Das russische Zarenreich im 19. Jahrhundert
Referat von Jenny Markwat Geschichte LK 1995/96
Inhalt
Alexander I (1777- 1825)
Kaiser von Russland seit 1801
Nikolaus I (1796- 1855)
Kaiser seit 1825
Alexander II (1818- 1881)
Kaiser von Russland seit 1855
- Bauernbefreiung
- Mir
Alexander III (1845- 1894)
Kaiser von Russland seit 1881
Nikolaus II (1868- 1918)
Kaiser von Russland seit 1894
- Revolutin von 1905
Die revolutionäre Bewegung im 19. Jh.
Intelligentsia
Slavophilen
Westler
Alexander Herzen
Revolutionäre Jugend
Michail Bakunin
Narodniki
Marxismus
Potemkinsche Dörfer
Russland im 19 Jh.
Alexander I (1801- 1825)
Er war der Enkel Katharinas II. Er wurde in Ideen der Enzyklopädisten
erzogen und träumte von einer Verfassung für Russland, somit war er das
genaue Gegenteil seines Vaters. Alexander I wollte kein Despot sein,
sondern die Menschen als Herrscher der Befriedigung und Versöhnung
glücklich machen.
Unter seiner Herrschaft hielt die Expansion an. Georgien wurde in
Besitz genommen und 1802 tritt die Türkei Bessarabien an Russland ab.
Finnland wird ebenfalls 1809 von Schweden an den Zaren abgetreten.
1815 bestimmte der Zar auch, auf dem Wiener Kongress, bei der
Neuordnung Europas mit. Er trug zur Schaffung eines Königreichs Polen
bei, von welchem er gleichzeitig König war.
Alexander I regierte das Kongresspolen in einer Personalunion. Er
behandelte es wie eine Provinz Russlands. Auf dem Wiener Kongress
gründete er außerdem die Heilige Allianz, welche eine einzige,
christliche Nation mit Gott als Souverän zum Ziel hatte. Dies zeigt,
daß er trotz liberaler Ideen und Verfassungsplänen nicht auf die
autokratische Herrschaft verzichten wollte.
Die Innenpolitik unter Alexander I war wohlmeinend. Es erschienen
liberale Zeitschriften und Juden und Sektierer wurden tolerant
behandelt. Kolonisten, Deutsche, Südslawen und Tschechen fanden ein
neues Heim in dem so entwicklungsfähigem Südrussland, welches sogar
Ansätze zur Bauernbefreiung zeigte. Der Innenminister Speranskij
lieferte dem Zaren ein durchgereiftes Reformprojekt, das in einer
Verfassung gipfelte. 1809 kam es zum Zusammentreten des Staatsrates,
welcher der zukünftigen Staatsduma übergeordnet war.
Die Niederwerfung Napoleons führte zu großen wirtschaftlichen Opfern
und zu schweren Verlusten der Volkskraft. Das Ergebnis war eine große
Weltstellung. Aber nur das Königreich Polen bekam eine Verfassung. In
Russland begann nun ein stark militärisch gefärbter Despotismus. Das
Heer sicherte den Einfluss der Heiligen Allianz, es wurde also nach
Möglichkeit gefördert. In zahlreichen Gebieten wurden Militärkolonien
angelegt. Meutereien und militärische Geheimgesellschaften
enttäuschten den Kaiser, was dazu führte, daß er schroffer wurde.
Es war nun keine Rede mehr von Bauernbefreiung und die Zensur war
strenger als jemals zuvor. Es kam zur Verfolgung und Ausmerzung aller
liberalen Ideen an den Universitäten. Religiöse Einkehr, Mystizismus,
die Absage an alle rationale Weltauffassung setzten sich durch. Sekten
fanden neue Anhänger und der römische Katholizismus gewann viele
Gläubige. Es kam zu einer Spaltung der Gesellschaft. Die einen strebten
der Idee der Revolution entgegen, während sich die anderen dem
romantisch, verklärtem Altrussentum zuwanden.
1816 gründete sich die erste Geheimgesellschaft aus adeligen
Offizieren. 1817 kam es zum Bund der Rettung oder der wahren und
echten Söhne des Vaterlandes. Ihr Ziel war ein vollkommener Neuaufbau
der russischen Gesellschaft. sie wollten das Existenzminimum für jeden
Bürger, Landanteil, Gewissens- und Pressefreiheit, ein Unter- und ein
Oberhaus und eine zentralistische Regierung durch eine staatliche
Duma.
1825 starb Alexander I. Dies ließ die Frage der Reform akut werden.
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Nikolaus I (1796- 1855)
Er war ein Mann von eisernem Willen und durch und durch Soldat. Er war
allem Mathematischem und Technischem zugetan. Sein Charakter war
geradlinig und geometrisch. Nikolaus I war erfüllt von dem Glaube an
Russland und seine Aufgabe, dieses große Erbe in Namen Gottes zu
verwalten. Er war sehr angetan von der preußischen, pflichtbewussten
militärisch- bürokratischen Staatsüberlieferung.
Seine erste Tat war die Niederwerfung des Dekabristenaufstandes 1825.
Dies war eine Revolte junger Gardeoffiziere, welche die Beteiligung
des Volkes an der Regierung und die Aufhebung der Leibeigenschaft
forderten. Die Verschwörer bekamen harte Strafen. Die Antwort des
Kaisers darauf war die Sammlung aller Kräfte und Machtmittel in seiner
Hand. Der Zar regierte 30 Jahre. Es kam zu zahlreichen
Bauernaufständen. Gebildete Leute emigrierten oder verzweifelten. Die
Regierung war kalt, unbeweglich und ohne Einfühlung.
1831 warfen russische Truppen den polnischen Aufstand nieder. Dies
hatte zur Folge, daß die Verfassung Polens aufgehoben wurde und Polen
als unterworfene Provinz regiert wurde.1849 griff Nikolaus I in die
ungarische Revolution ein, aus Angst, sie könnte auf Polen
übergreifen.
Die Führung ging mehr und mehr in die Hand des Zaren über. Die
westliche Bildung wurde systematisch ferngehalten, die Agrarreform
durfte nicht mehr diskutiert werden und es kam zu Polizeiverfolgungen,
bei allem was sich freiheitlich regte. Der Höhepunkt des
Polizeiregimes war erreicht. Aber der Zar war nicht grundsätzlich
gegen Bildung, deshalb kam es zur Vermehrung der Gymnasien und das
wissenschaftliche Niveau wurde gehoben. Gleichzeitig wollte man jedoch
die Bildung den Söhnen von Adeligen und Beamten vorbehalten. Die
Erziehung sollte sich auf 3 Pfeilern aufbauen: der Autokratie, der
Orthodoxie und dem Patriotismus. Polizeispitzel sorgten, wie überall
für die Durchführung der Anordnungen. 1849 wurden die Lehrfächer
Philosophie, Staatsrecht und Volkswirtschaftslehre mit der Begründung,
daß sie den Staat gefährden, verboten.
Aber die vornehmste Sorge Nikolaus? I war der Kampf gegen die
Revolution. Dies sah man an seiner Politik in Deutschland, in den
führenden Hauptstädten unterhielt die russische Diplomatie sehr genaue
Berichterstattung.
Nikolaus I sah sich zu Recht als Sieger der Revolution von1848. Polen
und Ungarn waren durch Russland ?pazifiert?, Preußen hatte oft genug
Fügsamkeit gezeigt und wurde als eine Art Vasall behandelt. Österreich
war zu Dankbarkeit verpflichtet und schien leicht zu gewinnen durch
das Angebot eines Balkanlandes, wo Unruhen und Freiheitssehnsucht
wuchsen. Mit England glaubte der Zar im Reinen zu sein und Frankreich
hielt er außenpolitisch für vollkommen isoliert. Aber der Zar hatte
sich getäuscht. England war nicht dazu bereit, Russland beim Krimkrieg
beizustehen, unter anderem, weil Alexander Herzen seine Ansichten über
Russland in England weit verbreiten konnte. Auf jeden Fall stand
Nikolaus I alleine dem ottomanischen Reich gegenüber, welches von den
Westmächten unterstützt wurde. Es folgte der Krimkrieg ( 1853- 1856).
Der Krieg wurde 1856 mit dem Frieden von Paris beendet.
1855 beging Nikolaus I wahrscheinlich Selbstmord.
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Alexander II (1818- 1881)
Er war ein Militärautokrat, leicht zu beeinflussen und er Probierte
gerne Ratschläge aus. Ihm fehlte das Verständnis für die Not Russlands,
und die geistige Kraft Abhilfe zu schaffen. Er lockerte die
Zwangsherrschaft und das Verbot der Auslandsreisen fiel. Das
Universitätsstudium wurde lockerer gestaltet. Das dringende Problem
war die Bauernbefreiung. Das russische Nationalbewusstsein war seit dem
verlorenem Krimkrieg empfindlich verletzt. Man schob den Grund für die
Niederlage auf die schwache Armee, die aus leibeigenen, rekrutierten
Bauern bestand. Die Leibeigenschaft war also ein nationaler Schmach.
Das sich stellende Problem war nun, wie die Bauern, bei möglichst
geringer Schädigung der Grundbesitzer, existieren können und
gleichzeitig ihren Steuerpflichten nachkommen können. Am 19. Februar
1861 erfolgte die Bauernbefreiung. Die Hauptbestimmungen waren für die
wirtschaftliche und soziale Zukunft Russlands entscheidend:
1. Die Bauern erhalten die persönliche Freiheit im Sinne voller
Individueller Rechtsfähigkeit.
2. Das Land bleibt Eigentum der Grundherren.
3. Die Bauern erhalten Landanteile zur Nutzung, deren Größe sich je
nach Bodenbeschaffenheit und Klima richtet.
4. Sie sind zu Ablösungszahlungen und Diensten verpflichtet, bis sie
den Landanteil käuflich erwerben können.
5. Die Regierung schießt den Grundbesitzern die Loskaufsumme in Form
von Darlehen vor.
6. Dafür entrichten die Bauern 49 Jahre lang 6% des Bodenwertes an den
Staat.
Es gab auch noch den sogenannten Bettelanteil, den viele Bauern
wahrnahmen. Er erlässt die Ablösungsschulden, wenn sich der Bauer mit ¼
der normalen Landzuteilung für immer begnügt.
Der Mir blieb bestehen. Er war eine kollektive Bauerngemeinschaft,
d.h. die Gemeinschaft verfügte über das Gesamtland und das Land wurde
regelmäßig umverteilt. Der Sinn bestand darin, daß der Mir kollektiv
haftbar, für die Ablösesummen an den Gutsbesitzer, war. Er musste
dafür sorgen, daß jeder auf dem Land arbeiten konnte und das Land
behielt, so daß es niemandem weggenommen werden konnte. Die negativen
Folgen waren, daß private Investitionen nicht möglich waren, und die
geringe Produktivität blieb, da die Motivation sehr gering war.
Außerdem steigerten die Rückwanderungsbewegung und das
Bevölkerungswachstum das Elend. Die Agrarflächen wurden parzelliert.
Diese Form der Bauernbefreiung löste allgemeine Enttäuschung aus. Der
unabsehbare Ablösungsprozeß, das starke Bevölkerungswachstum und die
Tatsache, daß die Landlose zu klein und die finanzielle Belastung zu
groß waren, führte zur wachsenden Verelendung und Hungersnöten. Das
Resultat waren zahlreiche Bauernrevolten. Man kann also sagen, daß die
wirtschaftliche Lösung verfehlt blieb. Die anscheinende
Aussichtslosigkeit den Zarismus zu reformieren, Kirche und Bürokratie,
von ihren despotischen Ausbeutungsmethoden zu befreien, hatte einen
fanatischen Terrorismus zur Folge. Die Zarenattentate begannen. Der
Zar reagierte mit der Einstellung der Ansätze der Schul- und
Justizreform und dem Verbot der Pressefreiheit.
1881 erlag Zar Alexander II einem Bombenattentat.
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Alexander III (1845- 1894)
Sein Charakter war einfach und harmlos für die Politik war er
allerdings untauglich. Seine anti- deutsche Stimmung wurde durch seine
dänische Frau bestärkt. Er lief einen reaktionären Kurs mit dem
Prinzip der Selbstherrschaft. Die Autokratie wurde durch die orthodoxe
Kirche gestützt. Die Selbstverwaltung der Universitäten wurde
vernichtet und das liberale Zeitungswesen wurde zerstört. Die
Bibliotheken wurden von weltlichen Schriften gereinigt und die
Volksschulen wurden der Geistlichkeit unterstellt. Die Sekten wurden
bekämpft und die Juden wurden wirtschaftlich eingeschränkt und wurden
am Studium gehindert. In der Armee herrscht ein herangezüchteter
Kastengeist. Ansätze zur Selbstverwaltung wurden beschnitten, was
besonders den Bauern schadete. Die bäuerliche Heimindustrie wurde,
durch die Großziehung industrieller Massenerzeugung, tief getroffen.
Diese Entwicklung förderte die Proletarisierung auf dem Land und die
Mittelbetriebe konnten sich nicht mehr halten. Die Abwanderung
verteuerte die ländlichen Arbeitskräfte. Sogar der grundbesitzende
Herrenstand kam in Verlegenheit und musste sich verschulden. Der
Schutzzoll fördert die Industrie, aber der Großteil der Bevölkerung
hatte mit erbärmlichen Lebensverhältnissen zu kämpfen. im Gegensatz
dazu kam ein neuer bourgeoiser Reichtum auf. Es kam zur Verschärfung
der sozialen Spannung.
Das Mittel der Regierung zur Bekämpfung dieser Situation, war die
Anwendung militärisch- bürokratischer Gewalt. Trotzdem stand sie den
chronologisch hin und her wandernden Hungersnöten machtlos
gegenüber. Das Volk war von dem Gefühl unaufhaltsam und unrettbar dem
Abgrund entgegenzutaumeln beherrscht. Der westliche Sozialismus drang
trotzdem ein- Plechanow und Axelrod bildeten die ?Gruppe der Befreiung
der Arbeit?. Das russische Weltreich war im Begriff eine der
gewaltigsten imperialistischen Bildung der Zeit zu werden.
1894 starb Alexander III.
Nikolaus II (1868-1918)
Die Industrialisierung befördert den Marxismus. Es kam zu zahlreichen
Streiks, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, und zu diversen
revolutionären Bewegungen. Der Zarismus versuchte unter
Ministerpräsident Stolypin die Reform von oben. Revolutionäre wurden
blutig verfolgt. Die Regierung veranlasste eine gewaltige Agrarreform,
welche die selben Folgen hatte wie bei Alexander II. Es bestand ein
Rivalitätsverhältnis zwischen Russland und Japan, seit dem verlorenen
Krimkrieg. Japan Fühlte sich durch Handels- und Expansionspolitik in
China bedroht, insbesondere durch den Ausbau der mandschurischen
Eisenbahn und des Port Arthur. Russland schätzte Japans Kriegspotential
falsch ein. Russlands Ziel war es, durch einen Krieg gegen Japan,
eventuell die innenpolitischen Probleme zu lösen. Die Russen hatten im
Russisch- Japanischen- Krieg (1904- 1905) viele Niederlagen zu
beklagen. Am 23. August kam es zum Frieden von Portsmouth, welchen
T.Roosevelt vermittelte. Dies war der Auslöser für die Revolution von
1905. Russland verlor zum ersten Mal gegen ein 3. Weltland und verlor
die gesamte Flotte. Russlands Ansehen war für die gesamte Welt
geschädigt und das Zarenregime wurde erschüttert. Die wachsenden
Missstände führten zur Bildung verschiedener revolutionärer Gruppen
(siehe rev.Bewegung im 19. Jh.).
Der Ablauf der Ereignisse der Revolution von 1905 sah folgendermaßen
aus:
Die Belegschaft der Putilow-Werke (größtes Schwer- und
Rüstungsindustrie Unternehmen) in Petersburg trat in den Streik. Am
9.Januar kam es zum sogenannten ?Blutsonntag? in St. Petersburg.
140000 Menschen zogen mit Fahnen und Bildern des Zaren, unter der
Führung eines Popen, vor das Winterpalais. Ihre Forderungen waren die
bürgerliche Freiheit, ein Parlament und eine wirtschaftliche
Erleichterung z.B. den Achtstundentag.
Die Regierung hatte bereits ihre Truppen zusammengezogen und empfing
die Demonstranten mit Gewehrsalven. Das Resultat waren über tausend
Opfer und Empörung. Die revolutionäre Erregung durchlief alle Stände.
Da die Regierung die Kontrolle verloren hatte entstand zum ersten Mal
eine Art von öffentlichem politischen Leben. Sogar die Presse äußerte
sich frei. Die stärkste Kraft war die Arbeiterstreikbewegung. Eine
Demonstration aller oppositionellen Schichten gegen die Autokratie,
zwang die Regierung in einem wichtigen Punkt nachzugeben. Der Zar
erließ am 17. Oktober ein von Minister Witte verfasstes Manifest, das
seinen Untertanen die bürgerlichen Freiheitsrechte und eine
gesetzgebende Versammlung von gewählten Volksvertretern (Duma)
versprach. Die Duma wurde im April 1906 eröffnet. Es war jedoch nur
eine Scheinverfassung mit einem Scheinparlament, da alles weiterhin
unter der Kontrolle des Zaren stand.
Die revolutionäre Bewegung im 19. Jahrhundert
Die Intelligentsia :
Sie kam bereits in den 30er Jahren an den Universitäten auf. Den
Begriff gibt es allerdings erst seit 1860. Die Intelligentsia bestand
aus : jungen Adeligen, die aus Schuldgefühlen, gegen die
Leibeigenschaft und gegen die Privilegien der Adeligen waren; aus
jungen Leuten aller Stände, die sich den Zugang zur Bildung mühsam
erkämpft hatten und aus Popensöhnen die gegen die Orthodoxie waren und
die Soziale Frage auf radikale Weise lösen wollten.
Die Klassenstruktur des alten Russlands bestand aus 2 Klassen, dem Adel
und den Bauern. Kaufleute, Geistliche und Handwerker waren zahlenmäßig
und sozial unbedeutend. Nun bildete die kleine Gruppe der
Intelligentsia, eine neue soziale Kategorie, die zum Teil die Funktion
des revolutionär gestimmten Bürgertums übernahm. Da der Polizeistaat
aber keine staatsbürgerlichen und sozialpolitischen Initiativen
erlaubte, wurden die Kritik und die Entfremdung radikaler, und die
Zukunftsentwürfe utopisch.
Die Slavophilen :
Sie sind die Anhänger einer philosophisch- politischen Ideologie, die
die Eigenart und die geschichtliche Aufgabe Russlands gegenüber
Westeuropa betonen. Sie verherrlichen das alte vorpetrinische Russland
und bewundern den friedlichen Gemeinsinn der Bauern. Die Slavophilen
waren Gegner des Systems Nikolaus? I und der zu Staatszwecken
missbrauchten Kirche. Sie verwarfen jedoch nicht grundsätzlich die
Autokratie und die Orthodoxie.
Die Westler :
Sie entstanden um 1840. Die Westler schlugen eine politisch-
publizistische Richtung ein. Ihr Ziel war ein enger Anschluss Russlands
an die westeuropäische Kultur und Regierungsform.
Zum Inhalt
Alexander Herzen :
Er war der bedeutenste Vertreter der revolutionären Intelligenz.
Herzen war ein Schüler Hegels und der französischen Utopisten. Er war
geschockt durch die Korruption, die Geldgier und den politischen
Triumph der Großbourgeoisie, die er 1847 in Frankreich erfuhr. Dies
erschütterte sein Bild des westlichen Fortschrittes. Er war der
Ansicht, daß Russland dazu berufen ist, auf eigenem Wege die soziale
Gesellschaft der Zukunft zu verwirklichen.
Die Revolutionäre Jugend :
Sie bestand aus Kleinbürgern, Söhnen von Beamten, Geistlichen und
Adeligen, die mit ihrem Stand gebrochen hatten. Sie betrieben eine
umfassende Planung der Gesellschaft und idealisierten die bäuerliche
Kommune.
Michail Bakunin (1814- 1876) :
Er war für einen spontanen Aufstand der Bauern und eine gesetzlose
Landnahme. Bakunin war ein Anarchist und ging davon aus, daß alles
Übel vom Staat ausgeht, da dieser Autorität und Zwang bedeutet. Er
wurde in Österreich zu Tode verurteilt und dann doch nach Russland
ausgeliefert. Er saß 7 Jahre lang in der Peter- Paulus- Festung in St.
Petersburg und wurde dann nach Sibirien verbannt. Von dort aus konnte
er über Japan nach Amerika flüchten und tauchte 1861 in den Kreisen
von Alexander Herzen auf. Sie besaßen beide den Glauben an die
Berufung des russischen Bauerntums. Nur mit dem Unterschied, daß
Herzen Bildung für das unwissende Volk erreichen wollte, während
Bakunin für Agenten des Aufruhrs war, mit dem Ziel, eine auf dem
freien Zusammenschluss von Produktionsgemeinschaften beruhende
Gesellschaft mit kollektivem Eigentum zu gründen, so daß der Staat
überflüssig wird.
Die Narodniki ( ins- Volk- Gehende) :
Sie setzten sich zusammen aus jungen intellektuellen Männern und
Frauen, die das gemeinsame Ziel hatten, das unwissende Volk über die
Ursachen ihres Elends aufzuklären. 1874 starteten sie eine spontane
unorganisierte Aktion, die viele Verhaftungen zur Folge hatte. Sie
bereiteten sich auf das Attentat des Zaren vor. Dies war sozusagen die
Kriegserklärung an den Staat. Am 1. März erlag der Zar Alexander III
schließlich einem Bombenattentat. Das Volk erhob sich daraufhin nicht,
und die Revolutionäre wurden verfolgt und unterdrückt.
Der Marxismus :
Die industrielle Entwicklung setzte in Russland erst in den 60er Jahren
ein. Da sie von der Regierung gefördert wurde kam es zu einem
Aufschwung. Der Staat finanzierte vor allem die Eisenbahnlinien.
Westliche Aktionäre besaßen um die Jahrhundertwende 70% der Bergwerke
und 42% der Metallindustrie. Die Industrie wurde durch hohe
Schutzzölle geschützt und der Getreideexport wurde gefördert. Das
Getreide war nur konkurrenzfähig, wenn die Arbeitskräfte sehr billig
waren, da die agrarwirtschaftlichen Methoden veraltet waren. Die
sozialen Verhältnisse waren sehr schlecht. Es gab Arbeiterkasernen,
Frauen- und Kinderarbeit, Hungerlöhne, 13-stündige Arbeitstage und
gewerkschaftliche Zusammenschlüsse waren verboten. Trotzdem erzwangen
illegale Organisationen in den 90er Jahren durch Streiks, daß
Kosakenabteilungen vor den Fabriktoren aufgestellt werden, und daß
Maßnahmen des Arbeiterschutzes ergriffen werden. 1897 erreichte man
die Verkürzung der Arbeitszeit auf 11 ½ Stunden. Zu Beginn des 20. Jh.
war Russland Großmacht und Entwicklungsland in einem, u.a. weil es
wirtschaftlich von ausländischem Kapital abhängig war. Der Marxismus
versucht nun die These von der entwicklungsmässig notwendigen
Überwindung des Kapitalismus auf Russland anzuwenden. 1901 entstand die
sozialrevolutionäre Partei, welche sich aus Anarchisten und
Volkstümlern zusammensetzte. Die Lehren von Marx wurden studiert.
Ein Vermittler der marxschen Lehre war Georgi von Plechanow (1857-
1918). Bereits 1895 wurde der Kampfbund für die Befreiung der
Arbeiterklasse gegründet. 1898 kam es zur Gründung der Russischen
Sozialdemokratischen Partei, welche aber von der Regierung wieder
aufgelöst wurde, da Parteien erst 1906 erlaubt wurden.
Potemkinsche Dörfer :
Die potemkinschen Dörfer waren Scheindörfer, die anlässlich der großen
Reise, Katharinas II ,in die Krim (1787) rasch aufgebaut und zum
Schein bevölkert wurden, um der Zarin einen blühenden Zustand des
Landes vorzutäuschen. Der Name geht auf einen Liebhaber Katharinas II,
dem Fürsten Potemkin zurück, welcher den Bau dieser Dörfer auch
veranlasste.
Quellenangabe :
Geschichte, Politik und Gesellschaft 2
Cornelsen Hirschgraben
Knaurs Weltgeschichte
Veit Valentin
Brockhaus Enzyklopädie
Spektrum der Weltgeschichte
Time-Life
Quelle: Graf-Zeppelin-Gymnasium Friedrichshafen
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