Wort zum Sonntag
Wöchentliche Satire (C)Marvin C. Stahl

17. August 2003

Finster war's, der Mond schien helle...

Hallo Allemiteinander!

In den USA ist alles besser, schöner und größer... auch die Scheiße die passiert. Irgendwo gab es einen winzigen Störfall oder ein Angestellter war gerade auf dem Klo, als er eigentlich einen Knopf drücken sollte, und -PENG- der gesamte Nordosten der USA und Teile Kanadas waren ohne Strom. Einem beliebten Dominospiel gleich gab ein winziger Vorfall den Ausschlag und System für System schaltete sich ab. Da das Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine ganz und gar nicht unbegrenzte Stromproduktion sein eigen nennt, wurden die anderen Kraftwerke wahrscheinlich aus Angst vor Überlastung sicherheitshalber automatisch abgeschaltet

 

Vom kapitalistischen Bruder lernen ? heißt siegen lernen!

Wenn deutsche Elektriker amerikanische Stromverteiler sehen, zittern ihnen die Hände. Würden sie auf diese Weise Stromkabel in Deutschland verlegen, dürften sie ihren Gesellenbrief abgeben und bekämen eine Anzeige wegen vorsätzlicher Gefährdung der Bevölkerung. In den USA kleben an einem Mast ein, zwei große, runde Kisten, riesigen Lebensmittelkonserven nicht ungleich, aus denen zum Teil Dutzende Kabel frei in der Luft hängend in die benachbarten Häuser führen. In den Häusern sieht es nicht viel besser aus, denn die typische amerikanische Steckdosen haben selbstverständlich keinen Schutzkontakt!

Kann es bei uns ähnliche Katastrophen geben? Nein, denn amerikanische Verhältnisse gibt es bei uns schon seit 1920 nicht mehr. Wir produzieren sehr viel mehr Strom, als wir brauchen und durch einen engmaschigen Stromverbund können Engpässe oder Ausfälle jederzeit ausgeglichen werden. Notfalls bekommen wir Strom aus Frankreich oder anderen europäischen Ländern und können im Gegenzug jederzeit Engpässe in den Nachbarländern durch Stromlieferungen ausgleichen. So sehr ich Regeln und Reglementierungen hasse, aber durch die DIN-Normen und Vorschriften zur Installation elektrischer Anlagen funktioniert bei uns alles (na ja, grundlegend) fehlerfrei.

Ich komme mehr und mehr zu der Überzeugung, dass es sich bei den USA um ein riesiges Potemkinsches Dorf handelt. Nach außen glänzt und funkelt alles, aber hinter den Kulissen wird geflickt, improvisiert und Missstände notfalls unter dem Siegel der nationalen Sicherheit totgeschwiegen. Einem Drittweltland gleich, hat man eine hypermoderne, völlig überproportionale Armee, eine Clique Superreicher schwelgt im Luxus und Prestigeprojekte werden auf Gedeih und Verderb durchgezogen. Was auf der Strecke bleibt ist wie immer das Volk.

Aber Georg der Dumme, Herrscher aller Amerikaner, will es richten. Ohne zu wissen, woher er die nötigen Milliarden bis Billionen holen soll, verspricht er seinen einfach strukturierten Untertanen Abhilfe. Martin Luther King gleich ruft er "I have a dream!" und alle jubeln ohne sich darüber klar zu werden, das dies die Wahnträume eines weltfremden Ex-Säufers sind. Man kann Versäumnisse eines Jahrhunderts nicht innerhalb weniger Jahre ausräumen... nicht einmal in den USA, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Stärke definiert sich nicht allein über militärisches Potential!

Ein Gutes hatte dieser Stromausfall jedoch. Im Mai 2004 wird es im Nordosten der USA und in Teilen Kanadas mehr Geburten geben, als in vergleichbaren Monaten der letzten Jahre. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen fangen die Menschen in den USA bei großen Stromausfällen an zu rammeln, als wenn es bei Licht verboten wäre. Wollen nur hoffen, dass einige Neugeborene viele Jahre später in Deutschland Elektrotechnik studieren, um die Stromversorgung der USA ab dem Jahr 2075 sicherer zu gestalten!

Ich wünsche euch eine geruhsame, energiereiche Woche!

Amen
Marvin

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