Versuch einer Technikfolgenabschätzung zur Kernfusion

                                       Vorwort

     Ziel dieses Referates war eine Technikfolgenabschätzung zur Kernfusion. Durch
     die Aktualität dieses Themas war es anfänglich außerordentlich schwierig an
     geeignetes Material zu gelangen. Die meisten Artikel in Fachzeitschriften
     waren rein technischer Natur und konnten uns bei unseren Fragestellungen kaum
     weiterhelfen. Besonders auffällig war die einseitige Information, da fast alle
     Artikel von an den Fusionsprogrammen beteiligten Forschern stammen. Es lagen
     nur wenige kritische Unterlagen vor.

     Besonders hervorzuheben ist die Hilfe des Bundesministeriums für Forschung
     und Technik und des Kernforschungszentrums in Karlsruhe. Es ließen sich
     sowohl telefonisch viele Fragen klären, des weiteren war man uns durch die
     Übersendung von Fachspezifischem Unterlagen und Studien sehr behilflich.

                          Die Entwicklung der Fusionsforschung

     Die Fusionsforschung begann gleich nach dem II. Weltkrieg mit viel Optimismus,
     denn es herrschte vor allem in Amerika der Glaube, dass man die Kernfusion mit
     einem ähnlich großen materiellen Aufwand wie im Manhattan Projekt entwickeln
     und zur Serienreife bringen könnte. Die ersten Anstrengungen wurden unabhängig
     voneinander und unter strenger Geheimhaltung in den USA, der UdSSR und GB
     betrieben. Da die grundlegenden Probleme unterschätzt wurden kam es zur
     Aufhebung der Geheimhaltung zugunsten internationaler Zusammenarbeit und
     Neuorientierung der Strategie: nicht mehr die Konstruktion eines Reaktors,
     sondern Probleme der Plasmaphysik standen für die kommenden zehn Jahre mehr im
     Vordergrund der Forschung.

     Die Fusionsforschung ist aus der Forschung an der Wasserstoffbombe
     hervorgegangen. Die Wasserstoffbombe stellt den Beweis der Möglichkeit der
     Kernfusion dar, jedoch ist diese Fusionsreaktion unkontrolliert. Direkter
     Nachfolger, zunächst streng geheim gehalten, war die laserinduzierte
     Trägheitsfusion. Mit Hilfe der Pellets sollte die Explosion der
     Wasserstoffbombe im kleinen simuliert werden. Dies und auch die starken Laser,
     die mit dieser Technik verbunden sind, bilden mögliche Grundlagen für SDI. Die
     Forschungen an der Laserfusion wurden jedoch schließlich der zivilen Fachwelt
     geöffnet und dem zivilen Ziel der Energieforschung unterstellt. Jedoch hing
     diesem Projekt immer der militärische Aspekt an, mit dem sich viele Forscher
     nicht in Verbindung sehen wollten. So begann man nach anderen Wegen der
     Energieerzeugung durch Kernfusion zu forschen. Anfang der Fünfziger Jahre
     hatte die Sowjetunion bereits erste Tokamak-Programme gestartet. Schon früh
     kam es hier zu einem Gedankenaustausch unter den Nationen. Japan und USA wie
     auch die europäischen Staaten begannen Fusionsprogramme im Bereich des
     magnetischen Einschlusses. Die Forschungsergebnisse veranlassten die
     Beteiligten zu ersten Prognosen über die Realisierung der Kernfusion. So sagte
     1955 der Präsident der Genfer "Atoms for Peace" Konferenz, dass die
     Fusionsforschung 20 Jahre zur Lösung der Probleme brauchen würde.

     Dass dieser Zeitraum eindeutig zu kurz gewählt war, zeigte sich schon bald.
     Diverse Experimente in den verschiedenen Bereichen des magnetischen
     Einschlusses sowie der Laserinduzierten Fusion ergaben neue Probleme und damit
     eine Revision der Prognosen: 1978 stellt man fest, dass die in den
     Experimenten erreichten Plasmaparameter innerhalb von Fünf Jahren um den
     Faktor zehn gesteigert werden konnten, was bedeuten würde, dass der
     "Breakeven", als der Punkt mit ausgeglichener Energiebilanz 1981 - 82 zu
     erreichen sei und dass noch deutlich vor 2030 die Fusionsreaktoren einen
     nennenswerten Anteil an der Energieversorgung nehmen würden.

     Am 1.6.1978 wird die JET-Gruppe gegründet, die die Entwicklung, den Bau und
     die Forschung für das auf 12 Jahre ausgelegte JET-Projekt übernehmen sollte.
     Am 25.6.1983 wird das erste Experiment im JET durchgeführt. Ziel des Projektes
     soll in einer späteren Ausbauversion des JET ein Brennzyklus von 20 s sein.

     Etwa zur gleichen Zeit wie JET, teilweise einige Jahre später, teilweise früher
     laufen Projekte der UdSSR, Amerikaner und Japaner mit Namen T-15, TFTR und
     JT-60 an, die in der Größenordnung von JET liegen und ähnlich nahe dem Lawson
     Kriterium kommen, jenem Punkt, an dem thermonukleares Brennen einsetzt. Die
     Zielsetzungen der Projekte sind geringfügig unterschiedlich, gemeinsames Ziel
     ist es jedoch, zu thermonuklearem Brennen in Zeiten bis zu 100 s zu gelangen.
     Bei allen Projekten handelt es sich um Tokamaks.

     Seltsamerweise erst Ende der 80er Jahre beginnen Forschungen zur Sicherheit
     der Tokamaks. TESPE, ein Projekt der Kernforschungsanlage Karlsruhe (KfK),
     stellt ein verkleinertes Modell für einen Fusionsreaktor dar und ist neben
     Experimenten zu Wandmaterialien auch um die Erforschung von Störfällen bemüht,
     unter anderem bezüglich der "Disruption", also dem plötzlichen Zusammenbrechen
     des Manetfeldes. Die Probleme und Ergebnisse, die die Forscher aus Projekten
     wie JET ziehen, erzwingen eine erneute Revision der Prognosen bezüglich der
     ersten Fusionskraftwerke. Erst 2050, also Mitte des nächsten Jahrhunderts,
     wird die Kernfusion beginnen, einen Marktanteil an der Energieerzeugung zu
     erlangen. Und noch länger wird es dauern, bis ein nennenswerter Anteil der
     Energie aus Fusionsreaktoren kommen wird.

     Nichts desto trotz ist bereits die Planung des nächsten Projektes in Angriff
     genommen. ITER - der Internationale thermonukleare Experimental-Reaktor wird
     1987 ins Leben gerufen. Er soll der letzte Versuchsreaktor vor Erstellung des
     DEMO-Reaktors sein. Letzterer soll in ca. 30 Jahren als erster
     funktionsfähiger und Strom erzeugender Reaktor die wirtschaftliche Produktion
     von Strom mittels Kernfusion demonstrieren. ITER selbst soll ab 1997 gebaut
     werden, 2004 fertig gestellt sein und 2005 in Betrieb gehen. Seine Leistung
     soll bereits 1000 MW betragen. Durchgeführt wird dieses Projekt von den USA,
     GUS, Japan und der EG. Wissenschaftliche Erkenntnisse von allen Großanlagen
     der beteiligten Staaten fließen in dieses Projekt.

                           Internationale Forschungsprogramme

                                       übersicht

     Es gibt weltweit vier institutionell geführte Zentren der
     Kernfusionsforschung. Sie sind in ihrer Größe etwa gleich und arbeiten
     parallel an ähnlichen Forschungsprogrammen. Dem übergeordnet sind drei
     internationale Expertengruppen (USA, Japan, Deutschland - Jülich), welche
     einen technologischen Austausch verwirklichen sollen.

     Die Studiengruppe INTOR, bestehend aus europäischen, japanischen, sowjetischen
     und amerikanischen Wissenschaftlern erarbeiten im Auftrage der Internationalen
     Atomenergiebehörde in Wien (IAEA) ein weltweites Gemeinschaftsprojekt (ITER -
     Internationaler Thermonuklearer Experimenteller Reaktor). Deutschlands
     Forschung wird weltweit als führend angesehen und hat gute Chancen für eine
     führende Beteiligung am ITER Projekt, evtl. auch Standort für den ITER-Reaktor
     zu werden.

                                   Europa/Deutschland

     1958 wurde in Europa ein gemeinsames Forschungsprogramm EURATOM gegründet.
     Ziel ist ein Demonstrationsreaktor DEMO (in etwa vierzig Jahren), der die
     prinzipielle Machbarkeit der Energiegewinnung durch Kernfusion deutlich machen
     soll.

     Es gibt zwei gemeinsame Forschungseinrichtungen, die Gemeinsame
     Forschungsstelle (GFS) und der in Culham aufgestellte Tokamak "Joint European
     Torus" (JET, Baukosten etwa eine Mrd. DM). Das Nachfolge Projekt, der "Next
     European Torus" (NET), soll dann letztes Zwischenprojekt zum DEMO sein.

     Ansonsten sind die Programme auf die einzelnen Mitgliedsstaaten verteilt.

     Getragen werden die Forschungen von dem Haushalt der EG und den Haushalten der
     einzelnen, nationalen Forschungseinrichtungen.

     Hauptforschungsgegenstand sind magnetische Einschlusskonzepte, alternative
     Einschlusskonzepte werden nur mit etwa 10% unterstützt.

     Hauptforschungseinrichtungen in Deutschland sind hauptsächlich das IPP
     (Institut für Plasmaphysik in Garching mit Tokamak ASDEX, Stellerator
     Wendelstein), KfK (Kernforschungszentrum Karlsruhe) und das KFA
     (Kernforschungszentrum in Jülich). Sie sind in dem Europäischen
     Forschungsprogramm vollständig integriert.

     KfK und IPP gründeten 1982 eine Entwicklungsgemeinchaft zur Kernfusion.

                                          USA

     Die Kernfusionsforschung in den USA ist organisiert und überwacht von
     Department of Energy. Die Programme verteilen sich auf
     Großversuchseinrichtungen (Hauptteil), Universitäten und einige privat
     unterstützte Forschungseinrichtungen.

     Es steht weltweit der größte Etat zur Verfügung. Die Programme sind aber in
     kurze Abschnitte aufgeteilt, so dass der Etat dynamisch, unstetig vergeben
     wird.

     Als Versuchseinrichtungen stehen mehrere kleinere Tokamak-Experimente, ein
     MIGMA Experiment und ein Tokamak-Reaktor in Princeton (von der Größe mit JET
     vergleichbar) und Trägheitseinschluss-Versuche (militärisches Interesse) zur
     Verfügung.

                                          GUS

     Versuchseinrichtungen sind ausschließlich staatlich unterhalten und
     koordiniert. Schwerpunkt ist hier die Plasmaphysik. Es wird an Programmen zur
     Tokamaktechnik (favorisiert) und zum MIGMA gearbeitet.

                                         Japan

     Die japanischen Versucheinrichtungen werden von mehreren Ministerien getragen
     und von einem übergeordneten, nationalen Gremium (JAERI) koordiniert. Private
     Firmen unterstützen die Forschungen beträchtlich durch die Entwicklung von
     benötigten Spezialtechniken (supraleitende Spulen, Vakuumtechnik,
     Plasmaheizung) Forschungseinrichtungen sind Großanlagen (Tokamak JT-60),
     diverse Einrichtungen der Universitäten und private Firmen. Es wird parallel
     an verschiedenen Einschlussverfahren und der Weiterentwicklung der
     magnetischen, toroidalen Einschlusstechniken gearbeitet.

                        Diskussion möglicher Technischer Ansätze

                                       übersicht

     Der Kernfusion liegt eine Reaktion zwischen zwei Wasserstoffisotopen , z.B.
     Deuterium und Tritium, zu Grunde: 2H+ + 3H+ « 4He2+ + n0. Bei dieser Reaktion
     wird, nach dem Gesetz für den Massendefekt von A. Einstein, Energie frei. Um
     die Verschmelzung der Wasserstoffkerne zu Heliumkernen zu starten, muss das
     Wasserstoffgas auf eine Temperatur von über 100 Millionen Grad Celsius erhitzt
     werden (200 Mio. Grad wurden schon erreicht). Zum Vergleich: Die Sonne hat auf
     ihrer Oberfläche eine Temperatur von 5500 C und in ihrem Innern 15.000.000 C.
     Es entsteht dabei ein so genanntes Plasma, ein Gemisch aus freien
     Wasserstoffionen und freien Elektronen.

     Es wird mit Plasmen gearbeitet, die aus nur 1g Wasserstoffionen besteht. Die
     Thermische Energie des heißen Wasserstoffplasmas reicht aus, um 100 kg Stahl
     zu verdampfen.

     Um mit diesen hohen Temperaturen arbeiten zu können werden die Plasmen und
     ihre thermische Abstrahlung mit Magnetfeldern, deren Stärke das 100.000 fache
     des Erdmagnetfeldes übersteigen, im Vakkuum eingefangen.

     Bei den meisten Techniken treten energiereiche Neutronen auf. Da sie sich
     nicht durch Magneten auf eine definierte Bahn zwingen lassen, treffen sie auf
     das das Plasma umgebende Material und sind für dessen Verstrahlung
     verantwortlich. Sie werden aber dazu benutzt, um mit Lithium das meist
     benötigte Tritium herzustellen.

     Prinzipiell kann man zwischen vier Techniken der Kernfusion unterscheiden: Die
     Induzierte Trägheitsfusion, die Fusion mit magnetischem Einschluss, die kalte
     Kernfusion und die Fusion aus der Teilchenbeschleunigertechnik.

                           Fusion mit magnetischem Einschluss

     Die Fusion mit magnetischem Einschluss findet in geschlossenen Vakuumkammern
     statt. Das Gas, bestehend aus Wasserstoff, Deuterium oder Tritium oder
     Kombinationen dieser Stoffe, wird in dieser Kammer auf 50 bis 400 Millionen
     Grad erhitzt und liegt dann als Plasma vor, d.h. das Gas ist vollständig
     ionisiert. Durch Magnetfelder wird das Plasma auf eine Bahn gezwungen, die
     verhindert, dass das Plasma die Wand berührt. Unter hohem Druck und Temperatur
     kommt es schließlich zum thermonuklearen Brennen.

     Allgemein ergeben sich beim magnetischen Einschluss folgende Probleme:

       * Durch die Schwierigkeiten beim Plasmaeinschluss und durch Verunreinigungen
         kommt es zu Energieverlusten

       * Durch Neutronenbeschuss wird das Reaktormaterial radioaktiv

       * Die extremen Bedingungen führen zu hohen Materialermüdung und damit zu
         hohen Kosten

       * Grosse gespeicherte Energiemengen in den Magnetfeldern und radioaktives
         Inventar stellen ein Gefahrenpotential dar.

       * Hoher Energiebedarf beim Betrieb durch die benötigte Heizung und Magnete
         (300MW Verbrauch einer mittleren Großstadt!!).

     Beim Magnetischen Einschluss gilt es noch, drei Reaktortypen zu unterscheiden:

                                     Stellaratoren

     Hier ist das Reaktorgefäß ähnlich wie beim Tokamak eine ringförmige Röhre,
     also ein Torus. Das Plasma fließt hier im Kreis, wobei es durch geeignete
     Magnetfelder in sich verwunden wird, um Abstrahlungsverluste zu minimieren.
     Diese zusätzlichen Magnetfelder verkomplizieren die Technik des Reaktors. Auch
     erreicht man derzeit nicht den gewünschten Einschlussgrad (Produkt aus Druck
     mal Zeit).

     Der Stellerator ist aber für die Konstruktion eines Energie liefernden Reaktors
     dadurch sehr interessant, da er sich zum kontinuierlichen Betrieb eignet (vgl.
     Tokamak).

                                        Tokamak

     Tokamak ist eine Abkürzung für die Russische Bezeichnung von Toroidkammer im
     Magnetfeld. Beim Tokamak handelt es sich um einen Torus, in dem das Plasma im
     Kreis fließt (vgl. Stellerator). über äußere Spulen wird ähnlich wie bei
     einem Transformator ein Strom im Plasma induziert. Durch diesen Strom werden
     die Abstrahlungsverluste minimiert, so dass kein Magnetfeld für die Verwindung
     des Plasmas notwendig wird. Zusätzlich stellt der Strom im Plasma eine
     Heizmethode dar. Mit den Tokamaks ist man den Bedingungen für
     selbst erhaltendes thermonukleares Brennen bisher am nächsten gekommen, was
     vielleicht aber auch daran liegt, dass hier die intensivsten Forschungen
     getätigt werden.

     Als Hauptnachteil des Tokamak ist zu nennen, dass er sich nicht für einen
     kontinuierlichen Betrieb eignet, sondern regelmäßig wieder neu mit Plasma
     aufgeladen werden muss (vgl. Stellerator), was auch eine extreme Belastung der
     Anlage ausmacht.

                                    Spiegelmaschinen

     Das Reaktorgefäß bildet eine gerade Röhre. An den Enden wird das Plasma durch
     entsprechende Magnetfelder in seiner Flussrichtung reflektiert. Bei der
     Reflexion an den Ende kommt es zu erhöhten Energieverlusten.

                                     MIGMA-Konzept

     Bei dem MIGMA-Verfahren werden aus einem Teilchenbeschleuniger Teilchen (z.B.
     Deuteronen und Trionen) wiederholt zur Kollision gebracht und verschmelzen. Es
     ist mit diesem Konzept auch eine Fusion zwischen Protonen und dem Bor-11
     Isotops möglich. Es entstehen vier energiereiche Alphateilchen (4He2+).

     Das besondere an diesem Ansatz ist, dass kein radioaktives und toxisches
     Tritium benötigt wird und keine Neutronen entstehen, welche für die
     unerwünschte Radioaktivität verantwortlich sind.

     Hauptproblem bei dieser Technik sind laut KfK die Energieverluste der Teilchen
     durch die entstehende Synchrotronstrahlung.

     Leider wird diese von einigen Physikern für genial gehaltene Technik weltweit
     ignoriert. Es werden zur Weiterentwicklung trotz ansehnlicher Anfangserfolge in
     den 70 Jahren nicht genügend Fördermittel zur Verfügung gestellt. Grund
     hierfür könnte sein, dass bei dieser Reaktion keine energiereichen Neutronen
     entstehen, die zu dem sehr interessanten Nebenprodukt, dem spaltbaren
     Material, führen.

                               Induzierte Trägheitsfusion

     Ein Gemisch aus Deuterium und Tritium wird von einer kleinen kugelförmigen
     Hülle umgeben. Diese 1mm großen Kügelchen (Pellets) werden im Vakuum mit
     einem Hochenergielaser oder einem Leicht- oder Schwerionenstrahl beschossen.

     Bei der so herbeigeführten Implosion wird das Wasserstoffgemisch auf ein
     fünfzigstel seines Volumens komprimiert. Die extreme Erhitzung lässt das
     fusionierende Plasma entstehen.

     Durch Simulationen ließ sich ermitteln, dass der thermonukleare
     Energieausstoß typischerweise das Hundertfache der Laserenergie beträgt.

     Hauptproblem ist die Konstruktion der benötigten kurzwelligen Hochenergielaser
     bzw. Beschleuniger. Des weiteren entstehen auch hier hochenergetische
     Neutronen.

     Die Konstruktion eines Energie gewinnenden Reaktors, der z.B. zehn Pellets pro
     Sekunde zünden würde, wäre denkbar.

                                    Kalte Kernfusion

     Die Reaktion wurde aus theoretischen Überlegungen schon in den vierziger
     Jahren von F. Frank und Andrej D. Sacharov vorhergesagt und 10 Jahre später
     durch einen Zufall von Luis W. Alvarez experimentell nachgewiesen.

     Bei der kalten Kernfusion oder auch Myon-katalysierten kalten Kernfusion kann
     man die hohen Temperaturen und riesigen Versuchsaufbauten umgehen. Die kalte
     Kernfusion läuft bei Temperaturen ab 13 bis über 1000 Kelvin in festen,
     flüssigen oder gasförmigen Medien ab.

     Die Reaktion kann in einer einfachen mit Tritium und Deuterium gefüllten
     Kammer durchgeführt werden. Hierzu lässt man negative Myonen in die Kammer
     eindringen. Die Myonen stellen durch besondere Stossprozesse enge Bindungen
     zwischen den Wasserstoffmolekülen her. Die so myonisch gebundenen Kerne
     verschmelzen und es wird Energie in Form von Wärme frei. Die Myonen werden
     dabei wieder freigesetzt und können unter bestimmten Bedingungen weitere
     Fusionen katalysieren.

     Myonen kann man künstlich mit Hilfe von Teilchenbeschleunigern erzeugen. Damit
     ein Myon mehrere Kernfusionen katalysieren kann, sind hohe Energien für dessen
     Erzeugung notwendig.

     Leider wird mehr Energie benötigt, um die Reaktion ablaufen zu lassen, als
     später frei gesetzt wird. Die kalte Fusion ist zur Zeit nur für die
     Grundlagenforschung interessant. Es gibt bis heute keine reproduzierbare
     Versuchsanordnung mit positiver Energiebilanz.

                               Aspekte der TA Kernfusion

                                 Technologischer Aspekt

     Ziel der weltweiten Fusionsprogramme ist die konkrete Konstruktion eines
     Reaktors. Die prinzipielle Realisierbarkeit eines Energie liefernden Reaktors
     ist nicht geklärt. Es wird gehofft, dies in sechs bis zehn Jahren beantworten
     zu können. Strategie hierbei ist die der wahrscheinlichsten Widerlegung, d.h.
     man versucht die Unlösbarkeit zu beweisen. Einige Experten schätzen sogar,
     dass ein wirtschaftlich arbeitender Reaktor, ohne generelle konzeptionelle
     Änderungen der Fusionstechnik, ausgeschlossen ist. Die früheste Realisierung
     wird in 50 bis 60 Jahren angenommen.

     Es muss dabei das so genannte thermonukleare Brennen hervorgerufen werden, d.h.
     ein Plasmagemisch muss in einen Zustand gebracht werden, in dem die Umsetzung
     von Wasserstoff zu Helium kontrolliert und kontinuierlich vollzogen wird.

     Die immanenten Probleme bezüglich der Realisierung oder einer Vorhersage
     werden durch die nichtlinearen physikalischen Phänomene des Plasmas
     hervorgerufen. Hieraus entspringen zwei fundamentale Hindernisse:

       * Es ist nicht möglich einen kleinen Versuchsreaktor zu bauen und dann auf
         ein größeres Modell hochzurechnen. Vorhersagen sind nur an einem der
         Größe des Endreaktors entsprechenden Testreaktors zu erproben (immense
         Kosten),

       * die derzeitig zur Verfügung stehende Computerleistung reicht bei weitem
         nicht aus, um eine Simulation mit allen Parametern zu errechnen (zwingende
         experimentelle Forschung).

     So entstanden bei der Forschung immer neue unvorhergesehene Probleme, die die
     zeitlichen Prognosen über die Verwirklichung der Programme sich nie
     bewahrheiten ließen.

     Um einen Fusionsreaktor zu konstruieren, müssen parallel zur eigentlichen
     Plasmaphysik eine Vielzahl andere Techniken entwickelt werden, die auch für
     andere Anwendungsgebiete von Nutzen sein könnten (supraleitende Magneten,
     Radiosender im Höchstfrequenzbereich, intensive Teilchenstrahler,
     Vakuumtechnik, etc.). Wobei die Resultate dieser Forschungstätigkeiten
     wissenschaftlich als eher gering eingestuft werden.

     Dadurch, dass die Fusionsprogramme ausschließlich institutionell koordinierte
     Großprojekte sind, sind die Bau-, Planungs- und Anhörungsphasen so lang, dass
     die angewandten Techniken, nach Beendigung eines Programms wieder überholt
     sind.

                                  ökonomischer Aspekt

     Zur Zeit werden in Amerika, Asien und Europa jährlich etwa zwei bis drei Mrd.
     DM für funktionsfähige Fusionsreaktoren ausgegeben. Von der Kommission der EG
     wurde das nächste europäische Fünf-Jahres-Programm mit Aufwendungen von
     insgesamt 1,5 Mrd. Rechnungseinheiten (das entspricht etwa 4 Mrd. DM)
     vorgeschlagen.

     Nach heutiger Absicht werden nur die Flagschiffe des amerikanischen und des
     europäischen Forschungsprogramms, nämlich TFTR und JET, bereits Tritium
     verbrennen und damit Eigenschaften eines echten Fusionsfeuers demonstrieren.
     Die Radioaktivierung ihrer Bauteile erfordert Abschirmungen und die Anwendung
     fernbedienter Spezialwerkzeuge für Reparaturen und zur Manipulation von
     Komponenten. Die INTOR-Studie (INTOR = International Tokamak Reactor), die von
     Europa, Japan, UdSSR und USA gemeinsam ausgearbeitet wurde, geht über TFTR und
     JET noch hinaus und ist Symbol für die ersten Gehversuche auf dem Weg zu einem
     wirklichen Reaktor. Die letzte Entwicklungsstufe vor der kommerziellen Nutzung
     wäre die Demonstration eines ökonomischen Systems; diese liegt noch gut 30
     Jahre vor uns. Ein nennenswerter energiewirtschaftlicher Beitrag der
     Kernfusion ist wohl erst in 50 Jahren zu erwarten.

     Deutschland finanzierte 1985 etwa 140 Millionen DM pro Jahr in eigene
     Fusionsprojekte und noch einmal 100 Millionen DM pro Jahr über die EG in das
     internationale Fusionsprogramm.

     Der Bau und 20 jährige Forschungsbetrieb von NET wird voraussichtlich fünf
     Milliarden ECU (1 ECU + 2,23DM, '85) kosten. Auf Deutschland fällt ein Anteil
     von fünf Milliarden DM (innerhalb von 20 Jahren).

     Vergleich:

     Ein Bau eines Leichtwasserreaktors kostet etwa fünf Milliarden DM.

     Um sicherzugehen, dass man für die Aufwendungen der Forschung auch den
     wirtschaftlichen Nutzen ziehen kann, wird vorgeschlagen, die
     Internationalisierung der Forschung auf einen Wirtschaftsraum zu
     konzentrieren.

     Einer Einschätzung der Wirtschaftlichkeit von Fusionsreaktoren ist nicht sehr
     einfach. Es existiert noch kein funktionsfähiger Reaktor, der eine fundierte
     Kosteneinschätzung ermöglichen würde. Dies ist nach derzeitiger Einschätzung
     nicht vor dem Jahr 2050 zu erwarten. Ein Vergleich der verschiedenen
     Kraftwerkstypen müsste sich auf diesen Zeitpunkt beziehen. Wie sich jedoch die
     Rohstoffpreise, Endlagerkosten und Steuern für die bisherigen Energieträger
     entwickeln werden, ist nur unsicher abzuschätzen.

     Nach derzeit gängigen Schätzungen würden die Anlagenkosten für einen
     Fusionsreaktor zwei bis dreimal höher sein als bei einem Spaltreaktor und
     wesentlich höher als bei einem Brutreaktor. Auch liegt die Verfügbarkeit der
     Fusionsreaktoren unter der von Spaltreaktoren, da Fusionsreaktoren häufiger
     gewartet werden müssen (Wandwechsel), wegen ihrer großen Komplexität
     störanfälliger sind und die Energieerzeugung in relativ kurzen Zyklen abläuft.

     Um gegenüber diesen Reaktoren wirtschaftlich konkurrieren zu können, muss ein
     Fusionsreaktor also niedrigere Brennstoffkosten, höhere Zuverlässigkeit,
     höhere Sicherheit und geringere Endlagerkosten aufweisen. Dies bedeutet, dass
     u.a. das Problem der geringen Wandlebensdauer gelöst werden muss.

     Es ist jedoch nach wie vor nicht sicher, ob die Forschung schließlich einen
     funktionsfähigen Reaktor erbringen wird. Zwar ist eine Erweiterung des
     Fusionsprogramms auf andere Reaktortypen nur mit einer geringen
     Budget-Steigerung möglich, da sich die Forschungsergebnisse weitgehend
     transformieren lassen, jedoch stellt sich die Frage, ob die Fusionsforschung
     neben ihrem eigentlichen Ziel noch weitere Erkenntnisse von solcher Bedeutung
     erbringt, dass sie die hohen Forschungsgelder rechtfertigt. Die
     Fusionsforschung erbringt neue Erfahrungen und Ergebnisse im bereich
     Mikrowellen-, Vakuum- und Magnetbautechnik, jedoch ist die Bedeutung, die
     diesen Erkenntnissen beigemessen wird, eher gering. Sie würden bestenfalls den
     beteiligten Firmen Marktvorteile gegenüber Konkurrenten einräumen, was
     hinsichtlich der starken japanischen und amerikanischen Industrie bedeutsam
     sein kann. Nebenprodukte der Forschung, wie sie sich zum Beispiel in der
     "Teflonpfanne der Weltraumforschung" finden, sind bei der Kernfusionsforschung
     nicht zu erwarten. Spin-off-Effekte sind wegen des eng begrenzten
     Aufgabenfeldes nicht zu erwarten.

     In Anbetracht der bekannten Probleme und der langen Bauzeiten, bedingt durch
     die große Komplexität der Fusionsreaktoren, ist nicht vor 2050 damit zu
     rechnen, dass Fusionskraftwerke nennenswert zur Energieversorgung beitragen,
     und auch danach wird der Anteil nur langsam steigen und nicht über den, der
     heute von Spaltreaktoren erbracht wird, hinausgehen. Dies liegt auch darin
     begründet, dass Fusionsreaktoren wegen der hohen Anlaufzeiten und der geringen
     Verfügbarkeit nur als Grundlastkraftwerke geeignet sind.

     Eine Möglichkeit, die Wirtschaftlichkeit der Fusionskraftwerke enorm zu
     steigern, ergibt sich aus der Brutfähigkeit der Reaktoren. Pro Energieeinheit
     erzeugen Fusionsreaktoren zehnmal mehr Neutronen als Spaltreaktoren, die zudem
     noch energiereicher sind. Einbringen von uran- oder thoriumhaltigen
     Materialien in die Reaktionskammer würde eine Erbrütung spaltbaren Materials
     ermöglichen. Mit dem so erbrüteten spaltbaren Materialien ließen sich zehn
     Spaltreaktoren gleicher Leistung betreiben, bei hoch konvertierenden Reaktoren
     (Brutreaktoren) sogar 40 - 60. Man geht sogar soweit, dass sich die
     Fusionsreaktion zum Erbrüten von Material lohnen würde, selbst wenn der
     Fusionsreaktor nicht zur Energieproduktion direkt benutzt werden würde, ja
     selbst, wenn der Reaktor nicht selbst erhaltend thermonuklear brennen würde,
     also getrieben werden müsste.

     Einen ökonomischen Faktor stellt die Förderung der Forschung dar. Die
     bereitgestellten Mittel fließen über die Forschungszentren an die Industrie,
     welche die Teile für Reaktoren, Versuchsanordnungen etc. produziert. Dies
     stellt einen wirtschaftlichen Faktor dar, der sogar zu Überlegungen führt,
     Länder, in denen die Reaktoren gebaut werden, verstärkt zur Finanzierung des
     gemeinsamen Forschungsprojektes heranzuziehen.

     In den USA wird ein erheblich größerer Teil der Forschungsunterstützungen von
     der Industrie aufgebracht. Insgesamt fördern die USA die Fusionsforschung mit
     über 500 Mio. US-$ jährlich. Japan hat ein sehr ehrgeiziges
     Fusionsforschungsprogramm und fördert dies jährlich mit einem Etat, der dem
     gesamteuropäischen gleichkommt. Hier werden ebenfalls nennenswerte Beiträge
     von der Industrie geleistet. Dies liegt jedoch auch an der zum Teil engen
     Verknüpfung von Industrie und Universitäten. Den zeitlichen Verlauf der
     Förderprogramme kann man der Abbildung 1 entnehmen.

                                  ökologischer Aspekt

     Ein Beweggrund für die Suche nach neuen Energiequellen ist die Reduzierung des
     CO2-Ausstosses, da dieses Gas erheblich zum Treibhauseffekt beiträgt. Hier
     jedoch liegen die Chancen für einen Fusionsreaktor, zu dieser Problematik
     positiv beizutragen, nicht sehr gut. Zum einen liegt der Anteil der gesamten
     Energieproduktion am CO2-Ausstoss bei ca. 20%, zum anderen wird der
     Fusionsreaktor nicht als Ersatz für Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen
     angesehen, sondern als weitere nukleare Option. Dies liegt in der technischen
     Natur des Fusionsreaktors begründet, in seiner niedrigen Verfügbarkeitszeit
     und langen Anlaufzeit. Nicht zuletzt ist mit Fusionsreaktoren derzeit nicht
     vor 2050 zu rechnen, so dass bereits vorher Wege zur Verminderung des
     Treibhauseffektes gefunden werden müssen. Auch für einen Einsatz in
     Entwicklungsländern, wo der Bedarf an Energieversorgung in nächster Zeit stark
     steigen wird, ist der Fusionsreaktor wegen der Komplexität, der späten
     Verfügbarkeit und den hohen Kosten eher ungeeignet. Studien, welche den
     Vorteil der Fusionsreaktoren gegenüber den Spaltreaktoren hinsichtlich des
     CO2-Ausstosses bei Förderung und Produktion der Brennstoffe und Materialien
     untersuchen, liegen leider nicht vor.

     Fusionsreaktoren benötigen zum Erreichen der Fusionsparameter bei derzeitiger
     Technik giftiges Beryllium. Die Handhabung und Verarbeitung ist durchführbar,
     wie JET beweist. Inwieweit jedoch das Beryllium während des Reaktorbetriebes
     nach außen gelangt, ist nicht bekannt.

     An radioaktiven Materialien sind Tritium und durch Neutronenbeschuss
     aktivierte Reaktormaterialien zu beachten. Die Eigenschaften des Tritiums sind
     weitgehend erforscht. So liegen für das Tritiuminventar umfangreiche
     Gefahrenstudien vor. Problematisch ist die Handhabung des Tritiums dadurch,
     dass dieses Gas durch nahezu alle Materialien diffundiert, ganz besonders aber
     durch die stark erwärmten Reaktorwände. Technische Lösungen hinsichtlich der
     Gebäudeabdichtung sind teilweise vorhanden. Ein wichtiger und kaum
     beherrschbarer Austrittspunkt für Tritium ist jedoch das Kühlsystem, da sich
     einmal in das Kühlmittel gelangtes Tritium nicht wieder entfernen lässt.

     Hinsichtlich der Strukturmaterialien des Reaktors sind Vorhersagen und
     Risikoabschätzungen wesentlich schwerer aufzustellen, da noch kein endgültiges
     Reaktorkonzept vorliegt. Die Reaktorwand wird durch Neutronenbeschuss
     aktiviert und muss regelmäßig ausgewechselt werden, da der Neutronenbeschuss
     auch zur Materialermüdung führt, unterstützt durch die extremen Bedingungen,
     denen das Material ausgesetzt ist. So wurde zum Beispiel bei der ersten
     erfolgreichen Fusionsreaktion im JET 1992 bei einem Tritiumanteil von 14% und 2
     Sekunden Brennintervall die Reaktorwand so stark aktiviert, dass ein Betreten
     erst nach mehreren Wochen wieder möglich war. Die Reaktorwand muss als
     radioaktiver Müll gelagert werden, so dass sich auch hier ein
     Entsorgungsproblem ergibt. Nach derzeitigen Einschätzungen wird die während
     des Reaktorbetriebes anfallende Abfallmenge sehr groß sein, größer als die
     eines Spaltreaktors. Jedoch ist der Abfall anders geartet als bei
     Spaltreaktoren. Je nachdem, welche Materialien schließlich gewählt werden,
     kann die Halbwertszeit des Mülls verhältnismäßig gering sein. Bei Verwendung
     von Titan und Vanadium ließe sie sich so reduzieren, dass nach 30 - 50 Jahren
     eine Wiederverwendung der Materialien oder gar des Mantels möglich wäre.

     Dieser Vorteil wird jedoch deutlich geschwächt, wenn man beachtet, dass nach
     derzeitigem Kenntnisstand ein Wandwechsel wohl alle zwei Jahre erforderlich
     wäre, so dass trotz allem erhebliche Lagerkapazitäten erforderlich wären und
     die Menge des radioaktiven Materials groß wäre. Hinsichtlich des
     Gefahrenpotentials des Abfalls existieren noch keine detaillierten Studien.

     Auch Störfallstudien gestalten sich noch schwierig, da noch keine endgültigen
     Daten für einen Reaktor vorliegen. Gefahrenpotential bergen die starken
     Magnetfelder und die in ihnen gespeicherte Energie. Ein plötzliches
     Zusammenbrechen der Magnetfelder würde zu einer mechanischen Zerstörung des
     Reaktors führen. Bei der derzeit geplanten Bauweise des Reaktorgebäudes
     (Containment) mit mindestens 2,5 m dicken Wänden (auch zur
     Strahlungsabschirmung) würde dies jedoch nicht zu einer Beschädigung desselben
     führen und somit wäre ein Austritt des Radioaktiven Inventars
     unwahrscheinlich. Ein Durchgehen der Fusionsreaktion (Leistungsexkursion), wie
     sie bei Spaltreaktoren möglich ist, wäre bei Fusionsreaktoren ausgeschlossen,
     da bereits geringe Verunreinigungen des Plasmas zum Erliegen der Reaktion
     führen. Kleinere Störfälle, wie z.B. ein Leck im Reaktorgefäß, hätten
     vergleichbare Folgen wie bei einem Spaltreaktor. Das Austreten radioaktiven
     Materials innerhalb des Containments wäre durchaus möglich. Ein Austritt
     radioaktiven oder toxischen Materials außerhalb des Reaktorgebäudes und damit
     eine Gefährdung der Umwelt durch innere Einflüsse ist also nahezu
     ausgeschlossen, nicht jedoch bei äußeren Einflüssen, die zur Zerstörung des
     Containments führen würden. Des weiteren ist anzunehmen, dass im normalen
     Betrieb die radiologischen Belastungen nicht niedriger als die eines
     Spaltreaktors ausfallen werden.

     Sehr bemerkenswert ist, dass Risikostudien nahezu überhaupt nicht durchgeführt
     werden. Lediglich für Tritium wurden umfangreiche Studien angefertigt, wobei
     dies auch von großem Interesse hinsichtlich der Tritiumhandhabung im
     militärischen Bereich und in Spaltreaktoren ist. Selbst für JET wurden keine
     umfangreichen Studien angefertigt, welche sich mit den Möglichen Auswirkungen
     eines Störfalles beschäftigen. Erst Ende der 80er Jahre wurde an einem
     verkleinerten Modell eines Fusionsreaktors Störfallforschung betrieben. Die an
     diesem Testreaktor TESPE gesammelten Erkenntnisse ergaben eine weitgehende
     Beherrschbarkeit der möglichen Störfälle, jedoch ist wie bei den meisten
     Ergebnissen der Fusionsforschung eine Übertragung (Skalierung) auf größere
     Reaktoren nur begrenzt oder mit Faustregeln möglich. Der Nutzen dieser Studien
     ist also begrenzt. Allgemein wird darauf verwiesen, dass sich in großem
     Umfange den Risikostudien erst zugewandt wird, wenn die plasmaphysikalischen
     Probleme als lösbar gelten.

                                         TESPE:

     Der Kompakttorus TESPE steht in Karlsruhe, seine Aufgabe ist es Störfälle zu
     simulieren und mögliche Schwachpunkte in der Konstruktion des Torus
     aufzudecken. Er ist der erste seiner Art. TESPE ist ein verkleinertes Modell
     der Magnetkonfiguration künftiger Großanlagen. Die bisher untersuchten
     Störungen waren sowohl in ihren elektrischen wie in den thermischen und
     mechanischen Konsequenzen sicher beherrschbar. Das Experimentierprogramm an
     TESPE soll 1988 abgeschlossen werden. (Spektrum der Wissenschaft Juni 1987)

                                    Sozialer Aspekt

     Aus den Gesprächen mit zahlreichen Experten aus den Deutschen Plasmainstituten
     gab es folgende Aussagen zu dem Sozialen Aspekt.

                           Auf der Seite der Wissenschaftler

     In Fachkreisen wird diskutiert, ob die Öffentlichkeit überhaupt legitimiert ist
     informiert zu werden. Die Argumentation hierbei ist, dass die Öffentlichkeit
     aufgrund ihres mangelnden Wissens nicht in der Lage ist (wie auch das
     Parlament), die Problematik, die den Entscheidungen zugrunde liegt, zu
     durchschauen. Es wird bezweifelt, dass die in Erscheinung tretende Minderheit
     repräsentativ für die Öffentlichkeit ist. Die Inhalte der Äußerungen dieser
     Minderheit seien von anderen Prozessen gesteuert, die mit der tatsächliche
     Meinung der Gesellschaft wenig zu tun haben. "Meiner Meinung nach muss die
     Bevölkerung die wesentlichen Entscheidungen der Wissenschaft selbst
     überlassen." (Wissenschaftlicher Direktor de IPP) . Als limitierender Faktor
     ist hier das fehlende Vertrauen der Bevölkerung zur Wissenschaft zu sehen.

     Nach Meinung der Experten gibt es im Moment genügend Techniker und
     Wissenschaftler auf den relevanten Gebieten für die Kernfusionsforschung. Man
     sieht aber eine große Gefahr falls die Geldmittel gekürzt werden, weil dann
     der Anreiz, in die Plasmaphysik einzusteigen, immer geringer wird, was einen
     Basisverlust bedeuten kann. Ebenso führt eine in ihrer Intensität abnehmende
     Forschung insbesondere im Bereich der Hochschulen zu einer sinkenden Zahl von
     Quereinsteigern. Da aber auch in näherer Zukunft kein erhöhter Personalbedarf
     von Nöten sein wird, da eine Verkürzung der Entwicklungszeit durch eine
     größere Mitarbeiterzahl für unwahrscheinlich gehalten wird, gibt es kein
     Interesse an einer Aufstockung des Budgets. In einer denkbaren Auflösung der
     Arbeitsgruppen in den Großforschungseinrichtungen und deren vollständigen
     Einbindung in europäische bzw. internationale Großprojekte wird eine große
     Gefahr für die Kontinuität der Forschung erkannt: Die Projektanbindung kann zu
     einem fast vollständigen Informationsverlust insbesondere bei einem
     Generationswechsel führen.

     Ein weiteres Problem, das von den Experten genannt wurde, ist das es zu wenig
     Anreizmechanismen in den Forschungseinrichtungen gibt. Außerdem die starre
     Besoldungsstruktur nach den Beamtentarifen wird als veraltet betrachtet.
     Außerdem ist die unentschlossene Haltung der Bundesregierung bemängelt
     worden. Aus Sicht der Experten hat man noch nicht die Notwendigkeit der
     kontrollierten Fusion verstanden. Führende Mitarbeiter in den
     Forschungseinrichtungen fühlen sich immer mehr als "Kürzungsverwalter".

     Änderungen der Rahmenbedingungen scheinen dringend erforderlich: Neben einer
     flexibleren Handhabung des Beamtentarifs wird auch eine Angleichung des
     wirtschaftlichen Vorsprungs ausländischer Gastwissenschaftler bei einer
     länderübergreifenden Kooperation gefordert, um sozialen Frieden zu bewahren.
     Wichtiger erscheint jedoch eine stärkere Motivation der Mitarbeiter durch
     politische Willensbildung und eine Verbesserung von Organisationsstruktur und
     Management.

     Ein Dilemma für die Fusionsforscher besteht vor allem darin, dass sie nur
     ungern auf mögliche Vorteile von Fusionsreaktoren z.B. gegenüber
     Spaltreaktoren hinsichtlich Sicherheits- bzw. Umweltfragen hinweisen. Nach der
     Ansicht der Experten verschlechtert dies nur das (ohnehin geringe) Ansehen
     konventioneller Kerntechnik.

     über die Bewilligung von Forschungsgeldern haben die Forschungsministerien der
     Nationen zu entscheiden. Da hier jedoch selten in der jeweiligen Fachsparte
     kompetente Leute arbeiten, benötigen diese den Rat von Experten. Diese
     rekrutieren sich jedoch wegen des enormen Umfanges und hohen Anteils am
     Gesamtprogramm aus den geförderten Bereichen des Fusionsprogramms, dem
     magnetischen Einschluss. Diese Forscher stehen unter einem gewissen
     Erfolgsdruck. In ihr Projekt, dem sie die Durchführbarkeit vorhersagten, sind
     gewaltige Gelder geflossen. Einzugestehen, dass Fehler gemacht wurden oder man
     sich gar auf einem toten Gleis der Forschung befindet, ist mit der Gefahr des
     Zusammenstreichens des Etats seitens der Ministerien verbunden und auch mit
     einem gewissen psychologischen Druck. Die Wissenschaftler, die die Projekte im
     Auftrage des BMFT begutachten, werden aus Loyalitätsgründen eher für ihre
     Kollegen urteilen. Insofern werden die Experten anderen Projekten, mögen sie
     auch ebenfalls Hoffnungen in sich bergen, keine Chancen geben indem sie zur
     Förderung raten, würde dies doch bedeuten, dass an ihrem Etat Abstriche fällig
     wären, da die Forschungsprogramme in ihrem Gesamtumfang begrenzt sind.

     ähnliche Mechanismen erschweren es den Forschern der nicht geförderten
     Projekte, in namhaften Zeitschriften Artikel zu veröffentlichen. Die
     Redaktionen bedienen sich kompetenter Experten, um zu verhindern, dass
     unseriöse oder für den Fachmann offensichtlich lächerliche Artikel zur
     Veröffentlichung gelangen. Auch hier stammen die Experten meistens aus den
     geförderten Projekten, und auch hier haben sie kein Interesse daran, eine
     Stimmung gegen ihre Projekte entstehen zu lassen.

                             Auf der Seite der Bevölkerung

     Die "Öffentlichkeit" hat Einfluss auf die Forschung über die Institutionen des
     Staates und den damit verbundenen Haushaltsmitteln. Das das große Misstrauen
     der Bevölkerung gegenüber den Kerntechnologien wirkt sich auf die politische
     Förderung und eindeutige Stellungsnahme hemmenden aus.

     In den siebziger Jahren wurde vor dem Hintergrund der Ölkrise die Kernfusion
     als DIE Lösung der Energieprobleme in der Zukunft präsentiert.

     Militärische Interessen und Forschungen werden als zivile Energieprojekte
     vorgestellt.

     Der Standpunkt der Gesellschaft bezüglich der Akzeptanz der Fusionstechnologie
     ist nicht eindeutig bekannt und wird als Unsicherheit bei der Entwicklung des
     Reaktors angesehen. Dies lässt sich auf den geringen Informationsstand der
     Bevölkerung und das prinzipielle Misstrauen gegen Kernenergieanlagen
     zurückführen.

     Ein deutliches Akzeptanzproblem wird von allen Beteiligten erwartet. Das
     Problem der radioaktiven Freisetzung im Normalbetrieb und den Fragen der
     Endlagerung der radioaktiven Abfälle führt ohne Zweifel zu den selben
     Akzeptanzproblemen wie bei der Kernspaltung, auch wenn die Halbwertszeiten
     deutlich geringer sind und ein geringeres Gefährdungspotential der Reaktoren
     zu Grunde liegt. Man scheut aber gerade den Vergleich mit
     Kernspaltungsreaktoren, denn man wird Kernkraftgegner generell nicht von
     Kernenergie überzeugen können, da es immer ein Restrisiko geben wird. Dadurch
     werden auch wieder langwierige Genehmigungsverfahren von Nöten sein und können
     u. a. auch einen deutschen Standort für ITER gefährden. Wären Fusionsreaktoren
     heute verfügbar, wäre ihr Einsatz ähnlich dem von Brutreaktoren nachhaltig
     gefährdet.

     Für die Zukunft wird eine deutlich Verstärkung der Kritik an der Kernfusion
     erwartet. Deswegen sollte man gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der
     Akzeptanz durchführen.

     Grösstenteils wird die Auffassung vertreten, dass Akzeptanz keine Konstante
     der Geschichte ist. Zu diesem Thema gibt es einen interessanten Artikel von
     Cesare Marchetti "Die Lebenskurve von Energiequellen lässt sich berechnen"
     Cesare Marchetti vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse
     (IIASA) behauptet, dass die Kernenergie sich noch ein Jahrhundert
     weiterentwickeln wird und dann erst von neuen Energieträgern abgelöst wird.

     Er vergleicht die Skepsis gegenüber der Kernfusion mit der gegenüber der
     Einführung der Eisenbahn, des Autos oder der Elektrizität. Er sagt weiter:
     "Sie gleichen oft bis in Details den Reaktionen auf die Kernenergie, so dass
     ein grundlegender Verhaltens-Mechanismus erkennbar wird. Als Ergebnis seiner
     Untersuchungen kommt er zu dem Schluss: Die Kernenergie wird erst nach dem
     Jahre 2100 allmählich einer neuen Primärenergieart weichen. Als Grundlage für
     seine exakten Aussagen benutzt er die Volterra-Lotka-Gleichungen mit denen man
     die Marktanteile der einzelnen Energieträger berechnen kann. Die Gleichungen
     wurden 1920 für die Biologie aufgestellt. Die tatsächlichen Kurven weichen nie
     mehr als 2 % Von den theoretischen Kurven ab. Diese Aussagen bedeuten, dass
     man die Lebenskurve einer Energie-Technologie errechnen kann, wenn man den
     Zeitpunkt ihrer ersten wirtschaftlichen Nutzung und die Daten bis zu einem
     Marktanteil von 2 bis 3 % kennt. Daraus ergibt sich der Zeitraum bis zum
     maximalen Marktanteil (Sättigung) dieser Technologie, dessen Höhe im
     Verhältnis zum Gesamtenergieverbrauch und der Zeitpunkt, wann diese
     Technologie wieder belanglos werden wird. Nach den Berechnungen für
     Energiequellen erwartet man um das Jahr 2025 eine neue Energiequelle und das
     wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Kernfusion sein. Philosophen mögen den
     Schluss ziehen, dass technologische Innovationen immer den gleichen
     Entwicklungsgang nehmen, weil sich Befürworter und Gegner mit ihren Argumenten
     die Waage halten: Aus den nüchternen Daten lassen sich derartige
     nachgeschobene Begründungen für das vorsichtige Verhalten des
     sozioökonomischen Systems nicht belegen."

                                     Unser Eindruck

     Es ist durchaus möglich, dass sehr hoffnungsvolle Projekte nicht zu einer
     Realisierung gelangen, selbst wenn sie so offensichtliche Vorteile haben
     könnten wie MIGMA sie verspricht. Auf dieses Projekt bzw. das ihm
     zugrunde liegende physikalische Prinzip und Konzept angesprochen, reagierte das
     Bundesforschungsministerium (BMFT) irritiert: Man kenne dieses Vorhaben nicht.

     Es wird weiter verwiesen an die Forschungsstellen, an denen Fusionsforschung
     betrieben wird, allerdings hauptsächlich nach dem Verfahren des magnetischen
     Einschlusses. Die Reaktion der dortigen Professoren ist deutlich ablehnend und
     abwertend. Zunächst wird versucht, die Kompetenz des Institutes unter Beweis
     zu stellen, indem der hohe Anteil der Kernfusion am Institutsetat
     hervorgehoben wird und die Tatsache, dass man viel auf Reisen sei, um sich mit
     anderen Wissenschaftlern zu beraten. Schließlich werden einige technische
     Probleme angeführt, die dem MIGMA-Projekt angelastet werden. Es wird einfach
     als Zukunftsmusik abgetan, zwar wünschenswert wegen seiner Vorteile, jedoch
     erst in einigen hundert Jahren vielleicht möglich. Am Ende wird jedoch
     erwähnt, dass man sich mit diesem Projekt nur am Rande beschäftigt hat und
     daher nicht weitere Details kennt.

                                   Politischer Aspekt

     Motiviert wird die immense Forschung an der Fusionstechnik hauptsächlich durch
     den benötigten, zukünftigen Energiebedarf und dem riesigen Energiepotential,
     das durch die Fusion erhofft wird. Ziel der Forschung ist hier die
     Konstruktion einer Energiequelle. Die Grundlagenforschung der Plasmaphysik ist
     ein Nebenprodukt, und wäre als allein stehendes Projekt mit den entstehenden
     Kosten nicht zu rechtfertigen.

     Durch diese hohen Forschungskosten steht das Projekt unter extremen
     Erfolgsdruck. Sollte sich eine wirtschaftliche Energiegewinnung durch den
     Fusionsreaktor als nicht möglich herausstellen, stünden Wissenschaftler und
     Forschung unter heftiger, öffentlicher Kritik. Es wird ein Einbruch in dem
     Vertrauensverhältnis zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit befürchtet.

     Daraus resultiert eine recht starre Politik bezüglich der Fusionskonzepte, an
     denen gearbeitet wird.

     Die öffentliche Politik bezieht keine klare Stellung zwischen Für und Gegen
     der Kernfusion. Auch dies wirkt sich auf den Erfolgsdruck aus, da es die
     Perspektive der Forschung für die Zukunft im Dunkeln lässt. Von den
     Wissenschaftlern wird deshalb eine klarere Stellungsnahme der Politiker und
     Maßnahmen zur Verbesserung der Akzeptanz der Kern- und Fusionstechnik in der
     Öffentlichkeit gewünscht.

     Die gemeinsame europäische Forschung und die großen Erfolge am JET-Projekt
     haben einen technologischen Vorsprung gegenüber den Programmen in der
     restlichen Welt entstehen lassen. Die Zusammenarbeit und
     Forschungskoordination in Europa wird als positiv bezeichnet.

     Hingegen ist die Meinung bezüglich einer weltweiten Zusammenarbeit (ITER)
     nicht so einheitlich. Als Probleme werden angesehen die soziale Unruhe
     aufgrund unterschiedlicher Entwicklungsniveaus weltweit, Einfluss der
     allgemeinen politischen Gegebenheiten zwischen den
     Ländern/Entwicklungsgemeinschaften. Es wird befürchtet, dass die untechnische
     Politik sich zu sehr auf die technologische (z.B. Standortbestimmung des
     ITER-Reaktors) auswirkt. Standortdiskussionen führten schon beim JET zu
     zweijähriger Verzögerung des Baues. Beim ITER-Projekt bemüht man sich aus
     diplomatischen Gründen wichtige Positionen international ausgeglichen zu
     besetzen. Dies war schon innerhalb von neun Monaten möglich. Was die
     Entschlossenheit der beteiligten Kartoffelbauern entschieden demonstriert.

     ITER wäre das erste weltweite, technische Gemeinschaftsprojekt. Es wird
     deshalb auch ein Experiment der Koordination und Diplomatie sein.

     Die Fusionstechnik wurde erstmals vom Militär zur Entwicklung der
     Wasserstoffbombe intensiver untersucht. Ein kontinuierliches Interesse und
     Unterstützung des Militärs ist damit verbunden geblieben. Besonders deutlich
     wird dies in der Induzierten Kernfusion, bei der eine Nutzung für zivile
     Energiegewinnung als sehr unwahrscheinlich gilt. Ein höherer Pentagonbeamter
     habe sogar behauptet, dass die Laser-Induzierte Kernfusion der Öffentlichkeit
     nur als ziviles Projekt vorgestellt wurde, um die finanziellen Ausgaben und
     Forschungen zu legitimieren, es sich dabei aber ausschließlich um ein
     Militärisches Projekt handelt . Für das Militär sind hauptsächlich die
     Abfallprodukte der Forschung (z.B. Hochenergielaser), Prestigegewinn (höheres
     Ansehen bei Wissenschaftlern durch uneigennützige Unterstützung) und die
     Abfallprodukte der Energiegewinnung (spaltbares Material, Tritium für die
     Waffenproduktion) interessant. Ein Tokamak-Experiment wird als eher
     uninteressant betrachtet. Daher ist ein weltweites Forschungsprogramm
     überhaupt möglich.

                            Aktuelle Fragestellungen der TA

     Auf allgemeine Kritik unter den Wissenschaftlern stößt der fehlende
     öffentliche und politische Rückhalt der Forschungsarbeiten. Verantwortlich
     dafür sind Akzeptanzprobleme mit der Kernenergiekonzepten. Es wird eine
     Willensbildung gefordert, die eine klare Perspektive in förderpolitischen
     Fragestellungen aufzeigt.

     Als empfohlene TA-relevante Fragestellungen zur Förderung der politischen
     Willensbildung gelten :


       * Abschätzung der Entwicklung der Stromerzeugungskosten aller Energieträger
         bei Berücksichtigung von Umweltkosten wie CO2-Steuer, Endlagerkosten etc.,

       * umfassende Bestimmung der radiologischen Belastung für Lebewesen aus einem
         Endlager heraus (Berücksichtigung des Unterschiedes von Spalt- und
         Fusionreaktoren),

       * Vergleich des Gefährdungspotentials einschließlich aller Aspekte (von der
         Rohstoffgewinnung bis zur Stromerzeugung) für alle Energieträger

       * Analyse der toxischen Belastungen durch die Bearbeitung und den Einsatz
         von bestimmten Materialien, z.B. Beryllium, im Fusionsreaktor,

       * Einfluss der Komplexität auf die Anlagenzuverlässigkeit (wichtig auch für
         die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung),

       * zukünftige Entwicklung der Stromnetze, Bedarfsanteile von zentraler und
         dezentraler Stromversorgung und zukünftiger Anteil von Brut- und
         Spaltreaktoren an der Energieerzeugung.

     Weitere Punkte könnten sein:

       * Prüfung der derzeitigen institutionellen Förderung der
         Großforschungsprojekte, besonders in Hinblick auf das zu erwartende
         weltweite Forschungsprogramm (ITER).

       * Analyse der öffentlichen Meinung zur sozialen und ökologischen
         Verträglichkeit des Fusionsforschung/-Reaktors.

                                     Eigene Meinung

                                          Dirk

     Ich denke, die Gefahr, dass in diesen Verstrickungen ein gutes Projekt
     untergeht, sind leider sehr groß. Zwar fehlt mir der technische Hintergrund,
     um zu einer Beurteilung des MIGMA Projektes zu gelangen, jedoch halte ich es
     nicht für ausgeschlossen, dass bei ausreichender Förderung die technischen
     Probleme von MIGMA lösbar wären, so wie es die Probleme des magnetischen
     Einschlusses bisher auch waren.

                                          Jörn

     Bei unseren Nachforschungen haben ich bemerkt, dass die Öffentlichkeit erstens
     sehr schlecht informiert wird ,zweitens ist die Berichterstattung in den
     Zeitungen sehr einseitig, da für die Informationen fast immer nur Autoren
     ausgesucht wurden, die in irgendeiner Beruflichen Abhängigkeit von der
     Kernfusion stehen.

     Ein weiterer Punkt, der mir auffiel, war, dass es keine genaue Stellungnahme
     von irgendeiner Seite gibt zu dem Punkt warum man ausgerechnet den Tokamak mit
     einem so großen Aufwand bevorzugt. Auffällig ist das bei dem Tokamak
     spaltbares Material erbrütet werden kann, was den Schluss zulassen kann, dass
     ein militärisches Interesse daran besteht. Denn warum wird ein Projekt wie
     MIGMA nicht mit den gleichen Mitteln gefördert wie das Tokamak Konzept? (Bei
     Migma gibt es die Möglichkeit kein spaltbares Material zu erbrüten.) Ein
     großes Problem aus meiner Sicht ist auch, dass man sich erst in einem sehr
     späten Stadium der Forschung Gedanken über die Sicherheit gemacht hat. Ein
     Beispiel ist TESPE, der einzige Forschungsreaktor zur Abschätzung von
     Störfällen. Das TESPE-Programm wurde erst 1988 abgeschlossen, aber die
     Inbetriebnahme von Kernfusionsreaktoren begann schon 1983 (JET). Bei dem
     nächsten Projekt ist es genauso es ist nicht absehbar welche Störfälle beim
     Betrieb von ITER/NET auftreten können.

     Während der Arbeit an diesem Referat hat sich meine eigene Meinung etwas
     gewandelt. Im Vorfeld war ich ein strikter Befürworter der Kernfusion, da mit
     der zugrunde liegenden Idee, Energie in fast unbegrenzter Menge herstellbar
     ist. Jetzt bin ich aber sehr unentschlossen, denn mit den Ergebnissen aus
     unserem Referat lässt sich nicht voraussagen ob die Kernfusion in absehbarer
     Zeit eine neue Primärenergiequelle werden kann oder nicht . Auch der
     "Teufelskreis" Politik-Forscher-Wirtschaft spielt hier wie beim schnellen
     Brüter eine extrem gefährliche Rolle. Aus meiner Sicht wäre es Wünschenswert,
     wenn man unabhängige Forscher, die vom Staat gut bezahlt werden, einsetzt um
     eine TA - Studie über die Kernfusion anzufertigen. Bei diesen Forschern wäre
     eine Objektivität wahrscheinlicher, denn man wird sonst nie erleben wie solche
     Projekte wie die Kernfusion in einem frühen Stadium abgesetzt werden. Es ist
     erschreckend das es keine Motivation beim BMFT gibt um eine TA - Studie zu
     erstellen.

                                         Hauke

     Die Idee der Kernfusion und die Energiegewinnung mit ihrer Hilfe ist sehr
     viel versprechend, so aufwendig sie auch sein mag. Ihre Brennstoffe sind quasi
     unbegrenzt vorhanden, und bei geeigneter Wahl der Fusionspartner ließe sie
     sich sogar ohne Strahlung, ohne radioaktiven Abfall durchführen, wenn man
     theoretischen Überlegungen Glauben schenken kann. Die Erforschung der Fusion
     mit Hilfe des Tokamaks und vielleicht in kommenden Jahren mit dem Stellerator
     will mir jedoch nur wenig Hoffnung geben, dass eine Fusionsreaktion je großen
     Anteil an der Energieversorgung haben wird, ja ich zweifle sogar, ob dies
     überhaupt wünschenswert ist. Für die Reaktion mit magnetischem Einschluss
     kommt nach derzeitigen Erkenntnissen nur die Deuterium-Tritium-Reaktion in
     Frage, welche jedoch mit erheblicher radioaktiver Kontaminierung von vielen
     Materialien einhergeht. Dazu kommt, dass diese Reaktion ähnlich wie
     Spaltreaktoren ein großes Gefahrenpotential bergen, während sie in Betrieb
     sind. Auch die möglicherweise kurzen Halbwertszeiten vermögen mich nicht zu
     beruhigen. Es erscheint mir auch sehr störend, dass ein Fusionsreaktor zum
     Anfahren zunächst enorme Energiemengen konsumiert. Ein weiterer Punkt, der die
     Fusionsforschung auf der Basis der Deuterium-Tritium-Reaktion in ein schlechtes
     Licht rückt, ist die Verwandtschaft zur Wasserstoffbombe. Technologien die
     Tritiumhandhabung betreffend und die Möglichkeit, Atomwaffenfähiges Material
     zu erbrüten, bergen in meinen Augen die Gefahr einer militärischen Anwendung,
     auch durch Staaten, denen ich einen leichtfertigen Gebrauch solcher
     Technologien und Waffen zutrauen würde. Unter diesem Aspekt wäre sogar zu
     überlegen, ob nicht auf die Forschung am Tokamak vollständig verzichtet werden
     sollte, auch in Anbetracht der schlechten technischen Daten, sie die Praxis
     zeigt. Die bereits investierten Gelder sollten hier nicht als ein Zwang zum
     Weiterforschen benutzt werden. Forschung muss in der Lage sein, Niederlagen
     und falsche Wege einzugestehen!

     Für bedenklich halte ich auch jene Szenarios, welche den Neutronenbeschuss
     während der Deuterium-Tritium-Reaktion als wünschenswert zur Erbrütung
     spaltbaren Materials bezeichnen. Dies würde eine weitere Zuwendung zur
     Spaltreaktion bedeuten, deren Risiken und vor allem Langzeitfolgen durch
     Atommüll etc. ich für absolut unverantwortlich empfinde. Leider fehlt mir der
     technische Horizont, um zu einer fundierten Abschätzung zu gelangen, ob eine
     der sich anbietenden Alternativen Fusionsmethoden kalte Kernfusion und MIGMA
     ernsthafte Chancen für eine Energiegewinnung bieten, evtl. unter geringeren
     Risiken und mit höherer Wirtschaftlichkeit. Darf man den von beteiligten
     Forschern genannten Fakten Glauben schenken, so wäre zumindest MIGMA ein
     hoffnungsvoller Zweig, den sterben zu lassen mir unverantwortlich erscheint.

     Ist eine Forschung am Tokamak bzw. am magnetischen Einschluss in meinen Augen
     derzeit dringend zu überdenken, so halte ich es ebenso für dringend
     erforderlich, sich mit den anbietenden Technologien offen zu beschäftigen.
     Leider ist es wohl kaum möglich, die bestehenden Strukturen, die eine
     Förderung dieser alternativen Projekte blockieren, aufzubrechen.

                                      Schlusswort

     "Die Fusionsforschung ist in mancher Hinsicht einmalig: Noch nie setzte sich
     die Grundlagenforschung ein so konkretes Ziel wie einen Reaktor.

     Noch nie erforderte ein technisches Produkt so intensive Grundlagenforschung
     wie der Fusionsreaktor.

     Noch nie allerdings sollte ein technisches Produkt auch so fernab von allen
     alltäglichen, ja irdischen Maßstäben arbeiten."

     (bild der wissenschaft 7-1985, Seite 70 letzte Absätze)

                                Materialien und Quellen

                                 Verwendete Materialien


       * Bücher: Kontrollierte Kernfusion, Teubner Stuttgart 1981
       * Zeitschriften:
          * Atomwirtschaft Ausgaben: II'77, X'77, VII'78, VIII'78, X'78, XII'78,
            III'82, I'83, X'83, XI'83, I'86
          * Naturwissenschaften: 69'82, 71'84
          * Spektrum der Wissenschaft: 5'83, 9'87, 6'89, 1'92
          * Bild der Wissenschaft: 10'80, 7'85, 4'89, 6'89, 4'90, 11'90, 1'91
          * Wechselwirkung: 1'92, 2'92, 6'92

       * sonstige, fachspezifische Unterlagen:
          * VDI Technologiezentrum, Studie zur Kernfusion
          * European Research Center, Lexikon zur Kernenergie
          * W. Koelzer (KfK), Aufgaben, Tendenzen, Leistungen des KfK: '90, '91
            (KfK)
          * KfK Nachrichten: 4'89, 4'91 (KfK)

                                 Unterstüzende Personen

     Folgende Personen haben uns in unserer Materialsammlung unterstützt oder haben
     uns geduldig unsere offenen Fragen beantwortet.


       * Universität Bremen
     Professor J. Scheer
     Professor W. Müller

       * Bundesamt für Forschung und Technik (BMFT)
     Referat für Technikfolgenabschätzung:
     Dr. Frauendorf
     Dr. Hunger
     Referat für Kernfusionsforschung:
     Dr. von Grossek
     Dr. von Preuschen
     Referat für Grundlagenforschung:
     Dr. Plask

       * Kernforschungszentrum Karlsruhe (KFK)

       * Kernforschungsanlage Jülich (KFA)
     Dr. Eidens

       * Institur für Plasma-Physik (IPP)
     Prof. Maurer

                                      Fachbegriffe

     Blanket:
        das den Reaktor auskleidende Brutmaterial

     Brüten:
        Umwandlung von nicht spaltbaren in spaltbares Material z.B.: Uran-238 in
        Plutonium-239

     Brutmaterial:
        Radioaktives Material, das durch Neutronenbeschuss zu spaltbarem Material
        "gebrütet" werden soll.

     Deuterium:
        Wasserstoffisotop

     Deuteron:
        Deuteriumkern

     Einschluss:
        Unter dem Einschluss versteht man die Technik, mit der das aufgeheizte Gas
        (Plasma aus Wasserstoff - Isotopen) im Vakuum festgehalten wird, ohne mit
        den Reaktormantelmaterialien in Kontakt zu kommen.

     IPP:
        Institut für Plasma Physik in Garching (Unterabteilung des Max Planck
        Instituts)

     Isotope:
        Isotope sind Atome gleicher Stoffklasse, aber unterschiedlicher Kernmasse.

     ITER:
        International Tokamak Experimental

     JET:
        Joint European Torus (Europaisches Tokamak Projekt)

     KFA:
        Kernforschungsanlage Jülich

     KfK:
        Kernforschungszentrum Karlsruhe

     Kontamination:
        Unerwünschte Verunreinigung von Gegenständen durchradioaktive Stoffe

     Lawson-Kriterium:
        Ist die Beschreibung der Funktion aller idealisierten Parameter zur
        Kernfusion

     Myon:
        Myonen sind kurzlebige (Mtl. Lebensdauer 2ms) Elementarteilchen. Sie können
        positiv oder negativ geladen sein, haben ähnliche Eigenschaften wie
        Elektronen, aber eine 207 mal grössere Masse. Sie kommen in der oberen
        Atmosphäre vor.

     NET:
        Next European Torus

     Pellet:
        Hohlkugel die Fusionspartner beinhaltet Plasma

     Stellerator:
        Ringförmige Anordnung von magnetischen Feldern für plasmaphysikalische
        Experimente

     Tokamak:
        Abkürzung für die russische Bezeichnung von Toroid - Kammer im Magnetfeld
        (Reaktor-Konzept)

     Tritium:
        Wasserstoffisotop

     Triton:
        Tritiumkern
 
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