Wort zum Sonntag
Wöchentliche Satire (C)Marvin C. Stahl

10. August 2003

Euthanasie ? Nein danke!?

Jetzt fallen die letzten Tabus. Solange ich lebe (das ist nicht erst seit gestern), war die Sorge um die älteren Bürger eine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit. Ältere Menschen sind nun einmal anfälliger für Krankheiten und haben altersbedingte Gebrechen, aber darum kümmerte man sich... bisher. Jetzt wird ernsthaft darüber nachgedacht, Menschen mit hohem Alter von teueren Behandlungen, Medikamente und Operationen auszuschließen. Treu nach dem Motto: "Der alte Sack lebt doch eh nur noch wenige Jahre!"

Diese unfreiwillige Sterbehilfe durch Verweigerung nötiger Behandlungen und Medikamente hätte natürlich auch den günstigen Nebeneffekt, dass Jahr für Jahr Unsummen an Renten und Pensionen eingespart werden könnten. Selbstverständlich dürfte man nicht bei den älteren Menschen halt machen. Weshalb nicht Unfallrettung nach dem KO-Prinzip? Wenn die Meldung eintrifft l-a-n-g-s-a-m einige Minuten warten... 10...9...8...7...6...5...4...3...2...1... AUS! Mit etwas Glück ist der Verletzte beim verspäteten Eintreffen des Unfallwagens bereits gestorben und teuere Medikamente und Behandlungen werden eingespart.

Zahnersatz... wofür? Es gibt doch Weißbrot, Babynahrung und jeder moderne Haushalt ist sicher mit einem Mixer ausgestattet, mit dem man Kaunahrung in weichen, ekeligen Babybrei verwandeln kann! Überhaupt hat Zahnlosigkeit viele Vorteile. Die Frage, ob man eher Zahnbürsten mit X-, Y- oder Z-Borsten benutzt entfiele ebenso, wie die Frage nach der richtigen Zahnpasta. Die Einzigen, die diesen Mut zur Lücke ernsthaft beweinen würden, sind die Raubritter der Dentaltechnik. Vorbei wäre es mit dem überteuerten Zusammenbasteln künstlicher Gebisse aus spottbilligen Zahnrohlingen!

Da die Spendenfreudigkeit der Bürger mehr und mehr nachlässt, wäre die Wiedereinführung des mittelalterlichen Aderlasses in die klinische Praxis eine Segnung für jede Blutbank. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Karawanen junger Schwesternschülerinnen, die Stunde um Stunde, Eimer auf Eimer frisches, kostenloses Blut in die gekühlten Keller bundesrepublikanischer Krankenhäuser schleppen. Mit etwas Glück könnten wir Indien und anderen Hungerleiderländern den Rang als größter Blutexporteur ablaufen. Verbluten für den Außenhandel!

Die arbeitsintensive und sehr teuere Betreuung geistig Behinderter ließe sich Kosten optimieren in dem man die regelmäßigen Spaziergänge mit ihnen in dicht befahrene Gegenden, vorzugsweise am Rande von mehrspurigen Autobahnen, verlegt... "Kuck mal, Ralf! Auf der anderen Seite wächst ein schönes Blümchen!".

Ich wünsche euch eine nachdenkliche und mitfühlende Woche!

Amen
Marvin

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