Wort
zum Sonntag
Wöchentliche Satire
(C)Marvin C. Stahl
20. Juli 2003
Stumm schwitzend sitze ich leidend an meinem Schreibtisch und beobachte, wie meine Maus und Tastatur langsam in der Sonne schmelzen, während ich diesen Text, mit Verbrennungen dritten Grades an den Fingerspitzen, tippe. Ein zwei Meter durchmessender Ventilator bläst mir mit 2500 Umdrehungen in der Minute warme Luft ins Gesicht und gekochte Pastasoße tropft von den Tomatenpflanzen auf meinem Balkon. Es ist einfach nicht mehr auszuhalten! Die Meteorologen haben für die kommende Woche noch höhere Temperaturen vorausgesagt. Wahrscheinlich, nachdem ihr Wetterfrosch gebraten von seiner Leiter fiel.
Temperaturen von um die 30° Celsius in der Wohnung sind einfach nicht lustig und abends kühlt es sich mit etwas Glück auf 27° ab. Nichts macht mehr Spaß ? weder essen, noch denken und ganz und gar nicht diesen Text zu schreiben. Alle Stunde springe ich auf, um ins Bad zu gehen, lasse es dann aber wieder sein. Als ich heute Morgen in die Dusche ging, den Hahn auf kalt stellt und ihn dann bis zum Anschlag aufriss, stockte mir der Atem. Statt eiskaltem, erfrischendem Wasser kam puschwarme Brühe aus der Dusche. Einem Herzinfarkt nahe biss ich die Zähne zusammen und wartete eine endlose Zeit, bis das Wasser endlich kalt wurde.
Wenn ich durch die Balkontür zur Straße schaue, sehe ich den einzigen Lichtblick, den dieses subtropische Wetter zu bieten hat ? spärlich bis kaum bekleidete Frauen! Vorbei ist die Zeit des schamhaften Kaschierens körperlicher Attribute ? knackige Hintern, pralle Brüste und endlos lange Beine, so weit das Auge schaut. T-Shirts kleben schweißnass am Körper, Ausschnitte enden am Bauchnabel und Röcke knapp unter der Taille. Bei einigen Frauen wünschte ich mir, das Wetter wäre kälter, denn Frauen mit den Ausmaßen eines Blauwals sind nicht gerade das, was ich im knappen Kleid zu sehen hoffe. Der Hit sind jedoch die, bis auf die Augenpartie, vermummten Ausländerfrauen. Die müssen doch kochen in ihren schwarzen, bodenlangen Kutten! Seltsamerweise ist bisher noch keine von ihnen während des Sommers an Hitzschlag gestorben. Was wissen die, was wir nicht wissen?
Charly, mein hyperaktiver, keine Sekunde stillsitzender Miniköter, liegt seit Stunden leise hechelnd am Boden und rührt keine Kralle. Dabei hat es der kleine Kerl noch gut. Von Zeit zu Zeit nehme ich ihn vom Boden hoch und sperre ihn für einige Minuten in den Tiefkühler.
Ich wünsche euch eine produktive, kühle Woche!
Amen
Marvin
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