Wort zum Sonntag
Wöchentliche Satire (C)Marvin C. Stahl

03. August 2003

Nieder mit der Arbeitslosigkeit!

Hallo Allemiteinander!

Mitte 2004 geht es den Sozialhilfeschmarotzern und faulen Arbeitslosenhilfebeziehern endgültig an den Kragen. Vorbei ist dann die Zeit des süßen Müßiggangs, des Lebens in Saus und Braus und Dauerfaulenzens... Arbeitslosengeld II ist dann das Zauberwort! Wer sich nicht 36 Stunden am Tag um Arbeit bemüht oder zumutbare Arbeit ablehnt, dem kürzt man die üppigen Bezüge von 345 Euro zuzüglich Mietgeld, um etwa ein Drittel und im Wiederholungsfalle um bis zu zwei Dritteln auf knapp 100 Euro im Monat. Wenn das keine Motivation ist sich Arbeit zu suchen... Schwarzarbeit!

Wäre die Welt und ihre Menschen edel und gut, wäre dieses Vorgehen wirklich praktikabel und gerecht. Da die Welt aber ist, wie sie nun mal ist, ist der Missbrauch und die Willkür von Anfang an mit eingebaut. Es gab schon einmal solch einen Geniestreich ? die 360-Mark-Jobs. Gedacht waren sie, damit sich z.B. Ehefrauen und Alleinerziehende etwas nebenbei verdienen können. Doch Handel, Industrie und Gewerbe reagierten schnell. Vollkräfte wurden freigesetzt und durch jederzeit kündbare, im Gegensatz zu Vollkräften, fast rechtlose, billige 360er-Sklaven ausgetauscht.

Ganze Belegschaften wurden zu großen Teilen auf diese Weise umstrukturiert. Der verbleibende Rest an Vollkräften wurde dann noch zu einem guten Teil durch Zeitarbeitskräfte ersetzt und fertig war die äußerst flexible, profitable Personalpolitik. Je nach Auftragslage passten sich solche Firmen personell den Gegebenheiten an und waren den dummen Mitbewerbern, die fast ausschließlich mit fest eingestelltem Personal arbeiteten, meilenweit voraus. Das Resultat war, dass viele Menschen zwar die meiste Zeit des Jahres arbeiteten, jedoch keinen wirklichen Job hatten.

Was an den geplanten Veränderungen so bedenklich ist, sind Formulierungen wie zumutbare Stellen und ausreichend selbst um Arbeit bemühen. Man stelle sich einen Moment vor, ein Arbeitsvermittler komme persönlich mit einem Arbeitssuchenden nicht klar oder es gibt mal wieder eine interne Dienstanweisung, wonach Geld durch Sperrungen eingespart werden soll (die es im Moment wirklich gibt!)... was ist ausreichend? Wer legt fest, ob 10, 20 oder mehr Bewerbungen ausreichen? Also bleibt dem Arbeitslosen nur eine Sache... beim Sachbearbeiter des Arbeitsamtes schleimen, dass die Flure fluten!

Sachbearbeiter: "Als was waren Sie zuletzt beschäftigt?"
Arbeitsloser: "Professor für Biologie."
Sachbearbeiter: "Da hab' ich etwas für Sie. Sie kennen sich doch mit Bäumen und Gräsern aus!?"
Arbeitsloser: "Selbstverständlich!"
Sachbearbeiter: "Prima, das städtische Gartenbauamt sucht Rasenmäher für 900 Euro brutto!"

Die Zumutbarkeitskriterien für Bezieher des künftigen Arbeitslosengeldes II werden so drastisch verschärft, dass Klos putzende Akademiker keine Seltenheit mehr sein werden. Auch Fahrzeiten von drei bis vier Stunden pro Tag, bei einem Lohn bzw. Gehalt knapp über dem Arbeitslosengeld II sind dann zumutbar! Sollte so ein Vollbeschäftigter dann wieder arbeitslos werden, bekommt er etwa 60% seines letzten üppigen Gehalts als Arbeitslosengeld. Mittelfristig führt diese Vorgehensweise zu niedrigeren Arbeitslosenraten, aber auch zu immer weniger Geld in den Taschen der Konsumenten, somit zu Firmenschließungen, Entlassungen und geringeren Steuereinnahmen!

Die Firmen werden sehr schnell reagieren. Zwei Akademiker für je 800 Euro, statt einem Angestellten für 1700 Euro! Die können ja ablehnen! ? Überlegt euch also schnell, ob ihr euch nicht zur Mitte 2004 selbstständig machen wollt, die Personalkosten waren nie niedriger!

Ich wünsche euch eine entspannte, arbeitsreiche Woche!

Amen
Marvin

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