Ringen - Regeln und Historie
Der Ringkampf ist so alt wie die Menschheitsgeschichte. Im Kampf von Mann zu Mann wurden Rivalitäten ausgetragen, Familien verteidigt. Kinder übernahmen als erste den Ringkampf als Spiel. Es gibt Zeugnisse sportlichen Ringens nach gewissen Griffregeln aus China, die 5000 Jahre alt sind. In Ägypten wurden 4000 Jahre alte Wandmalereien entdeckt, auf denen Ringer ganz bestimmte Griffe anwenden. Im Fünfkampf der antiken Olympischen Spiele rund 700 Jahre vor unserer Zeitrechnung wurden die Sieger durch Ringkämpfe ermittelt. Dabei waren jedoch körperschädigenden Griffe verboten. Bei den Griechen wurde stehend gekämpft. Die Regeln erklärten den zum Sieger, der den Gegner dreimal zu Boden gerungen hatte. Im alten Rom verrohten die Ringkämpfe. Sklaven mußten in den Arenen um ihr Leben kämpfen, und Regeln wurden dabei vernachlässigt. Später wurde der Ringkampf in Rom sogar verboten. Erst nach dem Mittelalter kam das sportliche Ringen wieder auf. Indessen entwickelten sich in Asien, insbesondere in Japan, Korea und China eigene ringerische Kampfarten zur Selbstverteidigung, von denen vor allem Judo, Jiu-Jitsu und Karate bekannt geworden sind. Judo setzte sich als einziger asiatischer Ringkampfsport weltweit durch und wurde olympische Disziplin. Zu den sehr wichtigen Erkenntnissen gehört die, dass alle Kampfsportarten - Boxen, Fechten, Ringen - asiatische Entsprechungen haben, sich aber von diesen völlig unabhängig entwickelten. Im Ringen unterscheidet man heute zwei Stilarten: das griechisch-römische Ringen und das Freistilringen. Kurioserweise hat der sogenannte griechisch-römische Stil mit den Kampf- formen der Antike nichts zu tun, denn er ist überwiegend Bodenkampf. Dagegen lehnt sich das in England entwickelte Freistilringen an die antike Ringkämpfe an, die zum Ziel hatten, den Gegner aus dem Stand heraus auf den Boden zu bringen und unter Kontrolle zu halten. Der Deutsche Ringerbund zählt etwa 90000 Mitglieder. Es gibt deutsche, europäische und Weltmeisterschaften. In den letzten Jahrzehnten hat sich auch Damenringen entwickelt; die ersten Weltmeisterschaften der Damen fanden 1987 statt. Olympische Disziplin ist Ringen in beiden Stilarten in acht Gewichtsklassen (für Männer): bis 54 Kilogramm bis 58 Kilogramm bis 63 Kilogramm bis 69 Kilogramm bis 76 Kilogramm bis 85 Kilogramm bis 97 Kilogramm bis 130 Kilogramm Das Ringfeld ist eine Matte von 12 x 12 Meter, mit einer Kampffläche in der Mitte von 7 Meter Durchmesser. Am Rand liegt eine ein Meter breite rot markierte Passivitätszone. Gekämpft wird in einem inneren Ring von 9 Meter Durchmesser. Um diesen Ring herum befindet sich die rot markierte, 1. Meter breite Passivitätszone, die nicht zur Abwehr, wohl aber im Zuge der Kampfaktionen betreten werden darf. In beiden Stilarten beginnt der Kampf aus dem Stand. Beim griechisch- römischen Ringen sind nur Griffe bis zur Gürtellinie erlaubt, ein Einsatz der Beine ist verboten. Beim Freistilringen sind Griffe am ganzen Körper erlaubt, auch der Einsatz der Beine und Griffe zu den Beinen. Ein Kampf dauert 5 Minuten ohne Pause, eine Verletzungspause darf nicht länger als 2 Minuten dauern, sonst wird der Kampf abgebrochen. Die Regeln: Ziel des Ringers ist es, den Gegner durch zulässige Griffe auf die Schultern zu bringen. Im Bodenkampf wird so lange gerungen, bis es einem der Käm,pfer gelingt, den anderen auf den Rücken zu legen und dessen beide Schultern mindestens 1 Sekunde lang auf die Matte zu drücken. In dem Falle spricht man von einem Schultersieg, der vom Mattenleiter mit dem Wort "tomber" (französisch: fallen) bestätigt wird. Sollte eine solche Aktion in der Kampfzeit nicht gelingen, wird der Sieger nach Punkten ermittelt. Der Mattenleiter bricht den Bodenkampf ab, wenn die Bodengriffe beider Ringer keinen Erfolg mehr erwarten lassen. In solchem Falle stehen die Ringer auf und bemühen sich erneut, in der verbleibenden Zeit Sieg oder Punkte zu erringen. Ziel eines niedergeworfenen Ringers muß es sein, mit Knien und Händen auf die Matte zu kommen, diese Position heißt Bank. Der Ringer kann aus dieser Verteidigungsstellung sehr gut zum Bodenangriff übergehen. Der Angreifer muß nun versuchen, den Gegner auf den Rücken zu drehen. Wenn das gelingt, bleibt dem Verteidiger immer noch die sogenannte Brücke, um einer Schulterniederlage zu entgehen. Bei der Brücke stützt sich der Verteidiger nur mit Kopf und Füßen auf die Matte, macht ein hohles Kreuz und streckt den Bauch hoch hinaus. So hat er die Möglichkeit, sich durch einen Seitenschwung aus der gefährlichen Rückenlage zu befreien und eine Schulterniederlage zu vermeiden. Meisterschaften werden überwiegend im Ausscheidungsverfahren durchgeführt: Jeder Ringer scheidet nach 2 Niederlagen aus. Während des Kampfes gibt der Punktrichter auf die Technik bezogene Punkte für gelungene Angriffs- und Verteidigungsaktionen sowie Strafpunkte für Verwarnungen wegen Passivität, wiederholter Mattenflucht in die Passivitätszone oder unzulässiger Griffe. Die Punkte für die Technik werden dann in die abschließende Punktwertung umgerechnet. Bei einem Unterschied von 15 Technikpunkten wird der Kampf wegen technischer Überlegenheit eines Ringers vorzeitig abgebrochen. In der Endwertung erhält ein Schultersieger 4 Punkte, der Verlierer 0 Punkte; die gleiche Wertung gibt es bei vorzeitigem Abbruch wegen technischer Überlegenheit oder Verletzung, wegen Aufgabe, Disqualifizierung oder unsportlichem Verhalten. Bei einem Unterschied von 8 bis 11 Technikpunkten bekommt der Sieger 3,5 und der Verlierer je nach Aktivität 0 oder 0,5 Endpunkte. Bei 1 bis 7 Technikpunkten Differenz gibt es 3 Punkte für den Sieger und bis zu 1 Punkt für den Verlierer.
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