Natürlich vorkommend in Kaffebohnen (zu 4% des Gesamtgewichtes),
Teeblättern, Kolanüssen, Mateblättern und Guaranasamen (zu 5%).
Es wirkt erregend auf die Großhirnrinde, das Atem- und Kreislaufzentrum,
verursacht Erweiterung der Blutgefäße und Diurese ( = Harndrang).
Coffein findet therapeutische Anwendug als Tonikum = "Belebungssaft", "happy
water" = Psychoanaleptikum, hom Coffea.
Bei akuter Vergiftung (Coffeinismus) treten Unruhe, Gemütserregung, zentrale
Erregung, Herzrasen, evtl. auch Herz- und Kreislaufkollaps auf.
Coffein ist ein Alkaloid. Sein chemischer Aufbau beruht auf der Stuktur der
Purine (C5H4N4); ein Grundgerüst, das in jedem Zellkern (in DNS) vorkommt.
Angeknüpft an die Stickstoffatome in Position 1, 3 und 7 sind Methylgruppen
( - CH3) und in Position 2 und 6 je eine Hydroxylgruppe (OH-), daher der
Name Xanthin (C5H4N4O2) = 2,6-Dihydroxypurin.
Der vollständige Name lautet daher: 1,3,7-trimethylxanthin.
Tee enthält noch zwei weitere Purine, Theophyllin (1,3-dimethylxanthin) und
Theobromin.
Kakao, Tee, Mate und die Kolanuß enthalten Theobromin (3,7-dimethylxanthin).
THEOBROMIN wirkt - milder als Coffein - schwach erregend, harntreibend
(diuretisch) und steigert die Kontraktilität (Leistungsfähigkeit) des
Herzmuskels.
Vorsicht!! In hohen Dosen ist das in beispielsweise Schokolade enthaltene
Theobromin für Hunde tödlich. 4 Tafeln können einen 6 Kg schweren Hund in
lebensbedrohliche Lage bringen.
THEOPHYLLIN wirkt zentral erregend, schwach diuretisch, beschleunigt die
Herztätigkeit, erweitert die Gefäße an Herz, Niere und Peripherie, verengt
sie am Gehirn und erweitert die Bronchien. Es hemmt Adenosin-Rezeptoren in
Gehirn und Herz; vermindert durch Hemmung der Phosphodiesterase die
Hydrolisierung von cAMP (cyclo - Adenosin-mono-phosphat) zu AMP, welches
eine zentrale Stellung in der hormonalen Regulation und im Stoffwechsel
einnimmt. Vermutlich versucht der Körper dem Mangel an AMP entgegenzuwirken
indem er in Anwesenheit der Hemmung die Produktion von cAMP erhöht und damit
seine Wirksamkeit intensiviert.
Theophyllin beeinflußt außerdem den transmembranären Calcium-Einstrom und
die Freisetzung von Calcium aus / in den intrazellulären Speichern.
Coffein, Theobbromin und Theophyllin werden im Körper zu Harnsäure abgebaut
und ausgeschieden.
Glucuronolacton (Glucuronsäure-gamma-lacton):
Lakton ist ein Bindungspartner der Glucuronsäure: C6H10O7.
Letztere spielt eine wichtige Rolle in den Entgiftungsreaktionen des
Körpers: sie bildet in der Leber durch Verknüpfung mit Abbauprodukten,
Phenolen, Benzoesäure, Arzneimitteln etc. wasserlösliche Glucuronide
(gepaarte G.), die durch die Nieren ausgeschieden werden können.
Glukuronsäure wird vom Organismus selbst gebildet und gespeichert. Es kommt
in vielen Pflanzen und in den meisten tierischen Faser- und Bindegeweben
vor.
Wer mitgehirnt hat, und wen nun die Ähnlichkeit von C6H12O6 und C6H10O7
plagt, hier die chemische Erklärung: Glukuronsäure entsteht aus Glukose
durch Oxidation am C-6 Atom - und damit wird der Alkohol (org. Hydroxylgr.:
R-CH2-OH) zur Carboxylgruppe: R-COOH-.
Und nochwas für den elend Neugierigen: Lacton ist der innerste Ester
(R-COOR';, R, R'; - CH3) von Hydroxycarbonsäuren, Bildung durch
Wasserabspaltung - wie sonst?
Guarana:
Wird aus den Samenkörnern der ursprünglich im Amazonasgebiet heimischen
Schlingpflanze "paullinia cupana" gewonnen, die Botaniker zu den
Seifenbaumgewächsen zählen. Der merkwürdige Name erklärt sich aus den hohen
Gehalt an schäumenden Saponinen; Verwandte der Guaranapflanze wurden
tatsächlich als Waschmittel genutzt.
Weitere Verwandte liefern den Eingeborenen natürliche pflanzliche
Substanzen, die sie zur Herstellung von Insektenschutz, Pfeilgift oder als
fiebersenkende Medizin und zur Behandlung von Schlangenbissen verwenden.
Bei uns heimisch ist das Seifenkraut, Saponaria officinalis; bekannt ist
evtl. die Litchi-Pflaume, Frucht eines südostasiatischen Seifenbaumes. Alle
anderen Arten sind ungenießbar und nicht zum Verzehr geeignet.
Seit über 500 Jahren schätzen die brasilianischen Indianer die Kraft und
Audauer verleihende Lianenfrucht, die sie zur Unterstützung auf langen
Wanderungen und bei Nahrungsmittelknappheit gegen Müdigkeit und Hunger als
täglichen Proviant gebrauchten. Die Quelle der Energie bildet das im
Guaranasamen enthaltene Koffein, welches an Ballaststoffe gebunden ist und
langsam über 6 bis 7 Stunden an den Körper abgegeben wird, ohne daß man es
bedeutend merkt. Die belebende Wirkung auf Körper und Geist verspürt man
erst dann, wenn es darauf ankommt. Gleichzeitig stellt sich ein leichtes
Sättigungsgefühl ein, das vor Hungerattacken schützt - selbstverständlich
nur während dieser 6 bis 7 Stunden.
Nach der Ernte werden die Kerne der reifen Guarana-Frucht von den Indios
getrocknet, geröstet, geschält und zermahlen; das so gewonnene Pulver wird
mit Wasser verrührt, geknetet und zu Stangen geformt einige Wochen lang über
speziell dafür ausgesuchten Hölzern geräuchert, um es haltbar zu machen. Um
sich nun einen Guarana-Drink, einen "Aqua branca", zu zubereiten, raspeln
die Indios etwas von diesen Stangen ab und verrühren es in kaltem Wasser.
Eine andere Methode, die Samen zu verarbeiten, ist, sie zu verreiben, mit
Mehl zu mischen und in Bananenblätter gewickelt in Wasser zu kochen.
Anschließend trocknet man diese Masse und bereitet Tee daraus zu.
Durch diese aufwendige traditionelle Aufbearbeitung wird das gebundene
Koffein dem Körper zugänglich, und die Samen werden haltbar gemacht.
Industrielle Massenverarbeitungsmethoden gewährleisten dies nur beschränkt,
da Rückstände am Koffein nicht gänzlich entfernt werden, das Produkt
ungenügend konserviert wird, unangenehm bitter schmekt und Magen und Darm
reizt.
Die in Guaranasamen enthaltenen Ballaststoffe und Rohfasern verlangsamen die
Abgabe des Koffeins an den Organismus. Dies wird schonender empfunden als
die stoßweise Abgabe des Koffeins von gebrühtem Kaffee. Pflanzliches Eiweiß,
Kohlehydrate und Mineralstoffe unterstützen diesen Vorgang und leisten ihren
Beitrag zu diesem Gefühl des Fit- und Wachseins.
Aber Achtung! Dosiert man das im Handel in Pulverform erhältliche Guarana zu
hoch, hat das ein unangenehmes Völle- und Spannungsgefühl zur Folge, das
einige Stunden andauern kann.
Ein oder zwei... Löffelchen Guaranapulver mehr erhöhen also nicht die
Leistungsfähigkeit, sonden verschlechtern das Allgemeinbefinden.
Inosit, Inositol, Myo-Inositol:
Inosit ist ein sechswertiger zyklischer Alkohol (ein Zyklit; kein Zucker).
Das Myo-Inosit (süß-schmeckend) kommt frei im Muskelgewebe und in vielen
pflanzlichen und tierischen Organen vor. Es ist ein zum Vitamin-B2-Komplex
gerechneter Wuchsstoff. Bei Mangel treten Haarausfall, Hautentzündungen und
Wachstumsstillstand auf.
Wird als das in Weizenkeimlingen, Sojabohnen und Erdnüssen befindliche
1-Phosphatidyl-inosit (1:1) aufgenommen, kommt bei Mensch und Tier z.B. in
Hirn, Leber und Herz vor und stellt zwei sehr stoffwechelaktive Komponenten
der Myelinscheiden (Nervenbahnen!) dar.
Taurin:
Taurin ist ein freies biogenes Amin, das weitverbreitet im Körper vorkommt,
und besonders konzentriert in Muskel, Leber, Gehirn und Zentralnervensystem
anzutreffen ist. Taurin wurde in vielen Geweben nachgewiesen, auch in
Organen bestimmter Wiederkäuer, was ihm seinen eigenwilligen Namen
verschafft hat. Ebenfalls Muttermilch - wegen geringer Eigensynthese des
Neugeborenen, der während der Schwangeschaft schon von der Mutter mit Taurin
versorgt wurde - enthält Taurin in hoher Konzentration.
Dieser Stoff übt wichtige biochemische und physiologische Funktionen aus:
Durch Bindung an Gallensäuren erleichtert Taurin die Fettverdauung. Während
des Wachstums des Gehirns beteiligt sich Taurin an der Bildung der Synapsen
und an der Übertragung von Impulsen. Seine Funktion als Wachstumsfaktor und
Neurotransmitter wird vermutet.
Obwohl Taurin so häufig im Körper vorkommt - 70% befinden sich im Muskel und
Herzmuskel -, wurden genauere Forschungen über diese Substanz noch nicht
angestellt. Es ließen sich bei Säuglingen, die längerfristig durch
Infusionen ernährt werden mußten und so einem Taurinmangel ausgesetzt waren,
Netzhautveränderungen nachweisen, was den Rückschluß zuläßt, daß Taurin bei
der Bildung intakter Lichtrezeptoren beteiligt ist.
Nicht nur über die Nahrungsaufnahme wird für genug Taurin im Körper mit
gesorgt. Jeder Organismus ist ab einer gewissen Altersstufe (vermutlich
schon nach dem Säuglingsalter) fähig, Taurin aus den einzigen
schwefelhaltigen Eiweißbausteinen Cystein und Methionin in folgenden
Schritten selbst zu bilden:
- Methionin ---> Cystathioin ---> Cystein ---> Taurin.
Oder:
- Cystein ---> (Decarboxylierung) ---> Cysteamin --> (Oxidation) ---> Taurin
= H2N-CH2-CH2-SO3H
Der chemische Name lautet: Aminoäthansulfonsäure
Taurocholsäure, Konjugationspartner gepaarter Gallensäuren, findet Anwendung
als Gallentreibmittel, Nährbodenzusatz und Gegengift bei
Digitalisvergiftungen (botanisch Gattung "Fingerhutpflanzen". Diese
enthalten Acetylcholin, einen Neurotransmitter; wird therapeutisch zur
Steigerung von Kraft, Grad und Schnelligkeit der Herzkontraktilität
genutzt.)
Der Zusatz von Taurin zu Säuglingsnahrung und Katzenfutter ist schon lange
üblich; dies ist zulässig und empfehlenswert, aber nicht zwingend notwendig.
(c) 1996 by Barbara Schatt
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