Referat zum Thema Aberglauben
Oktober 1995
Thomas Dexheimer 13T
Vorwort
"Der Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen gedenkt, in die wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervortritt." Johann Wolfgang von Goethe Goethe war einer der wenigen "Intellektuellen", die sich schon damals rückhaltlos zum Aberglauben als einen Wesenszug des Menschen bekannt haben. Die meisten Menschen wollen den Aberglauben "ganz und gar ver- drängen", wie Goethe schreibt, dabei haben irrationale Glaubenssätze das Leben Einzelner und großer menschlicher Gemeinschaften oft stärker verändert als die Realitäten. Wegen Meinungsunterschieden und Glaubensdifferenzen haben sich Menschen fanatischer und brutaler bekämpft als wegen sachlicher Ziele.
Irrgläubig ist immer nur der andere, selbst hat jeder zweifellos den richtigen Glauben - sonst würde er diesem Glauben ja auch nicht anhängen. Was aber ist der richtige Glaube? Nun, darüber wird sicherlich auch dieses Referat keinen Aufschluss geben können, dennoch sei es hier ver- sucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Freilich können hier unmöglich alle Aspekte von Glauben und Aberglauben behandelt werden, aber zumindest für einen sollte hier genügend Platz sein.
Womit ich auch schon beim Thema dieses Referates angelangt wäre: Mit "Bauernregeln und Sprichwörtern" habe ich das glückliche Los gezogen, über ein Thema referieren zu dürfen, bei dem man auf der Suche nach Material förmlich von einer Sintflut an Beispielen erschlagen wird. Gleichzeitig musste ich aber auch feststellen, dass mit zunehmender Zahl von Beispielen, die Menge der auf den ersten Blick brauchbar zu scheinenden Hintergrundinformationen zu diesem Thema immer kleiner wurde. Ich bitte deshalb an dieser Stelle um Verständnis, dass dieses Referat ein bisschen weniger umfangreich ausgefallen ist.
Definition
So steht's im Lexikon: Bauernregeln, Volkssprüche über das Wetter und seine Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Sprichwort, im Volksmund überlieferte Sentenz, die eine Regel des sittlichen Verhaltens oder eine Erfahrung des praktischen Lebens aus- drückt. "Erfahrung ist das halbe Leben", sagt ein altes Sprichwort. Im Laufe seines Lebens muss jeder Mensch seine Erfahrungen machen, die er dann mehr oder weniger nutzbringend in späteren Tagen anwenden kann. Manch einer gibt seine Weisheit weiter und sorgt so dafür, dass auch der Nachbar, der Freund, oder die Familie davon profitieren können. Nichts anderes bezwecken die Bauernregeln und -sprüche, um die es in diesem Referat gehen soll.
Diese Regeln und Sprichwörter gibt es schon seit Jahrhunderten, ja sogar schon seit Jahrtausenden, und doch sind sie auch heute zum großen Teil noch gültig. Oft spricht aus diesen "herzhaft-kernigen" Sprüchen über Wetter- und Lebenserfahrungen die Naturverbundenheit und die Weisheit des Landvolkes. Viele der bäuerlichen Wette.
Witterungsverlauf, d.h. sie besitzen wie jede Regel eine teils größere, teils weniger große Eintreffwahrscheinlichkeit. Würden sie immer zutreffen, hätten wir es mit Naturgesetzen zu tun. Aber der aus dem Mittelalter stammende Begriff "Bauernregel" bringt ja schon klar zum Ausdruck, dass den Aussagen Grenzen gesetzt sind. Und der Volksmund sagt ja bereits: "Keine Regel ohne Ausnahme!"
Fazit
Bauerregeln sind kein Aberglaube, obwohl sie aus heutiger Sicht teilweise absolut naiv erscheinen mögen, wenn man berücksichtigt, dass heutzutage mit Computer und Satellitenbildern eine Wettervorhersage bestimmt wird. Trotzdem behalten auch heute die Bauerregeln ihre Bedeutung bei, da sie - wie das Wetter - ziemlich zeitlos und mit etwa 50%iger Wahrscheinlichkeit mindestens genau so gut wie jede andere Vermutung sind.
Wieder einmal typisch ist, dass für die Entwicklung der Wettervorhersage- Techniken wichtige Wissenschaftler schon damals in der Missgunst der Kirche lagen (Galileo Galilei). Aus Sicht der Kirche handelte es sich also damals wahrscheinlich schon um einen Fall von Aberglauben, wenn - heute anerkannt wichtige - Wissenschaftler behaupteten, daß das das Wetter vorhersehbar sei. Im Gegensatz zur Bauern-Praktik und dem 100-jährigen Kalender, die beide aus wissenschaftlicher Sicht heute nicht mehr haltbar sind, sind die Bauernregeln grundsätzlich das Ergebnis einer sehr guten Wetterbeobachtung.
Die Wetter und Witterungsregeln gehen jeweils von einem herrschenden oder gewesenen Wetterzustand aus und versuchen davon, ohne Kenntnis der komplexen Abläufe in der Atmosphäre, ein bestimmte Wetterentwicklung - allein aufgrund der Erfahrung -abzuleiten. Ernsthaft glauben wird an die genannten Sprüche und Bauernregeln heute mit Sicherheit keiner mehr. Was die Sprichwörter angeht, so tragen sie heute wohl höchstens noch zur Volksbelustigung bei, wenn sie auf Kalenderblättern abgedruckt werden. Bei den Bauernregeln sieht das etwas anders aus; wissenschaftlich anerkannt sind sie mit Sicherheit nicht, dennoch lässt sich auch mit ihnen eine gewisse Wetterprognose erstellen, die nicht allzu selten auch eintritt.
Dennoch werden sich heutige Landwirte und andere, vom Wetter abhängige, Unternehmen (z.B. Flughäfen) eher vom modernen Wetterdienst beraten lassen. Erweiterung des Julianischen K., gibt das Jahr mit 365,2425 Tagen an und ergibt erst in 3333 Jahren eine Abweichung von einem Tag Wetterkunde; Teilgebiet der Geophysik, versucht die Vorgänge u. Gesetzmäßigkeiten in der Lufthülle der Erde messend u. beobachtend zu erfassen und nach allgemeinen physikalischen Gesetzen zu erklären. Wissenschaft vom Klima. Kalender, der auch noch eine Wetterprognose beinhaltet, die sich alle 100 Jahre wiederholen soll
Helmut Hiller, "Lexikon des Aberglaubens", Süddeutscher Verlag
"Meyers großes Handlexikon A-Z", Meyers Lexikonverlag
Georg Haddenbach, "Bauernregeln, Bauernweisheiten, Bauernsprüche",
Falken Verlag
Horts Malberg, "Bauernregeln - Ihre Deutung aus meteorologischer
Sicht", Springer-Verlag
Text aus dem TextArchiv 7 - http://www.ta7.de/