Konstruktion
Cembalo, Spinett, Virginal und Clavicytherium sind Tasteninstrumente
mit Drahtsaiten, die von kleinen Plektren (Kielen) angerissen werden,
von denen jedes an einem hölzernen Springer befestigt ist. Das Cembalo
ist das bedeutendste dieser Instrumente mit dem vollsten Klang, weil
es zwei oder drei (bei Neukonstruktionen des 20. Jh. auch vier) Saiten-
chöre (Bezüge) besitzt, die gleichzeitig erklingen können.
Die Springer eines jeden Saitenchores sind in einem Rechen quer über
die Breitseite des Cembalos geführt. Jeder Rechen kann seitwärts
verschoben werden, so dass die entsprechenden Plektren nicht mehr die
Saiten anreißen. Erst gegen Ende des 18. Jh. wurden Mechaniken
entwickelt, mit denen die Register ohne Unterbrechung des Tastenspiels
ein- und ausgeschalten werden konnten.
Der Cembalist kann durch seinen Anschlag die Dynamik nur minimal
beeinflussen, die Geschwindigkeit und Kraft, mit der die Taste herunter-
gedrückt wird, hat keinen Einfluss auf die Tonerzeugung.
Trotzdem kann
ein geschulter Cembalist die Illusion dynamischer Gestaltung durch
musikalische Hilfsmittel wie Staccato und Legato sowie unterschiedliches Arpeggieren erzielen.
Man unterscheidet das englische und französische Cembalo, die sich
hauptsächlich im Klang unterscheiden, da bei den englischen Cembali die
4´-Springer weiter von den Tasten entfernt sind als bei den französischen.
Aufbau
Der Rahmen besteht aus der Basswand, der Diskantwand (auch Stoßwand)
und der Hohlwand (auch gebogene Wand).
Nach alter italienischer Tradition
wird das Cembalo vom Unterboden her errichtet. Vor dem Rechen befindet
sich der Stimmstock mit den Stimmwirbeln. Die meisten Cembalos haben zwei
Saitenbezüge:
Den längeren 8´-Chor und einen 4´-Chor mit kürzeren Saiten, die eine
Oktave höher stehen.
Der 4´ wird normalerweise nur zusammen mit dem 8´ gespielt (Oktavverdopplung),
die Oktave gibt Fülle und Brillanz.
Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass es drei Saitenchöre gibt.
Diese Disposition (8´ 8´ 4´) klingt natürlich noch voller.
Der Springer
Das Plektron des Springers war früher aus dem Federkiel eines Raben
zurechtgeschnitten, seltener aus Leder; Heute wird überwiegend Delrin,
ein elastischer Kunststoff, verwendet.
Der Kiel steckt in einer geachsten
hölzernen ?Zunge? und ragt etwa 3mm aus ihr heraus. Wenn der Springer durch
den Tastenhebel nach oben geschleudert wird, zupft der Kiel die Saite an.
Gleichzeitig geht auch der Fähnchendämpfer (aus Filz) nach oben, so dass die
Saite frei schwingen kann. Sobald die Taste losgelassen wird, fällt der
Springer zurück, der Kiel gleitet aber dank der nachgebenden Zunge an der
Saite vorbei. Unmittelbar danach berührt der Fähnchendämpfer die Saite und
dämpft sie ab. Jetzt kann die Taste erneut heruntergedrückt werden.
Es gibt verschiedene Regionale Schulen für das Cembalo, u.a. die italienische,
flämische, französische, englische und deutsche.
Die bekanntesten Komponisten, die für das Cembalo komponierten, sind:
Purcell (spätes 17. Jh.), Francois Couperin (18. Jh.), Rameau (18.
Jh.) und natürlich Johann Sebastian Bach (auch 18. Jh.).