Märchen - Der Holzsammler und seine Tiere


Der Holzsammler und seine Tiere (Bulgarien) Es war einmal eine alte Frau, die 
hatte einen Sohn; den schickte sie täglich in den Wald, damit er Holz sammle und 
es verkaufe. Er arbeitete auch fleißig, aber von dem Geld, das er verdiente, gab 
er nur einen Teil der Mutter, den andern behielt er für sich, um damit Gutes tun 
zu können. Einmal traf er auf seinem Weg Kinder, die ein kleines Hündchen prügelten; 
da kaufte er es ihnen ab und rettete es so vor weiteren Schlägen. Ein andermal 
fand er Kinder, die ein Kätzchen totschlagen wollten; er gab ihnen Geld, und sie 
überließen ihm das Kätzchen. Hund und Katze zogen nun mit dem Holzsammler, wo 
immer er ging. Als er einmal im Gebirge Holz sammelte, sah er eine brennende Buche; 
hoch in ihren Ästen zischte eine Schlange und rief um Hilfe. "Ich möchte dich 
gern aus dem Feuer retten", sagte der Bursch, "wenn ich nicht fürchten müsste, 
daß du mich beißen wirst." "Fürchte nichts Böses von mir!" sagte die Schlange.

"Meinen Retter werde ich nicht berühren." Da streckte er eine Stange an die Buche, 
die Schlange wickelte sich um die Stange und rettete sich so aus dem Feuer. "Nun 
will ich dir meine Dankbarkeit beweisen", sprach sie. "Bringe mich zum Zaren der 
Schlangen, dem Drachen. Er wird dir einen Beutel mit Gold anbieten; den nimm aber 
nicht, sondern verlange stattdessen den Ring, den er unter der Zunge trägt. Sowie 
er dir ihn gibt, stecke ihn gleich unter deine Zunge und behalte ihn immer dort; 
dann geht alles, was du wünschest, in Erfüllung." Der Holzsammler tat, wie ihm 
geheißen. Der Schlangenzar gab ihm den Ring, er steckte sich ihn unter die Zunge 
und ging nach Hause. Am nächsten Morgen sagte er zu seiner Mutter: "Geh zum Zaren 
und verlange seine Tochter für mich zur Frau!" "Du bist wohl närrisch!" rief die 
Mutter erschrocken. "Wie soll der Zar seine Tochter einem armen Holzsammler geben?

Er wird mich töten." "Geh und tu, was ich dir sage! Sprich zum Zaren: Mein Sohn 
kann Eurer Tochter alles bieten, was Ihr für sie begehrt." Da ging die Mutter 
aufs Zarenschloss und warb dort für ihren Sohn um die Zarentochter. "Wenn dein 
Sohn meiner Tochter ein Schloss bieten kann wie dieses, in dem sie jetzt lebt, 
dann kann er sie haben!" sagte der Zar und meinte, damit die Sache am raschesten 
los zu sein. Als die Mutter heimkam und über den Erfolg ihrer Werbung berichtete, 
sagte der Holzsammler zu dem Ring: "Ich wünsche ein Haus wie das Zarenschloss!" 
Und sogleich stand eines da an der Stelle ihrer alten Hütte. Nun schickte er seine 
Mutter wieder zum Zaren. Der machte ein erstauntes Gesicht. "Ich will deinem Sohn 
meine Tochter geben, wenn er die Straße, die sie ziehen soll, mit Gold pflastern 
lässt", erklärte er. Der Bursche wünschte sich nun die ganze Straße vorn Zarenschloss 
bis zu seinem eigenen mit Gold gepflastert, und auch das führte der Ring ohne 
Zögern aus.

Da forderte der Zar noch für seine Tochter einen Garten wie seinen eigenen, in dem die
Nachtigallen singen und die Falken schreien sollten; und schließlich, als auch diese
Bedingung erfüllt war, fügte er sich drein und sagte zu der alten Frau: 

"Dein Sohn soll mit dem Hochzeitsgefolge kommen, alle auf weißen Pferden 
und in weißen Kleidern, dann mag er meine Tochter heimführen." Und so geschah 
es auch. Die jungen Leute lebten recht glücklich miteinander, bis eines Tages 
die Amme der Zarentochter anfing, die junge Frau zu quälen. "Woher hat doch dein 
Mann die Gabe, alles auszuführen, was er sich nur denkt?" "Er hat einen Zauberring 
unter der Zunge", sagte die Zarentochter. "Den hat er für eine gute Tat bekommen, 
und der bewirkt alle diese Wunder." "Das ist aber eine gefährliche Sache", meint 
die Amme kopfschüttelnd. "Wenn er deiner überdrüssig wird, kann er dich durch 
diesen Ring verderben. Weißt du, was? Ihr habt doch schon alles, was euer Herz 
begehrt; es wäre das beste, deinem Mann den Ring wegzunehmen." "Er legt ihn aber 
niemals ab." "Dann tu folgendes: Nachts, wenn er schläft, mach deinen Finger nass 
und stecke ihn die die Pfefferbüchse; dann fährst du deinem Mann damit in die 
Nase. Er wird niesen, und der Ring wird ihm aus dem Mund fallen; dann nimm ihn 
und gib ihn mir, damit ich ihn verwahre." Die törichte junge Frau tat wirklich, 
was ihr die Amme geraten hatte; die Amme aber gab den Ring ihrem Sohn, und dieser, 
der die Zarentochter lange schon hatte heiraten wollen, wünschte sich sogleich 
das Schloss mit ihr und allem, was sonst drin war, ins Gebirge, den jungen Ehemann 
aber wieder in seine Holzfällerhütte zurück, die früher sein Heim gewesen war. 

Als am Morgen der Bursche wieder in seiner armseligen Hütte erwachte, da ahnte 
er, was geschehen war, und sprach zu seiner Mutter: "Ich will meinen Esel, meinen 
Hund und meine Katze nehmen und herumwandern, bis ich mein Schloss wieder finde." 
So gingen sie und kamen an einen Fluss mit starker Strömung. Da sah der Bursche 
am Ufer einen Fisch rücklings auf dem Trockenen liegen; er fasste ihn und warf 
ihn ins Wasser. "Hab Dank!" sagte der Fisch. "Für das Gute, das du mir getan hast, 
will ich dir alles tun, was du wünschest. Schneide mir eine Flosse ab, und wenn 
du etwas von mir brauchst, brenne sie an; ich komme dir dann gleich zu Hilfe."
 
Der Bursche schnitt dem Fisch eine Flosse ab und steckte sie ein. Nach kurzer 
Wanderung sah er das Schloss hoch oben auf einem Berg stehen. Da schickte er Hund 
und Katze aus, ihm seinen Ring wiederzuholen. Die Katze stieg in die Zimmer des 
Schlosses hinauf, während der Hund unten am Tor blieb. Die Mäuse im Schloss feierten 
gerade eine Hochzeit. Die Katze trat dazwischen und fing den Bräutigam ab. Da 
war große Aufregung, und die Mäuse sammelten sich um die Katze und versprachen 
ihr alles, was sie verlangen würde, wenn sie ihnen nur den Bräutigam freilassen 
wolle. "Ich will das ausnahmsweise tun", sagte sie, "wenn ihr dem Herrn dieses 
Schlosses den Ring wegnehmen wollt, den er unter der Zunge trägt. Macht eure Schwänze 
im Wasser naß, pfeffert sie in der Pfefferbüchse ein, dann geht in sein Zimmer, 
in dem er jetzt eben schnarcht, und steckt ihm die Schwänze in die Nase. 

Dann wird er niesen und den Ring aus seinem Mund ins Bett fallen lassen. Wenn ihr mir 
den Ring bringt, sollt ihr meinen Gefangenen frei haben." Die Mäuse liefen eilig 
davon und führten den Auftrag getreulich aus. Hei, wie da der Bösewicht nieste! 
Die arme, gefangene Zarentochter hörte es bis in ihr Zimmer und zitterte vor Schrecken 
und Abscheu. Die Katze aber, als sie den Ring übernommen hatte, ließ den Mäusebräutigam 
laufen und wünschte ein fröhliches Hochzeitsfest. Dann lief sie ans Tor, wo der 
Hund sie erwartete, und beide eilten davon. Als sie an den Fluss kamen, sagte die 
Katze zum Hund: "Jetzt will ich auf dir reiten, damit wir über den Strom kommen."
 
Der Hund duckte sich und trug sie ins Wasser, aber als sie mittendrin waren, sagte 
er: "Lass mich den Ring tragen. Bei mir ist er sicherer." Da gab sie ihm den Ring 
aus dem Maul, aber der fiel in den Fluss. Nun war guter Rat teuer. Sie liefen zu 
ihrem Herrn und berichteten ihm. Da fiel dem Burschen die Fischflosse ein, die 
er bei sich trug. Er zündete sie an und legte sie brennend auf den Fluss; da kam 
der Fisch herbei geschwommen und fragte: "Was kann ich für dich tun?" "Mir ist 
ein kostbarer Ring mitten in den Fluss gefallen", sagte der Bursche, "kannst du 
mir den herausholen?" "Freilich", sagte der Fisch. "Wart ein wenig, ich will ihn 
dir gleich bringen." Und er tauchte auf den Grund und brachte alsbald den Ring 
herbei. Der Bursche nahm den Ring unter die Zunge und rief: "Nun soll mein Schloss 
wieder auf dem alten Platz stehen und ich darin und der Bösewicht auch, so dass 
ich ihn fassen kann." Da war er schon in seinem Zimmer im Schloss, und die Zarentochter 
saß weinend am Fenster, und der Sohn der Amme stand neben ihr und bedrohte sie, 
weil sie ihren Mann nicht vergessen wollte. Da sprach der Holzsammler: "Dieser 
Schurke soll von dem Felsen, auf den er dieses Schloss versetzt hatte, in den Fluss 
stürzen!" Und in diesem Augenblick verschwand der Böse und wurde nie wieder gesehen.

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