Nina Andrejewa

(Generalsekretärin des ZK der Kommunistischen Allunionspartei der Bolschewiki) 
Die Lage der kommunistischen Bewegung in Rußland (September 1996) Die Wahlkampfschlachten 
um das Präsidentenamt in Rußland haben - entgegen den Erwartungen des Kleinbürgertums 
und der Leichtgläubigen - nicht nur keine Erleichterung gebracht sondern die ohnehin 
schwierige Lage der Russen sogar noch verschärft. Die Milliarden, die für Wahlspektakel 
aus dem ohnehin angespannten Haushalt abgezweigt wurden, haben zu weiteren Verzögerungen 
bei den Gehaltszahlungen geführt, nicht nur in der Industrie sondern auch in der 
Armee, der Justiz, den wissenschaftlichen, medizinischen und pädagogischen Einrichtungen.
 
Die ausgeplünderte Bevölkerung, die in vielen Regionen auf Betteln angwiesen ist, 
hat sogar die Beihilfen für Beerdigungen verloren. Die Hälfte der Bevölkerung 
hungert. Die Flüchtlinge aus den ehemaligen Sowjetrepubliken befinden sich in 
einer besonders ausweglosen Lage. Chaos in der Wirtschaft sowie Willkür in Justiz 
und Politik sind heute die markantesten Kennzeichen des "demokratischen Rußland". 
Die Regierung vermag nur die Hälfte der Steuern einzutreiben. Nich nur die bankrotten 
Unternehmen, auch die 70 Finanz- und Industriefirmengruppen, die vom Export leben, 
zahlen nicht. Sie schulden dem Staat mehr als 35 Milliarden Rubel, mit denen man 
die Gehälter und Pensionen hätte zahlen können. Die Hoffnungen, daß die Ukasse 
des Präsidenten die Sache regeln würden, haben sich als vergeblich erwiesen. Es 
wurde deutlich, daß "der Präsident nach der Verfassung und der Rechtslage nicht 
das Recht hat, Ukasse zu erlassen, die zur Zahlung von Steuern verpflichten oder 
die Verantwortlichkeit für die Nichtzahlung festlegen" (Fin.Izv. N° 88). Die derzeitigen 
Herren Rußlands haben einmal mehr gezeigt, welches die tatsächliche Stellung der 
Funktionsträger ist, die sich mit der Politik befassen. Finanzminister A. Lifschitz 
kann nichts weiter tun, als die ungekrönten Könige der russischen Wirtschaft zu 
bitten, die Steuergesetze zu beachten. Auch ein präsidentielle Ukas, von dem ein 
bedeutender Teil des Handels zwischen Rußland und der GUS abhängt, war kaum ein 
Erfolg. Die von Tschubai vorgesehene Zusatzsteuer hätte nach Meinung des Moskauer 
Oberbürgermeisters Lutschkow eine Vergrößerung des Arbeitslosenheeres um 10 Millionen 
zur Folge gehabt. Die Träume von einem "Boom" der Investitionen im Herbst haben 
sich in Rauch aufgelöst. Die Inflation und der Anstieg der Preise ist nur durch 
den Stillstand der transformierten Industrie und die Verarmung der Bevölkerung 
gebremst worden. Die allgemeine Krise Rußlands wird inzwischen schon zur Katastrophe.

Viele Russen sind zu dem Schluß gekommen, daß die Wiederherstellung des Kapitalismus 
in einem Land, das 7O Jahre den Sozialismus aufgebaut hat, grundsätzlich nicht 
möglich ist und soziale Umwälzungen von unvorhersehbaren Ausmaßen bewirkt. Die 
Demokraten, die in den Wahlen einen "lebenden Leichnam" zum Präisendenten bestimmt 
haben, haben jede Autorität im Lande verloren. Heute ist die bürgerliche Konterrevolution 
Jeltzins eine bittere Frucht, die man nicht runterschlucken aber aus Angst auch 
nicht ausspucken kann. Die Elite stellt sich die Frage: WIE den verfallenden Alkoholiker, 
den "Garanten" der bürgerlichen Reform loswerden und beim Internationalen Währungsfond 
- wieder einmal - Gefallen finden. Um die Leerstelle des Präsidentenamts herum 
befehden sich die Kreise der Präsidialkanzlei und der Regierung: wahrlich kein 
erbaulicher Anblick. Im gegenwärtigen bürgerlichen russischen Staatssystems, in 
der Triade der Macht - Legislative, Exekutive, Justiz - hat sich die vollziehende 
Gewalt zersplittert in Regierung (Tschernomyrdin), Präsidialamt (Tschubai) und 
Sicherheitsrat (Lebed). Diese stehen in widersprüchlichen Beziehungen sowohl untereinander 
als auch zu Parlament und Justiz. Damit ist Konfusion, Instabilität und Mangel 
an Verantwortlichkeit Tür und Tor geöffnet. Eine entstehende "Rechtsopposition" 
präsentiert sich dem Regime als Rettungsanker. Der "Friedens"general Lebed bereitet 
sich auf einen neuen Anlauf zum Präsidentenamt vor und hat dies in den deutschen 
Zeitschriften "Der Spiegel" und "Stern" durchblicken lassen.

Die Zeitschrift "Zavtra" bringt Belege für die Unterstützung von einflußreichen amerikanischen, 
deutschen und japanischen Politikern sowie von Finanzmagnaten, die von Zerfall und Durcheinander 
in Rußland träumen. Auf der anderen Seite des politischen Zweiparteiensystems 
hat ein "Rettungsanker" bereits unter dem Namen Patriotische Volksunion Rußlands 
(PVUR) Gestalt angenommen. Ihr Präsident Sjuganow, in den Präsidentschaftswahlen 
unterlegen, führt gleichwohl weiter Gespräche mit Tschernomyrdin mit Blichkrichtung 
auf seine Beteiligung an der konterrevolutionären Bewegung. Er hatte von vornherein 
der Wiederwahl Tschernomyrdines auf dem Posten des Premierministers seine Zustimmung 
gegeben. Sein Gefolgsmann Amman Tulejew ist bereits zum Minister in der neuen 
Regierung von Tschernomyrdine ernannt. Die "Pravda" schreibt begeistert: "zum 
ersten Mal in fünf Jahren gehört ein Kommunist, und kein Ex-Kommunist, der russischen 
Regierung an." Die Prawda ist keineswegs schockiert über die 180-Grad-Wendung 
von Tulejew. Einem ironischen Kommentar in der "Iswestja" zufolge hat Touleyev 
bei seiner Ernennung unter anderm erklärt, er sei "immer gegen all die Streiks 
gewesen. Die könnten unserem Rußland nur schaden". Selbstverständlich täuschen 
die von der Regierung bezahlten Medien in diesem Zusammenhang die leichtgläubigen 
Kleinbürger und nennen weiterhin Sjuganow und Tulejew die führenden Kommunisten 
Rußlands. Kommunisten nennt man auch weiterhin die Führer des derzeitigen bürgerlichen 
Parlamentarismus, den Präsidenten der Duma, G. Selesnjow, und den Präsidenten 
des Föderationsrates, E. Strojew, ehemaliges Mitglied des Politbüros des ZK der 
ehemaligen Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Die Nomenklatura der KPdSU 
wird mehr und mehr der Schutzwall zur Absicherung der Restauration des Kapitalismus 
in Rußland. Vor dem Hintergrund der drohenden Katastrophe zeigen sich immer stärkere 
Widersprüche auch in der kommunistischen Bewegung Rußlands. Noch während des Wahlkampfes 
wurde sogar in der Kommunistische Partei der Russischen Föderation (KPRF) ein 
Zwiespalt offenkundig. Dieser hat sich nach der Niederlage Zschuganows bei den 
Präsidentschaftswahlen noch verstärkt. Die Mitglieder der KPRF von Jaroslawl weisen 
in ihrer Erklärung an die Kommunisten Rußlands vom Januar zu recht darauf hin, 
daß "Sjuganow den Marxismus-Leninismus in allen seinen Grundpositionen revidiert 
und in der Tat völlig mit ihnen bricht. Er erschreckt genau wie Jeltzin die Arbeiter 
mit dem Bürgerkrieg und verbreitet unter ihnen die reaktionäre Idee, daß dieser 
zerstörerischen Gewalt kein Widerstand entgegengesetzt werden darf. Sjuganow versucht 
jede gewaltanwendende Form des Kampfes der Arbeiter gegen die Gewalttätigkeit 
der gegenwärtigen Ausbeuter auszuschließen. Er ersetzt die marxistische These 
von der Diktatur des Proletariats und der Macht der Sowjets der Arbeiter durch 
die bürgerliche in parlamentarischer Form ausgeübte "Macht des Volkes". 

Mit der Idee des zivilen Friedens läßt Sjuganow in Wirklichkeit die Politik der zivilen 
Versöhnung Jeltzins wieder aufleben. In der nationalen Frage leugnet Sjuganow 
den Klassencharakter der Nationalitätenpolitik und unterminiert somit durch eine 
Zeitbombe die Idee der friedlichen Wiederherstellung der UdSSR... In Wirklichkeit 
ist Tschuganow weder ein Kommunist noch eine russischer Patiot. Er ist das trojanische 
Pferd der nationalen und internationalen Bourgoisie in der kommunistischen und 
patriotischen Bewegung." Die Verfasser dieser Erklärung sind besorgt über die 
beginnenden Austritte von Kommunisten aus der KPRF und schlagen vor, an deren 
Stelle eine neue Partei mit einer marxistisch-leninistischen Orientierung zu gründen. 
Nach Bekannwerden der Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen hat sich der Exodus 
der Kommunisten aus der KPRF noch verstärkt. Die Kritik am Wahlkampf Tschuganows 
ist härter und grunsdsätzlicher geworden. In einem Brief von fünf Mitgliedern 
der Moskauer KPRF wurde Sjuganow kürzlich vorgeworfen, die Interessen des amerikanischen 
Ultra-Imperialismus zu verteidigen. "Nach steiler Karriere in den 80er Jahren 
im ZK der KPdSU während der Führung von Jakowlew und an der Spitze der russischen 
kommunistischen Partei angelangt," schreiben sie, "ist er darum noch nicht zum 
Kommunisten geworden. Er hat sich immer vom Kampf der Volksmassen distanziert...
 
Auf den Leninhügeln hat Sjuganow erklärt, die Ideologie der Patriotischen Volksunion 
Rußlands sei der russische Nationalpatriotismus sowie die Spiritualität und der 
Glaube der russischen Orthodoxie. In der KPRF sind die Bedingungen für eine Spaltung 
herangereift. Wie im Falle von Gorbatschow ist der Schuldige erneut... niemand 
anders als der Präsident des ZK... Die kommunistische Partei kann nicht von einem 
Manne geleitet werden, der ihrer Ideologie fremd gegenübersteht, von einem Christlich-Liberalen, 
der noch nicht einmal die Eigenschaften eines Staatsmannes hat. Sollte Sjuganow 
Chef der Partei bleiben, könnte dies für die KPRF ernste Konsequenzen haben... 
Die KPRF darf nicht zulassen, daß ihr Parteiführer sie ein zweites Mal verrät." 
Wir verstehen die Befürchtungen der Kommunisten der KPRF wegen der Zukunft ihrer 
Partei, aber wir glauben nicht, daß man alle Probleme auf die Person von Sjuganow 
zurückführen kann. Er ist nicht zufällig der Führer der KPRF geworden. Diese Partei 
ist im Einverständnis mit Jeltzin gegründet worden als Gegengewicht gegen die 
kommunistischen Parteien, die an antikapitalistischen Positionen festhalten. 

Die Spitzen der ehemaligen KPdSU förderten Sjuganow, den Nachfolger Gorbatschows und 
der Demokratischen Plattform, als Vertreter der oberen Ränge der Nomenklatura 
der Partei, der treibenden Kraft der bürgerlichen Konterrevolution. Er spielte 
eine aktive Rolle bei der Plünderung des Volkseigentums unseres Landes. Es genügt 
daher nicht, einen einzelnen Führer zu ersetzen. Geändert werden muß die soziale 
und politische Orientierung der KPRF und ihres Programms. Aus einer Vertreterin 
der Interessen des Kapitals der Partei und der Nomenklatura, die mit der nationalen 
russischen Bourgoisie fusionierte, muß die KPRF zu einer proletarischen, leninistischen 
Partei transformiert werden. Leider wurden der parlamentarische Kretinismus und 
das Streben der Gefolgsleute Sjuganows nach Präsidentschaft und Regierungsverantwortung 
in den zitierten offenen Briefen der Mitglieder der KPRF nicht kritisiert. Im 
Gefolge der Parlamentswahlen und der Unterstützung der Kandidatur von Sjuganow 
ist die Lage der Parteien der Union der Kommunistischen Parteien Rußlands Roskomsojus 
komplizierter geworden. Die Widersprüche zwischen diesen Parteien und innerhalb 
dieser Parteien haben sich verschärft. Das gedämpfte Murren während der Wahlkampagne 
ist jetzt von Enthüllungen über den Wahlkampf von Sjuganow abgelöst worden. 

Eine der Fragen zu dem mit viel Wirbel geführten Wahlkampf war, ob die Niederlage Sjuganows 
bei den Präsidentschaftswahlen unvermeidlich war. "Sjuganow oder besser die Führung 
der KPRF waren nicht darauf aus, den Wahlkampf wirklich zu gewinnen... Wenn Tschuganow 
gewonnen hätte, hätte er an der Macht seinen Kommunismus zeigen müssen. War seine 
Partei dazu im stande? Offensichtlich nicht, und sie wäre demaskiert worden als 
eine Partei, die nicht kommunistisch ist." (Mitteilungen des ZK der Kommunistischen 
Russischen Arbeiterpartei (KRAP) N° 3). Aber für manche ist es wichtig, daß die 
KPRF als kommunistische Partei angesehen wird; und - zwar demselben Organ zufolge 
- "für den internationalen Kapitalismus. Der braucht in Rußland eine Partei die 
in Wirklichkeit bürgerlich oder besser noch sozial-demokratisch ist und sich kommunistisch 
nennt. Etwas Besseres läßt sich nicht ausdenken für ein Land, wo noch in der jüngeren 
Vergangenheit die kommunistische Ideologie geherrscht hat. Gerade die Existenz 
der KPRF in Rußland verhindert den Aufbau einer kraftvollen kommunistischen Bewegung, 
die auf marxistisch-leninistischen Grundsätzen basiert... Die KPRF wird für Rußland 
gebraucht, um 'die wirklich kommunistischen Parteien unter der Glasglocke zu halten'.
 
Das heißt: um die kommunistische Bewegung zu liquidieren." Aber wenn die Niederlage 
Sjuganows im Präsidentschaftsrennen vorherbestimmt und offensichtlich war, mußten 
die Kommunisten dann Sjuganow unterstützen? "Haben doch praktisch alle Mitglieder 
der KRAP für Sjuganow gestimmt, ihn als das kleinere Übel ansehend." Dies meinen 
die Führer der KRAP. "Die Partei war in einem solchen Zustand, daß sie nicht einen 
eigenen Kandidaten aufstellen konnte, angesichts des inneren Kampfes, in den Anpilow 
sie gestürzt hatte". Daran kann man Zweifel haben. Die Leidenschaftlichkeit des 
Präsidentschaftswahlkampfes "mußte zwangsläufig eine innere Krise in der KRAP 
hervorrrufen, die Einigkeit in ihren Reihen bedrohen und selbst zur Spaltung führen." 
(ibid.) Die Partei hat sich praktisch gespalten in "Gefolgsleute von Tjulkin" 
und "Gefolgsleute von Anpilow". Die Zeitungen der KRAP glichen Abreißkalendern, 
indem sie mit wechselseitigen Zitierungen eine fruchtlose Redeschlacht entfalteten. 
Man beschuldigte sich gegenseitig des Trotzkismus, des Bucharinismus, des subjektiven 
und metaphsischen Idealismus, des Dogmatismus, des Sophismus, des Kautskianismus, 
des Bernsteinismus, des Nationalismus und des Antihistorismus. Man bezeichnete 
die Position Anpilows als "Menschewismus-Trotzkismus". Die Parteigänger von Anpilow 
wurden beschuldigt, "die Ideen des Trotzkismus in die Arbeiterbewegung einzuführen".
 
Die Mitteilungen des ZK der KRAP erklärten, "der Schatten Trotzkis läge über der 
jungen KRAP." Anpilows Parteigänger behaupteten zur Erwiderung die Existenz eines 
"parteifeindlichen zionistisch-trotzkistischen Grüppchens", das sich beim ersten 
Sekretär des ZK der KRAP verstecke. Durch diese pseudowissenschaftlichen Etiketten, 
die man sich von beiden Seiten anklebte, haben sich die KRAP und ihre beiden Flügel 
selbst enthüllt. Herauskam nur Verleumdung und Intrige, die sich gegen sich selbst 
richteten. Viele finden, die Ursache der Spaltung liege in der Entscheidung der 
KRAP, Sjuganow als einzigen Präsidentschaftskandidaten der Parteien der Linken 
zu unterstützen. Aber es kann sein, daß es einen viel tieferen Grund für die Spaltung 
in der KRAP gibt. Dies sind die Versuche von Jeltzin und Tschuganow, künstliche 
interne Streitereien vom Zaune zu brechen, um so die stärkste und einflußreichste 
Partei von Roskomsojus zu schwächen. Die Spaltung der Moskauer Organisation der 
KRAP erinnert an die Situation, als sich die Moskauer Sektion von Edinstwo von 
der sowjetischen Organisation von "Edinstwo - für Leninismus und kommunistische 
Ideale" losgerissen hat, und zwar auf der Grundlage von fabrizierten Anschuldigungen 
und ungerechtfertigten Ambitionen und mit denselben Methoden, denselben Personen 
und vielleicht denselben Leuten, die die Fäden zogen... Die Einheitsfront der 
Arbeiter, oder genauer, ihre Organisationen in Moskau und Astrachan haben zu der 
Teilnahme der Parteien von Roskomsojus an den Präsidentschaftswahlen eine andere 
Einschätzung gegeben: "Die Wahlen haben beiderseits der Barrikaden Kommunisten 
und falsche Kommunisten zum Vorschein gebracht und dadurch den Arbeitern eine 
ausgezeichnete Gelegenheit verschafft zu erkennen, wer wer ist... Die Kommunisten 
haben die Arbeiter dazu aufgerufen, nicht an den Präsidentschaftswahlen teilzunehmen, 
weil jeder Präsident von der Bourgoisie ausgewählt wird, und dies allein im eigenen 
Interesse... Wir haben der ganzen linken Bewegung in Rußland vorgeschlagen, als 
Block die Teilnahme an den Wahlen zu verweigern, um sich so in der Aktion einig 
zu zeigen und auf dem Wege zu einer einheitlichen Taktik in den anderen brennenden 
Fragen der Bewegung vorwärts zu kommen... Die Niederlage von Tschuganow ist ein 
kleiner aber wichtiger Sieg jener, die dafür gekämpft haben, die kommunistische 
Bewegung vor einem strategischen Ansehensverlust zu bewahren." (Was tun? N° 10).
 
Von allen Parteien der Roskomsojus hat allein die Kommunistische Allunionspartei 
der Bolschewiki (KAPB) eine ähnliche Haltung zu der Frage der Teilnahme an den 
Präsidentschaftswahlen eingenommen. Auf ihrem II. Parteitag im Februar 1996 hat 
die KPBSU die begründete Entscheidung getroffen, die Präsidentschaftswahlen zu 
boykottieren. Dabei teilt die KAPB in drei Punkten, die nach unserer Meinung entscheidend 
sind, nicht die Auffassung der Einheitsfront der Arbeiter: 1) Wir sind nicht einverstanden 
damit, den "Wahlkampf von Tschuganow" mit dem "Wahlkampf von Anpilov" gleichzusetzen. 
Sie sind diametral entgegengesetzt. Tschuganow ist heute ganz auf die Seite der 
bürgerlichen Reform übergegangen. Er tarnt seinen Verrat mit einem kommunistischen 
Etikette. Anpilow ist Kommunist, revolutionärer Proletarier, begabter Publizist, 
geschickter Organisator, Mann der Massen. Selbst jene, die ihn jetzt kritisieren, 
räumen ein, daß Anpilow "ein Volkstribun, daß er Tausende bei den Demonstrationen 
mitgerissen hat, daß er 1993 als Sekretär des ZK der KRAP im Weißen Haus dabei 
war, daß er die Herausgabe der Zeitung "Molnia" organisiert hat, daß er Gefangener 
in der "Matroskaja Titschina" war, daß er Präsident von 'Arbeitendes Rußland' 
ist". (Mitteilungen des ZK der KRAP N° 3) ist. V. Anpilow ist nicht von dem berüchtigten 
Antistalinismus und Anarchosyndikalismus befallen gewesen, worunter die KRAP zu 
Anfang sehr gelitten hat. Die Autorität von Anpilow in der internationalen kommunistischen 
Bewegung und in der Befreiungsbewegung ist sehr groß. Er hat sich als Kämpfer 
entschlossen, mutig, selbstlos und der Sache des Sozialismus ergeben gezeigt.

Das sind Eingenschaften, die den heutigen russischen Politikern fehlen. Warum 
gefällt V. Anpilow der Führung der KRAP nicht mehr? Man beschuldigt ihn "der Verletzung 
der Kollegialität und der Beschlüsse der Partei: Er hat Aktionen unternommen die 
von ZK der KRAP nicht gebilligt waren". Im wesentlichen bestehen diese "Aktionen" 
in der Tatsache, daß Anpilow als Kandidat für das Präsidentenamt in Rußland vorgeschlagen 
wurde. Wie man weiß, ist auf den Sitzungen des ZK der KRAP die Frage der Notwendigkeit 
eines einzigen Kandidaten der Kräfte der Linken gestellt und entschieden worden. 
Der V. Pateitag der KRAP hat den ersten Sekretär des ZK angewiesen, nach Abschluß 
eines bilateralen Vereinbarung die Vereinbarung der patriotischen Volkskräfte 
zur Unterstützung von Sjuganow zu unterzeichnen. Aber in Balakowo begann man damit, 
Unterschriften für Anpilow zu sammeln. In Ausführung der Beschlüsse des V. Parteitages 
der KRAP hat Anpilow seine Kandidatur nicht vorgeschlagen sondern eine Vereinbarung 
mit dem Patriotischen Volksblock getroffen, "um den Einheitskandidaten Sjuganows 
zu unterstützen". Wir stellen fest, daß der Sekretär des ZK der KRAP, Terentjew 
- mit einigen Bedingungen - und der Führer der KPR-KPSU, Prigarin, ebenfalls eine 
solche Vereinbarung unterzeichnet haben. Die KPR von Krjutschkow stimmte für Sjuganow, 
ohne die Vereinbarung zu unterzeichnen. Im Wesentlichen bestand der Ungehorsam 
von Anpilow in der Tatsache, daß er, wie ein ukrainisches Sprichwort sagt, "vor 
seinem Vater in die Hölle gefahren" ist. Nach der Euphorie des Präsidentschaftswahlkampfes 
wurden in der Partei die Mittel der "Repression" in Gang gesetzt, was schließlich 
zur Spaltung der KRAP und zum Ausschluß Anpilows aus der Partei führte. Wir hätten 
über diese Frage als eine innere Angelegenheit der KPR(A) hinweggehen können, 
wenn die Folgen nicht darüber hinausgingen und auf dem linken Flügel der kommunistischen 
Bewegung Rußlands eine schwierige Situation geschaffen hätten. Lenin hat uns gelehrt 
zwei Formen der Kritik zu unterscheiden: Kritik, die darauf abzielt, Ideen offenzulegen 
und den Gegner zu brechen, und Kritik, die darauf abzielt, Fehler zu korrigieren, 
die aufklärend wirkt, die freundschaftlich und konstruktiv und darauf gerichtet 
ist, die Positionen der Partei und ihrer Verbündeten zu stärken. Schärfste Kritik 
der Marxisten-Leninisten am Wahlkampf von Sjuganow ist vollkommen gerechtfertigt.
 
Die KPRF und die von ihr geschluckte Patriotische Volksunion Rußlands sind eine 
unentbehrliche Glieder im bürgerlichen Zweiparteiensystem Rußlands geworden. Sjuganow 
selbst kritisiert, wie man weiß, das derzeitige Regime auf konstruktive und "zivilisierte" 
Art und Weise und zeigt so seine soziale Verwandtschaft mit jenen, die die Macht 
innehaben. Anpilow kämpft dagegen entschieden und selbstlos nicht nur gegen Jeltzin 
sondern auch gegen das ganze System der Restauration des Kapitalismus in unserem 
Lande. Nicht zufällig wird gegen Anpilow alles aufgeboten, was geeignet sein könnte, 
ihn zu kompromittieren. Jene, die in die Parteiführung streben, machen dies vielleicht, 
weil sie immer und überall die großen und kleinen Partokraten sind, und weil sie 
in der Führung der heutigen kommunistischen Bewegung niemanden zulassen wollen, 
der nicht aus dem Nest der Nomenklatura der früheren KPdSU gekrochen sind. Offenkundig 
ist die Tätigkeit von Anpilow nicht frei von Irrtümern. Nach unserer Ansicht ist 
die Haltung der KRAP, darunter die von Anpilow, nicht ganz einwandfrei und konsequent 
gewesen. So lassen einige theoretische Entdeckungen Anpilows, die im Sommer in 
"Molnia" erschienen, zu wünschen übrig. Gerade heute werden sie von seinen Widersachern 
in beleidigender Weise und oft ohne Begründung kritisiert. Aber nach unserer Auffassung 
ist es überhaupt nicht gerechtfertigt, in den theoretischen Konzeptionen sowie 
den politischen und taktischen Prioritäten von Anpilow nach Trotzkismus, Metaphysik, 
Kautskianismus und vielen anderen Dingen herumzusuchen, deren man ihn beschuldigt. 
Dies alles ist eher das Ergebnis vorschneller Formulierungen oder überschwenglicher 
Gefühlsregungen, die von der Leidenschaft der Versammlungen diktiert werden. 2) 
Nach unserer Auffassung wäre es nicht weniger verhängnisvoll, Anpilows Gefolgsleuten 
"Arbeitendes Rußland" entreißen zu wollen, um einen Vereinigungskongreß der Einheitsfront 
der Arbeiter und von "Arbeitendes Rußland" zu organisieren, und sogar... "vorläufig 
in das Direktionskomitee von 'Arbeitendes Rußland' Mitglieder der neuen disziplinierten 
und verantwortungsbewußten Partei zu ernennen." (Was tun, N° 10; Mitteilungen 
des ZK der KPAP, N° 3) Die soziale und politische Bewegung "Arbeitendes Rußland" 
unter Leitung von Anpilow ist die größte verhältnismäßig gut strukturierte Bewegung 
der Arbeiter Rußlands geworden, für die der Rahmen einer einzelnen Partei zu eng 
geworden ist. Jene, die "Arbeitendes Rußland" Anpilow und den seinen aus den Händen 
nehmen und strikt dem ZK der KRAP unterstellen oder "Arbeitendes Rußland" zu einer 
Hilfsorganisation allein der KRAP machen wollen, mögen damit gute Absichten verfolgen.

Aber objektiv führt dies nur zu Verwirrung in dieser anti-bürgerlichen Massenorganisation. 
Jedenfalls ist ein solcher Plan ein ideales Geschenk für Jeltzin und Sjuganow. 
Alle Parteien von Roskomsojus müssen sich an den Aktivitäten von "Arbeitendes 
Rußland" beteiligen, im Zentrum wie in den Provinzen. In der Zusammensetzung dieser 
sozial-politischen Bewegung darf man keine Selektion nach engen Parteikriterien 
zulassen. Wir hoffen, daß diese Frage auf dem V. Kongress von "Arbeitendes Rußland" 
im Oktober diskutiert werden wird. 3) Die Niederlage von Tschuganow bei den Präsidentschaftswahlen 
entfachte erneut die Diskussion über die Gründung einer einzigen linken kommunistischen 
Partei auf der Basis von RosKomSojus. Die KRAP ist eine der Initiatoren dieses 
wiederholt gemachten Vorschlags. Seit langem behauptet sie, dem Beispiel der KPRF 
folgend, sie vereinige in ihren Reihen alle anderen kommunistischen Parteien und 
politischen Bewegungen. Die Leitungsposten seien entsprechend verteilt. Aber nach 
der gegenwärtigen ernsten Spaltung der KRAP, bereits der zweiten, ist dieser Traum 
wohl ausgeträumt. Auf Antrag der KPR-KPSU von Prigarine wird diese Frage nun beim 
nächsten Kongreß der Parteien von Roskomsojus diskutiert werden. Die KAPB schätzt 
ein, daß die Vereinigung der kommunistischen Parteien, die auf marxistisch-leninistischen 
Positionen stehen, unerläßlich und wünschenswert ist. Aber die notwendigen objektiven 
und subjektiven Bedingungen dafür müssen noch reifen. Diese Vereinigung zu forcieren, 
kann nur dazu führen, die Widersprüche zwischen den Parteien in der kommunistischen 
Bewegung verschärfen. Heute verläuft der Prozeß der Vereinigung parallel zum Prozeß 
der Abgrenzung, zum Ausschluß der falschen kommunistischen Partei KPRF und zu 
scharfer Kritik an opportunistischen und liberal-bürgerlichen Tendenzen. Die KAPB 
schätzt ein, daß die Einheit der Kommunisten verwirklicht werden kann und muß, 
und zwar nicht durch den Versuch, alle in eine einzige Organisation eintreten 
zu lassen, sondern durch die Einheit der marxistisch-leninistischen Parteien in 
der Aktion, durch gemeinsame Annahme und Verwirklichung von politischen Beschlüssen.
 
Dies ist der Weg zur Vereinigung der Marxisten-Leninisten in einer einzigen revolutionären 
Partei. Die Kommunistische Partei der Bolschewiki der Sowjetunion akzeptiert die 
Kritik in der Zeitschrift "Molnia" N° 17 , daß "die KAPB, die in ihren programmatischen 
Dokumenten von marxistisch-leninistischen Positionen aus fundierte Analysen der 
Probleme Rußlands liefert, sich von der täglichen Praxis des Kampfes entfernt 
hat". Tatsächlich ist unsere Partei in einer Wachstumsphase und leidet unter empfindlichem 
Mangel an guten Organisatoren und Propagandisten. Das erklärt auch den Rückstand 
unserer praktischen und politischen Arbeit unter den Massen. Man kann diesen Rückstand 
in der kommunistischen Bewegung nicht auf einen Schlag aufholen. Es bedarf der 
kollektiven Anstrengungen aller Parteien, einer jeden in ihrem sozialen Milieu 
und gemäß ihren Prioritäten bei der Arbeit. Im Fortschreiten auf die Einheit muß 
Roskomsojus beständig die Zusammenarbeit zwischen den sie bildenden Parteien und 
Bewegungen verstärken und zugleich seine Zusammensetzung erweitern. Nach unserer 
Auffassung muß die neue von den Anhängern Anpilows gegründete Partei beitreten, 
welches auch ihr Name ist, den sie auf ihrem Gründungskongreß annehmen wird. Keinerlei 
Diskrimination aus Gründen, die mit der Konstellation oder den Konfrontationen 
des Augenblicks zu tun haben, ist akzeptabel. So sollten auch die Vertreter der 
Partei des Landes und der Arbeiter Rußlands (PLAR-2), die gute organisatorische 
Erfahrungen mit Arbeitskollektiven zur Verteidigung der Interessen der Arbeiter 
verschiedener Sektoren gemacht hat, der RosKomSojus beitreten können. Dies wird 
die Autorität und den Einfluß der Union der Kommunistischen Parteien Rußlands 
erhöhen. Wo erforderlich, kann auf ideologischer und politischer Basis jederzeit 
einen Wählerblock gebildet werden, an dem sich Bündnispartner beteiligen können.
 
Heutzutage sind die hauptsächlichen Initiatoren des Vereinigungsfiebers die "Generäle" 
der Partei, die ihre Soldaten in Streitigkeiten und Erschütterungen verloren haben. 
Beim Plenum des Rats der Union der Kommunistischen Parteien von Tschenin wurde 
beschlossen, "die Kommunisten der Republiken in einer kommunistischen Partei der 
Republiken zu vereinen". Das Plenum bezog sich auf die kommunistischen Parteien 
Rußlands, darunter die KPRF, um eine vereinigte kommunistische Partei zu gründen, 
und protestierte gegen die Existenz mehrerer Zentren zur Lösung dieser Aufgabe, 
d.h. gegen die Initiativen der KPR-KPSU von Prigarin und von Roskomsojus. Für 
die Bedürfnisse der kommunistischen Parteien, die in den Republiken entstanden 
sind, empfahl man "die der Erfahrungen der KPRF bei der Bildung eines Wählerblocks 
der patriotischen Volkskräfte zu verallgemeinern." (Glasnost, 16.8.96). Auf diese 
Weise wurde erneut versucht, alle kommunistischen Bewegungen des Territoriums 
der früheren SU "unter die Glasglocke" der Opportunisten und der dem Bürgertum 
verfallenen Kräfte - der Partokraten der ehemaligen KPdSU - zu bringen. Die sowjetischen 
Kommunisten müssen unverzüglich diesen provokatorischen Vorstoß entlarven, den 
sich die Nomenklatura der Partei hat einfallen lassen, und so diesen Plan der 
Liquidierung der kommunistischen Bewegung in unserem Lande zum Scheitern bringen.
 
In den Republiken muß man jetzt bolschewistische Organisationen - wo sie noch 
nicht bestehen - gründen und die bestehenden stärken sowie Verbindungen zu der 
kommunistischen Bewegung in Rußland knüpfen. Die politische Aktivität des vergangenen 
Sommers belegt die Tatsache, daß die "Tschuganowisierung" der kommunistischen 
Bewegung in Rußland nicht stattgefunden hat. Aber die Unbeweglichkeit des sozialen 
Bewußtseins ist nicht überwunden worden. Nichtsdestoweniger haben der parlamentarische 
Kretinismus der Spitzen der Politik und die parlamentarischen und präsidentiellen 
Illusionen der Massen schwere Rückschläge erlitten. Die bürgerliche Konterrevolution 
hat besser als irgendjemand sonst den Verarmten und Ausgeplünderten praktische 
Lektionen in Klassenkampf erteilt. Mehr und mehr wird begriffen, daß es trotz 
der gegenwärtig aussichtslosen Lagen nichts nützt, sich mit einer Handbgranate 
umzubringen oder in einen Grubenschacht zu springen, man sich vielmehr wieder 
aufrichten muß, um unter der roten Fahne für die Macht der Sowjets zu kämpfen.
 
Es ist Zeit zu begreifen, daß allein die Diktatur des Proletariats und der Sozialismus 
Rußland und sein Volk vor dem Untergang retten können. Alles andere ist Verlogenheit 
und Heuchelei der Neureichen und ihrer Propagandaapparate. Leningrad, den 24.9.96 
aus: Edinstwo N° 12 (124), 1996 Zentralkomitee der Kommunistischen Allunionspartei 
der Bolschewiki, 198903 PETRODVORETS - 6, Box 50, Leningrad, UdSSR Übersetzt aus 
dem Französischen nach "Les Dossiers du BIP" N° 30 v. 8.11.96

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