Die Geschichte des Personal Computers (PC)
Vortrag im Rahmen des Proseminars
'Geschichte der Informatik'
Lothar Fritsch
Saarbrücken, im April 1992
SILICON VALLEY
Das Silicon Valley ist der Geburtsort des Personal Computers. Vom Namen her
wohl vielen ein Begriff, aber wo liegt das 'Tal der Chips' eigentlich, und
welche Funktion hatte es bei der Entstehung des Personal Computers? Wie ist
das Silicon Valley überhaupt entstanden?
Geographie
'Silicon Valley' ist, streng geografisch gesehen, kein Tal. Es handelt sich
um eine circa 20 mal 40 Kilometer große Fläche am Südende der San Francisco
Bay an der Westküste Kaliforniens, ungefähr bei 122 Grad westlicher Länge
und 37.5 Grad nördlicher Breite. Die Entfernung von San Francisco beträgt
etwa 70 Kilometer.
Die San Francisco Bay ist von Gebirgszügen umgeben; vom Silicon Valley aus
gesehen sind dies im Süden die Santa-Cruz-Mountains (bis ca. 800 Meter
hoch) und im nordöstlichen Teil die Diablo Ranges mit bis zu 1200 Metern
Höhe. Die Orte des Silicon Valley liegen zwischen 10 und 300 Metern über
dem Meeresspiegel.
Das Gelände hat den Namen Silicon Valley erst seit 1971. Damals prägte der
Journalist Don Hoeffler den Namen in einem Artikel über die
Halbleiterindustrie der Vereinigten Staaten. Zuvor hieß das Gebiet einfach
Santa Clara County, benannt nach der Hauptstadt des Gebietes.
Die wichtigsten Städte, gesehen aus nordwestlicher Richtung (von San
Francisco her), sind Palo Alto mit der Stanford-Universität, die bei der
Entstehung des Silcon Valley eine Schlüsselrolle spielte, danach weiter in
südöstlicher Richtung Mountain View, Sunnyvale, Cupertino, Santa Clara und
schließlich San Jose, größte Stadt des Silicon Valley und zugleich das
südöstliche Ende. In etwa dieser Reihenfolge ist das Silicon Valley auch
gewachsen. Angefangen hat alles an der Stanford-Universität, und im Laufe
des Wachstums breitete sich die Industrie in Richtung San Jose aus.
Entsprechend finden wir auch die gesellschaftliche Struktur im Silicon
Valley vor. In Palo Alto, Sunnyvale, Cupertino und Santa Clara leben
hauptsächlich Ingenieure und Akademiker. Mountain View ist wegen seiner
relativ hohen Lage über der Bucht und der guten Aussicht auf Meer und
Gebirge zur Residenzstadt der Millionäre des Silicon Valley geworden. San
Jose hat seinen Bevölkerungsreichtum hauptsächlich der Tatsache zu
verdanken, dass sich hier die Arbeiter der umliegenden Firmen ansiedeln.
Darunter sind viele Ausländer, zumeist lateinamerikanischen,
phillipinischen oder asiatischen Ursprungs, die in den Chip- und
Technologiefabriken die Massenarbeit verrichten.
Ebenfalls günstig nahegelegen ist die Berkeley-Universität, die knapp 100
Kilometer nördlich liegt.
Die Stanford-Universität
Die Leyland Stanford Junior University wurde 1891 gegründet. Dies wurde
möglich durch eine Landstiftung des damaligen Senators Stanford, der 8800
Morgen Land einer Farm sowie 20 Millionen Dollar zur Verfügung stellte, um
eine Universität zu gründen .
1924 wird Frederick E. Terman Professor für Radiotechnik in Stanford. Er
spielte in der Geschichte des Silicon Valley gleich in zweifacher Weise
eine besondere Rolle. Zunächst verhalf er der allerersten Elektronikfirma
in der Bucht zur Gründung, indem er seinen Studenten William Hewlett und
David Packard einen größeren Kredit verschaffte. Die Firma Hewlett-Packard
dürfe heute ein Begriff auf dem Gebiet der Mikroelektronik sein.
Seine zweite bedeutende Tat war die Gründung des Stanford Industrial Parc,
auch Stanford Research Parc genannt. Die Gründung dieses Forschungsparks
für universitätsnahe industrielle Forschung sollte Stanford zu mehr Kapital
verhelfen, um mehr Wissenschaftler einstellen und bessere Einrichtung
anschaffen zu können. Denn das Problem in Stanford war, dass man sehr viel
Land besaß, aber laut Schenkungsurkunde nichts davon verkaufen durfte. So
kam Terman Ende der vierziger Jahre auf die Idee, das Land einfach für 99
Jahre an interessierte Firmen zu verpachten. 1951 war es dann soweit: die
erste Firma bezieht ihr Grundstück im Forschungspark: Varian Associates.
Hewlett-Packard folgt 1954. Zu Beginn der 80er Jahre waren mehr als 90
Firmen, darunter auch die bekanntesten der amerikanischen
Hi-Tech-Industrie, im Forschungspark vertreten.
Der Transistor und seine Folgen
1947 erfanden Wiliam Shockley, John Bardeen und Walter Brattain den
Transistor. Zunächst wurde er nur als Verstärker benutzt, aber bald
erkannte man seine Eignung als schneller Schalter. Anfang der 50er Jahre
wurde der Transistor dann in Massen produziert, und Hauptabnehmer war das
Militär.
Shockley und seine Kollegen erhielten 1956 den Nobelpreis für die Erfindung
des Transistors. Kurz davor gründete Shockley seine Firma Schockley
Semiconductor Laboratory . Er stellte acht Ingenieure, vor allem von der
Ostküste Amerikas, ein - die sog. Shockley Eight. Als Firmen- und Wohnsitz
suchte er sich Palo Alto aus, weil ihm das Klima und die Universitätsnähe
zusagten und weil seine Mutter von dort stammte und er somit ein wenig
ortskundig war.
Doch bereits 1957 verließen Ingenieure wegen Unstimmigkeiten über die
Produktlinie Shockley und gründeten eine eigene Firma: Fairchild
Semiconductors . Es war die erste Firma, die ausschließlich
Siliziumhalbleiter produzierte. Ihre Gründer waren Robert Noyce und Gordon
Moore. Bei Fairchild wurden für die Halbleiterherstellung bedeutende Ding
wie der Planarprozess erfunden.
Danach erfolgten explosionsartig immer neue Firmengründungen. Fast alle
kann man auf Shockley/Fairchild zurückführen. Selbst die Anfänge bekannter
Firmen wie National Semiconductors oder Advanced Microcomputer Devices
(AMD) sind bei Fairchild zu finden.
1968 zog sich Robert Noyce aus Fairchild zurück und gründete Intel
(Integrated Technology) .
Texas Instruments und Motorola sind zwei der wenigen großen
Halbleiterfirmen, die nicht im Silicon Valley entstanden sind. Fast der
gesamte Rest der Halbleiterhersteller Nordamerikas begann im Silicon
Valley.
DER MIKROPROZESSOR
Der Mikroprozessor ist heute weit verbreitet. Ohne Mikroprozessor hätte es
die rasante Entwicklung zum Personal Computer nicht gegeben. Doch
ursprünglich war der Mikroprozessor gar nicht zur Anwendung in Computern
gedacht. Tatsächlich wußte der Erfinder Intel eine zeitlang überhaupt
nicht, was er mit seiner teuren Entwicklung anfangen sollte.
Vor dem Mikroprozessor
Vor dem Mikroprozessor gab es Mainframes und Minicomputer. Mainframes waren
sehr große Rechner, zumeist Raum füllend, Strom verschlingend und kosteten
viele Millionen. Minicomputer waren schon so klein, dass sie Schrankgröße
hatten. Sie kosteten mehrere hunderttausend Dollar. Der kleinste
Minicomputer, die PDP-8 von DEC, konnten sogar von Handelsvertretern im
Kofferraum zur Vorführung mitgenommen werden . Aber all diese Maschinen
waren nicht im Entferntesten das, was man unter Personal Computern
versteht. Die Mainframes und Minicomputer konnten von mehreren Leuten
benutzt werden, und Rechenzeit war nur zentral in Rechenzentren gegen viel
Geld zu bekommen . Computer im Besitz von Privatpersonen gab es nicht. Nur
Institute, Behörden und sehr große Firmen konnten sich überhaupt einen
Computer leisten.
Tisch- und Taschenrechner
Eine der ersten populären Anwendungen von hoch integrierten Schaltkreisen
neben der militärischen Nutzung und dem Bau von Großrechnern waren die
Rechenmaschinen. Zunächst waren dies Tischgeräte, viele tausend Dollar
teuer, die lediglich die Grundrechenarten beherrschten und eine
Leuchtanzeige mit wenigen Stellen besaßen.
Doch es dauerte nicht lange, bis die Rechenmaschinen dank höher
integrierter Halbleiter und neuer Schaltkreise immer kleiner und
leistungsfähiger wurden. Vor allem Texas Instruments verkaufte Chipsätze
für Rechenmaschinen in großen Mengen. Diese Chipsätze wurden von kleinen
Firmen gekauft, die daraus Rechner bauten und gewinnbringend verkauften.
Hewlett-Packard verkaufte 1968 mit dem HP9100A einen Tischrechner für 4900
Dollar, der immerhin schon trigonometrische Funktionen berechnen konnte .
Das Gerät besaß eine Kathodenstrahlröhre als Anzeige.
Der nächsten Schritt war die Entwicklung des Taschenrechners. Ende der
sechziger Jahre kamen die ersten Modelle auf den Markt. Sie konnten
lediglich die Grundrechenarten ausführen und hatten nur selten
Speicherfunktionen.
1972 stellte Hewlett-Packard den HP35A vor. Es handelte sich um einen für
heutige Begriffe recht großen Taschenrechner mit extrem vielen Funktionen.
Er kostete fast 500 Dollar .
Bald begann ein richtiger Kampf um Marktanteile im Taschenrechnergeschäft.
Die Branche hatte Probleme, zum einen durch den massenhaften Import von
billigen Rechnern durch Commodore, zum andern durch die wachsende
Konkurrenz auf dem Halbleitermarkt.
Dies führte dazu, dass Texas Instruments sich 1972 schließlich entschloss,
anstelle des Verkaufs von Chipsätzen nun die komplett montierten,
funktionsfähigen Taschenrechner anzubieten. Dies veränderte den Markt
schlagartig. Die Taschenrechner von Texas Instruments waren so billig, dass
sämtliche kleineren Firmen, die bis dahin vom Bau von Taschenrechnern
gelebt hatten, in Schwierigkeiten kamen. So kosteten die billigsten Rechner
von Texas Instruments rund 50 Dollar, andere Rechner aber immer noch etwa
100 Dollar. 1974 war der Durchschnittspreis eines Taschenrechners auf 26,25
Dollar gefallen .
Dies führte unter anderem dazu, dass eine kleine Firma namens MITS sich nach
einem neuen Produkt umsehen musste. Doch dazu später mehr.
Die Geburt des Mikroprozessors
Im Jahr 1969 trat die japanische Firma Busicom an den Halbleiterhersteller
Intel mit dem Auftrag der Herstellung eines Chipsatzes für Taschenrechner
heran. Intel hatte sich bisher auf die Herstellung von Speicherbausteinen
konzentriert, aber Robert Noyce, Chef von Intel, sagte sich, dass dieser
Entwicklungsauftrag nichts schaden könne . So wurde Marcian Ted Hoff, ein
neuer Mann bei Intel, mit dem Design des Chipsatzes beauftrage. Hoff kam
gerade von der Universität und hatte dort auch Kontakt mit verschiedenen
Minicomputern gehabt, unter anderem auch mit der PDP-8 von DEC. Er merkte,
dass der gewünschte Chipsatz den Taschenrechner in etwa so teuer machen
würde wie einen Minicomputer. Und für ihn als Wissenschaftler war klar: er
würde den Computer dem Taschenrechner vorziehen .
Er wandte sich mit der Idee eines programmierbaren Universalschaltkreises
an den Auftraggeber, doch der war davon nicht begeistert. Robert Noyce
ermutigte Hoff jedoch, weiterzumachen, weil ein programmierbarer
Universalchip Intel von Nutzen sein könnte - er könnte jedes
Taschenrechnerproblem der Welt lösen, ohne dass ständig neue Hardware hätte
gebaut werden mußsen.
Mitte 1969 kam Stan Mazer von Fairchild zu Intel und unterstützte Hoff beim
Design seines Schaltkreises. Nach Vollendung des Designs, aber noch vor der
teuren Produktion des ersten Schaltkreises, gelang es Intel, den
Auftraggeber von der Nützlichkeit des Hoff'schen Schaltkreises zu
überzeugen. Die Japaner bekamen einen Exklusivvertrag zur Nutzung des
Mikroprozesors für etwa 60000 Dollar. Mazer und Hoff freuten sich, und
begannen zusammen mit Frederico Faggin, einem weiteren Intel-Mitarbeiter
und Ex-Fairchild-Mann, den Entwurf in einen Schaltkreis umzusetzen. Der
Schaltkreis bekam die Nummer 4004, zum einen, weil er rund 4000
Transistorfunktionen innehatte, und zum anderen, weil er der vierte
Prototyp des Bausteins war. Außerdem verarbeitet der 4004 immer 4 Bit auf
einmal. Die Prototypen 4000, 4001, 4002 und 4003 hatten kleine Fehler, und
der 4004 war der erste Chip, der vollständig funktionierte. Einen langen
Bericht von Frederico Faggin zur Entstehung des 4004 findet man in.
Doch der Exklusivvertrag mit dem japanischen Kunden machte Intel zu
schaffen. Dort hatte man mittlerweile erkannt, dass der Mikroprozessor auch
in Mess- und Steuergeräten gut einsetzbar war. So kam es gerade recht, dass
die Japaner Ende 1970 um eine Preissenkung des 4004 baten, um
konkurrenzfähig zu bleiben. Intel nutzte die Gelegenheit und kaufte mit der
Preissenkung das Recht am Mikroprozessor zurück. Denn mittlerweile hatte
sich eine weitere Firma bei Intel gemeldet, die einen Schaltkreis haben
wollte, der ein Terminal steuert. Es war sofort klar, dass dies eine weitere
Anwendung für den Mikroprozessor war. Allerdings war der 4004 dafür
ungeeignet, da er nicht einmal den Zeichencode eines Buchstabens auf einmal
bearbeiten konnte. So fingen Hoff und seine Kollegen an, einen neuen
Mikroprozessor mit der Fähigkeit, 8-Bit-Daten zu verarbeiten, zu entwerfen.
Doch die Entwicklung des 8008 dauerte dem Auftraggeber zu lange, und er
sprang ab. Nun saß Intel auf einem fast fertigen Mikroprozessor, für dessen
Entwicklung viel Geld investiert wurde, und es gab keinen Kunden. Also
entschloss man sich 1972, für den Mikroprozessor zu werben. Zu diesem Zweck
wurde Regis McKenna eingestellt, der die berühmte Werbekampagne 'A computer
on a chip' - ein Computer in einem Schaltkreis gestaltete. Die Aussage war
zwar nicht ganz korrekt, da man immer noch Speicherbausteine und einige
sonstige Bauteile benötigte, aber die Kampagne traf. Sie löste eine
derartige kontroverse Diskussion darüber aus, ob es wirklich einen Computer
auf einem Chip geben könne oder nicht, dass Intel bald in aller Munde war.
Mit der Vermarktung des Mikroprozessors kamen neue Probleme auf Intel zu:
der Prozessor musste ausführlich dokumentiert werden, damit Kunden etwas
damit anfangen konnten. Außerdem mussten die Kunden unterstützt werden, wenn
sie keine Programmiererfahrung hatten. Zu diesem Zweck wurden zwei neue
Leute eingestellt. Der eine hieß Adam Osborne und sollte die Dokumentation
zu den Mikroprozessoren erarbeiten. Diese Dokumentation, zusammen mit den
Büchern, die er später schrieb, wurde zu den wichtigsten Faktoren auf dem
Weg zum Personal Computer.
Der zweite Mann hieß Gary Kildall. Er bekam keine Festanstellung bei Intel,
sondern wurde unter Berater-Status geführt. Hauptberuflich dozierte er an
einer Schule der Armee im Bereich Informatik, doch der Mikroprozessor
faszinierte ihn so stark, dass er sich an Intel wandte. Dort bekam er ein
Entwicklungssystem zur Verfügung gestellt, auf dem er dann kleine Programme
für Intels Mikroprozessoren schrieb. Unter anderem implementierte er einen
PL-1 Compiler und fasste einige kleinere Routinen zum 'Control Program for
Microcomputers' CP/M zusammen. Damit konnte man erstmals Peripherie an den
Rechnern benutzen, ohne jedes Mal die Treiber für die Zusatzgeräte neu
schreiben zu müssen. CP/M sollte das führende Betriebssystem der kommenden
Mikrocomputer werden.
Nun erkannten auch andere Firmen die Vorzüge des Mikroprozessors. Es wurden
dutzende verschiedener Typen gebaut und angeboten. Mit der Zeit wurden
enorme Verbesserungen erzielt. Zum einen verbesserte sich die Technologie
der Halbleiterherstellung rasant, so dass eine größere Zahl Schaltungen auf
einem Chip untergebracht werden konnte, zum anderen kamen neue Ideen und
Konzepte wie Transputer, Signalprozessoren, Microcontroller oder das
RISC-Konzept auf. Doch durch den frühen Markteintritt von Intel und
Motorola gegenüber anderen Firmen sind Prozessoren der beiden Firmen heute
führend im Bereich der Personal Computer, wenn auch vor allem Prozessoren
von Intel in letzter Zeit verstärkt von anderen Firmen nachgebaut werden.
Einen kleinen Einblick in die Generationsfolge der Mikroprozessoren gibt
Tabelle auf Seite .
DER 'PERSÖNLICHE' COMPUTER
Mit der Verfügbarkeit von Speicherbausteinen und vor allem des
Mikroprozessors waren die Grundlagen des Personal Computers gelegt. Doch es
sollte noch einige Jahre dauern, bis jemand die Idee in die Tat umsetzte.
Erste Ideen
Bereits vor dem ersten großen kommerziellen Erfolg eines Mikrocomputers
hatten einige Leute die Idee, Personal Computer zu bauen oder malten sich
die Anwendungen von kleinen, preiswerten Computersystemen aus.
*People's Computer Company
Robert Albrecht war in den 60er Jahre Ingenieur bei Control Data
Corporation. Er versucht dort, die Entwicklung von kleinen, erschwinglichen
Computern anzuregen, jedoch ohne Erfolg. Schließlich kündigte er und
gründete das 'Portola Institute', welches für das Bekanntmachen von
Computern wichtige Vorarbeit leistete. Es beeinflusste maßgeblich Ted
Nelson's Buch 'Computer Lib' und führte zur Gründung der 'People's Computer
Company' (PCC) in der Nähe von San Francisco. Die PCC-Zeitung war eines der
ersten Blätter, die die Idee des Personal Computers vertraten. Die
Erstausgabe erschien 1972.
*DEC
Die Firma DEC hatte mit der PDP-8 den einem Mikrocomputer ähnlichsten
Rechner. Doch einer der Angestellten von DEC wollte einen Schritt weiter:
David Ahl wollte kleine, preiswerte Computer im Bildungsbereich einsetzten
und begann mit seinem Team an einem Prototypen zu arbeiten. Dieser wurde
schließlich 1973 der Firmenleitung vorgestellt. Diese war zwar von der
Kompaktheit fasziniert (das Gerät hatte die Größe eines Fernsehers und war
in einem DEC-Terminal untergebracht), sah aber keinen Bedarf für ein
solches Gerät am Markt. Es war einfach undenkbar, dass irgend eine
Privatperson einen Computer, der zudem noch relativ wenig
Leistungsfähigkeit besaß, kaufen würde. David Ahl kündigte daraufhin und
begann mit der Herausgabe der Zeitschrift Creative Computing .
*Der Cream-Soda-Computer
Ein Student namens Steven Wozniak baute sich 1972 mit Hilfe eines Freundes
einen kleinen Computer zusammen. Sie nannten ihn den Cream-Soda-Computer,
in Anspielung auf ihr Lieblingsgetränk. Wozniak hatte vorher an seiner
Universität und in verschiedenen Firmen eingehend die Architektur der
Rechner studiert, auch die der PDP-8 und PDP-11. Der Rechner hatte keinen
Mikroprozessor, sondern in Eigenarbeit gebaute Recheneinheiten. Er wurde
mit Schaltern für Adressen- und Dateneingabe programmiert. Bei der
Vorführung vor der örtlichen Presse brannte der Rechner durch und geriet in
Vergessenheit. .
*Mark-8
Die Hobbyelektronik-Zeitschrift 'Radio Electronics' stellte 1974 in ihrer
Juliausgabe die Baupläne für den Mark-8, einen kleinen Rechner auf Basis
des 8008-Mikroprozessors, vor. Die Sensation war perfekt - ein Computer zum
selber bauen, und das auch noch für unter 1000 Dollar. Doch schon bald
offenbaren sich Nachteile: fehlende Massenspeicher, umständliche
Dateneingabe per Schalter, sowie der entschieden zu langsame Prozessor 8008
sind erste Kritikpunkte .
Der Altair 8080 erobert den Hobbymarkt
1974 kam eine Firma namens MITS - Micro Instrumentation Telemetry Systems
durch den radikalen Preisverfall am Taschenrechnermarkt in finanzielle
Schwierigkeiten. Das Hauptprodukt der Firma, ein Taschenrechner für 100
Dollar, verkaufte sich praktisch nicht mehr.
MITS wurde Mitte der 60er Jahre unter anderem von Ed Roberts gegründet.
Ursprünglich baute man Funkfernsteuerungen und Messgeräte aller Art, bis das
lukrative Taschenrechnergeschäft entdeckt wurde. Doch durch den
Markteintritt von Texas Instruments ging der Taschenrechnermarkt kaputt.
So wurde ein neues Produkt benötigt. Roberts hatte die Idee, einen
Computerbausatz herzustellen. Er hatte keine Vorstellung davon, ob sich
überhaupt jemand dafür interessieren würde, aber fasziniert von den
Möglichkeiten des Mikroprozessors begann er mit der Entwicklung. Er
entschied sich für den 8080-Prozessor von Intel, weil er diesen durch
geschickte Verhandlungen für 75 Dollar das Stück anstatt 360 Dollar das
Stück bekam. Dadurch, dass es ein Bausatz wurde, sollte der Preis möglichst
gering sein. Außerdem dachte Roberts sich, dass das Gerät erweiterbar sein
sollte, damit sich Käufer benötigte Zusatzteile selbst bauen konnten. So
entschied er sich zum Einbau eines Bussystem mit der Möglichkeit zum
Einsetzen von Steckkarten. Der Bus war 100-polig und stellte alle wichtigen
Signale des Mikrocomputers zur Verfügung. Der Altair hatte 18
Erweiterungssteckplätze.
Während der Entwicklung des Bausatzes geschah noch etwas, was sich für
Roberts als Glücksfall erweisen sollte. Die Zeitung 'Radio Electronics'
veröffentlichte im Juli '74 die Baupläne zu einem 8008-basierten Computer.
Dies brachte der Zeitung natürlich neue Leserschaft, und die
Konkurenzzeitung 'Popular Electronics' musste sich nun etwas einfallen
lassen, um mithalten zu können. So ging man auf die Suche nach einem
ähnlichen Projekt, welches nach Möglichkeit den Mark-8 auch noch
übertreffen sollte. Der Chefredakteur von 'Popular Electronics', Leslie
'Les' Solomon, traf dabei auf Roberts und interessierte sich für Robert's
Computer-Bausatz. Nach Verhandlungen und Vereinbarungen zwischen MITS und
Popular Electronics erschien der Bausatz unter dem Namen Altair und unter
reißerischer Aufmachung auf der Titelseite der Januarausgabe 1975. Unter
anderem wurde davon gesprochen, dies sei der erste Minicomputerbausatz, der
mit kommerziellen Modellen mithalten könne . Der Preis des ganzen
Bausatzes: 397 Dollar. Viele Leute wollten dies nicht glauben, da der 8080
selbst 360 Dollar kostete.
Der Erfolg war unglaublich. Roberts hatte gehofft, einige hundert der
Bausätze verkaufen zu können, um seine Firma zu retten. Doch schon wenige
Tage nach Erscheinen der Zeitschrift waren über 2000 Bestellungen
eingegangen, zum Teil sogar mit Schecks oder Bargeld.
Dies brachte MITS bei aller Freude über den plötzlichen Aufschwung wieder
neue Probleme: man wurde mit der Massenproduktion nicht fertig. Es kam zu
Wartezeiten von mehreren Monaten, und dann konnte es passieren, dass der
Bausatz nicht vollständig oder nicht funktionsfähig war. Doch zum einen
waren die Kunden fast ausschließlich Ingenieure oder Bastler, die
Schaltkreise aufbauen und zum Funktionieren bringen konnten, zum anderen
war MITS ohne Konkurrenz. So blieb den Kunden nichts weiter übrig, als zu
warten .
Roberts beging einige grobe Fehlentscheidungen beim Vermarkten des Altair.
So koppelte er in Hinblick auf die Konkurrenz im Bereich Speicherkarten den
Verkauf des Altair-Basic mit dem Verkauf der unzuverlässigen
MITS-Speichererweiterung. Altair-Basic kostete alleine 500 Dollar, zusammen
mit MITS-Speichererweiterung nur 150 Dollar. Dies verursachte die erste
Raubkopierwelle im noch jungen Softwaregeschäft: die Lochstreifen mit dem
BASIC waren begehrtes Tauschobjekt. Bill Gates, Autor des BASIC, beschwerte
sich am 3.2.1976 sogar in einem offenen Brief über die Kopien und mangelnde
Verkäufe .
Ein weiterer schlimmer Fehler war es, den Altair nur an Computergeschäfte
zu liefern, die ausschließlich MITS-Produkte verkauften. Da bald nach dem
Altair zum einen viele Erweiterungen von Zweitfirmen auf den Markt drängten
und zum anderen weitere Computer erschienen, verlor MITS die Händler nach
und nach an die anderen Firmen. Die Lücke, die das Fehlen des Altair im
Angebot der Geschäfte hinterließ, wurde bald von einer Firma namens IMSAI
geschlossen, die den Altair einfach nachbaute.
Letzlich führte dies dazu, dass es unter steigender Konkurrenz mit MITS
bergab ging. Um ein Fiasko wie die Taschenrechner-Katastrophe nicht noch
einmal erleben zu müssen, verkaufte Ed Roberts MITS am 22.5.1977 an eine
Firma namens Pertec, die MITS nach kurzer Zeit aber aufgab und zumachte,
als es nicht gelang, die Firma zu retten .
Nachbau: IMSAI
Die Lieferschwierigkeiten von MITS halfen dem schärfsten Konkurrenten für
Ed Roberts: eine Firma namens IMSAI. Ihr Gründer, William Millard, wollte
Anwendung bezogene Computersysteme verkaufen. Eines Tages fragte ein
Autohändler bei ihm an, ob es kein System gäbe, seine Lagerbestände und
Finanzangelegenheiten per Computer zu erledigen. Dabei sollte das komplette
Paket sich im Rahmen von 5000 Dollar bewegen. Bill Millard dachte dann
sofort an einen Altair-Computer und wollte die Software entwickeln. Doch
MITS konnte auf Monate keinen Computer liefern. So entschloss sich Millard,
das IMSAI einen eigenen Altair-kompatiblen Computer entwickeln und
verkaufen werde. Er stellte Ingenieure ein, die über Bekannte
Altair-Computer zur Anschauung haben konnten, und letztlich kamen die
Altairs von MITS auch an. So entwarf man den IMSAI 8080. Millard war
IBM-Vertreter gewesen und verstand von kaufmännischen Angelegenheiten und
der Vermarktung eines Produktes mehr als Ed Roberts. Er hatte auch erstmals
die Idee, die Rechner nicht nur per Post zu verkaufen, sondern lieferte sie
in großen Stückzahlen an Kaufhausketten . Doch IMSAI machte den Fehler, nur
zu verkaufen und zu wenig auf die Produktentwicklung zu achten. Die Firma
meldete am 4.9.1979 Konkurs an. Eine ihrer Tochterfirmen überlebte:
Computerland. Dabei handelte es sich um eine Ladenkette nach dem Prinzip,
dass Interessenten einen Laden aufmachen konnten und dann nach dem von der
Gesellschaft ausgearbeiteten Plan den Laden betrieben. Millard's Vorbild
war McDonald's. Computerland wurde eine der ersten großen Ladenketten, die
Personal Computer verkauften. Computerland existiert heute noch, und zur
Zeit ist die Kette dabei, in Deutschland Geschäfte zu eröffnen. Millard
allerdings verkaufte seine Anteile an Computerland im Februar 1987 nach
Streitigkeiten mit Anteilseignern .
Informationsaustausch
MITS hatte mit dem Altair-Computerbausatz in ein Wespennest gestochen.
Offenbar war der Bedarf, einen Computer zu besitzen, so groß, dass hunderte
von Leuten einer völlig unbekannten, kleinen Firma auf einen Bericht in
einer Hobby-Elektronik-Zeitung hin Unmengen an Geld schickten.
Die Kundschaft bestand damals überwiegend aus Ingenieuren und
Hobby-Elektronikern, die sich bereits mit Computern auseinander gesetzt
hatten und in der Lage waren, einen solchen aufzubauen und zu reparieren .
Doch schon bald stellte sich die Frage, was man mit dem teuer erworbenen
Computer anfangen konnte. Man musste die Programme immer neu eingeben, wenn
man sie benutzen wollte, und die Eingabe erfolgte mittels Schaltern. Als
Ausgabe gab es lediglich einige Reihen Leuchtdioden. Eines der ersten
Programme für den Altair war ein Gedächtnisspiel, bei dem der Computer ein
Leuchtdiodenmuster anzeigte und der Spieler dies mit den Schaltern
nachstellen musste.
Da der Käufer außer dem Altair und einem Bauplan nichts bekam, waren
Informationen vonnöten. Hier spielte ein Buch von Adam Osborne eine
wichtige Rolle: er hatte ein Buch über Programmierung und Funktion des 8080
geschrieben. Doch dies allein genügte nicht. Es bildeten sich Clubs mit dem
Ziel des Informationsaustausches. Einer davon war der Homebrew Computer
Club. Er wurde von Gordon French ins Leben gerufen. Er hing einfach ein
Flugblatt mit der Aufforderung an Bastler und Computerinteressierte, sich
am 5.März 1975 in Menlo Park in seiner Garage zum Informationsaustausch
einzufinden. Die Resonanz war überwältigend. Bereits zum dritten
Homebrew-Treffen kamen mehrere hundert Interessierte. So wurden schließlich
die Treffen in einem Hörsaal in Stanford abgehalten. Eigentlich handelte es
sich nicht um einen richtigen Club mit Mitgliedschaft. Es konnte kommen und
gehen, wer wollte. Einzig eine bestimmte Tages- und Diskussionsordnung
mußte eingehalten werden. Zum Leiter der Treffen avancierte Lee
Felsenstein, der auch in anderen Computerprojekten engagiert war. Neben dem
Homebrew-Club bildeten sich, vor allem in größeren Städten, andere Clubs.
Und erste kleine Zeitungen mit Titeln wie 'The Hobbyist' und
'Micro-8-Newsletter' konnten abonniert werden.
Der Homebrew Club verursachte eine Vielzahl von Firmengründungen . Bastler
stellten ihre Ideen bei den Clubtreffen vor und gründeten zusammen mit
anderen Computerbegeisterten eine Firma, wenn die Idee Anklang fand. So kam
es, dass für den Altair-Computer immer mehr Erweiterungen angeboten wurden.
Zeitschriften
Nach regem Interesse an den verschiedenen Clubzeitungen, die in der
amerikanischen Hobby-Computer-Szene kursierten, witterten alsbald Verleger
und Redakteure ein gutes Geschäft im Bereich der Computerfachzeitschriften.
Die erste kommerziell vertriebene Zeitschrift war Creative Computing, die
bereits 1974 zu haben war. Sie richtete sich vor allem an Lehrer und
verbreitete Ideen und Diskussionen über den Einsatz von Computern als
Lehrmittel. Im September 1975 folgte eine weitere Zeitschrift: Byte. Byte
war ein butes Gemisch aus Einkaufsführer, Einsteigertipps, Hardwaretest und
Artikeln für 'Freaks'. Die Zeitschriften waren derart erfolgreich, dass nach
ihnen noch viele Titel auf den Markt drängten: Kilobaud, SCCS Interface,
Personal Computing, ROM und viele andere. Diese Publikationen waren
allesamt nicht rechnerspeziefisch. Die erste rechnerspezifische Zeitung war
Computer News aus dem Hause MITS - ein Informationsblatt zum
Altair-Computer. Mit der steigenden Verbreitung einzelner Computersysteme
wuchsen auch die Grundlagen für spezifische Magazine. 80 Microcomputing
widmete sich 1978 ganz dem TRS-80 von Tandy. Mit dem Aufkommen des IBM-PC
zu Begin der 80er Jahre begann eine neue Welle von IBM-spezifischen
Zeitschriften zu rollen .
Schaut man sich heute auf dem deutschen Computerzeitschriftenmarkt um,
entdeckt man eine Vielzahl systemspezifischer Zeitschriften. Sie sind in
der Überzahl. Daneben gibt es Zeitschriften, die sich einem bestimmten
Betriebssystem oder bestimmten Anwendungen der Rechner widmen. Die
Publikationen, die sich allgemein mit Personal- oder Heimcomputern
beschäftigen, sind in der Minderzahl.
Andere frühe Mikrocomputer
Durch den Erfolg des Altair kamen auch viele andere Bastler auf die Idee,
einen Computerbausatz oder Zusatzteile zu entwickeln und zu vermarkten. In
kürzester Zeit entstand ein Markt mit einer schwer zu übersehenden Zahl von
Mikrocomputern, die auf den verschiedensten Mikroprozessoren basierten und
eine Vielzahl von Steckkarten für diese Rechner.
*KIM-1
Die Halbleiterfirma MOS-Tech brachte Ende 1975 einen eigenen
Mikrocomputerbausatz auf den Markt: KIM-1. Basierend auf dem 6502-Prozessor
von MOS handelte es sich um eine kleine Platine mit 2 Kilobytes Speicher
und im Gegensatz zu anderen Bausätzen hatte KIM statt Schaltern und
Leuchtdioden eine Hexadezimaltastatur und eine Leuchtziffernanzeige. Dies
erleichterte die Programmierung erheblich.
*SWTPC 6800
Ein weiterer Bausatz nach Altair-Muster war der SWTPC 6800 von South-West
Technologies. Er dürfte der erste Mikrocomputer auf Basis des
6800-Prozessors gewesen sein. Er erschien Ende 1975.
*Apple I
1976 erschien auch der berühmte Apple I. Dabei handelte es sich
ursprünglich um einen Bausatz, bestehend aus einer gedruckten Schaltung und
den Bauteilen auf Basis des 6502-Mikroprozessors. Entworfen und gebaut hat
ihn Steven Wozniak. Er war ein erster Erfolg für die Firma Apple, als es
Steven Jobs gelang, einen Auftrag über 50 zusammengebaute Apple I von Paul
Terell, Besitzer des Byte Shop, zu bekommen. Dieser Bausatz wurde rund 220
mal verkauft und bildete die Grundlage zum Erfolg der Firma Apple.
*Sol
Ein weiterer Schritt in Richtung des heute üblichen Personal Computers war
der Sol. "Ursprünglich hatte Leslie Solomon von der Zeitschrift 'Popular
Electronics' lediglich ein Terminal, basierend auf einem Mikroprozessor,
bei der Firma Processor Technology in Auftrag gegeben. Doch die Entwickler
Bob Marsh und Lee Felsenstein machten sich einen Spaß daraus und bauten
einen 'Terminalcomputer' mit dem 8080-Prozessor, der sowohl als Terminal,
als auch als Computer benutzt werden konnte. Doch das eigentlich Neue war,
dass der Sol über ein komplettes Holzgehäuse mit Tastatur verfügte. Er mußte
nur noch an einen Monitor angeschlossen werden . Dies läutete ein neues
Kapitel der Heim- und Personalcomputergeschichte ein: die fertig
montierten, sofort benutzbaren Rechner kamen auf den Markt.
Computerverkauf
Waren die Hersteller der ersten Personal Computer noch auf den Versand der
Bausätze und Geräte angewiesen, so lohnte es sich doch bald, Computer über
den Ladentisch zu verkaufen. Im folgenden betrachten wir einige Pioniere,
die sich als erste ins Feld der Computerläden wagten.
*Der erste Computerladen
Ursprünglich wurden die Computerbausätze und frühen Personal Computer nur
per Versand oder auf den gerade aufkommenden Messen verkauft. Doch im Juni
1975 hatte Dick Heiser die Idee, ein Geschäft nur für Computer zu eröffnen.
Er handelte Preise mit MITS aus und eröffnete die Arrowhead Computer
Company - 'The Computer Store'. Der Umsatz überstieg seine kühnsten
Erwartungen: die Kunden kauften nicht nur die Altair-Bausätze oder die von
ihm zusammengebauten Rechner, sondern ließen auch mehrere tausend Dollar
für Erweiterungen und Bücher da. Außerdem führte er Reparaturen und
Kundenberatung durch .
*Die erste Ladenkette
Paul Terell war Computervertreter. Er wurde auf MITS aufmerksam, und Ed
Roberts war gerade dabei, Händler zur Vermarktung des Altair zu suchen. Da
Händler den Altair 25 billiger bekamen, beschloss Terell, einen Laden
aufzumachen. Er öffnete Ende 1975. Das Geschäft hieß, in Anlehnung an die
bekannte Zeitschrift 'Byte', Byte Shop. Bald meldeten sich Interessenten,
die ebenfalls einen Byte Shop aufmachen wollten. So wurde Terell's Geschäft
innerhalb weniger Jahre zu einer über 75 Geschäfte umfassenden Ladenkette,
der ersten im Personal-Computer-Geschäft .
Die erfolgreichen Beispiele machten Schule, und bald gab es überall in
Nordamerika Läden, die Computer über den Ladentisch verkauften.
*Computer-Marketing
Bald erwies es sich für eine Firma als wichtig, Verkaufskanäle für ihren
Mikrocomputer zu haben. Nachdem eine große Zahl an Computern verfügbar war,
reichte es nicht mehr, den Rechner per Zeitschriftenanzeige und in einigen
Computerläden anzubieten. Genau aus diesen Gedanken entstand Computerland,
eine Ladenkette zum Verkauf des IMSAI-Computers.
Doch es waren zwei große Firmen, die von den kleinen Computerhändlern
gefürchtet wurden, weil sie ihr Marketingnetz zur Vermarktung nutzten
könnten. Wenn anfangs auch zögernd, weil sich niemand vorstellen konnte,
Mikrocomputer in Massen umzusetzen, lief das Geschäft doch überraschend
schnell an.
Die Rede ist hier von Commodore und Tandy. Commodore brachte 1977 den PET -
Personal Electronic Transactor, gebaut vom Entwickler des 6502 Chuck
Peddle, auf den Markt. Dabei handelte es sich um einen Rechner in einem
Metallgehäuse, inklusive Monitor, Tastatur und einigen Kilobytes Speicher.
Der PET hatte einen Bus zum Anschluss von Peripheriegeräten wie Drucker und
Diskettenlaufwerke. Sogar ein Kassettenlaufwerk zum Speichern der Programme
war eingebaut. Außerdem hatte der PET ein Betriebssystem auf ROM, so dass
beim Einschalten des Rechners nicht immer erst ein Betriebssystem geladen
werden musste. Der PET war nicht kompatibel zum damals sich rasant
verbreitenden Betriebssystem CP/M von Gary Kildall. Trotzdem wurde der PET
vor allem in Europa ein Riesenerfolg, nicht zuletzt weil Firmengründer Jack
Tramiel sein zuvor aufgebautes Büromaschinen-Vertriebsnetz zur Vermarktung
nutzen konnte . Auf den PET folgten mehrere Weiterentwicklungen, und Anfang
der 80er Jahre erzielte Commodore mit dem VC-20 und C-64 einen großen
Markterfolg. Diese preiswerten Heimcomputer setzten neue Maßstäbe für die
Verbreitung 'persönlicher' Computer.
Im Jahre 1985 schließlich brachte Commodore den Amiga auf den Markt, einen
Personal-Computer auf Basis des 68000-Prozessors. Der Amiga setzte neue
Maßstäbe durch seine grafische Oberfläche und das
Multitasking-Betriebssystem (dabei ist es möglich, mehrere Programme
parallel laufen zu lassen, z.B. Berechnungen im Hintergrund zu erledigen
und gleichzeitig Textverarbeitung zu nutzen). Doch gegen die
IBM-kompatiblen konnte er sich außer im Videobereich nicht durchsetzen. Er
wird heute überwiegend als Heimcomputer und Spielcomputer genutzt.
Tandy brachte nach einiger Überzeugungskunst durch die beteiligten
Ingenieure über die Elektronikladenkette Radio Shack ebenfalls einen
eigenen Computer auf den Markt. Tandy ist ein relativ großer Konzern, der
hauptsächlich Elektronik und elektronisches Spielzeug in seinen Ladenketten
verkauft. 1978 war es soweit: der TRS-80 Modell I kam probeweise in einige
Radio Shack-Läden. Der TRS-80 Modell I basierte auf einem
Z80-Mikroprozessor und vereinte ebenfalls Tastatur, Monitor und
Schnittstellen sowie Kassettenrekorder in einem Gehäuse. Er war nach dem
Auspacken betriebsfertig. Man konnte CP/M als Betriebssystem benutzen. Wie
beim PET stand auch hier ein BASIC als Programmiersprache zur Verfügung.
Auch der TRS-80 wurde ein großer Erfolg, und es folgten Modelle mit
Diskettenlaufwerken, mehr Speicher, Pixelgrafik, und dann zu Anfang der
80er Jahre der TRS-80 Color Computer, ein Heimcomputer mit Motorola's
6809-Prozessor, Farbrastergrafik, 16 bis 64 Kilobytes Speicherkapazität,
BASIC im ROM und Schnittstellen. Der Color Computer kostete 299 Dollar. Von
ihm gab es auch eine europäische Variante: den Dragon Computer. Technisch
war es der selbe Rechner, nur hatte der Dragon ein Apple-ähnliches Gehäuse.
Er war in England recht verbreitet und faßte in Deutschland sogar vor dem
Commodore 64 Fuß.
Es gab auch andere Hersteller, die beim Verkauf von Personal Computern auf
große Ladenketten oder Kundenstämme zurückgreifen konnten, aber Commodore
und vor allem Tandy seien als Beispiele genannt.
Weitere Entwicklung des Mikrocomputers
Die vom Altair losgetretene Lawine rollte mit unglaublicher Geschwindigkeit
weiter. Computer um Computer kam auf den Markt. Das Chip-Special Nr.14 --
Der Computer-Katalog -- aus dem Jahr 1984 enthält die Daten von rund 220
Personal- und Heimcomputern im Bereich von 100 Mark bis einige 10000 Mark.
Eine kleine Übersicht über einige wichtige Mikrocomputer gibt Tabelle auf
Seite .
In ihr kann man auch deutlich die Tendenz erkennen, dass die Mikrocomputer
mit immer mehr Speicher und neuen, immer schnelleren Mikroprozessoren auf
den Markt kommen. Ein weiterer Effekt lässt sich in Zeitschriften
beobachten: der Preisverfall nach der Markteinführung eines Systems wird
immer schneller. Konnte sich der Apple II über fünf Jahr bei seinem Preis
von rund 1200 halten, so kostet die neuste Generation der
IBM-PC-kompatiblen zwei Jahre nach Markteinführung inklusive 8 Megabytes
Speicher und Festplatte mit rund 3500 DM nur noch ein Drittel bis ein
Viertel des Einführungspreises. Mittlerweile hat sich der Markt auch
polarisiert; es kommt nicht mehr jeder Mikrocomputer für alle Anwendungen
in Frage. So haben sich die IBM-kompatiblen für den Bereich Büro- und
Geschäftsanwendungen herauskristallisiert, und sie sind von relativ
billigen, kleinen Systemen bis zu Rechnern auf Workstation-Niveau zu
bekommen. Der Bereich, auf den sich Apple mit dem MacIntosh spezialisiert
hat, ist vor allem Desktop Publishing (das Erstellen von Druckvorlagen
unter grafischer Oberfläche) und seit neuestem Multimedia. Apple legt auch
großen Wert darauf, dass man ihre Rechner ohne langwieriges Lernen eines
Betriebssystems benutzen kann. Rechner wie der Atari ST oder Amiga sind die
wenigen, die als Heim- oder semiprofessionelle Computer übrig geblieben
sind. Je nach Ausstattung werden sie als reine Heim- und Spielcomputer, zur
privaten Textverarbeitung oder ähnlichen Anwendungen genutzt. Allerdings
bieten sie auch die Möglichkeit, professionelle Musik- oder
Videoanwendungen benutzen zu können. Darunter gibt es noch die
Spielekonsolen, denen man den Computer, der sie eigentlich sind, nicht mehr
ansieht. Sie richten sich vor allem an Kinder, bei denen das Spielen im
Vordergrund steht oder denen ein kompletter PC zu teuer ist.
Für den professionellen Bereich gibt es Workstations mit besonders hoher
Rechenleistung und anderen Merkmalen. Sie stellen das obere Ende des
Bereichs der 'persönlichen' Computer dar.
Ein PC von IBM
Zu Beginn der 80er Jahre spielten auch bei IBM, bis dahin Hersteller von
Großrechenanlagen, einige Ingenieure mit dem Gedanken, einen Personal
Computer zu bauen. Die Firmenleitung war zunächst skeptisch, doch nach
einigen Überzeugungsversuchen und Provokationen (Mitarbeiter warfen IBM
vor, nicht in der Lage zu sein, einen so kleinen Computer zu bauen) bekam
die Entwicklergruppe um Don Estridge in Boca Raton den Auftrag, einen
Personal Computer zu entwickeln . Dabei wurde für IBM-Verhältnisse
vollkommen untypisch vorgegangen: der Rechner wurde aus frei käuflichen
Teilen, unter anderem Intel's 8088-Prozessor, gebaut. Das Betriebssystem
wurde bei einer Fremdfirma in Auftrag gegeben. Die erste Firma, bei der
nachgefragt wurde, war Digital Research. Doch Gary Kildall war gerade nicht
da, und seine Frau wollte nicht ohne Rücksprache das von IBM verlangte
Geheimhaltungsabkommen unterschreiben. Anekdoten erzählen, dass Kildall an
diesem Tag mit seinem Privatflugzeug unterwegs war und dadurch das
Millionengeschäft mit IBM verlor . Die IBM-Leute waren in Eile, und so ging
der Auftrag an Microsoft. Microsoft war damals schon eines der größeren
Softwarehäuser, bekannt geworden vor allem durch Microsoft-BASIC, welches
auf fast jedem Mikrocomputer verfügbar war. Bill Gates, Mitbegründer und
Chef von Microsoft, kaufte einigen lokalen Programmierern einen Satz
Diskettenroutinen ab, welche zum Kern von MS-DOS wurden. Bei den
Verhandlungen mit IBM war Gates so geschickt, MS-DOS selbst an jedermann
verkaufen zu dürfen, nicht nur an IBM. Dies brachte Microsoft schließlich
Millionen ein, als erste IBM-Kompatible erschienen und ein Betriebssystem
brauchten. Und im späteren Softwaregeschäft profitiert Microsoft heute noch
davon, dass genaue Informationen über die Interna von MS-DOS nur innerhalb
der Firma bekannt sind.
Der IBM-PC erschien 1981. Die Reaktionen darauf waren unterschiedlich. Die
Geschäftswelt reagierte begeistert, denn jetzt, wo der Computerriese IBM
einen PC auf den Markt gebracht hatte, war der PC endgültig hoffähig und
den Kinderschuhen entwachsen. Der Erfolg des IBM-PC dürfte daher
hauptsächlich psychologische Gründe gehabt haben.
Die Apple-Ingenieure, die zu dem Zeitpunkt an Lisa und MacIntosh
arbeiteten, kommentierten den IBM-PC so: 'Wir schauten uns ihren PC nach
der Markteinführung genau an. Zuerst fanden wir es peinlich, wie schlecht
ihr Apparat war. Dann versetzte uns dessen Erfolg in Schrecken. Wir
hofften, der MacIntosh würde den Leuten zeigen, was der IBM-PC war: ein
abgedroschener, banaler Versuch auf Grundlage der alten Technologie.' .
Steve Jobs kommentierte den IBM-PC folgendermaßen: 'Wenn wir aus irgend
einem Grund einen großen Fehler machen und IBM gewinnt, werden wir nach
meiner persönlichen Überzeugung 20 Jahre lang in einem finsteren
Computer-Mittelalter leben. [...] Der IBM-PC stellt nur eine neue
Verpackung und leichte Erweiterung des Apple II dar.' .
APPLE COMPUTER
Viele Bastler machten beim Aufstieg des Personal Computers viel Geld. Doch
nicht nur die Verbreitung des Computers geht auf das Konto von Hobbyisten,
sondern auch die grundlegenden Entwicklungen. Viele Firmen begannen,
Computer herzustellen, aber nur wenige der damals gegründeten Firmen
existieren noch heute. Eine davon ist Apple Computer. Der legendäre
Aufstieg vom Hobbyprojekt zum Konzern mit Milliardenumsätzen zählt zu einer
der Legenden des Silicon Valley.
Die Geschichte von Apple Computer ist auch die Geschichte ihrer Gründer
Steven Wozniak und Steven Jobs. Sie zeigt, wie zwei junge Menschen die
Entwicklung des Personal Computers nachhaltig beeinflusst haben.
Zur Person
*Steven Wozniak
Am 11.8.1950 wurde Steve Wozniak in San Jose im Silicon Valley geboren.
Sein Vater war Ingenieur. Wozniak besuchte verschiedene Schulen. 1967
gewann er einen Elektronikwettbewerb mit einer selbstgebauten
Rechenmaschine. Er hatte großes Interesse an Elektronik und vor allem auch
an Computern. Einer seiner Lehrer ermöglichte es ihm, sich mit einem
DEC-Computer zu beschäftigen. Von da an war es Wozniak's größter Wunsch,
selbst einen Computer zu besitzen. Seinem späteren Partner Steven Jobs
begegnet er 1968 zum ersten Mal. Ein gemeinsamer Freund brachte Jobs mit zu
Wozniak. Doch da Interessierte Jobs sich nicht so sehr für Elektronik und
Computer und die Freundschaft kam noch nicht so recht auf.
1971 baute Wozniak seinen ersten, kleinen Computer: den
Cream-Soda-Computer. Dabei handelte es sich um ein komplett selbstgebautes
Rechenwerk mit Speicherprogrammierung, welches --- wie später der Altair
--- mit Schaltern programmiert und mit Hilfe von Leuchtdioden abgelesen
wurde. Außerdem traf er dabei Jobs wieder. Durch einen Zeitungsartikel
kommen die beiden auf die Idee, sog. Blue Boxes zu bauen, kleine
Schaltungen, die mit Wähltönen Telefonschaltanlagen überlisten und zum
kostenlosen telefonieren bringen konnten. Dieses Phone Phreaking war damals
Mode, und so konnten Jobs und Wozniak eine zeitlang ein gutes Geschäft
machen, indem sie die Schaltungen verkauften. Dabei lernten sie auch John
Draper alias Capt'n Crunch kennen, der später einige wichtige Programme für
Apple-Computer schrieb.
Wozniak begann mit einem Elektrotechnik-Studium in Berkeley und einem Job
bei Hewlett-Packard. Seine Interessen blieben weiterhin Elektronik und
Streiche .
*Steven Jobs
Steven Jobs wurde am 24.2.1955 in San Francisco geboren. Er wurde zur
Adoption freigegeben und von der Familie Jobs aufgenommen. Wegen eines
Arbeitsplatzwechsels zog die Familie 1961 ins Silicon Valley um. Dort
besuchte Jobs mehrere Schulen. Das Jahr 1968 war ein Jahr voll wichtiger
Ereignisse für Steven Jobs: er lernte in der Schule Bill Fernandez kennen,
einen Freund von Steven Wozniak. Dadurch lernte er 'Woz', wie Wozniak von
seinen Freunden genannt wird, kennen. Außerdem begann der 13jährige Jobs
seinen ersten Ferienjob, und zwar bei der Firma Hewlett-Packard in der
Messgeräteproduktion. Doch vorerst hielten Jobs und Wozniak nicht viel
voneinander. Dies änderte sich erst, als Jobs bei Wozniak den
Cream-Soda-Computer bewundern konnte. Obwohl die Elektronik zu Anfang nicht
Grund ihrer Freundschaft war, sondern die gemeinsame Neigung, der Umgebung
bei jeder Gelegenheit Streiche zu spielen, begann auch Jobs sich, für
Elektronik zu interessieren. 1974 pilgerte Jobs auf der Suche nach dem Sinn
des Lebens nach Indien und kehrte Ende des Jahres zurück. Er arbeitete
nachts bei Atari an der Entwicklung von Videospielen und ging tagsüber
seinen Interessen nach . Er spannte Wozniak bei schwierigen Problemen ein,
und so kam es, dass Wozniak das weltberühmte Atari-Spiel Breakout für Jobs
baute und dieser es als seine Erfindung bei Atari präsentierte.
Apple I
Seit dem Cream-Soda-Computer arbeitete Wozniak an Plänen, wie sein eigener
Computer der Beste sein könnte. Doch trotz eines einträglichen Jobs bei HP
wollte er nicht mehrere hundert Dollar in einen 8008, 8080 oder 6800
investieren, um den herum er seinen Rechner hätte bauen können. Doch dies
änderte sich durch zwei herausragende Ereignisse: im Januar 1975 erschien
der Altair 8080, und auf der Elektronikmesse Wescon'75 verkaufte die Firma
MOS-Tech ihren 6502-Prozessor für sage und schreibe 25 Dollar. Wozniak fuhr
zusammen mit einigen HP-Ingenieuren auf die Messe und erwarb den
Schaltkreis.
Inzwischen wurde der Homebrew Computer Club gegründet, und Wozniak war
selbstverständlich beim ersten Treffen mit dabei. Bei den Homebrew-Treffen
wurden Informationen, Schaltungen und Erfahrungen ausgetauscht. Wozniak
stellte dabei auch regelmäßig seine neusten Verbesserungen an seinem
6502-Mikrocomputer vor. Steven Jobs begleitete Wozniak gelegentlich, da er
aber weniger am Entwurf und technischen Daten interessiert war, dachte er
darüber nach, was man mit Wozniak's Computer wohl alles anfangen könnte.
Wozniak hatte mittlerweile einen BASIC-Interpreter geschrieben, der Rechner
hatte eine Tastatur, und er konnte an einen Fernseher angeschlossen werden.
Wozniak wollte eigentlich nur den Schaltplan und Ausdrucke der Software
vertreiben, doch Jobs hatte die Idee, die Platinen herzustellen, und so
quasi einen Bausatz zu vertreiben. Bei Gesprächen mit Besuchern der
Homebrew-Treffen lernte Jobs auch Paul Terell, Inhaber des Byte Shop
kennen. Dieser erklärte sich schließlich dazu bereit, 50 Computer von Jobs
zu kaufen, allerdings bereits fertig montiert, zahlbar bei Lieferung.
Wozniak war von der Idee nicht allzu begeistert, aber die Aussicht, 500
Dollar pro geliefertem Computer zu bekommen, ließ ihn schließlich
einlenken. So wurde am 1.April 1976, mit 1300 Dollar als Startkapital, die
Firma Apple gegründet. Den Namen hatte Jobs ausgesucht, zum einen, weil ein
Apfel etwas Einfaches, Einprägsames war, und zum anderen, weil er meinte,
einfach jeder Mensch der Welt würde Äpfel mögen.
Doch die Finanzierung war immer noch nicht gesichert. Die bestückten
Platinen würden etwa 250 Dollar das Stück kosten, also waren rund 13000
Dollar nötig. Doch hier bewies Jobs sein Talent als zäher
Verhandlungspartner. Er schaffte es, bei einem lokalen Bauteilegroßhändler
die Teile auf Rechnung, zahlbar in 30 Tagen, zu bekommen. So begannen die
beiden Freunde zusammen mit anderen Bekannten mit der Bestückung der
Leiterplatten. Paul Terell zahlte bei Lieferung, obwohl er eigentlich
Computer inclusive Tastatur und Gehäuse erwartet hatte, aber nur bestückte
Platinen bekam. Dabei kam die Firma Apple zu ihrem ersten größeren Gewinn.
Ende 1976 hatte Apple 150 Computer verkauft, was einen Umsatz von 75000
Dollar entsprach. Inzwischen waren auch einige Freunde angestellt und
verbesserten Wozniak's BASIC. Nach Fertigstellung der Schnittstelle zu
Kassettenrekordern lieferte Jobs regelmäßig die neuste Version des
Apple-Basic an die verschiedenen Byte-Shops.
Insgesamt wurden etwa 220 Apple I hergestellt.
Apple II
Mitte 1976, während des Verkaufs des Apple I, bastelten Wozniak und seine
Freunde an einer verbesserten Version des Apple I. Wozniak hatte konkrete
Vorstellungen, was der neue Computer alles bieten müsste. Es gefiel ihm
nicht, dass man für Altair-Basic 500 Dollar bezahlen musste, und um den
Komfort für den Benutzer zu erhöhen, baute er Apple-Basic als ROM in den
neuen Computer ein. Außerdem sollte 'der Neue' Erweiterungssteckplätze wie
der Altair haben, damit er universell erweiterbar wäre. Des weiteren bekam
er einen Farbmodulator für Fernsehgeräte.
Im Herbst 1976 flogen die Apple-Gründer mit einem in eine Schachtel
eingebauten Prototypen des zukünftigen Apple II zum Personal Computer
Festival in Atlantic City. Dort war alles vertreten, was bis dahin auf dem
Markt war: der Altair mit zahlreichen Erweiterungen, IMSAI, und viele
andere Firmen. Vor allem hatten sie protzige Messestände, während Apple mit
einem Klapptisch antrat. Jobs nutzte die Gelegenheit, sich anzusehen, was
die anderen Hersteller anboten. Ihm war klar, dass der Apple II in einem
eigenen Gehäuse, inklusive Tastatur, Netzteil und Schnittstellen auf den
Markt kommen musste. Nach der Messe war Wozniak voller neuer Ideen, und
Steve auf der Suche nach Geldgebern, die die Entwicklung eines kompakten,
fertigen Computersystems finanzieren würden. Zu diesem Zeitpunkt besuchte
Chuck Peddle mit einem leitenden Angestellten von Commodore die junge
Firma. Commodore hatte gerade MOS-Tech, Hersteller des 6502, gekauft und
wollte sich über die Konkurrenz für den in Planung befindlichen PET
informieren. Jobs bot Commodore Apple zum Kauf an, für 100000 Dollar
Aktienanteile an Commodore und 36000 Dollar pro Apple-Gründer. Jack
Tramiel, Gründer und Chef von Commodore, meinte, das Angebot sei lächerlich
und die Garagenfirma Apple wäre sowieso keine ernstzunehmende Konkurrenz .
Zwei weitere Firmen lehnten das Angebot, Apple zu kaufen, ab. Wozniak bot
seinem Arbeitgeber, Hewlett-Packard, den Apple II zur Produktion an, doch
HP zeigte aus verschiedenen Gründen kein Interesse. Auch Nolan Bushnell von
Atari meinte, er könne keinen Personal Computer auf den Markt bringen, als
Jobs versuchte, den Apple II seinem Chef schmackhaft zu machen.
Doch dann gelang es Jobs, zwei wichtige Leute für Apple zu gewinnen.
Zunächst verhandelte er sehr intensiv mit Regis McKenna, dem Mann, der die
Mikroprozessor-Werbekampagne und andere bekannte Werbeaktionen gestaltet
hatte. Schließlich konnte er ihn dazu bringen, für Apple zu arbeiten.
McKenna gestaltete das heutige Apple-Logo mit dem angebissenen Apfel. Für
den Apple I wurde noch das alte Logo, welches Newton unter einem Apfelbaum
zeigt, verwendet. McKenna platzierte die ersten Apple-Anzeigen an einem für
Computer ungewöhnlichen Ort: im Playboy. Dadurch war Apple in aller Munde.
Doch die Finanzprobleme waren damit nicht gelöst. Auf der Suche nach
Investoren begegnete ihm schließlich Mike Markkula. Er hatte bei Intel
Millionen gemacht und sich dann zurückgezogen. Markkula investierte viel
Geld aus seinem Privatvermögen in Apple und bürgte bei Banken für Kredite.
Dafür bekam er Mitspracherecht, und Wozniak und Jobs mußten ihre sonstigen
Jobs aufgeben. Außerdem brachte er Mike Scott, einen Manager mit. Alle
waren sich einig, dass das Unternehmen vor allem ein gutes Managment
brauchte. Jobs und Scott konnten sich auf Anhieb nicht ausstehen, und dies
führte zu langen, schweren Streitigkeiten und letztlich verließ Scott die
Firma.
Inzwischen hatten Wozniak und die anderen Entwickler einige Bahn brechende
Entwicklungen für den Apple II gemacht. Unter anderem wurde ein
Schaltnetzteil gebaut, welches ein kleines Gehäuse ohne Lüfter ermöglichte.
Der Entwurf eines Gehäuses kam voran, und auch hier diktierte Jobs die
bekannte schreibmaschinenähnliche Form, weil er sie für revolutionär und
originell hielt. Im Frühjahr 1977 war es dann soweit: Apple präsentierte
den Apple II auf der West Coast Computer Faire, der damals größten Messe.
Das in wenigen Teilen gefertigte Kunststoffgehäuse eroberte die Herzen
aller Besucher --- vorbei war die Zeit der kantigen Metallgehäuse, der
Schrauben oder Holzschachteln. Während der Messe wurden über 300 Computer
bestellt, und Apple bot einen damals einmaligen Service an: das
vergünstigte Umsteigen vom Apple I auf den Apple II. Bis Ende 1977 waren
rund 4000 Apple II verkauft. Doch der Durchbruch war noch nicht geschafft.
Weihnachten 1977 gelang Wozniak ein weiterer Schachzug: er baute einen
Floppycontroller für den Apple II, der den Anschluss eines
Diskettenlaufwerks gestattete. Auf der folgenden Consumer Electronics Show
veranlasste das Diskettenlaufwerk die Entwicklung einiger berühmter
Programme, die das Schicksal von Apple mitbestimmt haben. Titel wie
VisiCalc (die erste Tabellenkalkulation - der Benutzer konnte
Zahlenkolonnen mit Regeln verbinden und so durch Änderung einiger Parameter
große Kalkulationen auf einfache Weise durchrechnen) oder AppleWriter (eine
Textverarbeitung) sind heute noch ein Begriff. Der Apple II war der erste
PC, auf dem solche Programme und Diskettenlaufwerke zur Verfügung standen.
Vor allem VisiCalc machten den Personal Computer zum ersten Mal außerhalb
des Hobby-Bereichs bekannt.
Anfang 1978 wurde die Firma Apple auf einen Wert von 3 Millionen Dollar
geschätzt. 1979 wurden 35000 Apple-Computer verkauft.
Lisa MacIntosh
Markkula und Scott wussten, dass nach dem Apple II ein neues Produkt auf den
Markt kommen musste, weil der Apple II nicht ewig Stand der Technik sein
würde. Auch Jobs suchte nach einer neuen Aufgabe, nachdem der Apple II nun
fertig war und sich verkaufte. Wozniak zog sich aus dem Firmengeschehen
etwas zurück, er tüftelte lieber an Schaltungen als Marktpolitik zu machen.
Ein weiterer Schritt war die Entwicklung des Apple III. Er sollte mehr
Speicher haben, höhere Grafikauflösung, eine bessere Zeichendarstellung,
und voll kompatibel zum Apple II sein. Doch der Apple III wurde ein Flop,
denn er wurde erst 1981 fertig, war zu teuer, und die erste Produktion war
fehlerhaft. Eine weitere Arbeitsgruppe experimentierte mit Motorolas
68000-Prozessor und hoch auflösender Grafik.
1979 investierte Xerox Kapital in Apple, und Apple durfte dafür einen Blick
auf die neusten Entwicklungen im Xerox Palo Alto Research Center (PARC)
werfen . Dort sahen die Apple-Leute etwas atemberaubendes: ein grafische
Benutzeroberfläche, die per Maus und kleinen Bildchen bedient wurde. Man
konnte die wichtigsten Funktionen und Programmaufrufe ohne Tastatureingaben
tätigen. Der Rechner hieß Xerox Star. Jobs war sofort davon überzeugt, das
diese Oberfläche die Zukunft des Personal Computers sei. Bei Apple wurden
neue Projekte in Angriff genommen: ein Rechner auf 68000-Basis mit
grafischer Oberfläche und viel Speicher und mitgelieferter Bürosoftware.
Jobs nannte ihn nach seiner Tochter Lisa. Außerdem begann eine weitere
Gruppe, mit dem 6809-Prozessor und einer geringeren Grafikauflösung zu
experimentieren. Jobs leitete die Lisa-Gruppe. Doch mit seinen hohen
Ansprüchen und launischem Verhalten empfanden die Mitarbeiter der Gruppe
ihn eher als Bremse denn als Antrieb. Nach zahllosen Beschwerden wurde Jobs
vom Management der Leitung der Lisa-Gruppe enthoben. Jobs war sauer, erkor
sich dann aber die Macintosh-Gruppe, die an dem 6809-Prototypen arbeitete,
als neues Betätigungsfeld. Er wollte eine Low-Cost-Version der Lisa daraus
machen. Gegen den Widerstand der Ingenieure setzte er den Umstieg vom 6809
auf den 68000-Prozessor durch.
Inzwischen war Apple an die Börse gegangen. 4,2 Millionen Aktienanteile
wurden verteilt. Am 12.12.1980 war es soweit. Viele Apple-Mitarbeiter
wurden über Nacht millionenschwer . Das Aktienvermögen der Leute der ersten
Stunde findet sich in Tabelle auf Seite .
Doch Anfang der 80er Jahre gab es auch Schattenseiten bei Apple. Wozniak
verunglückte mit seinem Flugzeug und litt eine zeitlang unter
Gedächtnisschwund. Apple hatte zu dem Zeitpunkt fast 2000 Angestellte, und
die Firmenleitung war der Meinung, dies seien zu viele. Es wurden 42 Leute
entlassen. Dies waren die ersten Entlassungen bei Apple. Dabei wurden auch
Softwareteams auseinander gerissen. Dies entmutigte einige Ingenieure, und
sie verließen Apple. Doch Jobs nutzte die Gelegenheit, einige Gegner
loszuwerden. Letztendlich gelang es Jobs sogar, das Mike Scott als
Verantwortlicher für die Entlassungen angesehen wurde. Er wurde vom Amt des
Präsidenten verdrängt. Markkula nahm die Stellung für eine Weile ein, bis
John Sculley, Pepsi-Vizepräsident, dann die Präsidentschaft von Apple
antrat.
1982 kam die Lisa endlich auf den Markt. Trotz sensationeller neuer
Konzepte verkaufte sich der neue PC kaum. Der Preis von über 10000 Dollar
war einfach zu hoch. Der MacIntosh sollte gleichzeitig erscheinen, wurde
dann aber erst auf 1983 und dann auf 1984 verschoben. Seine Einführung
verlief erfolgreicher als die der Lisa. Der MacIntosh bekam gute Kritiken,
und die Fensteroberfläche löste Begeisterung aus. Trotzdem machte Apple
seine Hauptumsätze Ende 1983 immer noch mit dem Apple II.
1985 rutsche das bis dahin ausschließlich wachsende PC-Geschäft in eine
Krise. Viele Firmen machten Pleite, die Verkaufszahlen sanken drastisch.
Auch bei Apple wurden Konsequenzen gezogen. Nach zahlreichen Beschwerden
und Streitigkeiten mit Jobs um die Weiterentwicklung des MacIntosh trat er
am 17.9.1985 zurück und zog sich von Apple zurück. Damit kam er seiner
Absetzung nur um Stunden zuvor, hatte durch den Schachzug aber die Presse
auf seiner Seite. Doch Jobs wollte nicht ruhen, und investierte sein
Vermögen in eine neue Firma - er gründete NeXT. Hier wollte er den nächsten
Schritt in der Entwicklung des Personal Computers tun.
Nach Jobs' Rückzug wurde Apple tief greifend verändert. Sculley schloss
einige Produktionsstätten, entließ rund 3000 Mitarbeiter, und schränkte die
Ausgaben drastisch ein. Apple wurde schon tot geglaubt, aber zum einen
stützte Wozniak die Firma mit Millioneninvestitionen, zum anderen wurde der
MacIntosh zum absoluten Renner im gerade aufkommenden Desktop-Publishing
(DTP - der Erstellung von Druckvorlagen am Bildschirm per Personal
Computer). Der von Jobs bekämpfte Apple-Laserdrucker war bei dieser
Entwicklung nicht unwichtig. Durch die Erfahrungen mit der grafischen
Oberfläche war Apple anderen Systemen im DTP-Bereich weit voraus.
Heute ist Apple mit einem Marktanteil von rund 5 in Europa vertreten. Die
MacIntosh-Reihe umspannt das gesamte PC-Feld vom Low-End-PC über Notebooks
bis zum MacIntosh mit 68040-Prozessor und Workstation-Charakter. Die
gegenwärtige Begeisterung für Multimedia bringt Apple ebenfalls Gewinn,
denn für den MacIntosh sind Grafik- und Audiokarten sowie CD-Roms schon
lange zu haben. Auch hier hatte Apple durch frühe Entwicklungen und
geschlossenes Konzept zur Einbindung der Erweiterungen einen Vorsprung vor
anderen Systemen.
WORKSTATIONS
Eine Weiterentwicklung des Personal Computers sind Workstations. Doch
hierfür gibt es genauso wenig eine exakte Definition, wie es möglich ist,
Heim- und Personalcomputer voneinander abzugrenzen. Die einzig existierende
Definition ist in zu finden. Adele Goldberg definierte 1985 eine
Workstation so:
'Eine Workstation ist ein relativ großer, teuerer Personal Computer, der
von Profis zum Arbeiten genutzt wird.'
Doch die Schwächen dieser einzigen Definition werden schon sichtbar, wenn
man sich ins Gedächtnis ruft, dass Workstations mit dem
Mehrbenutzerbetriebssystem UNIX oder Derivaten davon betrieben werden, und
es durchaus üblich ist, dass an Universitäten und in Firmen komplette
Arbeitsgruppen auf der selben Workstation arbeiten.
Einige Autoren sehen nicht bei SUN den Hersteller der ersten Workstation.
In wird der Xerox Star, jener Rechner, für den die grafische Oberfläche
Mitte der siebziger Jahre erfunden wurde, als erste 'Personal Worstation'
bezeichnet. Dieser Begriff wurde auch bei Xerox erfunden. Doch der Star war
etwas zu früh da: er verkaufte sich praktisch nicht.
Workstations haben sich so entwickelt, dass heute hohe Rechenleistung,
Mehrbenutzerbetriebssystem, Vernetzbarkeit, viel Speicher und großer
Plattenspeicher sowie Kompatibilität zu existierender Software erwartet
wird. Aufgrund dieser Ansprüche findet man auch auf allen Workstations
UNIX-ähnliche Betriebssysteme. Das Leistungsspektrum der Workstations
reicht von der Leistung eines teuren Personal Computers bis hin zum teuren
Multiprozessorsystem, welches, je nach Anwendung, als Entwicklungssystem
oder als Grafikcomputer geliefert wird. Im Preis beginnen die Workstations
etwa ab 7000 DM, welches nicht weit über den Preisen für voll
ausgestattete, schnelle Personal Computer liegt. Die obere Grenze ist
ziemlich offen, abhängig von der Ausstattung . Einige Workstations sind in
Tabelle auf Seite aufgeführt.
Heutzutage geht der Trend weg vom Großrechner in Rechenzentren hin zu einem
Netz von Workstations. Dies hat den Vorteil, dass nicht teure Großrechner
angeschafft und auf Jahre hinaus dimensioniert sein müssen, sondern
Rechenleistung dort eingebunden oder zentral zur Verfügung gestellt werden
kann, wo und wenn sie benötigt wird. Das Netz ist erweiterbar um den
Rechner, der gerade gebraucht wird. Doch wie kam man auf die Idee, sie zu
bauen?
SUN Microsystems
Wir gehen zurück ins Jahr 1981. An der Stanford-Universität wurde Andreas
Bechtolsheim gerade mit seiner Doktorarbeit fertig. Zur Unterstützung
dieser Arbeit hatte er sich einen Computer zusammengebaut. Seine
Begründung:
'Ich fand heraus, dass es keine Maschine gab, die nur annährend die
Spezifikationen aufwies, die ich gebraucht hätte. So entschloss ich mich,
meine eigene Workstation zu bauen' .
Bechtolsheim hatte zunächst gar nicht die Absicht, seinen Computer zu
vermarkten. Er bot allerdings Lizenzen zum Nachbau für 10000 Dollar an.
Auch einem Wirtschaftsstudenten namens Vinod Khosla bot er eine Lizenz an.
Doch der schlug stattdessen vor, eine Firma zu gründen und den fertigen
Rechner zu vermarkten.
Am 22.2.1982 wurde die Firma SUN Microsystems mit 300000 Dollar
Startkapital gegründet. Das Kapital kam von zwei Investoren. Außerdem
erkannten die beiden, dass sie ein Management und ein schlüssiges Konzept
brauchten. Sie beschlossen, UNIX zum Betriebssystem ihrer Rechner zu
machen, denn die Zielgruppen, Universitäten, Firmen und Rechenzentren,
benutzten Großrechner unter Unix. Zudem gelang es, einige namhafte Hard-
und Softwarespezialisten anzuwerben. Ihnen folgten zahlreiche gute
Entwickler zu SUN. Außerdem gelang es, bis zum Herbst 1982 insgesamt
weitere 4 Millionen Dollar von Investoren zu bekommen.
Bis 1986 war SUN fast konkurrenzlos, bestenfalls HP und Apollo (später von
HP gekauft) bauten ähnliche Rechner. Entsprechend war die Geschäftslage;
jedes Jahr verdoppelte sich der Umsatz der Firma (siehe auch Tabelle auf
Seite ) .
Mittlerweile setzen aber viele weitere Hersteller wie HP, IBM und DEC auf
den Workstation-Markt. Andere, wie Silicon Graphics, verzeichnen durch die
aktuelle Multimediawelle, Rekordumsätze mit leistungsfähigen Workstations
mit vielen Spezialcoprozessoren. Der momentane Trend scheint in Richtung
Multiprocessing (mehrere Prozessoren arbeiten gleichzeitig in einem
Unix-System) und 64-Bit-Prozessoren zu gehen. Doch über die Workstation der
Zukunft läßt sich kaum mutmaßen, die Technologie entwickelt sich zu
schnell.
Schlussbemerkungen
Der Personal Computer hat ohne Zweifel die Welt verändert. Doch, im
Gegensatz zu anderen Entwicklungen in der Geschichte der Technik, wurde
diese Entwicklung nicht von der Industrie herbeigeführt. Es waren
ausschließlich Privatpersonen, die aus Idealismus oder Geschäftssinn an der
Idee des persönlichen Computers arbeiteten. Selbst beim Erfinder des
Mikroprozessors, Intel, dachte man zuerst nicht an eine Nutzung als
Herzstück von Computern, sondern zuallererst als Mess- und Steuerchip oder
Steuereinheit für Taschenrechner oder Terminals.
Die Namen einiger wichtiger Personen sind fast unbekannt, obwohl sie die
Entwicklung des Personal Computers maßgeblich beeinflusst haben. Wer kann
beispielsweise mit dem Namen Chuck Peddle etwas anfangen? Dabei entwickelte
er den 6800, den 6502, KIM-1, PET, gründete die Firmen Victor und Sirius,
in denen er PCs baute, entwickelte bei Tandon die Tandon Data Pacs, die
ersten handlichen und unverwüstlichen Wechselplatten. Schon in den frühen
70er Jahren arbeitete er an einem DTP-System, scheiterte aber an den zu
unterentwickelten Rechnern .
Adam Osborne leistete wichtige Arbeit, indem er die ersten Bücher über
Anwendung und Programmierung der ersten Mikroprozessoren schrieb. Sein
Buchverlag veröffentlichte viele bekannte Bücher, und existiert heute als
Osborne-McGraw/Hill noch. Er erfand den tragbaren Computer Osborne I und
legte damit die Grundlagen für die Laptop-Entwicklung.
Lee Felsenstein arbeitete fast immer im Hintergrund. Er engagierte sich in
verschiedenen Bewegungen, die das Ziel hatten, möglichst vielen Leuten den
Computer zugänglich zu machen. Er leitete die
Homebrew-Computer-Club-Treffen, und unter anderem entwarf er die erste
4Kb-Speichererweiterung für den Altair, baute den Sol-Terminalcomputer, und
war maßgeblich am Bau des Osborne I beteiligt.
Eine ganze Reihe von Leuten konnten in diesem Artikel nicht mehr erwähnt
werden. Es sind die Leute, die die ersten Programme geschrieben haben, die
auf frühen Personal Computern liefen. Gary Kildall und CP/M wurden schon
erwähnt. Eine wichtige Rolle spielten auch Bill Gates und Paul Allen, die
Gründer von Microsoft. Ihr BASIC erleichterte in den ersten Jahren das
Programmieren erheblich, und MS-DOS ist heute noch verbreitet. Peter
Jennings schrieb das erste Schachspiel auf einem PC. Es lief 1976 im
2Kb-Speicher einer KIM-1 und wurde weltberühmt, weil es das erste Spiel auf
einem Mikrocomputer war. Michael Shrayer schrieb die erste Textverarbeitung
für Personal Computer - Electric Pencil. Software wurde immer wichtiger, je
mehr verschiedene Rechner auf den Markt kamen. Dan Flystra schrieb mit
Kollegen VisiCalc - ein Programm, welches den Erfolg des Apple II
entscheidend beeinflusste. Und die Abenteuerspiele von Scott Adams waren für
viele Leute der Grund, einen Computer zu kaufen.
Nicht zu vergessen den Einfluss der Firma Atari . Die Videospiele ihres
Gründers Nolan Bushnell haben trotz heftiger Diskussionen über
Jugendgefährdung viele Menschen, vor allem Jugendliche, dazu veranlasst,
sich mit Computern auseinanderzusetzen, wenn auch meistens zum Spielen. Das
Videospielimage macht Atari heute noch zu schaffen: ihr Atari-ST Personal
Computer wird nicht ernst genommen, weil das Image des Videospiels bzw.
Spielecomputers noch immer vorherrscht.
Was die einzelnen Personen tatsächlich geleistet haben, wird man erst genau
nachvollziehen können, wenn sie ihre Lebensgeschichten veröffentlichen.
Doch vorläufig erfreuen sich alle Beteiligten noch bester Gesundheit und
sehen keinen Grund, ihre Memoiren zu schreiben.
Nach diesem Einblick in die Entstehungsgeschichte des Personal Computers
sind hoffentlich wenigstens einige Zusammenhänge klar geworden. Jedenfalls
wird es spannend sein, die weitere Entwicklung mitzuverfolgen.
Silicon Valley Fever: Rogers, Everett M.; Basic Books, 1984, ISBN
0-465-07821-4
Fire in the Valley: Freiberger, Swaine; Osborne/McGraw-Hill, 1984, ISBN
0-88134-121-5
Running Wild: The Next Industrial Revolution: Adam Osborne, McGraw-Hill,
1979
Die Silicon Valley Story: Bob McSummit, Joe Martin; Systhema Verlag GmbH,
1989, ISBN 3-89390-336-4
Steve Jobs - Der Henry Ford der Computerindustrie: Jeffrey S. Young; GFA
Systemtechnik, 1989, ISBN 3-89317-006-5
A History of Personal Workstations: Adele Goldberg; ACM/Addison-Wesley,
1988, ISBN 0-201-112259-0
What computers cannot do: Wilson G.; Auerbach Publishers, 1970
Die Traummaschine: herausgegeben von Steve Ditela; DuMont Buchverlag, 1985,
ISBN 3-7701-1723-9
Chip - Das Mikrocomputer-Magazin, Ausgabe 4/1987, 10 Jahre PC
Chip - Das Mikrocomputer-Magazin, Ausgabe 9/1988, 10 Jahre Chip
Chip Sonderheft Nr. 14 - Der Computer-Katalog
c't - Magazin für Computertechnik, Ausgabe 5/1992, Happy Birthday, P
Workout, Ausgabe 1/1991, Der zweite Frühling / Der Hybridcomputer
The Best of Byte - Volume 1: edited by David H. Ahl and Carl T. Helmers,
Creative Computing Press, ISBN 0-916688-04-6
Danksagung
Folgenden Personen möchte ich herzlich für ihre
Mithilfe und Hinweise bezüglich des Themas danken:
Thomas F. Pockberger
Oliver Breidenbach
Stefan Winterstein
Hubertus Wegener
Michael A. Patton
Arto V. Viitanen
Claus Scherschel
Peter Desnoyers
Michiel de Vries
Anders Thulin
Thomas Neser
Martin Raabe
Brian Scherer
Alex Prengel
Mike Rivero
Kurt Jaeger
Fernando
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