Berliner Testament

Das "Berliner Testament" ist bei Ehepaaren sehr beliebt.
Das formulieren die Ehegatten dann beispielsweise folgendermaßen:

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                         Testament

Wir, die Eheleute Franz und Franziska Hauenstein, wohnhaft in

1000 Berlin 21, Planufer 92, setzen hiermit den von uns beiden

zuletzt Versterbenden zum Alleinerben ein. Erst nach unser beider

Tod sollen unsere Kinder zu gleichen Teilen Schlusserben sein.

Franz Hauenstein Berlin, am 31. März 1990

Vorstehendes ist auch mein letzter Wille.
Franziska Hauenstein Berlin, am 31. März 1990

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Der Unterschied zu der erwähnten Nacherbfolge liegt darin, dass mit dem Berliner Testament eigentlich zwei Erbfälle geregelt werden, denn das von seinen Eltern zunächst übergangene Kind (oder die Kinder) hat zwei Pflichtteilsansprüche (darüber noch später), nämlich je einen beim Tod jedes der Elternteile. Das können die Ehegatten auch nicht dadurch ändern, dass sie ein gemeinschaftliches Testament einrichten.

Tipp:
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Wer verhindern will, dass die Kinder ihren Pflichtteil geltend machen gegenüber dem
überlebenden Elternteil, kann folgenden Passus noch mit aufnehmen: "Sollte eines der Kinder nach dem Tod des Erstversterbenden auf der Herausgabe des Pflichtteils bestehen, dann ist es nach dem Tod des anderen Elternteils auch auf den Pflichtteil gesetzt."

Zur Wahrung des Familienfriedens ist allerdings anzuraten, in solchen Fällen die erb-
berechtigten Kinder schon einmal vorzuwarnen und sie darauf hinzuweisen, dass ihnen ja im Ergebnis nichts entzogen wird. Sie erhalten ihr Erbe erst nach dem Tod beider Eltern.

Ersatzerben:
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Man kann in seinem Testament auch Ersatzerben einsetzen. Das gilt für den Fall, dass der an sich berufene Erbe vielleicht im Erbfall schon gestorben ist und man verhindern möchte, dass dessen Erben nun Nutznießer sein sollen. "Mein Sohn Karl soll zu 2/5 Erbe
sein. Sollte er bei meinem Tod aber schon verstorben sein, dann fällt dieser Teil auch
in das Erbe meiner Tochter Martha oder deren Erbe."

Auflagen und Testamentvollstreckung:
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Es ist auch möglich, die Erben oder auch die Vermächtnisnehmer mit bestimmten Auflagen zu versehen, etwa, dass sie ein Grab zu pflegen haben. Oder man kann eine Testamentsvollstreckung anordnen und so sicherstellen, dass der Nachlass gut verwaltet
wird. Auch die Bestimmungen über die Beerdigung haben hier ihren Platz.

Pflichtteil und Enterbung:
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Jeder kann natürlich über sein Eigentum frei verfügen. Das hat allerdings seine Grenzen.
Im allgemeinen sollen bestimmte Personen, die zu den gesetzlichen Erben zählen, nicht
völlig leer ausgehen, wenn sie in einem Testament übergangen werden. Es handelt sich
dabei um die Abkömmlinge des Erblassers, um den Ehegatten und um die Eltern. Wenn sie nicht zu Erben eingesetzt werden, wie beispielsweise im vorgestellten "Berliner
Testament" für den Fall des Erstversterben- den Ehegatten, erhalten sie den so genannten Pflichtteil. Das ist ein Anspruch gegen die Erben lediglich auf Zahlung einer Geldsumme, und zwar in Höhe des Wertes des halben gesetzlichen Erbteils. Wen diese Regelung trifft, der gilt als enterbt. Enterbung heißt also, dass jemand nur die Hälfte seines gesetzlichen Anspruches erhalten soll. Das heißt also nicht, dass er überhaupt nichts bekommt.

Dieser Fall, dass nämlich jemand sogar den Pflichtteil entzogen bekommt, kommt so gut wie nicht vor, nur bei schweren Verfehlungen des Pflichtteilsberechtigten, etwa wenn er dem Erblasser nach dem Leben getrachtet hat. Allerdings muss sich derjenige, der den Pflichtteil geltend macht, Zuwendungen anrechnen lassen, die er vom Erblasser noch zu dessen Lebzeiten mit der Bestimmung erhalten hat, dass sie schon Vorauszahlungen auf den Pflichtteil sind. Auch der andere Weg ist möglich: Der Pflichtteil kann sich unter bestimmten Umständen erhöhen, wenn der Erblasser zu Lebzeiten einer anderen Person innerhalb der letzten 10 Jahre vor dem Erbfall eine Schenkung gemacht hat - man spricht von einem Pflichtteilergänzungsanspruch.

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Weitere Informationen z. B. zu - Erben, was ist das eigentlich? - Testament oder Erbvertrag (z. B. notariell, privatschriftlich, Inhalt bzw. Änderung von Testamenten - Was tun im Erbfall? - Erbschaftssteuer - Schenkung unter Lebenden, Steuerbefreiungen, Erbschaftssteuern sind in der o. g. Broschüre enthalten, die bei allen Wüstenrot- Beratungsstellen erhältlich ist. ***************************************************************************************

Quelle     : Tipps und Infos für den Erbfall
Herausgeber: Bausparkasse Wüstenrot, Mai 1990

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