Ungewöhnliche Eigenschaften
nichtidentifizierbarer Lichterscheinungen


Bericht von der Herbsttagung 1978 der Mufon-CES in der
Universitaet Tuebingen

Hrsg. Illo Brand
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[ab S.111]

 Abschnitt 5 -  Die Invasion der "Ghost Rockets" ueber
                Skandinavien im Jahr 1946

 von Dipl.-Ing Adolf Schneider

Bereits ein Jahr vor der historischen Sichtung des US-Piloten
Kenneth Arnold am 24.6.1947 tauchten ueber Norwegen, Schweden
und Finnland unbekannte Flugobjekte auf. Ihr Aussehen erinnerte
teilweise an dasjenige der deutschen V1- und V2-Raketen, die
gegen Ende des Krieges als letzte "Wunderwaffen. eingesetzt
worden waren. 1946 liefen Hunderte von Pressenotizen zum Thema
"Geisterraketen" ueber die Fernschreiber der Associated Press,
der United Press, der Agentur Reuter und der New York Times.
Erst in den vergangenen Jahren kamen Dokumente ans Tageslicht,
die frueher von schwedischen und britischen
Militaerdienststellen geheimgehalten wurden. Gemessen an der
Zahl der Beobachtungen muss die skandinavische "UFO-Welle"
durchaus als beachtenswert erscheinen und rangiert an zweiter
Stelle hinter der grossen UFO-Welle des Jahres 1952 in den
Vereinigten Staaten. Im Zeitraum von Ende Mai bis Anfang
Dezember 1946 sind allein der schwedischen Regierung 987
Berichte ueber UFOs zugeleitet worden. Die US-Luftwaffe dagegen
erhielt im folgenden Jahr 1947 lediglich 122 UFO-Meldungen. Erst
eine grUndliche Studie von Zeitungsberichten aus 93 Staedten,
wie sie der amerikanische UFO-Forscher Ted Bloecher
durchgefuehrt hat, lieferte fuer das Jahr 1947 immerhin 850
Berichte.

Schwedische Verteidigungs-Dienststellen nahmen die Beobachtungen
aus dem skandinavischen Raum durchaus ernst und hielten die
allerorts gesichteten zylinderfoermigen Objekte zunaechst fuer
russische Testraketen.

In einem Brief an das schwedische Oberkommando, der vom Leiter
einer Spezialorganisation zur Untersuchung der "Ghost Rocket"-
Berichte verfasst worden war, heisst es u.a.:

  "Aufgrund der zahlreichen Meldungen, die uns direkt von
  Zivilbeobachtern oder ueber die Massenmedien erreichten,
  sandte unser Buero am 12. Juni 1946 einen Aufruf an alle
  Militareinheiten sowie an die Militaerattaches in Norwegen und
  Daenemark. In dem schreiben wurden die Kommandeure
  aufgefordert, alle Sichtungen und Daten festzuhalten und an
  uns weiterzuleiten. Bis zum 8. Juli 1946 gab es etwa 30
  Meldungen, waehrend tags darauf fast 250 Berichte
  hereinstroemten. In der Juli-September-Periode dauerten die
  Sichtungen an und hatten am 11. August ein vorlaeufiges
  Maximum an Meldungen erreicht. Im Zeitraum von Oktober bis
  November flaute die Welle der Berichte ueber 'Geisterraketen'
  merklich ab. Die Gesamtzahl der uns bis 6.12.1946 zugegangenen
  Berichte belaeuft sich genau auf 987."

Das auf Initiative der schwedischen Luftfahrtbehoerde und des
Verteidigungsministeriums gebildete Forschungs-Komitee setzte
sich aus Fachleuten der Luftwaffe, der Zivilluftfahrt, des
Marine-Forschungsamtes und der Radarabwehr zusammen. Oberst
Bengt Jacobsson und sein Sekretaer, Ingenieur Kalmborg, leiteten
das Experten-Team, das am 1. Juli 1946 seine Arbeit aufnahm.
Major Carwall uebernahm zeitweise die Funktion dea Chairman, als
Jacobsson nach Amerika verreist war. Bis zum 1. Dezember hatte
das Komitee insgesamt 15 Sitzungen abgehalten. Damals wurden
auch ausfuehrliche Dokumente erstellt, so zum Beisplel ueber die
geographische Verteilung der Beobachtungen, die Zuverlaessigkeit
der einzelnen Zeugen und die Radarmessungen. Anfragen des
US-Journalisten Don Berliner bei der schwedischen Luftwaffe
ergaben, dass diese Dokumente heute noch als "Geheim" betrachtet
und daher nicht freigegeben werden.

Die ersten bedeutsamen Himmelsphaenomene aus dem skandinavischen
Raum meldete Radio Helsinki. Am 26. Februar 1946 sollen ueber
den noerdlichen Distrikten des Landes ungewoehnlich viele
Meteore gesehen worden sein. Einige Zeit spaeter, am 24. Mai,
kamen auch aus den noerdlichen Gebieten Schwedens Meldungen
ueber eine erhoehte Meteor-Aktivitaet.

Am Sonntag, den 9. Juni, verfolgten viele Leute ein
raketenartiges Geschoss ueber Helsinki, das ein helles Licht
ausstrahlte und eine Rauchfahne hinter sich herzog. In der Ferne
war ein tiefes Grollen zu hoeren, als das Objekt in einer Hoehe
von etwa 300 Metern in Richtung Suedwesten verschwand. Zehn
Minuten lang war noch das Nachgluehen der Flugspur am
naechtlichen Himmel zu sehen.

Bevor sich die Finnen von dem naechtlichen Spektakel erholt
hatten tauchte ueber Tammersfors in West-Finnland am
darauffolgenden Montag eine weitere "V2-aehnliche" Rakete auf.
Sie erschien in der gleichen Nacht noch einmal ueber Helsinki
mit Kurs in Richtung Suedosten. Ein Korrespondent der Londoner
"Daily Mail" schrieb, dass dieses Geschoss ein unidentifizierter
leuchtender Koerper war, der von einer hell leuchtenden Wolke
umgeben war. Das Objekt waere von der Baltischen See
hergekommen, haette eine Kurve gezogen und waere wieder
zurueckgeflogen.

Zwischen dem 9. und dem 11. Juli sind weitere sechs
Beobachtungen dieser Art gemeldet worden. Die nationale Presse
bezeichnete die gesichteten Flugkoerper teils als Raketen, teils
als Meteore. Eine bedeutende schwedische Tageszeitung hatte am
10. Juli festgestellt, dass in den vorangegangenen 24 Stunden
ueber ganz Schweden kugelfoermige, blaugruen leuchtende Objekte
mit gleichfarbiger Rueckstossflamme aufgetaucht waren. Nachdem
diese Gebilde mit hoher Geschwindigkeit den Himmel ueberquert
hatten, glaubte man zunaechst, es waeren Testraketen russischen
Ursprungs. Dieser Ansicht schloss sich die Zeitung "Aftonbladet"
an, die zugleich bestaetigte, dass bereits im Mai an die 10
Berichte sowohl aus Schweden als auch aus Finnland
bekanntgeworden waren. Wissenschaftler betonten gegenueber
Reportern nachdruecklich, dass es sich aufgrund der hohen Zahl
an Beobachtungen und des Flugverhaltens der Objekte eigentlich
nicht um Meteore gehandelt haben koenne, wie zuweilen berichtet
worden war. Eine russische Herkunft der kuenstlichen Flugkoerper
waere nicht auszuschliessen, zumal die "Raketen" aus
suedoestlicher Richtung auftauchten und dorthin wieder
verschwanden.

Die englische Zeitung "Manchester Guardian" brachte einen
Bericht, der zum ersten Mal auf Spuren einer abgestuerzten
Rakete hinwies. Das Objekt soll einige hundert Meilen an der
schwedischen Ostkueste entlanggeflogen und von verschiedenen
Orten, auch von Vorstaedten Stockholms aus, beobachtet worden
sein. In der Naehe von Sundsvall stuerzte es schliesslich
herunter und hinterliess im Kuestensand einen 25 cm tiefen und
etwa 90 cm breiten Krater. Badegaeste sammelten rund sieben
Pfund der schlackenartigen Ueberreste. Ein solches Fragment
schien Teil eines rund 2,5 cm dicken Zylinders gewesen zu sein.
Ein Militaerlabor wurde mit der Analyse beauftragt.

Von dort war auch zu erfahren, dass unter den Ueberresten sogar
ein Filmstueck gefunden wurde, das in Quadrate aufgeteilt zu
sein schien. Es ist jedoch anzunehmen, dass nicht alle der von
den Badegaesten aufgesammelten Teile tatsaechlich von der
mysterioesen Rakete stammten.

Die norwegische Zeitung "Aftenposten" brachte in ihrer Ausgabe
vom 20. Juli einen Bericht ueber eine Familie, die am Ufer des
Mijosa-Sees lebt. Einen Tag zuvor hoerten die Mitglieder dieser
Familie ein aussergewoehnliches Geraeusch, das von zwei
raketenartigen Flugkoerpern kam. Die Objekte hatten eine derart
hohe Geschwindigkeit und flogen so tief ueber ihre Koepfe, dass
sie sich instinktiv zu Boden warfen. Die erschreckten Leute
konnten sogar beobachten, wie die Baumwipfel von der starken
Druckwelle hin- und hergerissen wurden.

Sigvat Skaug und sein Sohn, die im Hof standen, waren etwa 50
Meter von dem Geschehen entfernt. Von ihrem Standort aus wirkten
die Objekte wie ehemalige V-1-Waffen, die sie schon auf Bildern
gesehen hatten. Die Laenge der Objekte schaetzten sie auf zwei
Meter. In der Mitte der Nasenspitze ragten Fluegel heraus, die
vielleicht einen Meter lang waren und im Fluge heftig
flatterten. Eine Raketenflamme wurde nicht beobachtet. Beide
Objekte flogen einen parallelen, parabolischen Kurs, wobei das
eine leicht zuruecklag. Einige Sekunden nachdem sie
vorbeigeflogen waren, tauchten beide "Raketen" gleichzeitig in
den Mijosa-See, der durch ihren Absturz bis zu einem Meter hoch
aufgewirbelt wurde.

Die Flugbahnen der seltsamen "Geisterraketen" waren weder mit
Meteorniedergaengen zu vergleichen, noch mit den ballistischen
Kurven der weitreichendep V-2. Die Objekte schienen eher
ferngesteuerte Projektile zu sein, die in geringer Hoehe zu
fliegen vermochten - aehnlich den heute entwickelten "Cruise
Missiles". Am 27. Juli beschlossen die schwedischen Generaele,
der Presse keine weiteren Sichtungsorte mehr bekanntzugeben. In
weniger als einem Monat hatten sie 500 Meldungen erhalten. Der
Korrespondent des Londoner "Daily Telegraph" kabelte an sein
Buero die Nachricht, dass seit dem 29. Juli auch die Norweger
mit der Nachrichten-Zensur begonnen haetten.

Dennoch gelangten immer wieder direkte Berichte an die Presse -
ein Beweis dafuer, dass die Zeit dieser Phaenomene noch lange
nicht vorbei war. So meldeten die Stockholmer Zeitungen, dass
silberne Projektile im noerdlichen Teil ihres Landes gesichtet
wurden. Die Flugkoerper, welche von mindestens acht Zeugen
gesehen wurden, flogen dicht ueber den Baumwipfeln. In der
"Dagens Nyeter" vom 2.8. stand ein Bericht ueber weitere zwei
solcher Flugkoerper, die aus dem Landesinnern gekommen und in
aussergewoehnlich niedriger Hoehe in Richtung Kueste geflogen
sein sollen. Als sie das Baltische Meer erreicht hatten,
explodierten sie in einem grellen gelb-weissen Blitz. Auch ueber
Daenemark wurden solche "Geisterraketen" gesehen, wie Zeitungen
am 3. August berichteten.

Die "Chicago Daily Tribune" publizierte am 4.8.46 eine Meldung,
nach der britische und amerikanische Geheimdienststellen zu der
Ansicht gekommen waren, dass die Russen das
Raketenabschussgelaende in Peenemuende wieder in Betrieb
genommen haetten. Diese Vermutung stand allerdings in krassem
Widerspruch zu der offiziellen Behauptung der Sowjets, diese
Testbasis laege immer noch in Truemmern.

Genauere Ueberpruefungen der Flugeigenschaften der ehemaligen
deutschen V-1 und V-2-Waffen zeigten im uebrigen, dass es sich
bei den ueber Skandinavien gesichteten "Geisterraketen" kaum um
Weiterentwicklungen durch russische Techniker gehandelt haben
duerfte. Die V-1 hatte eine Laenge von 8,2 m, eine
Fluegelspannweite von 5,3 m und einen Durchmesser von 90 cm.
Ihre maximale Geschwindigkeit lag bei 640 km/h und ihre
Reichweite bei 700 km. Die V-2 dagegen hatte eine Laenge von 14
m, einen Durchmesser von 1,7 m und an den
Stabilisierungsfluegeln eine Breite von 3,6 m. Die maximale
Steighoehe betrug 80 km bei einer Reichweite von 320 km. Die
Auftreffgeschwindigkeit nach einer Flugzeit von knapp 5 Minuten
lag bei 2900 km/h.

Die meisten "Geisterraketen" flogen voellig lautlos oder
verursachten nur geringe Geraeusche. Die V-1 dagegen verbreitete
einen Hoellenlarm, solange die Triebwerke eingeschaltet waren
und stiess nach Brennschluss sofort in steilem Winkel zu Boden.
Die Brennkammern der V-2 arbeiteten nur eine Minute waehrend des
Steigfluges, wobei die Rakete auf der Gipfelhoehe von 80 km
nicht zu sehen gewesen war. Beim Absturz zur Erde erreichte sie
Ueberschallgeschwindigkeit, so dass nur wenige Beobachter aus
grosser Entfernung die ballistische Flugkurve dieser
Raketenwaffe haetten verfolgen koennen.

Die historischen Quellen liefern keinerlei Hinweise, dass
russische Techniker in den Jahren 1945 und 1946 nach der
Einnahme des Versuchsgelaendes von Peenemuende irgendwelche
Probelaeufe oder Testfluege mit weiterentwickelten V-Waffen
durchgefuehrt hatten. Im Oktober 1946 wurden die gesamten
Fabrikanlagen einschliesslich der verbliebenen deutschen
Techniker - die meisten "Top-Experten" hatten sich rechtzeitig
vor Kriegsschluss zu den Amerikanern abgesetzt - in russische
Gebiete abtransportiert. Von dort starteten die V-2-Raketen erst
wieder im Oktober 1947.

Im uebrigen haetten auch die Reichweiten der V-Waffen nicht
ausgereicht, um die schwedischen oder norwegischen Gebiete zu
beschiessen. Stockholm liegt immerhin >600 Kilometer von
Peenemuende entfernt, ganz zu schweigen von den noch viel weiter
entfernten noerdlicheren Gebieten.

Dennoch bestand die Tatsache, dass die "Geisterraketen" stets
aus suedlicher bis oestlicher Richtung herangeflogen kamen. Sie
flogen jedoch in niedriger Hoehe und konnten auch Kurven
einschlagen. Der schwedische Verteidigungsminister gab am 6.
August 1946 in einem Kommunique bekannt, dass eines der Objekte
in den Overkalix-See gestuerzt war und dass der Luftwaffe allein
in den Tagen zwischen dem 9. und 12. Juli dreihundert Sichtungen
gemeldet wurden. Unter den Beobachtern waren zum Teil auch
Wissenschaftler, deren Aussagen sehr ernst genommen wurden. So
erwaehnte die "New York Times" vom 11.8.1946 den Bericht eines
Astronomen und Meteorologen. Der Wissenschaftler schrieb u.a.:

  "Ich untersuchte einige Wolkenstrukturen am Himmel, als
  ploetzlich ein leuchtender Punkt am Horizont auftauchte.
  Zunaechst dachte ich an ein Flugzeug, was aber wegen der
  enormen Geschwindigkeit nicht stimmen konnte. Der Flugkoerper
  hatte eine Laenge von mindestens 30 Metern, sah torpedofoermig
  aus und glaenzte metallisch. Obwohl er nicht weiter als zwei
  Kilometer entfernt schien, war keinerlei Geraeusch zu hoeren.
  Ploetzlich explodierte der Apparat, wobei ein derart heller
  Lichtblitz hervorschoss, dass ich momentan total geblendet
  war. Danach war nirgendwo ein Feuer oder eine Rauchsaeule zu
  sehen."

Ein Offizier der schwedischen Armee beobachtete in der Nacht des
11. August 1946 ein zigarrenfoermiges Objekt, das sehr schnell
in geringer Hoehe ueber den Himmel zog. Der Apparat schien etwa
20 Meter lang zu sein, hatte eine weisse Seitenfront und eine
gruene Spitze.

Ein Aufklaerungsflugzeug der schwedischen Luftwaffe soll sogar
am 13.8.1946 von einer "Geister-Rakete" gestreift worden sein,
warauf die Maschine mitsamt der 3-Mann-Besatzung abgestuerzt
sein soll. In dem kurzen Militaerbericht heisst es u.a., dass
die Crew noch ueber Funk die Annaeherung des Flugkoerpers
gemeldet haette. Doch wenig spaeter war der Kontakt
unterbrochen, und Sekunden darauf hoerte man eine starke
Explosion aus dem fraglichen Gebiet.

Aufgrund der wachsenden Verunsicherung von Militaer und
Bevoelkerung entschloss sich der schwedische Ministerpraesident,
eine oeffentliche Protestnote bekanntzugeben. Darin wurde eine
unbekannte auslaendische Macht der staendigen Hoheitsverletzung
des schwedischen Luftraumes angeklagt.

Dean Acheson, Unterstaatssekretaer in Washington, zeigte sich
persoenlich sehr interessiert an dem Phaenomen der "Geister-
Raketen". Wie die "New York Times" vom 14.8.46 berichtete, hatte
die schwedische Regierung jedoch keine amerikanische
Unterstuetzung bei der Aufklaerung der Erscheinungen
angefordert.

Die Berichte nahmen indes weiter zu. So wurde am 16.8.1946 ein
mysterioeser Flugkoerper ueber Malmoe in Schweden beobachtet,
durch dessen Luftdruckwelle eine groessere Zahl von
Fensterscheiben zerbarst. Ein Untersuchungsteam versuchte, die
kleinen Fragmente aufzulesen, die von dor explodierten Rakete
niedergefallen waren.

Am selben Tag erlebten die Einwohner der finnischen
Industriestadt Tampere eine aehnliche Explosion. Am Himmel war
eine dunkelgraue Rauchsaeule zu sehen gewesen, aus der momentan
eine arm-aehnliche Struktur zum Vorschein gekommen war.

Im Rahmen eines Presseinterviews wurde auch der bekannte
schwedische Wissenschaftler Dr. Ragnar Woxen zum Phaenomen
dieser "Geister-Raketen" befragt. Er bestaetigte, dass einige
solcher Objekte in schwedische Seen gefallen waeren.

Am 21. August 1946 trafen die US-Generaele Doolittle und Sarnoff
in Schweden ein, um die Fragen der "Ghost Rockets" mit den
schwedischen Fachleuten und Politikern zu eroertern. Hierbei
wurde bekannt, dass diese Objekte in vielen Faellen auch auf dem
Radarschirm zu sehen gewesen waren. Auf dieser Tagung kamen auch
neue Messverfahren zur Diskussion, wie die "New York Times" vom
22.8.46 berichtete. Ob und wann diese Methoden eingesetzt werden
sollten, war nicht zu erfahren.

Ein Korrespondent des "Christian Science Monitor" schrieb am
22.August 1946, dass inzwischen nicht nur die Sichtungsorte,
sondern auch die Berichte selbst einer strengen Geheimhaltung
unterlaegen. Einen Tag spaeter gab das britische
Aussenministerium zu, dass sich englische Radarexperten in
Schweden aufgehalten haetten mit dem Auftrag, die
"Geister-Raketen" zu untersuchen. Sie waeren inzwischen
zurueckbeordert worden, um Informationen ueber den Ursprung der
Objekte zu liefern. Die Berichte waeren jedoch geheim und
koennten nicht veroeffentlicht werden.

Dass die "Raketen-Invasion" keineswegs auf Skandinavien
beschraenkt war, zeigen die Berichte aus anderen Teilen Europas:

Ende Juli/Anfang August desselben Jahres will der griechische
Kuenstler Amphistion Moslionos aus Athen ueber Pountes auf der
Insel Samos einen seltsamen Flugkoerper beobachtet haben. Etwa
gegen 9 Uhr abends wurde er durch einen birnen- oder
tropfenfoermigen Apparat aufgeschreckt, der sehr langsam ueber
den Himmel zog. Das Objekt leuchtete in einer hellen orangen
Farbe und verursachte ein Geraeusch wie Wind, der durch die
Baeume rauscht. Die Flugbahn verlief von Nordosten nach
Suedwesten, und die gesamte Beobachtungszeit betrug rund 15
Minuten (Karajas 1979).

Die "New York Times" meldete, dass in der Nacht vom 1. zum 2.
September 1946 auch ueber Griechenland unbekannte Raketen
gesichtet worden waren. Der amtierende griechische
Aussenminister erzaehlte bei einem Besuch in London, dass er
diese Informationen von seinem Premier Konstantin Tsaldaris habe
und bereits Untersuchungen im Gange waeren. Griechische
Divisions-Kommandeure und britische Offiziere haetten oestlich
bzw. westlich von Saloniki merkwuerdige Raketen beobachtet, die
von Norden nach Sueden gezogen waren. In der gleichen Nacht
waren aehnliche Berichte aus der 130 km nordoestlich von
Saloniki gelegenen Ortschaft Drama nahe der balgarischen Grenze
eingetroffen. Die Flughoehen wurden auf 15.000 bis 30.000 Fuss
geschaetzt.

Am folgenden Tag brachten die "New York Times" und der
"Manchester Guardian" Meldungen, die weniger mysterioes klangen.
Die britische Botschaft hatte abgestritten, dass Offiziere ihrer
Truppen bei Saloniki aussergewoehnliche Beobachtungen gemacht
haetten. Zwar haette der britische Konsul in Saloniki in der
fraglichen Nacht ein merkwuerdiges Licht am Himmel beobachtet,
das aber wegen der Naehe zum Boden auch ein Feuerwerk haette
gewesen sein koennen.

Ein Reporter der "Chicago Tribune" wollte dagegen Genaueres
erfahren haben. Es sollten insgesamt vier Raketen gewesen sein,
die Griechenland ueberflogen hatten. Eine Rakete ware ueber
Saloniki in 5000 Fuss Hoehe geflogen und ins Meer gefallen. Die
anderen waren ueber den Bergen Belles und Pailken, in Mazedonien
in der Naehe der griechisch-jugoslawischen und bulgarischen
Grenze, und ueber der Stadt Katharini in der Naehe von Larissa
gesehen worden.

Hell leuchtende Projektile tauchten in den folgenden
Septembertagen auch ueber Srinagar/Kashmir, Nancy/Frankreich,
Alemtejo und Castanheira in Portugal sowie ueber Tanger und Fez
Para in Nordafrika auf.

Am 8. September 1946 publizierte der "Daily Telegraph" ein
erstes Foto eines herabstuerzenden Flugobjektes. Der
Amateurfotograf Erik Reuterswaerd hatte den Schnappschuss auf
einer Insel in der Naehe Stockholms gemacht und den entwickelten
Filmstreifen an den schwedischen Generalstab geschickt, der das
Negativ an den Londoner "Daily Telegraph" weitergab.
Superempfindliche Entwicklungsverfahren, die von den Schweden
und anderen alliierten Experten eingesetzt wurden, ergaben die
ueberraschende Tatsache, dass sich in der Mitte der laenglichen
kometenartigen Plasmazone ein Projektil befand. Das war insofern
erstaunlich, als sich bei ueblichen Raketen oder
herabstuerzenden Meteoren eine eventuelle Plasmaschleppe stets
hinter dem Flugkoerper aufbaut (sog. Re-Entry-Phaenomen).

Die leuchtenden Gase, die sich vor dem Flugkoerper befanden,
deuten auf die Einwirkung eines starken Feldes hin, das zugleich
einen laminaren und relativ geraeuschlosen Flug zu ermoeglichen
schien. Bereits Wochen zuvor hatten Wissenschaftler im "Daily
Telegraph" die Ansicht vertreten, dass die "Geister-Raketen" ein
neuartiges Antriebsprinzip ausnutzten. Dr. Manne Siegbahn, ein
damals 59 Jahre alter schwedischer Kernphysiker, meinte dagegen
am 17. September 1946 in der "New York Times", dass es noch
keine klaren Indizien dafuer gebe, dass tatsaechlich kuenstliche
Flugkoerper ueber Schweden aufgetaucht waren. Er waere selbst
einem solchen Bericht nachgegangen und haette schliesslich nur
Hinweise auf einen Meteorniedergang gefunden. Seiner Ansicht
nach waere bei den Presseberichten auch viel "Hysterie" mit im
Spiele gewesen.

Vam 22. bis 24, September 1946 tauchten die "Raketen", "Meteore
oder sonstigen Objekte "hysterischer Einbildung" auch ueber
zahlreichen Staedten Italiens auf. Aus Rom, Turin, Bologna,
Vercolli, Modena, Imola, Florenz, Neapel und Bari kamen
gleichlautende Meldungen. Eine solche Rakete, die ueber Florenz
boobachtet worden war, sollte sogar eindeutig ihre Flugrichtung
gewechselt haben. Aufgrund der Massenbeobachtungen ordnete die
italienische Regierung eine sofortige Untersuchung an.

Mehrere hundert Zeugen sollen am 26. September 1946 ueber der
zentralfinnischen Stadt Jyvaskla eine "Geister-Rakete" auf ihrem
Flug von Suedost nach Nordwest beobachtet haben. Ihre Flughoehe
wurde auf 15 Meilen geschaetzt. Auffallend waren die langsame
Geschwindigkeit des Projektils sowie die verschiedenfarbigen
FIammen, die jeweils in der Folge mehrfacher Explosionen
ausgestossen wurden. Zunaechst sah man nur ein mattes Rot, das
nach einer Reihe weiterer Explosionen zu einem gluehenden Orange
wechselte, um schliesslich beim Absturz des Projektils in ein
gleissend-weisses blitzartiges Licht ueberzugehen. Nach jeder
kleinen Explosion schien die Geschwindigkeit des Apparates
ruckartig anzuwachsen, bis endlich die Rakete in einer letzten
Explosion zerrissen wurde. Truemmer von schaetzungsweise 10 bis
15 Tonnen Gesamtgewicht wurden in alle Richtungen geschleudert.

Im Hinblick auf derartige Augenzeugenberichte meinte der
Journalist Marquis Childs, dass die "Ghost Rockets" wohl das
bedeutendste ungeloeste Raetsel des Nachkriegs-Europas waeren,
zumal die Berichte teilweise aus ganz verschiedenen Laendern
kaemen.

Am 3. Oktober 1946 beschuldigten die Russen in ihrem Magazin
"New Times" die westlichen Presseorgane, ungerechtfertigte
Geruechte ueber Raketenversuche im besetzten Ostdeutschland zu
verbreiten. Der Reuter-Nachrichtendienst hatte am 22. August
versichert, dass die Russen eifrig an der Weiterentwicklung der
deutschen V-2 arbeiteten und ein noch groesseres Modell, die
V-4, in Arbeit haetten.

Dass die westlichen Geheimdienste und Presse-Berichterstatter
genug Grund zur Beunruhigung fanden, war verstaendlich. Immerhin
hatten es die Sowjets strikt abgelehnt, den Alliierten freien
Zutritt zur russisch besetzten Zone zu erlauben. Tatsaechlich
jedoch schienen die Russen ueber die Meldungen von
"Geister-Raketen"-Sichtungen genauso ueberrascht zu
sein wie die Westeuropaer.

Ossian Goulding, Journalist des Londoner "Daily Telegraph",
erfuhr von einem Mitglied der schwedischen kommunistischen
Partei, dass er selbst und seine Gefolgsleute aus Russland die
Anweisung erhalten hatten, ueber die offiziellen Parteikanaele
alle Details ueber die "Ghost Rocket"-Berichte zu sammeln.
Genaue Zeugenberichte, persoenliche Beobachtungen, Angaben ueber
Zeit, Richtung, Hoehe, Geschwindigkeit und ganz besonders
irgendwelche Hinweise auf Abstuerze oder Landungen waeren
unverzueglich weiterzuleiten gewesen.

Am 10. Oktober 1946 brachte das schwedische
Verteidigungsministerium nach einer laengeren Pause eine
offizielle Verlautbarung heraus, die u.a. von der Londoner
"Times~ verbreitet wurde. Der Text lautete: "Stockholm, 10.
Oktober. Das schwedische Verteidigungsministerium hat einen
Bericht veroeffentlicht, aus dem hervorgeht, dass die Mehrzahl
der raketenartigen Objekte, die vom 1.Mai bis 30.September ueber
Schweden gesehen worden waren, nichts weiter als normale
Himmelsphaenomene gewesen waeren. Zu dieser Schlussfolgerung war
ein Team von Wissenschaftlern gelangt, das an die tausend
Beobachtungen ueberprueft und die Flugrouten der Objekte
ausgewertet hatte. Einige der berichteten Apparate sind zwar
nicht identifiziert worden, doch liess sich kein Hinweis dafuer
finden, dass es sich hier um neuartige V-Bomben oder andere
Arten von Raketenprojektilen gehandelt haben koenne."

Die meisten Augenzeugenberichte erwiesen sich als recht ungenau
und vage und konnten daher nur mit grosser Skepsis bewertet
werden. In einigen Faellen waren jedoch unzweifelhaft
Beobachtungen zu verzeichnen, die weder als ein natuerliches
Phaenomen, noch als schwedische Flugzeuge oder gar als blosse
Einbildung seitens der Zeugen einzuordnen gewesen waeren. Echo-
und Radarmessungen vermochten keine eindeutigen Aufschluesse
ueber Art und Herkunft der Objekte zu liefern. Fragmente, die
vereinzelt gefunden worden waren und von den Flugmaschinen
heruntergefallen sein sollten, hatten sich als normale Schlacke
oder Koks erwiesen.

Bis zum Fruehjahr 1947 sind keine diesbezueglichen Berichte mehr
in Europa aufgetaucht. Am 22.3.1947 brachte die "New York Times"
erstmals wieder eine Meldung unter der Schlagzeile: "Rueckkehr
der Phantombomben ueber schwedischem Himmel": Ein 20 Meter
langes, silbernes Torpado soll ueber Suedschweden gesichtet
worden sein. Es zog einen Kondens- oder Rauchstreifen hinter
sich her der noch lange sichtbar blieb. So war auch klar zu
erkennen, wie der Flugkoerper nach einem laengeren Geradeausflug
pioetzlich um 180 Grad wendete und in der urspruenglichen
Richtung zurueckflog.

Im Juni 1947 berichteten die Zeitungen ueber rund 50
Beobachtungen silberner kugelfoermiger Objekte, die am Himmel
ueber Ungarn erschienen sein sollten. Diese Gebilde erinnerten
an die Berichte ueber "Foo-Fighters" oder "Kraut-Baelle", die
von deutschen und alliierten Piloten waehrend des Zweiten
Weltkrieges gesehen worden waren.

Auch heute noch bleibt die Frage ungeloest, ob es sich bei all
diesen Beobachtungen letztendlich um ein gemeinsames Phaenomen
handelt, das sich [bezogen auf die Luftschiff-Welle des 19.
Jahrhunderts] zu gewissen Zeiten als "Luftschiff" manifestiert
- wenige Jahre vor dem Bau der ersten echten Luftschiffe - oder
als "Geister-Flugzeug" - kurze Zeit vor dem Flug der ersten
Grossflugzeuge, - oder als "Foo-Fighter" und "Ghost Rocket" -
Jahrzehnte vor dem Bau der ferngelenkten, automatisch
gesteuerten "Cruise Missiles". Koennte es sein, dass die seit
1947 gesichteten untertassenfoermigen Apparate bildhafte
Vorboten einer Technologie sind, die erst unsere kommenden
Generationen in wenigen Jahrzehnten beherrschen werden ? Auf
welche Weise jedoch kuenftige Entwicklungen in die unmittelbare
Vergangenheit zurueckprojiziert werden sollten, bleibt eine
ungeloeste Frage (Gross 1974, Clark/Farish 1974, Berliner 1976).

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Lit.:
Berliner, D., 1976: The Ghost Rockets of Sweden. Official Ufo,
                    October, p.30-31, 60-64
Clark/Farish 1974: "The Ghost Rockets of 1946". Saga's Ufo
                   Report, Fall, p.24-27, 62-64
Gross, L.E., 1974: The Mistery of the Ghost Rockets. Fremont,
                   Cal.
Karajas, Q., 1979: Greek Ufo Miscellany, Flying Saucer Review

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