Märchen - Die Tiere und der Teufel


 Es war einmal ein alter Mann, der drei Tiere besaß: eine Katze, einen Hahn
 und einen Ochsen. Als man nun einst beim Abendessen saß, sagte der Hauswirt
 zum Knechte: "Morgen früh mußt du die Katze töten."

 Aber nach dem Essen gab der Knecht der Katze den Rat: "Fliehe, sonst wirst
 du morgen früh geschlachtet." Die Katze nahm sich die Warnung zu Herzen, und
 als man sie am frühen Morgen töten wollte, war das Opfer fort, von der Katze
 nichts zu sehen noch zu hören.

 Am folgenden Abend sagte der Hauswirt wieder: "Morgen früh muß man unsern
 Hahn schlachten." Diesen Befehl des Hausherrn, hinterbrachte der Knecht auch
 dem Hahn, der schleunigst das Gehöft verließ. Auch an den Ochsen kam die
 Reihe zu fliehen, und alle drei fanden sich im Walde wieder zusammen. Sie
 wanderten unter den Bäumen dahin; da kommt ihnen ein Wolf entgegen. "Wohin
 gehst du?" fragen sie diesen. "Ich suche die Herde dort auf", antwortete der
 Wolf; "ich will sehen, ob ich nicht ein Lämmchen zum Imbiss erwischen kann."

 "Geh nicht hin!" warnten die andern. "Dort wird man dich töten; komm lieber
 mit uns." Der Wolf willigte ein, und sie gingen vier Mann hoch weiter. Da
 kommt ihnen ein Bär entgegen. "Wohin gehst du?" fragen sie wiederum. "In die
 Nähe des Dorfes dort; ich will Hafer fressen", antwortete der Bär. "Geh
 nicht hin, du könntest zu Schaden kommen", sagten die anderen, "komm lieber
 mit uns." Der Bär ging denn auch mit ihnen, und als sie zu Fünfen ein
 Stückchen weitergewandert waren, begegneten sie einem Hasen. Den redeten sie
 ebenfalls an, und auch ihn gewannen sie zum Gefährten, worauf sie einem Dorf
 zuschritten und sich anschickten, die Badestube zu heizen. Vor der Stube lag
 ein Hund, der die anderen mit der Wamung empfing: "Geht nicht dort hinein,
 drin wohnen böse Geister." Aber die andern gingen doch hinein. Der Bär legte
 sich an der Schwelle hin, der Wolf zwischen den Türpfosten, der Ochs suchte
 sich den Viehwinkel auf, der Hahn flog auf die Hühnerstiege, die Katze legte
 sich auf den Ofen, der Hase unter die Bank und der Hund mitten in die Stube.

 Da kommt auch der Teufel an die Badestube und öffnet die Tür. Im Nu beißt
 ihn der Wolf in die Wade, der Bär schlägt ihn mit der Tatze, der Ochs stößt
 ihn mit den Hörnern, der Hahn fängt an zu krähen und die Katze zu miauen,
 der Hase springt unter der Bank hin und her und der Hund rennt in der Stube
 herum. Vor Schrecken über diesen Wirrwarr fiel der Teufel rücklings hin;
 aber kaum hatte er sich aufgerafft und sich aus den Klauen seiner Feinde
 befreit, als er auch aus der Tür hinausflog und in eiligster Flucht dem
 Walde zurannte, wo er seinen Gefährten die Geschichte mit den Worten
 erzählte:

 "Geht nicht mehr in die Badestube: drin hausen Fremde, und gar gewaltige.
 Ein Schneider stach mich gleich an der Schwelle mit seinen Nadeln, ein
 rauhhaariger Mann packte mich mit seinen Fäusten an der Brust, ein Schuster
 schlug mich mit seinem Leistensack, daß ich rücklings hinfiel. Einer auf dem
 Ofen schlug Feuer an, die Lehrbuben rannten in der Stube herum, sprangen mit
 glühenden Augen aus einer Ecke in die andere und suchten mich um mich zu
 prügeln, konnten mich aber nicht finden. Einer (der Hahn) schrie sogar den
 andern zu, als ich entfloh: "Greift den Kerl! Greift den Kerl!"

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