Reisen: Mallorca rüstet gegen deutsche Urlauber!
(Frank Hildebrandt)
Mallorca - das beliebteste Ferienparadies der Deutschen. Eine Insel
auf der man sich sinnlos besaufen, kulturell weiterbilden oder sport-
lichen Aktivitaeten jeder Art ausliefern kann. Selbst die wildesten
Pruegeleien sind unter den Deutschen auf der Insel sehr beliebt - die
Urlaubszeit ist nunmal die Zeit, in der man es sich und anderen ein-
fach nur gutgehen lassen will.
Doch all das soll jetzt ein Ende haben, wie die Lizenz-Iberer ent-
schieden haben. Letztendlicher Ausloeser war Thomas Gottschalk, der
nach seiner TV-Show 'Wetten, dass...?' im betrunkenen Zustand dem
Buergermeister von Palma de Mallorca zu verstehen gab, dass ihn 'der
Blitz beim Scheissen treffen moege'. Die Bevoelkerung war darueber
dermassen empoert, dass die Einreise der Bundesbuerger jetzt gestoppt
oder zumindest drastisch eingeschraenkt werden soll.
Bereits bei den Zoll- und Einreiseformalitaeten wollen die Behoerden
abschreckende Methoden einfuehren - natuerlich nur bei Flugzeugen, die
aus deutschen Gefilden kommen. So will der spanische Zoll ab dem Jahr
2002 jeden zweiten Einreisenden zur Abgabe von Stuhlproben auffordern.
Wer eine solche Untersuchung nicht mit sich machen lassen will,
hat schlechte Karten: Das Gastland, in diesem Fall das EU-Land Spa-
nien, hat sich in weiser Vorraussicht diese Option fuer die Zeit nach
dem Beitritt zur Europaeischen Union freigehalten. Urspruenglich dien-
te die Abgabepflicht solcher Proben aus dem Jahre 1602 der Kontrolle,
um eine Gefaehrdung der 'Spanischen Fliege' durch auslaendische Exkre-
mente zu vermeiden. Vor der EU will man das gleiche Argument vorbrin-
gen, das Spanien bereits im Jahre 1602 zu dieser Massnahme zwang.
Auch soll gegen deutsche Restaurants auf der Trauminsel vorgegangen
werden. Die Einfuehrung der Getraenkesteuer allein waere nicht so
schlimm, sagen die Wirte, doch auch die Genusssteuer wird kommen. Und
die Genusssteuer hat es in sich: 'Fuer ein typisches spanisches Wiener
Schnitzel wird der Gast mindestens 24 Mark zahlen muessen, damit wir
ueberhaupt etwas verdienen', beschwert sich der Schnitzel-Koenig der
Insel, Walter Goetz. Wenn man ueberlegt, was in diesem Fall alles zum
Genuss gehoert, kann dem Tourist schon schwindelig werden. Schokolade,
Cola, Bier, Kaugummis, eigentlich jede Art von Essen oder Getraenke,
aber auch Kondome und gewisse Dienstleistungen im weitesten Sinne.
Aber die Gastwirte der Insel duerfen zukuenftig auch Rabatte vergeben,
zB. kann einem Behinderten eine Verguenstigung auf sein Schnitzel oder
seine Cola gewaehrt werden. Wie das alles genau aussehen soll, weiss
nur die spanische Regierung, die momentan ein Konzept zur Verwirkli-
chung dieser Abschreckung entwirft.
Aber auch eine Aenderung des geltenden Strafrechts will man vorneh-
men. Jeder Deutsche, der ein Vergehen auf der Insel begangen hat, soll
sofort ausgewiesen werden koennen und erst nach fruehestens 20 Jahren
auf die Insel zurueckkehren duerfen. Dies soll bereits bei einer
Straftat wie Mundraub, Parken im Halteverbot, Geiselnahme oder Skla-
venhaltung erzwungen werden koennen. Das allein zeigt schon, wie ernst
es Mallorca mit dem Vergraulen deutscher Touristen ist.
Der EU wird dabei keine Wahl gelassen, schliesslich drohen Spanien
und Portugal schon seit laengerem mit dem Austritt aus der Union. Doch
was waere ein Europa ohne die iberische Halbinsel? - eigentlich genau
das Gleiche, was es jetzt ist. Also: Astalavista Espania...
Salvadore Mendozza
(Red.: 'Mein Europa')
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