Wort zum Sonntag
Wöchentliche Satire (C)Marvin C. Stahl

14. September 2003

Der Ball ist viel zu rund!

 
Hallo Allemiteinander!

Tante Käthe hatte endlich mal die Schnauze voll und das mit Recht! Endlich sprach Rudi Völler das aus, was mir seit Jahren, was sag ich, seit Jahrzehnten auf den Nägeln brennt. Im Fußball ist es wie im Schach... manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen. Wenn es hart auf hart kommt, rennt man sich 90 Minuten lang die Lunge aus dem Hals, versucht sein Möglichstes und trotzdem bleibt es beim Unentschieden. Hätte eine Nationalmannschaft die Siege für sich gepachtet, bräuchte man nicht mehr zu spielen!

Ich habe noch nie verstanden, weshalb die Nation immer wieder nach einem Trainerwechsel schreit, wenn die Nationalmannschaft mal gegen einen Außenseiterverein verliert. Weshalb sollten die Mannschaften aus Mali, den Kapverdischen Inseln oder den Niederlanden nicht gegen unsere Jungs gewinnen dürfen? Hätte Kevin Curren 1985 mit dem Tennis aufhören sollen, bloß weil ihn der 17-jährige Boris Becker damals in Wimbledon besiegte? Außenseiter sind immer kreuzgefährlich, denn sie haben nichts zu verlieren. Wer erwartet schon einen Sieg der Mannschaft aus Burundi? Die Spieler dieser Mannschaft können locker und gelöst alles geben, denn jeder erwartet eh, dass sie verlieren... hoch verlieren. Wenn dann noch der Zufall und Unkonzentriertheit der deutschen Mannschaft hinzukommt... gibt es eben mal auf die bornierte Mütze!

Zum Glück interessiert mich Fußball so, wie anderer Leute Fußpilz, weshalb ich das Ganze mit einigem Abstand betrachten kann. Mein Herz hängt nicht an unserer Mannschaft und wenn Fußball morgen verboten würde, entstünde keine Lücke in meinem Leben. Wenn es nach mir ginge, würden Fußballspiele ohne Kommentar, nur mit beruhigender Hintergrundmusik im Fernsehen zu sehen sein. Dieses zum Teil dumme Gelabere der Kommentatoren ist das Letzte! Klappt es in den ersten 30 Minuten mal nicht wie erwartet, reden sie von Formtief, Problemen mit dem Trainer und ähnlichen Unsinn. Schießt die Mannschaft dann einige Tore und führt 3:0, ist das Formtief vergessen und der Trainer waltete plötzlich pflichtgemäß seines Amtes.

All zu gern wird vergessen, dass weder die großmäuligen Kommentatoren, noch der leidgeprüfte Trainer auf dem Feld herumrennen. Statt dem Trainer sollte man Spieler opfern, die, für ihre teilweise unverschämten Gehälter, nicht die erwarteten Leistungen bringen. Ein Mittelstürmer schoss innerhalb von 10 Spielen kein Tor? Abmahnung und Entlassung im Wiederholungsfalle! Ihr würdet euch wundern, wie motiviert diese selbst ernannten Fußballgötter plötzlich wären, müssten sie ständig um ihren gut bezahlten Job bangen. In einem Betrieb entlässt man ja auch nicht den Meister, wenn ein Geselle die geforderten bzw. erwarteten nicht Leistungen bringt!

Aber keine Angst... Hilfe naht! Ersatz für Rudi Völler findet sich notfalls tausendfach in unserem Lande. Unzählige selbsternannte Spezialisten sitzen bei den Spielen vor den Fernsehern und sagen unserer Mannschaft, wie man es richtig macht. Obwohl durch Dutzenden Zigaretten täglich kurzatmig wie ein Fisch auf dem Trockenen und beleibt wie ein südasiatisches Hängebauchschwein, wissen diese großmäuligen Stammtischstrategen immer ganz genau, wie's richtig wäre. "Man, abgeben!", "Pass nach vorne, Pass nach vorne!", "Sieht der denn nicht, dass jemand auf der anderen Seite frei steht?" usw. ist aus ihren Mäulern zu vernehmen. Klar, wenn man das gesamte Spielfeld von oben sieht, hat man einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Spielern. Aber das interessiert diese Besserwisser nicht, denn wenn es ihre Mannschaft nicht mehr bringt ist klar, wer daran Schuld ist... der Trainer!

Wir sollten Fußball nicht so wichtig nehmen. In den USA ist Fußball ein Spiel, das überwiegend von Mädchen gespielt wird!

Amen
Marvin

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