Geschichte des Dorfes Schöneberg

                   (C)2001 Marvin C. Stahl

Das Dorf Schöneberg entstand höchstwahrscheinlich während der
Siedlungsbewegung zu Beginn des 13. Jahrhunderts an der von
Sachsen über den Spreepass Berlin-Cölln zur Ostsee führenden
Handelsstraße, der späteren Reichs- und heutigen Bundesstraße 1.
Urkundlich wurde das Dorf erstmals mit der Schenkungsurkunde
Markgraf Otto des III. vom 3. November 1264 erwähnt. 1375 wurde
der in Berlin ansässige Ritter Parays Grundherr in Schöneberg,
das damals aus 50 Hufen Ackerland (etwa  800 Hektar) mit 13
Kossätenhöfen und einem Krug bestand.

Im Jahr 1506 erwirbt Kurfürst Jochim I. das Dorf und unterstellt
es dem Amt Mühlendorf zu Berlin. 1537 ordnete Joachim II. das Amt
an, die Vorwerke und Schäfereien Schönebergs ?ordentlich und zweck-
mäßig' zu bewirtschaften. Die erste Karte Schönebergs wurde 1685
angefertigt.

1670 wurde an der Stelle des heutigen Kleistparks ein kurfürstlicher
Hopfen- und Küchengarten angelegt. 1679 befahl der Große Kurfürst
die Erweiterung seines Schöneberger Gartens zu einem kurfürstlichen
Mustergarten. Im Jahre 1718 unterstellte der sparsame ?Soldatenkönig",
den Garten der ?Socität der Wissenschaften", die sich an dessen Unter-
halt finanziell beteiligen musste. (Um 1815 entstand aus den umfang-
reichen botanischen Arbeiten C.L. Willdenows das königliche Herbar.

1879 wurde daraus das königliche Botanische Museum, in dem die ständig
wachsende Pflanzensammlung wissenschaftlich bearbeitet wurde. Der
Umzug des Botanischen Gartens auf den ehemaligen Kartoffelacker der
Domäne Dahlem war 1910 unter der Leitung von A. Engler abgeschlossen.)

Auf einem "wüsten Sandberg" nordöstlich des damaligen Dorfes
Schöneberg ließ Friedrich II. 1750 böhmische Weber- und
Spinnerfamilien ansiedeln, mit denen erstmals das Textilgewerbe in dem
Agrargebiet Einzug hielt, welches 140 Jahre später (1890) wieder
eingestellt wird, da zu dieser Zeit keine Weber mehr ansässig sind.
Nachdem 1751 zwanzig Kolonistenstellen für böhmische Auswanderer
angelegt wurden, entstand der Ort Neu-Schöneberg.

Während des 7-jährigen Krieges geht das Dorf Alt-Schöneberg am 7.
Oktober 1760 bei Kampfhandlungen zwischen russischen Streitkräften und
preußischen Regimentern in Flammen auf. Die Einwohner Alt-Schönebergs
fanden Aufnahme in Neu-Schöneberg und man entschloss sich ein Jahr
später, das abgebrannte Dorf mit 14 gleichen, freien Bauernstellen,
sieben Zinsbauern und ebenfalls sieben Kleinbauern wieder aufzubauen.
Der Wiederaufbau fand im Zeitraum von 1763 bis 1767 unter der Leitung
von C.C. Netcke statt. Das einzige erhaltene Baudenkmal aus dieser
Zeit ist die heute noch bestehende Dorfkirche in der Hauptstraße 48
nahe der Dominicusstraße.

1791 wird die Potsdamer Straße die erste gepflasterte Chaussee
Preußens. (Entwurf von C.H. Langhans, dem Erbauer des Brandenburger
Tores)

Der Bahnhof ?Schöneberg" wurde 1872 an der Tempelhofer Straße
eröffnet. 1874, drei Jahre nachdem Berlin Hauptstadt des Kaiserreichs
wurde, werden Alt- und Neu-Schöneberg vereinigt. Der Ort besaß zu
dieser Zeit etwa 7400 Einwohner. Der Schöneberger Ringbahnhof in der
Kolonnenstraße löst 1882 den Bahnhofs in der Tempelhofer Straße ab.

In den Jahren 1898 bis 1920 ist Schöneberg, das inzwischen etwa 75000
Einwohner hat, eine Zeit lang eine selbständige Stadt. Rudolph Wilde
wird zum ersten Bürgermeister Schönebergs gewählt. 1910 wird die
stadteigene U-Bahn auf der Strecke Nollendorfplatz - Innsbrucker Platz
eröffnet.

Im Jahre 1911 wählen die Schöneberger Alexander Dominicus zum ersten
Oberbürgermeister und am 1. Oktober des selben Jahres wurde eine
eigene Dieselmotoranlage zur Erzeugung elektrischen Stroms in Betrieb
genommen, was den Beginn des Baus des Rathauses aus finanziellen
Gründen um ein Jahr verschob.

In der Zeit von 1911 bis 1914 wird das Schöneberger Rathaus dann auf
dem ehemaligen Mühlenberg erbaut. 1920 werden Friedenau und Schöneberg
nach Groß-Berlin eingemeindet.

1933 wird Adolf Hitler Reichskanzler und es findet die letzte
Bezirksverordnetenversammlung in Schöneberg statt. Acht Jahre später
kommt es zu Massendeportationen Schöneberger Juden aus dem Bayerischen
Viertel und 1943 verkündet Goebbels im Sportpalast den ?totalen Krieg'

Im Jahre 1944 hält der Volksgerichtshof einen Teil seiner
Schauprozesse im ehemaligen preußischen Kammergericht in der Potsdamer
Straße, dem späteren Alliierten Kontrollratsgebäude, ab.

Nach dem Kriegsende 1945 ist etwa die Hälfte Schönebergs durch die
vorangegangenen Bombenangriffe und Kriegshandlungen zerstört. Nach dem
Abzug der russischen Truppen aus dem Bezirk übernimmt die
amerikanische Armee die Besatzungsmacht.

1946 finden die ersten freien Wahlen nach dem Krieg statt und 1949
wird das Rathaus Schöneberg zum Sitz der Berliner Regierung und des
Stadtparlaments. Ein Jahr später übergibt General Clay den Berlinern
im Namen der amerikanischen Nation die ?Freiheitsglocke', die im
Glockenturm des Schöneberger Rathauses aufgehängt wird.

1963 besucht der amerikanische Präsidenten John F. Kennedy Berlin und
hält seine legendäre Rede (?Ich bin ein Berliner") vor dem Rathaus
Schöneberg.

Der Regierende Bürgermeister verlässt 1991, kurz nach der
Wiedervereinigung beider deutscher Staaten, das Rathaus Schöneberg und
zieht in das Rote Rathaus in Berlin Mitte.

Zwei Jahre später verlässt das Abgeordnetenhaus ebenfalls das Rathaus
Schöneberg und zieht in den Preußischen Landtag


Quellennachweis


Literatur

Zwaka, Petra, ?Schöneberg auf dem Weg nach Berlin",
              Bezirksamt Schöneberg von Berlin, Berlin, 1987


Internet

Zentral- und Landesbibliothek Berlin
http://www.zlb.de/

Berlin Online
http://www.berlinonline.de/wissen/berlin_chronik/

Berlin Info
http://www.berlin-info.de/

Botanischer Garten
http://bgbm.fu-berlin.de/bgbm/

Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg
http://www.ekibb.com/adress/berlin/

Jens Henscher
http://www.henscher.de/berlin/berlin/

Berlin.De
http://www.berlin.de

Let the net work
http://www.letthenetwork.de/cat/links_berlin_geschichte.htm

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