Gedicht - Der erschröckliche Darmwind
Der erschröckliche Darmwind Ein Darmwind einst - in hohem Bogen- ist in Potsdam mir entflogen. Er zog mit schallgedämpftem Krach gemächlich übers nächste Dach. Dann war er plötzlich nicht zu halten - von nun an tobten Urgewalten. Er wuchs heran, wurd ein Orkan, kam schließlich in Astralien an. Doch unterwegs, Ihr wißt es alle, zerstörte er Berlin und Halle. Das Römerreich hat er vernichtet... und das ist keinesfalls erdichtet - die Bild - Zeitung hat es erdichtet, die ist zur Wahrheit ja verpflichtet (!) Paris, Athen und Rom zerstört - man lächle nicht verächtlich (!) das Chaos war ganz unerhört, der Schaden sehr beträchtlich. Den Urwald setze er in Brand, verwüstete das ganze Land Verbrannte Erde, Ascheflug - davon gabs mehr als wie genug. Wasserleer nun See und Fluß und niergens mehr ein Regenguß. Ganz Afrika wurd menschenleer, man traut sich solches kaum zu sagen: Ein Pharao verlor sein Leben, die Erde fing auch an zu beben, das Meer begann sich zu erheben, was schlimmres konnt es gar nicht geben, ja liebe Leut' , so war das eben. Der Südpol schmolz, der Nordpol nicht. Dies störte sehr das Gleichgewicht. Die Erde trieb hinaus ins All - ein astronomisch selt'ner Fall. Ziellos nun auf Kosmosfahrt, das Leben voll zu Eis erstarrt, das war je wirklich ziemlich hart - ich hätt's der Menschheit gern erspart. Ich selbst hab solches nie gewollt - an allem war der Darmwind schold. Zum Schluß bin ich davon erwacht, das hat dem Spuk ein End' gemacht. Und die Moral von der Geschicht' ? Ich sag es glatt euch ins Gesicht , mit Gültigkeit auch vor Gericht: Übt Lebensart und auch Verzicht, vermeidet, daß das Weltall bricht, vertrauet euerm Darmwind nicht und haltet euerm Auspuff dicht ! Ein Umweltschützer von Format, der dies für euch notieret hat: (c) E. M. 16.06.1995
Text aus dem TextArchiv 7 - http://www.ta7.de/