Wort zum Sonntag
Wöchentliche Satire (C)Marvin C. Stahl

11. September 1999

Die Qual der Wahl!

Hallo Allemiteinander!

Wer nicht wählt... ist am Arsch. Wer doch hingeht... ebenso! Aber am schlimmsten ist die Situation für die, die sich wählen lassen bzw. gern mal gewählt werden würden. Das nach 16 Jahren sozialem Abbau und massiver Verschuldung durch die christlichen Horden Sparen angesagt ist, dass die Gürtelschnallen bluten... müsste auch dem letzten Wähler klar sein... ist es aber nicht! Lemmingen gleich laufen Wenige ohne Verstand und Orientierung zu den Wahlurnen oder bleiben clever fast mehrheitlich der Wahl fern, um es den Sozi-Wahlbetrügern zu zeigen.

Einem nackten Mann kann man zwar mit viel Mühe und Vaseline wo hineinfassen, nicht jedoch in die Hosentasche oder seine Geldbörse! So ist es in der Regierung, wie in jeder Familie... fehlt Geld, muss zum Teil drastisch gespart werden, um die Schulden wieder loszuwerden. Der aufgeweckte Bild- und BZ-Leser sehnt sich in seiner Weitsicht nach der Zeit zurück, als Big Helmut und Augenlöckchen all die Probleme schufen, unter denen er im Moment leidet und wählt entsprechend... Wir sind halt ein Volk von Egoisten!

Wir sind jedoch auch ein Volk der Betrüger... Legionen braver und anständiger Bundesbürger laufen Tag für Tag zum Arzt ihres Vertrauens und holen sich ihren Krankenkassen-Sonderurlaub. Andere melken das Sozialamt, während ihnen nebenbei die Finger vom andauernden Schwarzarbeiten bluten... Betrügereien beim Steuernzahlen sind zwar so alt, wie die Erfindung der Steuereinnahmen selbst, aber der Bundesmichel sieht in den letzten Jahren zu, wo er bei all dem ausbleibendem Reichtum bleibt und... bescheißt das Finanzamt ohne Ende und Scham!

In diesem Sumpf aus Unehrlichkeit, Selbstsucht, Politverdrossenheit und Neid auf jeden, der morgens zwei Brötchen mehr kaufen kann, steigt langsam das schleimige, braune Monster aus längst vergessenen Tagen... aufrechte, deutsche Burschen stellen sich der Wahl, um wieder gutes, völkisches Gedankengut unter den teutonischen Wählermassen zu verbreiten. Deutschland! Wer radikal wählt muss radikal leben! Ich fordere deutsche Döner für deutsche Menschen! Nieder mit all dem ausländischen Fraß... Deutsche esst endlich wieder Kartoffelsuppe und Schmalzstullen statt dieser amerikanischen Papp-Bouletten-Brötchen!

Wer all zu sehr nach wahren deutschen Werten schreit sollte auf jeden Fall beachten, dass in diesem Fall Heiner Lauterbach die deutsche Antwort auf Hollywoods Silvester Stallone und Hella von Sinnen das deutsche Pendant zu Rosanne wäre! Echte Hardcore-Teutonen gehen dann noch einige zackige Marschierschritte weiter... keine Erdnüsse mehr aus den USA, keine Pistazien mehr aus Arabien, Kiwis aus Neuseeland sind verboten und vor allem... keine Orangen mehr aus Israel! Deutschland! Ist deutsch sein nicht geil!?

Ich stelle mir gerade vor, wie Dietmar Schönherr und Wolfgang Völz wieder in der Orion stehen und mit zitterigen Findern versuchen die Frogs mit ihrer intergalaktischen Botanisiertrommel zu fangen...

Aber auch unsere normalen Volkszer...ähhh... Volksvertreter sind zum Teil recht heftig drauf. Da beschweren sich Bonner Valiumrocker darüber, dass die Wasserhähne in ihren Ministerien nur aus 333er, statt 585er Gold sind, ihre Ein-Mann-Büros nur noch 150, statt 200 Quadratmeter haben und als Grand... vermissen sie den geliebten, bäuerlichen Misthaufen vor ihren Häusern, auf denen morgens der Hahn immer so schön krähte. Früher sagte man zu Leuten, die Zustände in der DDR für besser hielten: "Dann geh' doch 'rüber!". Heute sollte man den Bonner Dauernörglern "Verpisst euch doch wieder auf euren Kuhacker!" zurufen!

Wenn Bonn so toll ist... weshalb ist es in den letzten 50 Jahren nicht aus allen Nähten geplatzt, weil Millionen Bundesbürger ihr eigenes, tristes Heim gegen einen Platz im bundesrepublikanischen Paradies eintauschen wollten!? Die Politiker sollte schnell noch auf die russische Raumstation MIR fliegen, um ein sehr nachdenklich machendes Schauspiel zu genießen... bei klarem Wetter sieht man Berlin nachts aus der MIR mit bloßem Auge als hellen, strahlenden Fleck und Bonn!? Wenn die Position mit dem Bordcomputer berechnet wurde sieht man es vielleicht, wenn der Bonner Revierförster mit seinem Fahrrad zur nächtlichen Pirsch fährt!

Ich wünsche euch ein nachdenkliches Wochenende!

Amen
Marvin

Weitere respektlose Satiren    Kommentar zum Text im Forum abgeben