
Transportproteine, Gene und dergleichen eingeschränkt. Man kann sie auch
als Botenstoff benutzen, und dies sogar zwischen verschiedenen Zelltypen
und Organismen.

Bei den Knöllchenbakterien, die sich an den Wurzeln von Hülsenfrucht-
pflanzen ansiedeln, ist der Prozess der Ansiedlung auch nur dann möglich
wenn die Wurzel und die Bakterien miteinander kommunizieren. Denn die
Pflanze muss sich erst verändern ( sie bildet kleine Knöllchen ) damit
die Bakterien eindringen können.

Die Bakterien haben dann einen Lebensraum und die Pflanze profitiert von
dem Stickstoff den die Bakterien fixiert haben. Es ist sehr viel Energie
notwendig um die Bindung des molekularen Luftstickstoffes zu brechen, und
den Stickstoff in die Zellsubstanz einzubauen. Außerdem benötigt man eine
ganz speziellen Ausstattung an Enzymen. Darüber verfügen nur spezialisierte
Bakterien wie die Knöllchenbakterien. Ohne diese Bakterien die unter
Gebrauch ihrer speziellen Enzyme den essentiellen Baustoff Stickstoff immer
neu fixieren, wie man sagt, wären die Lebensprozesse in der Evolution wohl
schon früh zum Erliegen gekommen.

Exkurs: Enzyme, Coenzyme, Zyklen

Enzyme sind Eiweißstoffe, die für alle Stoffwechselreaktionen als
Biokatalysatoren von Bedeutung sind. Sie erhöhen die
Reaktionsgeschwindigkeit, durch Senkung der Aktivierungsenergie. Deshalb
können Reaktionen schon bei Zimmertemperatur erfolgen, da Enzyme den Betrag
der aufzuwendenden Energie senken.

Diese komplex gefalteten Eiweißketten haben ein aktives Zentrum, eine
taschenartige Vertiefung in der die Reaktionen,  in einer lockeren
Verbindung zwischen Enzym und Substrat, stattfinden. Diese Vertiefung im
Enzym garantiert eine sichere Erkennung des Substrates. (Schlüssel-Schloss)
Deshalb können die meisten Enzyme auch nur eine Reaktion an einem ganz
bestimmten Substrat beschleunigen. Enzyme können nicht nur Bindungen
spalten, sondern auch Bindungen knüpfen.

Enzyme sind empfindlich gegen Hitze und pH-Wert-Änderungen, es gibt daher
ein Temperaturoptimum und pH-Optimum für jedes Enzym. Wird das
Temperaturoptimum Unterschritten, dann fällt der Energiegewinn niedriger
aus. Wird es Überschritten dann sinkt der Energiegewinn ebenfalls,
möglicherweise wird das Enzym bei zu großer Hitze sogar zerstört. Starke
Säuren können Enzyme ebenfalls schädigen.

Ein großer Teil der Enzyme wird durch das Anhängen von -ase an den
Substratnamen benannt.

Amylase ist somit das passende Enzym zum Amylum.

Es ist ebenfalls möglich Enzyme zu hemmen, also ihren katalytischen Effekt
zu blockieren.

Zum einen durch die kompetitive Hemmung, wobei ein dem Substrat ähnelndes
Molekül, das aktive Zentrum blockiert. Gesteuert wird diese Hemmung allein
durch die Konzentration des Hemmstoffes und der des Substrates. Durch
Erhöhung der Substratkonzentration kann man die kompetitive Hemmung wieder
rückgängig machen. Bei einer nicht kompetitiven Hemmung greift der Inhibitor
(Hemmstoff) an einer anderen Bindungsstelle an und die Umsetzung des
Substrates wird ebenfalls unmöglich. Die Erhöhung der Substratkonzentration
hat in diesem Falle keine besondere Wirkung.

Coenzyme sind Bestandteil eines Enzyms und zwar Teil des aktiven Zentrums.
Weil sie bei der Reaktion chemisch verändert werden, nennt man sie auch
Cosubstrate. In einer späteren Reaktion können die Coenzyme jedoch
regeneriert werden. Man unterscheidet Wasserstoff übertragende und
Energie übertragende Coenzyme.

Ein großes Aufgabengebiet der Enzyme, Coenzyme und deren Zyklen ist die
Verwertung von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen. Diese vielfältigen
Prozesse sind nötig, da der Mensch in seiner Nahrungsaufnahme sehr
unbeschränkt ist (Allesfresser), er muß also die unterschiedlichsten
Nährstoffe verwerten. Das ist Bedingung für einen geregelten Stoffwechsel.

Im Einzelnen...

Kohlenhydratabbau: Die Atmungskette erklärt warum der Mensch atmet. In ihr
wird das NADH+H+ aus der Glykolyse und dem Citronensäurezyklus
oxidiert um ADP in ATP zu verwandeln.

Fettabbau: Fette sind sehr gute Energiespeicher. Bezogen auf Gewichtsmengen
hat Fett mehr als den doppelten Energiegehalt von Glucose. Die Zyklen im
menschlichen Körper sind vielfach miteinander Verknüpft. Die Glykolyse und
der Citronensäurezyklus und somit auch die Atmungskette sind ebenfalls
Bestandteil des Fettabbaus.

Harnstoffzyklus: Die Eiweißstoffe in der Nahrung werden ebenfalls
verwertet. Aus ihnen lässt sich ebenfalls Energie gewinnen. Jedoch entsteht
auch Ammoniak, ein starkes Zellgift, das über den Harnstoff ausgeschieden
wird.

Diese drei Vorgänge sind untereinander noch weiter Verknüpft. Das ist
wichtig damit möglichst wenig (und vor allem ungiftige) Reststoffe
übrig bleiben und möglichst viel Energie aus der Nahrung gewonnen wird.

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