Ein lyrisch prosaisches Märchen aus 1001 Nacht
Satire von Ingo Baumgartner
Es war einmal im Morgenland,
dort wo der Turm zu Babel stand,
ein Mann, nicht sehr gescheit doch kühn,
namens Saddam Hussein.
Saddam hatte in Amerika einen guten Freund. Der sandte ihm oft und oft
Pakete mit Süßigkeiten. Dieser Freund, George war sein Name, legte hin
und wieder auch kleine Kanonen und putzige Raketchen dazu. Ja, er
schickte seinem Freund Saddam auch Gewehrchen zum Spielen. Er hatte gar
nichts dagegen, dass Saddam mit diesem Spielzeug seine Nachbarn, die
Perser, acht Jahre lang belästigte.
Acht Jahre lang, sagt die Geschichte,
gab's aus der Gegend Kriegsberichte.
Viele Menschen mussten sterben,
alles lag in Schutt und Scherben.
Saddam war ein verlässlicher Partner. Er war nicht besonders religiös,
ja eigentlich gar nicht. So schaute er genau darauf, dass seine frommen
Prediger nicht allzu fromm wurden. Saddam träumte auch von einem großen,
arabischen Reich, dessen Herrscher natürlich er sein wollte. Sein Freund
George hatte da eigentlich gar nichts dagegen.
Vom Tigris bis nach Marrakesch
wollt? er sein Reich erstrecken.
Noch immer fand sein Freund das fesch,
nichts konnte ihn erschrecken.
George schickte Saddam auch dann noch Pakete mit allerlei Nützlichem, als
dieser begann, seine eigenen Landsleute im Norden zu verfolgen, ja sogar
hinzumetzeln. Nein, so etwas konnte die Freundschaft nicht trüben. Freund-
schaft ist Freundschaft. Später wollte Saddam auch seine Brüder im Süden
in sein Reich holen, denn diese hatten so gutes Speiseöl, einfach köstlich.
Das gefiel aber seinem Freund George nicht mehr so gut. Auch George war ein
Feinschmecker und liebte Salatöle über alles. Es war ja durchaus möglich,
dass ihm Saddam nicht so dankbar für seine vielen Geschenke war und ihm
dann das Öl nur mehr zu ganz, ganz hohen Preisen schicken würde. Konnte man
sich auf Freunde denn verlassen?
Der herzensgute Saddam,
der tappte in die Falle.
Die Freunde aus dem Abendland,
die zeigten jetzt die Kralle.
Damit er ja nicht um seine Salatzutaten sterben musste, stellte der wackere
George Saddam eine Falle. Er brauchte ja einen guten Grund um die Freundschaft
zu beenden. Wie hätte er das sonst seinen anderen Freunden erklären sollen? Wie
denn? Also ermunterte er Saddam, im südlichen Nachbarland die Salatölpressen zu
kassieren. Damit hatte er dann einen vernünftigen Grund, seine Freundschaft mit
dem Scheich aus dem Irak endgültig aufzukündigen. Der Padischah, der vor lauter
Gier schon lange nicht mehr ganz richtig im Kopf war, ging dem fernen Abendländer
tatsächlich in die Falle und griff brutal und grausam seine Brüder aus dem Süden
an. Jetzt hatte die Stunde des George aus Amerikastan geschlagen.
Saddam wurde arg bekriegt,
doch niemand konnt' ihn fassen.
Sein Militär hat man besiegt,
Tote gab's in Massen.
Ja, jetzt hatte George einen guten Grund, Saddam die Freundschaft endgültig auf-
zukündigen. Täglich ließ er Tausende von Bomben auf Saddams Land herunter fallen.
Dem wollte er es zeigen. Aber er zeigte es nur Saddams Volk. Die Menschen litten
arge Not, hungerten, froren, starben. Saddam berührte das nicht sehr tief, ja er
konnte viele seiner Bürger überzeugen, dass George ein böser, böser Mann war. Und
die Menschen glaubten ihm das auch. Nicht ganz zu Unrecht, wie ich mir erlaube anzu-
fügen. Aus Rache ließ Saddam überall im Süden Speiseöl ausschütten. Wenn schon
er das köstliche Öl nicht bekommen sollte, George durfte es auch nicht haben.
George hat Hilfe vorgeheuchelt
den Schiiten tief im Süden.
Doch Saddam hat sie hingemeuchelt,
sie fanden keinen Frieden.
Kinder, jetzt hört gut zu! Die Geschichte geht weiter. Nachdem man Saddams
Land verwüstet hatte, wollte George noch die Schiiten überreden, mit dem
grausamen Mann Schluss zu machen. Er versprach ihnen alle Hilfe. Aber als
die Schiiten sich erheben wollten, wurden sie von Saddam furchtbar bestraft.
George ließ sich mit seinen Männern nicht mehr blicken. Das ganze Versprechen
war Lug und Trug.
Im Irak begann die Hungersnot,
aus war's mit den Paketen.
Es gab nicht Medizin, nicht Brot,
nur ab und zu Raketen.
Wie ging es weiter? Die Menschen in Amerikastan wählten sich einen neuen
Anführer, der hieß Bill. Auch Bill hatte mit Saddam keine rechte Freude und
schickte ihm keine Pakete mehr. Auch wollte er nicht, dass andere Leute
Päckchen in den Irak schickten. Deshalb ging es den Menschen in diesem Land
gar nicht gut. Nur Saddam hatte sich prächtig erholt und war sehr übermütig.
Was Saddam da so machte,
das hielt er streng geheim.
Und mancher, der's nie dachte,
der ging ihm auf den Leim..
Also, die Leute aus dem Abendland schickten Saddam Aufpasser ins Land. Die
mochte aber der Iraker gar nicht gern und wies sie aus dem Land. Das ärgerte
die Abendländer schon sehr. Ob ihr es glaubt oder nicht, in Amerikastan wurde
eine neuer Chef gewählt und der hieß wieder George. Na gut, gewählt wurde er
eigentlich nicht, aber er sagte einfach so. Eigentlich hieß er George W. und
war der Sohn des alten George, den wir schon kennen.
In einem anderen Lande,
lebte auch ein böser Mann.
Der griff mit seiner Bande
Im Westen Städte an.
Eine große Stadt im Lande des George W. wurde von einer finsteren und grausamen
Bande aus dem Morgenland angegriffen. Viele Menschen fanden den Tod. George W.
vertrieb mit seinen Soldaten die hinterhältigen Schurken aus Afghanistan, wo
sie ihre Schlupfwinkel hatten. Das war keine schlechte Tat von George W. Aber
plötzlich dachte er wieder an Saddam, der einmal ein guter Freund seines Vaters
war.
Ein Krieg ist wieder angesagt,
der Guten mit den Bösen.
Doch mancher Abendländer fragt,
was soll denn das schon lösen?
George W. dachte auch an Saddams köstliches Salatöl und er wusste ab da, dass er
seine Soldaten wieder in den Irak schicken musste. Jetzt, liebe Zuhörer, ist er
gerade dabei, sich darauf vorzubereiten. Und es bereiten sich auch die Märchen-
erzähler schon wieder vor, die uns nach diesem Krieg wieder mit den tollsten
Lügengeschichten unterhalten werden.
Bay Rumsfield kann für sich verbuchen,
dass er George veranlasst hat,
in Saddams Land nach Gift zu suchen,
was Bush auch augenblicklich tat.
Kalif Bush schickte seine Soldaten wieder in den Irak. Die sollten dort nach den
Waffen suchen, führten aber einen grausamen Krieg. Der war aber schnell vorbei
und Saddam war mit seinen Wesiren nicht mehr zu finden. Es fanden sich aber auch
die angeblich so gefährlichen Waffen des Sultan Saddam nicht. Um die zu suchen
waren die Leute aus dem Abendland ja hergekommen. Kinder, stellt euch vor, wie
enttäuscht Bush und seine Männer waren! Se hatten gehofft, dass die Iraker so un-
endlich froh sein würden, weil der blutrünstige Herrscher endlich vertrieben war.
Bush glaubte auch, dass die Iraker seine Soldaten umarmen und abbusseln würden.
Was taten aber die Leute? Sie riefen: "Verschwindet schnell aus unserem Land!"
Das konnte Sultan Bush einfach nicht verstehen.
Nach kurzer aber wilder Schlacht
zog Saddam sich zurück.
George hatte ihn zu Fall gebracht
und war vor Freud verrückt.
Wie ratlos Bushs Soldaten nur waren. Freilich wussten sie, dass sie die Ölquellen
und das Wesirat der Ölindustrie schützen mussten. Aber sie hatten offenbar keine
Ahnung, dass in den Palästen unermessliche Schätze der Menschheitsgeschichte lagerten.
Aber woher sollten sie das wissen? Das wusste ja wahrscheinlich auch der
Sultan im geschichtslosen Abendland nicht. Ja, die Menschen im Irak griffen tüchtig
zu. Sie entwendeten Bücher, Dokumente, Bilder, Kunstschätze und Möbel. Es war be-
merkenswert, dass kurz darauf einige dieser Schätze im Abendland zum Verkauf ange-
boten wurden und zwar im Souq der Medina von New York wie auch im Basar von London.
Kein Wesir war mehr im Lande,
das Volk begann zu plündern.
Man kam mit gar nichts mehr zu Rande,
schon gar nicht mit den Sündern.
Ganz und gar rätselhaft blieb es aber den Wesiren und dem Sultan in der Medina
Washington, warum sie von den Schiiten nicht gern gesehen wurden. Die wollten die
abendländischen Askaris so schnell wie möglich wieder aus dem Land haben und riefen
das auch aus tausend Kehlen den Soldaten zu. Weil keine tödlichen Gifte und keine
Massentötungsschwerter gefunden wurden, überlegte sich die Regierung in Amerikastan,
ob man nicht doch auch in den Nachbarländern des Iraks suchen sollte. Vielleicht
hatte Saddam seine Waffen dorthin bringen lassen? Bush ließ daher auch den Löwen
Assad wissen, dass sein Land sehr, sehr bedroht war. Ja, Syrien musste höllisch
aufpassen, dass es nicht unerwünschten Besuch bekam. Vorerst hatte Sultan Bush ein-
mal genug Salatöl für sein Land. Er wollte aber keinen Tropfen davon an andere
Sultanate im Abendland abgeben. Er war auf die anderen Wesire und Scheichs überhaupt
sehr böse, weil sie ihm bei seinem Salatölfeldzug nicht behilflich waren. So hat
er nun aber Zeit nachzudenken, wo noch etwas zu holen wäre, denn ohne Öl schmeckt
Salat gar nicht gut.
TextArchiv 7 - http://www.ta7.de