(von lat. satura (lanx) = die mit verschiedenen Früchten gefüllte
Opferschale, allgemein auch durch allerlei Gemenge)
Die Satire bezeichnet eine Kunstform, die sich an einer Norm orientiert
und auf indirekt-ästhetische Weise Missstände, besondere Ereignisse und
Personen in der Literatur, im Bild und heute auch in Film und
Fernsehen
verspottet. Stets lebt die Satire aus der Diskrepanz
zwischen Ideal und
Wirklichkeit und kann als die in ästhetischer Form
versuchte Gestaltung
und Kritik des Normwidrigen definiert werden.
Sie trifft in allen literarischen Gattungen auf - im Gedicht ebenso in
Erzählungen, Roman und Drama - und erscheint je nach Absicht des
Ver-
fassers in unterschiedlichen Tonlagen: Sie kann liebenswürdig,
humorvoll,
komisch, aber auch ironisch, zornig, und scharfzüngig-bissig
sein, ent-
sprechend der Schillerschen Unterscheidung zwischen "lachender"
und
"strafender " Satire.
Ursprünge der Satire reichen bereits in die ägyptische und griechische
Literatur zurück. Sie finden sich z.B. beim Athener Lustspieldichter
Aristophanes (um 445-385 v.Chr.). Einen ersten Höhepunkt erreichte die
Satire in vielfältigen Ausprägungen der römischen Dichtungen, z.B. bei
Lucilius (um 130 v.Chr.), Horaz (65-8 v.Chr.), Phaedrus (im 1.Jh. n.
Chr.),
Martial (um 40 - etwa 104 n.Chr.) und Juvenal (um 50 - etwa 130
n. Chr.).
Peter Mettenleiter/Stephan Knöbl: Blickfeld Deutsch; Verlag Ferdinand Schönongh; S. 61