Wort zum Sonntag
Wöchentliche Satire (C) Marvin C. Stahl

12. November 2006

Gibt es eine Unterschicht?


Hallo Allemiteinander !

Ach Gott, ach Gott... das Geschrei ist wieder mal groß. Gibt es nun eine Unterschicht in Deutschland oder nicht? Wodurch zeichnen sich Zugehörige einer wie auch immer gestalten Unterschicht aus? Wenig Geld, schlechte bzw. geringe Schulbildung, einfache bis ärmliche Wohnbedingungen, meist keine Arbeit oder einfache, schlecht bezahlte Jobs und last, but not least... eine recht hohe Kriminalitätsrate. Und DAS sollen wir nirgendwo in Deutschland haben? In Berlin und Hamburg gibt es zumindest jeweils eine Gegend in der mehrere dieser Kriterien gleichzeitig, wenn nicht alle zusammen, zutreffen. Im Gegensatz dazu gibt es in beiden Städten natürlich ebenso mindestens eine Gegend in der eine wie auch immer geartete Oberschicht wohnt.

Woran erkannt man nun Oberschichten? Am Besitz vieler mehr oder minder sinnloser teuerer Dinge, es sind überwiegend Abiturienten, üben Berufe aus bei denen so viel im Monat verdient wird, das ein ALG-II-Empfänger ein ganzes Jahr lang davon bezahlt werden könnte, alternativ ist 'man' selbstverständlich erfolgreich selbstständig oder lässt das ererbte oder illegal erworbene Geld für sich arbeiten. Diese Leute trinken ihre Drinks stets mit abgespreiztem kleinen Finger, gehen auf Vernissagen, diskutieren mit französischen oder bolivianischen Künstlern in deren Muttersprache und fressen dort Hummer und Krabbencocktail bis sie kotzen.

Nach dem die grundlegenden Unterscheidungsmerkmale festgelegt sind nun zur grundlegenden Frage. Gibt es in Deutschland eine Unterschicht? Fragt man die Politiker der Regierungsparteien, ist die Antwort ein klares 'Nein'! Fragt man hingegen Kioskbesitzer, die dieser Unterschicht jeden Tag unzählige Taschenflaschen, Sechserpack Bier und BILD-Zeitungen verkaufen, ist die Antwort ein klares 'Ja'! Wer hat Recht? Wie immer lügen die Politiker und der Kioskbesitzer hat wieder einmal Recht. Wie sonst ließen sich die vielen Menschen erklären, die ich Tag um Tag dabei beobachte, wie sie Müllkörbe auf Straßen und U-Bahnhöfen nach Flaschen durchsuchen, um sich vom Flaschenpfand ihre tägliche Ration Bier oder Klaren zu kaufen. Na ja, der eine oder andere sucht auch nach der ausgelesenen 'Wirtschaftswoche' oder der 'Financial Times', die ein Angehöriger der Oberschicht in den Papierkorb warf, als er genötigt war mit der U-Bahn zu fahren, weil sein vergoldeter Mercedes gewartet wird und er um's Verrecken kein Taxi bekam...

Ich wünsche euch eine entspannte, prollige Woche!

Amen
Marvin

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